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09.03.2020

2getheraudio CL4P Maker, K1CK Synth und SN4RE Drum Test

Instrument-Plugin

Kicks, Snares, Claps ´n Hatz!

2getheraudio, ehemals BigTick, ist ein feiner Hersteller von Soft-Synths und außerdem mit einer interessanten Philosophie hinsichtlich des Bezahlprozesses gesegnet: Gebt was ihr wollt und 10 % davon gehen an verschiedene gemeinnützige Organisationen – zum Kampf gegen Krebs oder zur Unterstützung von Mensch, Natur oder Tier. Löblich!

Zwar gilt es, ein Minimum von 10 USD abzugeben – aber wollen wir mal nicht kleinlich sein: Freeware wie die Cheeze Machine 2 oder Ticky Clav bleiben nach wie vor komplett kostenlos und sind trotzdem richtig gut. Wie gut nun aber die drei Klangerzeuger CL4P Maker, K1CK Synth und SN4RE Drum abschneiden, das klären wir im Folgenden.

Details

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2getheraudio liefert mit CL4P Maker, K1CK Synth und SN4RE Drum drei ziemlich fokussierte Softwareinstrumente ab, die trotz sperriger Zahlenspielerei schnell klar machen, worum es geht: die Erzeugung von Kicks, Snares und Claps. Und das tun sie mit einer Mischung aus Sampling und Synthese – fehlt nur noch Blech, wenn ihr mich fragt.

Sn4re Drum Sampler/Synth

Sn4Re Drum ist der neuste Streich von 2getheraudio und genau wie K1CK Synth und CL4P Maker als ein eigenständiges Instrument zu werten. Es bietet reichlich Presets, überwiegend elektronischer Art, und lässt sich auf der SIMPLE Page besonders zügig und effektiv anpassen.

Wo genau das Sampling anfängt, die Synthes aufhören oder die Effekte einzusetzen vermögen, kann ich zwar nicht zu 100 % nachvollziehen, doch ist das praktisch eigentlich egal. Die übergeordnete Bedienung geht jedenfalls äußerst schnell und pragmatisch vonstatten und die mitgelieferten Sounds unterscheiden sich um mehr als nur Nuancen – das ist schon mal gut!

Ein Klick auf Expert offenbart allerdings noch mehr Parameter bzw. Bereiche. Unterteilt sind diese in die folgenden Sektionen: Character, Snare Modeling, Dynamics, Effects und Space.

Instant Snares extrem schnell angepasst

34 Parameter stehen damit insgesamt Auswahl. Als Grundlage dienen Samples, an die man nicht weiter nicht herankommt. Eigene Samples lassen sich aber leider auch nicht laden. Als Library oder Rompler würde ich das Plugin dennoch nicht bezeichnen wollen, zumal es auf der Platte nur 53 MB in Anspruch nimmt. Die Bearbeitungsmöglichkeiten gehen nämlich weit über normales Sample-Bending hinaus.

CHARACTER beispielsweise formt den Grundsound der Snares erheblich, bevor er unter DYNAMICS zusätzlich komprimiert (Squash und Punch) und hard bzw. soft gesättigt werden kann. EFFECTS-seitig gibt es dann einen Bit-Crusher, einen Decimator, einen Low- sowie einen High-Pass – alle mit jeweils einem Parameter. Anschließend geht es in den SPACE, der einen Booth, Room und Plate Reverb Sound bietet und final außerdem eine optionale Limiter-Behandlung bereithält.

Dickes Plus: Einen Random-Parameter gibt es ebenfalls, der aber nicht super drastisch ausfällt, sondern eher für das gefühlvolle Variieren des Klanges gedacht ist, also in dir Richtung „humanize“ geht. Ebenfalls gut und im Interesse aller Trapper: Das Key-Tracking lässt sich enablen, sodass Snares auch tonal spielbar werden – skrrt, skrrt! 

Der einzig merkwürdige Umstand – und das werden wir auch noch bei den anderen beiden Plugins in Teilen sehen – ist, dass die beiden „großen“ Parameter TUNING und DAMPING der Simple Page nicht als Makro-Regler der Expert-Page erkennbar sind. Möchte man sie verändern, muss man wieder von Expert auf Simple zurückschalten. Das ist nicht ideal, es lässt sich aber dennoch damit arbeiten.

K1CK Synth

Kommen wir zum wichtigsten Instrument überhaupt, der Kick. Wie uns der Zusatz verrät, wird mit Synthese gearbeitet – allerdings werden hier erneut minimale Samples verwendet, zumindest in der ATTACK-Phase. Der Übergang ist auch wieder fließend und in seiner Realisation durchaus interessant, aber in der Praxis nicht wirklich relevant.

Ein technischer Sachverhalt fällt mir direkt auf: Wo die Sn4Re verschieden Reverbs bietet, gibt es bei dem K1Ck Synth nun unterschiedliche MICS zur Auswahl: Shure Beta 52, AKG D112 und Audix D6, wenn man die Bildchen richtig deutet. Es liegt nahe, dass es sich in beiden Fällen um Impulsantworten handelt. Die EFFECTS-Abteilung ist indes zu 100 % identisch: Bit-Crusher und Decimator sowie Low- und ein High-Pass laden zum Verfremden ein, genau wie der optionale und finaler Limiter.

K1Ck bietet natürlich auch Compression an, hier nun aber in den Geschmacksrichtungen Squash und Punch. Den Drive-Effekt gibt es als Diode und Fold-Flavour. Zusätzliche Regler für Attack und Character runden die Simple-Page ab, alles zusammengefasst unter der Headline KICK SHAPING. Attack ist übrigens kein Transient-Designer, wie man vielleicht vermuten mag, sondern mischt lediglich das Attack-Sample hinzu und ist damit baugleich zum Level-Regler im aufgeklappten „Expert-Mode“. 

Beim großen Character-Regler verhält es sich ähnlich wie bei der Snare: Er ist als eigenständig zu werten und somit sonderbarerweise nicht als Makro der Expert-Page erkennbar. Klanglich lässt sich sein Effekt aber in etwa so erklären: Bend wird größer und Decay kürzer, wenn man ihn auf „tight“ dreht.

Die Expert-Page offenbart uns hier die beiden zunächst komplett versteckten Sektionen OSCILLATOR und ATTACK, wobei es sich bei Ersterem klar um einen Synth handelt. Beim Attack lässt sich hingegen aus 110 verschiedenen Sample-Varianten üppig wählen. Dessen Tune, Hold und Decay können dort ebenfalls modifiziert werden. Der Synth bietet wiederum klassisches Pitch Envelope inklusive Tune, Bend, Hold, Decay und Curve sowie einen Amp Envelope mit Attack, Hold, Decay und Curve. Im Übrigen lässt sich auch die Kick tonal spielen, wenn man die entsprechende Key-Track-Funktion aktiviert.

Fun Fact: Der K1Ck Synth beinhaltet auch die ein oder andere Clap, Hihat oder so mach einen Snare-Sound – genauso wie SN4R und CL4P den ein oder anderen Percussion-Sound à la Maracas enthalten.

Clapperts?

Last but not least folgt der CL4P Maker, der ganz einfach erklärt ist: Es gibt einen Knackgenerator und eine Noisequelle – Effekte drauf, fertig. Noise ist dabei mit vielen Parametern anpassbar und mit dem Knack mischbar. Es folgt ein exklusiver Spread-Effekt, mit dem alles schön breit im Panorama erscheinen zu lassen. Einen Drive gibt es ebenfalls, hier allerdings in den Flavours Smooth, Crunch und Sizzle.

Es folgen die bekannten Effekte Bitcrush, Deciumator, Lo-/Hi-Pass sowie der IR-Reverb, der nun eine „Hall-“Impulsantwort bietet, wo die SN4RE zuvor eine Booth bot. Die Parameter der Simple Page kennen außerdem einen Density-Regler, mit dem der Knack noch erweitert werden kann. Im Großen und Ganzen ist die Klapper ähnlich flüssig zu bedienen wie die anderen beiden Instrumente, dafür klanglich aber nicht so facettenreich – das muss ein CL4P Maker meines Erachtens aber auch nicht.

In Action

Theoretisch wissen wir ja jetzt Bescheid. Schauen wir uns das Ganze also doch mal praktisch an, und zwar in einem kleinen Video – denn Hören, was ein jeder Regler macht, ist ja bekanntlich besser, als nur blumig darüber zu philosophieren. Da die meisten wohl die Kick am interessantesten finden, hab ich mir bei ihr besonders viel Zeit gelassen – ach, und Hi-Hats kann man mit der Kick ja auch noch machen.

Fazit

CL4P Maker, K1CK Synth und SN4RE Drum von 2getheraudio machen sehr vieles richtig und liefern tolle elektronische Sounds mit vielfältigen Möglichkeiten. Ausgesprochen gut gefällt mir K1CK, was besonders drastische Kicks überzeugend abliefert und klanglich auch am flexibelsten ist. In Anbetracht des äußerst günstigen Preises macht man aber mit keinen der Drei etwas verkehrt – einzig der Umstand, dass einige Parameter nur der Simple-Page zur Verfügung stehen, trüben den sonst recht flüssigen Workflow. Eine Demo gibt es nach Registrierung auch. Dank ihr könnt ihr herausfinden, wie viel euch die Klangerzeuger wirklich Wert sind – also unbedingt ausprobieren!

  • Pro
  • zielgerichteter Workflow
  • gut sortierte Presets
  • integrierte Effekte
  • Contra
  • manche Funktionen nur über Simple-Page erreichbar
  • Features
  • Instrument-Plugins für Kick, Snare, Clap und Percussion Sounds
  • Simple und Expert Page
  • integrierte Effekte
  • VST, AU und AAX Formate
  • Preis
  • jeweils ab 10 USD,-
Veröffentlicht am 09.03.2020

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • zielgerichteter Workflow
  • gut sortierte Presets
  • integrierte Effekte

  • manche Funktionen nur über Simple-Page erreichbar

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