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17.12.2019

5 Synthesizer, die jeder braucht

Welche Synthesizer sollte man einfach haben?

Top Synthesizer für jeden Geldbeutel: analog, hybrid und digital

Wenn man sich für nur fünf Synthesizer entscheiden müsste, um sie beispielsweise auf eine einsame Insel mitzunehmen, ist Ratlosigkeit sicherlich die erste Reaktion, die sich im Kopf zu verbreiten droht. Eine solche Frage bekommt man nicht täglich gestellt, und was die Beantwortung angeht, hat sicherlich jeder eine eigene Meinung, die sich nach einigem Nachdenken bildet. Klar, es geht hier um eigene Vorlieben, die sich alleine schon durch den Einsatzzweck in der Musik, die man selbst gerne macht, ergeben. So hat auch sicherlich jeder eine grobe Idee davon, welche Tools nötig sind, um selbst musikalisch zum Ziel zu kommen. Viele aktuelle Produkte sind allerdings so heiß, dass sie dazu inspirieren auch mal etwas Neues auszuprobieren.

Preislich müssen sich diese auch nicht in unbezahlbaren Regionen befinden, denn gerade heute definieren Hersteller mit Preisen weit unter 1.000 € neue Produktsegmente, in denen sich Speziallösungen für jedes besondere Einsatzgebiet finden lassen, und das für kleines Geld. Es muss also nicht teuer werden eigenständige und innovative Produkte für die eigenen Zwecke einzusetzen. Allerdings bietet der Markt ein so vielschichtiges Angebot, dass es schier unmöglich scheint, eine Wahl zu treffen, mit der man erst einmal auskommen müsste. Hier geht es irgendwie los mit dem Gefühl: Ich weiß nicht, was ich nehmen soll ... oder: Was wäre wenn ... ich mich für ‚A‘ anstatt ‚B‘ entschiede?

Nicht vergessen: In dieser Liste tauchen keine teuren, oder seltenen Synthesizer-Legenden auf. Wer bereits einen Minimoog, einen Jupiter-8, einen Matrix-12, einen Axxe, oder gar einen Prophet-5 und einen Micromoog besitzt, der kann sich wirklich glücklich schätzen, wenngleich der Markt heutzutage Klone berühmter Synth-Klassiker hergibt, die sogar recht günstig sind.

Unsere Liste zeigt eher die Synthesizer, die sich durch Individualität im Markt behauptet haben, schon deswegen, weil man mit ihnen eine Menge anstellen kann und sie für sich gesehen durch besondere Features glänzen. Der Fokus liegt also auf bezahlbaren Instrumenten, die sich durch interessante Ideen und einen guten Sound auszeichnen, und nach denen man nicht ewig im Internet suchen muss, um sie schließlich zu Preisen zu ergattern, die man nicht bezahlen kann, oder möchte.

Hier sind unsere fünf Favoriten, in alphabetischer Reihenfolge gelistet, die lediglich der eigenen Inspiration dienen sollen.

Arturia MicroFreak

Der Arturia MicroFreak ist ein kleiner hybrider Synthesizer, der Wavetable- und Digital-Oszillatoren mit analogen Filtern kombiniert und über eine kapazitive Poly-Aftertouch-fähige Folientastatur gespielt wird. Vielseitig zeigt sich der digitale Oszillator, der Modi, wie Texturer, KarplusStrong, Harmonic OSC und Superwave bietet, und fünf spezielle Arturia-Engines sowie acht Modi von Mutable Instruments im Angebot hat. Der MicroFreak ist vierstimmig paraphon spielbar, was bedeutet, dass zwar bis zu vier Stimmen gespielt werden können, diese sich aber denselben Amp und Filter teilen. Der übrigens ist durch den 12-dB-Oberheim-SEM-Filter inspiriert und kann bis zur Selbstoszillation getrieben werden, was den Sound sehr Eigenständigkeit gestaltet. Für weiteren Spielspaß sorgt der integrierte Sequenzer, mit dem sich bis zu vier Automatisierungen aufnehmen und bearbeiten lassen. Auch das Hinzufügen von Zufälligkeiten gestattet sich entwickelnde Patterns zu erstellen. Eine 5 x 7-Modulationsmatrix hilft dabei, die Signalkette und die Bedienelemente virtuell neu zu verkabeln und zu konfigurieren. Die gebotenen USB-, MIDI- und CV-Ausgänge lassen sich außerdem zur Steuerung von Instrumenten in der eigenen DAW sowie für modulare Synths verwenden. So kann der MicroFreak auch als Controller eingesetzt werden, um polyphonen Aftertouch mit modernen Software-Instrumenten zu erleben.

Arturia MicroFreak Sound Demo (no talking)

Behringer MS-1

Der Behringer MS-1 ist ein analoger Synthesizer, dem man schon ansieht, welches legendäre Vorbild dafür Pate stand: Der monophone Roland SH-101 Analogsynthesizer. Schon optisch auf dem Niveau des Originals ist er mit 32 Full-Size-Keys, 3340 VCO mit vier mischbaren Wellenformen, einem resonanzfähigen Tiefpassfilter, ADSR-Hüllkurven, einem 32-Step-Sequenzer und Arpeggiator sowie dem Live Performance Kit ausgestattet. Auch bietet die moderne Reinkarnation ein paar zusätzliche zeitgemäße Features, wie gleich 64 speicherbare Patterns, die jeweils maximal 32 Steps lang sein können. Mit der zusätzlichen Frequenzmodulation lässt sich der Charakter typischer 101-Sounds noch etwas aggressiver gestalten und die Pulse-Welle klingt frequenzmoduliert mit dem zwei Oktaven tieferen Suboszillator noch satter. Die zusätzliche Dreieck-Wellenform klingt rund und kraftvoll und ist softe Basssounds ein Tipp. Zum Puls und/oder Sägezahn dazu gemischt klingen typische 101-Sounds dank der Dreieckswelle noch eine kleine Spur sahniger. Was Klangunterschiede zum Original betrifft, bemerkt sie nur der Kenner, insbesondere beim Resonanzverhalten in Extremeinstellungen.

Behringer MS-1 vs. Roland SH-101 vs. SH-01a Sound Demo (No Talking)

Korg Minilogue XD

Mit dem Korg Minilogue XD erhält man das bewährte Konzept des Minilogue gepaart mit den Austattungsmerkmalen des großen hybriden Korg Prologue Synthesizers. Besondere Highlights sind z. B. die mögliche Integration neuer User-Oszillatoren durch das freie Korg ‚Sound Development Kit (kurz: SDK). Hier bietet die Multi-Engine Möglichkeiten, wie schon beim Prologue, eigens kreierte User-Oszillatoren einzubinden, die mittels der externen SDK-Software erstellt werden und sich dann per Korg‘s „Sound Librarian“-Software auf den Synth übertragen lassen. Beispielsweise hat der Hersteller Mutable Instruments mit „Plaits“ ein ganzes Eurorack-Oszillator-Modul für den Minilouge XD und Prologue nachempfunden. Aber auch der Softwarehersteller Sinevibes ist aktiv dabei High-End-DSP-Technologien für neue Sounds zu entwickeln. Der Minilogue XD ist ein vierstimmig polyphoner portabler und obendrein preiswerter Hybrid-Synth, der unkonventionelle Modulationsmöglichkeiten mit einem soliden, analogen Grundsound kombiniert. Sein polyphoner Step-Sequenzer mit Motion-Sequenzer unterstreicht die klanglichen Möglichkeiten ebenso, wie die internen Effekte, welche den ‚XD‘ zu einem sehr eigenständigen und erweiterungsfähigen Instrument machen.

Korg Minilogue XD Sound Demo (no talking)

Sonicware ELZ_1

Der Sonicware ELZ_1 ist ein sechsstimmiger DSP-Synthesizer aus Japan, dessen Tonerzeugung mit sieben unterschiedlichen Sound-Engines einiges zu bieten hat: FM Synth mit vier Operatoren und 31 Algorithmen, Feedback und De-Tuning, 8 Bit Wave Memory Synth, DNA Explorer, Granular-Synthesizer, Standard Osc und Low-Bit Osc mit Sinus, Rechteck, Dreieck und Sägezahn, Custom Osc und die Noise Synth Engine Sandflute. Eine Ausstattung, die man dem kleinen Synthesizer auf den ersten Blick nicht ansieht. Sämtliche Parameter der Klangsynthese sind über fünf Gruppen-Taster (Oszillator, Hüllkurve, Filter, Effekt und Arpeggiator/Sequenzer) erreichbar und das Instrument ist bereits werkseitig mit 128 Presets bestückt, die sich hören lassen können. Es geht los bei elementaren Klängen, über glockige FM-Sounds, komplexe Wavetable-Charaktere, Pads, bis hin zu Granularsounds, oder Chiptune-artigen Sounds. Rein optisch zeigt sich dr ELZ_1 robust und aufgeräumt und bietet zum Spielen zwei sich über drei Oktaven erstreckenden Tasterreihen in chromatischer Anordnung. Kompakt aufgebaut lässt sich der ELZ_1 auch mobil per Batteriestrom betreiben und Sounds können - in Volca-Manier - über einen eingebauten Lautsprecher gehört werden.

Sonicware ELZ1 Sound Demo (No Talking)

Pittsburgh Modular Microvolt 3900

Der Pittsburgh Modular Microvolt 3900 bereichert den belebten Synthesizermarkt um einen analogen und monophonen Desktop-Synthesizer, der sich durch eine Reihe an Features vom Gros der Masse abhebt. Dazu gehören in etwa ein Wavefolder-Oszillator und dessen Low Pass Gate, die eine Art Symbiose aus East- und West-Coast-Synthese eingehen. Weiterhin bietet der kompakte, aber dennoch übersichtlich gestaltete Desktop-Synthesizer eine Patchbay, die zusätzliche Verbindungen gestattet, obwohl der Synth intern bereits verschaltet ist und ohne vorheriges Patchen verwendet werden kann. Während sich Konkurrenzprodukte schon ob den Möglichkeiten des Detunings zumindet zwei Oszillatoren auf die Fahne schreiben, protzt der Microvolt mit nur einem, der es aber in sich hat. ‚West Coast‘ orientiert, bietet der Microvolt viele Eigenschaften, die zum Experimentieren einladen, insbesondere dann, wenn die verschiedenen Modulations-Möglichkeiten verknüpft werden. Zudem kann der Microvolt 3900 als Filterbank mit Distortion verwendet werden, wenn man ihn mit externen Signalen füttert. Klanglich bietet der Microvolt 3900 ein eigenständiges und solides Klangverhalten, das mit sattem Low-End begeistert und zum Experimentieren reizt.

Pittsburgh Modular Microvolt 3900 Sound Demo (no talking)

 

Vielleicht hast du selbst noch einen Synthie, der auf dieser Liste fehlt, und den du auf jeden Fall auf eine einsame Insel mitnehmen würdest! Schreib doch einfach, welcher das ist.

Veröffentlicht am 17.12.2019

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