Hersteller_Ableton
Test
3
05.11.2015

Praxis

Für meinen Test schließe ich den Ableton Push 2 mit dem mitgelieferten, an der Push-Seite abgewinkelten, USB-Kabel an mein MacBook Pro an. Leider bekommt man die meisten normalen, schon im Fundus vorhandenen USB-Kabel nicht in die enge Steckerfräsung gesteckt. Das ist ein großer Nachteil besonders beim Live-Einsatz, da man bei einem defekten oder vergessenen Kabel nur schwer den passenden Stecker findet. Nicht gut! Anders mit dem Netzteil, denn das muss nicht zwingend angeschlossen werden. Da ich nicht auf die Brillanz und Helligkeit des neuen Displays verzichten will, muss ich es aber anschließen.

Nach dem Drücken des Netzschalters begrüßt mich Push 2 mit dem Ableton-Logo auf dem neuen Display. Live 9.5 erkennt die Hardware sofort nach dem Start und Push 2 schaltet in den Kanal-Anzeige-Modus in der dazugehörigen Farbe. Die Navigation durch die Software läuft, wie von der ersten Generation gewohnt, sehr direkt und intuitiv.

Jetzt gehe ich einen Schritt weiter und versuche einen Song aufzubauen, ohne meinen Rechner zu nutzen. Dafür drehe ich das MacBook Pro mit der Rückseite zu mir und sehe nun meine Schritte nur auf dem Display von Push 2. So weit so gut. Auch das scheint wirklich gut zu funktionieren: Add Device → Instruments → Simpler → Load. Push 2 fordert mich auf „Browse“ zu klicken, um ein Sample zu laden. Die neue Browserstruktur führt mich ohne Umwege und durch Ausblendung nicht relevanter Ordner zu den Sounds. Aus meinem privaten Sample-Ordner ausgewählt, wird ein Loop im Simpler platziert und die Wellenform auf dem Display angezeigt. Schade, dass ich mit Push 2 nicht die Farbe des Kanals bestimmen kann. Ich bin auf die zufällige Farbzuweisung der Software angewiesen und das zwingt mich zum Beispiel, meinen verzerrten Bassline-Loop in pink zu bearbeiten. Naja. Daran wird man sich gewöhnen müssen. 

Dem neuen Slice Modus wurde in der Entwicklung sehr viel Beachtung geschenkt und das merke ich sofort. Entweder setzt Live die Slice-Marker auf Transienten oder ich kann via Pad Slicing und manuellem Eintriggern mit den Pads eigene Marker auf der Wellenform platzieren – und das live! Ist Pad Slicing aktiviert, so schaltet Push 2 in den 64-Pad-Modus und wartet, dass ich das erste Pad anschlage. Das Sample wird abgespielt. Bei jedem Druck auf ein danebenliegendes Pad wird ein neuer Slice Marker gesetzt. Spiele ich jetzt die schon belegten Pads an, wird der Slice Mode sofort beendet und ich kann direkt meine neu gesetzten Sound-Schnipsel abspielen. Jeden falsch gesetzten Punkt widerrufe ich durch Undo oder mit gehaltener Delete-Taste und einem Druck auf die jeweiligen Triggerpads. Genauso gut funktioniert das mit live aufgenommenen akustischen Instrumenten, oder in meinem Fall mit einer Aufnahme über das integrierte Mikrofon meines Laptops. Add Track → Audio Track → Load → Aufnahme-Button → aufnehmen → Convert → Simpler. Und voilà, meine Aufnahme ist bereit bearbeitet zu werden. Simpler (!) geht es kaum.

Leider kann ich mein Sample nicht über das Display des Push 2 so warpen (das heißt Audiomaterial manuell mit Warpmarkern quantisieren), wie ich es von der DAW-Oberfläche kenne. Diese Option fehlt komplett. Ein Sample kann mit Push lediglich auf ganze Takte, abhängig von der eigentlichen Länge, festgesetzt werden. Ansonsten steht die standardmäßige Auswahl an Lives Warp-Algorithmen zur Verfügung.

Ein sehr cooles Feature ist das Pitchen über die Push-2-Klaviatur eines Simpler-Samples, während der Sound abläuft. Ein Beispiel: Ich aktiviere Glide für meinen in Simpler geladenen Drum Loop in der Control-Sektion unter der Amplitude-Kurve. Sobald ich mit den Triggerpads eine Note spiele, ertönt mein Loop. Mit weiteren Notenanschlägen wird nun nicht wie erwartet der Loop erneut gestartet, sondern mit der neu getriggerten Tonhöhe weiter durchlaufen! Ich greife direkt und tonal in mein Audiomaterial ein. Ein sehr inspirierendes neues Feature!

Das weitere Auffüllen meines Songs mit Drums aus der neuen, sehr üppigen Sound-Library und einer Bassline von dem Live-Instrument Operator funktioniert wie gewohnt. VST-Plugins benötigen dagegen eine Vorbereitung für die totale Integration in den Push-2-Browser. Presets müssen in Live abgespeichert und die einzelnen Parameter des Plugins als Controller aktiviert werden. Das bedeutet Arbeit, die sich aber definitiv bezahlt machen wird.

Die überarbeiteten, weicheren Triggerpads spielen sich sehr gut und angenehm. Nach der Justierung der Pad-Eigenschaften auf meine Spielweise (Pad Sensitivity: 4, Pad Gain: 5, Pad Dynamics: 8), wirkt die Übertragung bei meinem Drumkit sehr direkt und so wie ich es beim Einspielen fühle. Ein Klavier dagegen spiele ich mit einem komplett anderen Anschlag und halte die Noten eher, also wieder ins Setup und erneut justieren. Es ist schade, dass man keine getrennten Pad-Eigenschaften für Drum- und Piano-Modus integriert hat. Vielleicht finde ich demnächst eine Mittelwert-Kompromisslösung für mich. Trotzdem muss ich sagen, dass die neuen Einstellmöglichkeiten für die eigene Spielweise Push 1 einiges voraus haben.

Zu guter Letzt widme ich mich dem Mix meines Songs, und das ist wirklich grandios gelöst. Komplett ohne meinen Computerbildschirm sehe ich alle Pegel-Auschläge vor mir. Sogar die kombinierte Peak- und RMS-Anzeige ist sehr gut sichtbar und lässt mich gut erkennen, wie weit ich noch mit der Lautstärke, aber auch dynamisch, gehen kann. Panorama und die Send-Effekte lassen sich wie gewohnt ebenfalls in der Mix Sektion justieren. Bis auf wenige Funktionen, die tiefgründiger in die Soundbearbeitung gehen, leistet Push 2 wirklich gute Dienste zum Erstellen von Songs, ohne die DAW eines Blickes würdigen zu müssen. Respekt!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hochaufösendes RGB-Display
  • Mehrfarbige LED Hintergrundbeleuchtung der Pads
  • Volume-Ausschlagsanzeige im Display
  • Verbesserte Haptik
  • Bessere Symbiose mit Live
  • Wellenformdarstellung im Display
  • Slice-Funktion mit Simpler
  • Viele Parameter werden durch Symbole gekennzeichnet
  • Workflow-verbessende neue Tastenbelegung
  • Leichter Umstieg von Push 1
  • Leichtes intuitives Erlernen des Umgangs mit Push 2
  • Trade In Umtausch Aktion für Push 1 User
  • Ableton Live Intro im Preis enthalten

  • Tempo Tap Button reagiert nicht optimal
  • Nicht mit allen USB-Kabeln kompatibel
  • Touchscreen LED hat eine leichtere Verzögerung zum eigentlich getriggerten Wert
  • Keine getrennten Pad Eigenschaften für Drum, Piano Modus

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