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28.07.2020

4 verschiedene Möglichkeiten, einen Mix zu beginnen

Gängige Methoden, eine Mischung zu starten

„Wie beginnt man einen Mix?“ ist eine durchaus berechtigte Frage. Manch einer grübelt darüber und probiert herum, manch einer verschwendet keinen Gedanken daran und macht einfach alles so wie immer. Es zeigt sich aber, dass es ein paar Ansätze gibt, die von Mixing Engineers und Producern gerne verfolgt werden. Wir stellen sie vor.

Zunächst einmal ist es ja so, dass sich der genaue Punkt, wann das Editing aufhört und das Mixing beginnt, in vielen Produktionen nicht richtig ausmachen. Selbst wenn man sich per To-Do-Liste oder Deadline einen Zeitpunkt definiert, bei dem alle Schnipselei beendet ist und die Klangbalance beginnt – im Mischvorgang fallen dann doch noch Ungereimtheiten auf, manchmal, weil sie erst dann über die Maskierungsschwelle treten.

Methode 1: Bassdrum als erstes Signal

Die Bassdrum als Grundlage für den Mix eines ganzen Tracks findet man beileibe nicht nur in Musikrichtungen, in denen die Kick eine staatstragende Rolle spielt, also beispielsweise im Hip-Hop. Eine Erklärung dafür kann sein, dass das Instrument eines der tiefsten ist und der Mix im Spektrum von unten nach oben aufgebaut wird. Zumindest zu Beginn. Eine andere Erklärung kann aber sein, dass die Bassdrum bei Musikproduktion früher am Analogpult oft auf Kanal 1 anlag und besonders bei Pulten mit einfachem Routing oder per Direct Out auf die Bandmaschine auf Spur 1 aufgenommen wurde – und als erstes Signal im Mix wieder auf dem ersten Kanal anlag. Vielleicht noch naheliegender ist, dass Livetechniker die Gewohnheit, beim Soundcheck mit der Bassdrum zu beginnen, ins Studio und den Mixdown übertragen haben.

Der Vorteil dieser Art liegt auf der Hand: Ein wesentliches Signal wird als Basis genutzt. Doch was folgt dann, die Snare? Oder der Bass? Und ein Problem: Einmal nach Wunsch geformt, wird dieses erste Signal wohl kaum so bleiben. Es muss immer wieder nachgeregelt werden, sei es im Verhältnis Bassdrum/Bass oder bezüglich des Attack-Sounds im Verhältnis zu Vocals, Gitarren und dergleichen.

Methode 2: Vocals als erstes Signal

Das wichtigste Signal zuerst – so könnte man diesen Ansatz erklären. Und es erscheint plausibel, zunächst den Teil der Musik, der die meiste Aufmerksamkeit bekommt, so zu polieren, wie er es benötigt. Das ist dann die Richtschnur, an der sämtliche weitere Signale ausgerichtet werden.

Das klingt nicht nur sinnvoll, sondern ist es auch. Allerdings müssen Musikrichtung und Signale dafür stimmen. Bei Singer-Songwriter-Musik, im Pop, Schlager, aber auch Hip-Hop ist das ein praktikabler Ansatz. Die Gefahr ist auch hier, dass das Vocal-Signal alleine gar nicht so „gut“ klingen muss, um in einer Mischung funktioniert.

Damit ist ein Hauptproblem der beiden bisherigen Methoden angesprochen: Signale im Mix im Solo-Modus für eine Mischung zu beurteilen, ist eigentlich etwas ungeschickt. Das Thema ist auf jeden Fall etwas für ausführliche Diskussionen unter Kollegen1

Methode 3: Hauptmikrofon als erstes Signal

Viele Produktionen werden nicht mit Hauptmikrofon aufgezeichnet. Falls doch, also bei Orchester- und Chorproduktionen, ist es natürlich sinnvoll, zunächst das Stereosystem zu bearbeiten. Wenn hier im Recording sauber gearbeitet wurde, halten sich die Notwendigkeiten für den Mix schnell in engen Grenzen, so manches aufgenommene Stützmikrofon muss dann in der letztlichen Mischung gar nicht mehr auftauchen.

Dieser Ansatz lässt sich übertragen, beispielsweise darauf, zunächst mit der Overhead-Mikrofonierung eines Drumkits zu beginnen, um die Schlagzeug-Subgruppe zu mischen.

Methode 4a: Gesamtmix

Ob es wirklich sinnvoll ist, Solo-Signale in einer Mischung zu bearbeiten, ist ja dahingestellt. Ein anderer Ansatz ist es, direkt die komplette Mischung grob anzulegen und sich aus einem Roughmix in das finale Produkt vorzuarbeiten. Der Vorteil: Es wird zunächst mit den wesentlichsten, wichtigsten Parametern gearbeitet, also dem Pegel. Dann kann die Bearbeitung des Pegelverlaufs durch Automation oder Dynamikbearbeitung oder die Einstellung frequenzabhängiger Pegel (mittels Filter und EQ) folgen. Schön an dieser Methode ist, dass immer ist alles im Kontext zu hören ist. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, das Chaos zu lichten. Dementsprechend gibt es eine verheißungsvolle Variation:

Methode 4b: Hauptsignale

Anstatt sämtliche Signale für den Mix-Beginn anzulegen, tut es auch der Grundstock, also beispielsweise Vocals, Bassdrum, Bass, Snare, Gitarre und Bass – ohne Effekte, Doppelungen, Backgroundvocals, Pads, Effektsignale und dergleichen. Die wesentlichen Anteile einer Mischung werden bei dieser Methode so weit bearbeitet und in Stellung gebracht, dass das Klangbild ausgewogen ist. Auch hierbei fällt oft auf, dass manche Signale gar nicht notwendig sind. Insgesamt erscheint diese Vorgehensweise als eine der sinnvollsten.

Methode X: Alles andere

Natürlich gibt es noch andere Ansätze, mit einer Mischung zu beginnen. Habt ihr noch andere Methoden kennengelernt? Wie und womit fangt ihr an?

Veröffentlicht am 28.07.2020

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