Test
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31.07.2020

Praxis

Vielfältige mitgelieferte Sounds

Das 2Box DrumIt Five MkII bietet pro Kit-Bank 100 Slots, von denen bei Auslieferung 75 mit Factory Kits belegt sind. Die Library zeigt eine sehr große klangliche Bandbreite zwischen verhältnismäßig naturbelassenen, stark bearbeiteten, trockenen und räumlichen Sounds und hat auch eine Auswahl an Percussion-Instrumenten und synthetischen/hybriden Klängen im Programm. Vor allem einige natürlichere Kits gefallen mir persönlich ausgesprochen gut. Allgemein bemerkt man durchaus, dass akustische Instrumente extrem detailliert und mit einer großen Anzahl von Velocity-Zonen gesampelt wurden. Die Dynamik beim Spiel auf den Pads wird folglich auf einem sehr hohen Niveau umgesetzt, und das ist ein wirklich dicker Pluspunkt – einen vergleichbaren Detailgrad findet man ansonsten nur bei wesentlich teureren Modulen wie z.B. dem Pearl Mimic Pro oder auch dem GEWA G9, zu dem unser Test momentan ansteht.

Eine Kehrseite der großen klanglichen Bandbreite ist, dass sich die Instrumente aus unterschiedlichen Kits nicht immer ganz frei miteinander kombinieren lassen. Gerade weil der Raumanteil bzw. Hall der Instrumente nicht von einem regelbaren Effektprozessor oder zusätzlichen Raumkanälen kommt, sondern in den Samples liegt, ist hier ein nachträgliches Angleichen nicht möglich, was natürlich auf Kosten der klanglichen Geschlossenheit geht. Allgemein sind die Möglichkeiten zur Klangbearbeitung im DrumIt Five MkII sehr gering und nur ein 3-Band-EQ mit parametrischen Mitten sowie ein Delay/Flanger sind vorhanden. Gerade wenn man mehrere Kanäle an ein Mischpult schickt, wird dies aber kaum zum Problem. Neben den hier zu hörenden Sounds sind übrigens noch über 300 Loops und 38 durchaus gut gemachte Playalong-Tracks im Modul gespeichert.

Im folgenden Video ist die Aufnahmesession der obigen Audiobeispiele zu sehen. Die verwendeten Pads stammen von dem mittlerweile nicht mehr erhältlichen DrumIt Five Komplettset, das ich über viele Jahre hinweg bei Musicalshows und in Theatern gespielt habe, wenn ein kräftiger Rocksound bei möglichst geringer Lautstärke gefragt war.

Übrigens waren wir auch schon beim Sampling eines Sonor SQ1 Drumsets für die Library des DrumIt Five MkII zu Gast. Den zugehörigen Artikel gibt es hier:

Import von Multilayer-Samples

Das meiner Meinung nach größte Highlight des DrumIt Five MkII ist die offene Soundarchitektur, die es erlaubt, echte Multilayer-Samples mit bis zu 128 Velocity-Zonen in das Modul zu importieren. Der Speicherplatz auf der 32 GB fassenden SD-Card ist bei Auslieferung zu 48 % belegt, was auch ohne eine zusätzliche Karte erfreulich viel Spielraum für weitere Sounds lässt, die man entweder von der Herstellerseite herunterladen oder auch selbst mit dem DrumIt Editor in das Format des Moduls bringen kann. Ob man sich nun bei den großen kommerziellen Drum Libraries bedient, sein eigenes akustisches Drumset sampelt oder irgendwelche anderen Instrumente verwenden will – die Möglichkeiten sind nahezu endlos und der Punkt, dass man solche Sounds ohne Rechner und Audiointerface mit einem so hohen Detailgrad auf die Bühne bringen kann, spricht eindeutig für sich.

Zum Importieren eigener Samples wird der der DrumIt Editor ganz einfach mit den einzelnen Audiofiles (WAV, 24 Bit/44,1 kHz) gefüttert. Die Anordnung der Velocity-Zonen läuft automatisch und basiert auf den Spitzenpegeln der Sounds. Auf Knopfdruck wird in kurzer Zeit eine Datei im Format des Moduls erzeugt, die darauf von Hand auf die SD-Card kopiert werden kann. Wesentlich komplexer ist natürlich der Prozess, die einzelnen Samples überhaupt erst zu erzeugen. Wer zum Beispiel Instrumente aus dem Toontrack Superior Drummer 3 importieren möchte, der muss die vielen einzelnen Schnipsel pro Trommel oder Becken zunächst selbst in einer DAW-Software rendern, sauber schneiden und als WAV-Datei exportieren. Beachten sollte man dabei, dass man sich im Moment des Samplings für einen Drum-Mix entscheidet und mögliche Raum- oder Effektkanäle in die Direktkanäle mit eingerechnet werden. Ein Pluspunkt ist dabei natürlich, dass der bei großen Libraries enorme Speicherbedarf stark abnimmt. Der gesamte Vorgang wird auf der Herstellerseite ausführlich mit Videotutorial gezeigt.

Sobald die eigenen Samples in das 2Box-Format gebracht und auf die SD-Card kopiert wurden, bietet es sich an, den DrumIt Editor auch zum Verwalten der Kits zu nutzen. Die Bedienoberfläche am Bildschirm eines Rechners ist nun einmal wesentlich übersichtlicher als das kleine LCD des Moduls. Wer dabei mit den 100 Speicherplätzen einer Kit-Bank an eine Grenze stößt, der kann eine weitere erzeugen, indem er die zugehörige Datei auf der SD-Card dupliziert und beim Start des Moduls über eine Tastenkombination ein Auswahlmenü aufruft. Dies kann übrigens auch ein Workaround sein, um eine ansonsten nicht vorhandene Setlistenfunktion umzusetzen.

Latenzwerte vollkommen in Ordnung

Schon alleine durch die Wandlung eines digitalen Signals in ein analoges Signal entsteht bei allen elektronischen Instrumenten eine geringe Verzögerung, die als Latenz bezeichnet wird. Zusätzlich muss das Modul aber natürlich auch noch die Eingangssignale aus den Pads auswerten und die zugehörigen Sounds abspielen, und auch das dauert einige Millisekunden, die sich in ungünstigen Fällen durch ein etwas indirektes Spielgefühl bemerkbar machen.

Eine Messung bescheinigte dem DrumIt Five MkII eine Latenz von etwa 6 ms, womit es tatsächlich etwas langsamer reagiert als das DrumIt Three, das mit blitzschnellen 4 ms an den Start geht. Das Modul reagiert aber trotzdem noch sehr direkt. Problematisch würde es im Bereich ab 10 ms aufwärts. Zur Veranschaulichung: Schall breitet sich in der Luft innerhalb von 6 ms um etwa zwei Meter aus.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • offene Soundarchitektur und nahezu grenzenlose klangliche Möglichkeiten
  • 
universelles Trigger-Interface mit Kompatibilität zu vielen gängigen Drumpads
  • 
frei zugänglicher Card-Slot
  • 
gute Latenzwerte
  • 
vielseitige und detaillierte Library

  • Import von Multisamples mit bis zu 128 Velocity-Zonen
  • 
Ersatz für ein System aus E-Drums, Rechner und Audiointerface

  • kein USB-Port

  • kein Mute für Line-Outs
teils
  • zeitaufwändige und komplizierte Einrichtung (v.a. Hi-Hat-Pads

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