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Test
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24.11.2020

Akai Professionell MPC Live MK2 Test

MPC Update 2.9

Runde zwei für die mobile MPC

Runde zwei für die MPC Live: AKAI Professional hat sein für den Live-Einsatz vorgesehenes Music Production Center aktualisiert. Neben integrierten Monitorlautsprechern, Ableton-Link-Support und CV/Gate-Ausgängen ist die Hardware fortan mit zusätzlichen Bedienelementen ausgestattet, die einen schnelleren Workflow ermöglichen sollen. 

Mit dem Update auf Version 2.9 wird die Stand-alone Version sowie die Computerssoftware der MPC erstmalig mit einem DrumSynth des Herstellers AIR Music ausgestattet, mit dem ihr eure eigenen Drumssounds schrauben könnt. Am Rand gibt es direkt ein Video dazu!

Dank dem Namenszusatz Live wird eindeutig klar, wo AKAI ihren Einsatzzweck sieht. Und da man Rechnern auf der Bühne nicht so richtig vertraut, setzt man bei AKAI wieder auf ein geschlossenes System. Das heißt aber nicht, dass die neue AKAI nicht auch als Controller für die MPC-Software verwendet werden kann – im Gegenteil „best of both worlds“ sozusagen.

Details

Integrierter Lautsprecher

Die neue MPC Live MK2 kommt mit internen Stereolautsprechern, die auf der Frontseite angebracht sind. Schaut man durch den „Grill“ hindurch, findet man links und rechts jeweils zwei Speaker. Zwei von ihnen zeigen gerade nach vorne, während die anderen beiden um ca. 45 Grad nach oben geneigt sind. Grundsätzlich benötigt ihr also weder zusätzliche Kopfhörer noch externe Lautsprecher, um Beats mit der MPC Live MK2 bauen zu können.

Klanglich lassen sich die Lautsprecher in etwa mit aktuellen Stereo-Bluetooth-Lautsprechern von JBL und Co. vergleichen. Für Speaker dieser Größenordnung knallt es jedenfalls ganz ordentlich. Somit reichen die Lautsprecher auch für einen kleinen Rough Mix aus. Wenn es aber um ernstgemeinte Mixings mit präzisen Klangjustierungen gehen soll, ersetzen die Speaker natürlich keine Studiomonitore. Kurzum: Um Beats einzudaddeln, reichen die Lautsprecher aus. 

Gleiche Leistung wie das Vorgängermodell

Die MPC Live MK2 sieht ihrem Vorgängermodell äußerlich ziemlich ähnlich. Und auch das Innenleben ist, zumindest in puncto Leistung, baugleich. Das liegt an dem eingebauten „embedded“ 1,8 GHz Quadcore System mit immerhin 2GB RAM, auf dem die MPC Software auch „standalone“ läuft. Sie ist mit der computerbasierten MPC Software kompatibel, sprich Projekte können vom Computer zur MPC Live und vis-a-vis übertragen werden – und das mit nur wenigen Einschränkungen, wie reduzierten Audiotracks bzw. fehlender VST-Unterstützung.

Mobil und Modern

Der eingebaute Akku bietet bis zu fünf Stunden Laufzeit bei „normaler“ Nutzung. Modern sind ebenfalls die Anbindungen wie USB3. Ein eingebauter USB-HUB, ein SD-Card-Reader und die Option, intern eine SSD verbauen zu können, sorgt für reichlich Speicherplatzerweiterung. Es stehen somit viele Möglichkeiten zur Verfügung, um vorgefertigte Sounds zu laden bzw. eigene zu archivieren.

Ausgeliefert wird die MPC Live mit 16 GB Storage, wovon 10 GB mit Content und 4 GB mit dem MPC OS belegt sind. Mit ca. 3,4 kg und Abmessungen von: 411,5 mm x 243,8 mm x 45,7 mm (B x T x H) ist die MK2 für ein Live-Gerät weder besonders leicht noch kompakt. Aber das "klotzige" steigert auch die Souveränität, keine Frage.

Mehr I/Os

Schauen wir die Rückseite an, finden wir weitere Anschlüsse: zweimal MIDI-In, zweimal MIDI-Out, acht CV/Gate-Ausgänge, ein Ethernet-Anschluss für Ableton Link und ein Stereo-Eingang zur Aufnahme, welcher sogar einen Phono-Amp am Start hat – AKAI hat die Wurzeln also nicht vergessen. Zwischen Phono-Preamp auf RCA inklusive Masse-Schräubchen und dem symmetrischen Line-In auf großer Klinke wird mit einem äußerst kleinen Schiebeschalter gewechselt, der gemeinsame Gain ist mit einem Poti regelbar. 

Hinzukommen sechs 6,35-mm-TRS-Ausgänge und ein Kopfhörerausgang, der im Vergleich zum Vorgänger-Modell endlich auch mit einer 6,3-mm-Klinke ausgestattet ist. Leider werden die Kopfhörer weiterhin gemeinsam mit dem Master-Out in der Lautstärke geregelt. AKAI hat immerhin an einen Schalter gedacht, mit dem sich die integrierten Lautsprecher ein- und ausschalten lassen. 

Die USB3-Buchsen sind blau: zwei zur Verbindung mit externem Speicher, eine für die Verbindung mit dem Computer. Der Netzteilanschluss bietet ferner eine Möglichkeit zur Sicherung des Kabels. Der daneben liegende Power-Schalter schaltet die MPC nicht direkt an und aus, was böse Überraschungen auf der Bühne vermeiden soll. Das Ein- und Ausschalten muss über den Touchscreen bestätigt werden, sodass unabsichtliches Schalten bzw. Leeren des Akkus effektiv vermieden wird.

Gewohnte Oberfläche

Das physische Layout wirkt vertraut und kann mit „typisch MPC“ beschrieben werden. 16 beleuchtete, anschlag- und druckempfindliche Pads sind zum Spielen von Noten bzw. Drums gedacht und in acht Banken organisiert – pro Track wohlgemerkt. Hinzu kommen die bekannten Funktionen Note-Repeat, Full-Level, 16 Level, Erase, Latch und Half-Level – die letzteren beiden sind über Shift erreichbar.Die MK2 bietet im Vergleich zum Vorgänger noch mehr Bedienelemente, mit denen sich nun auch folgende Sektionen per Button aufrufen lassen: Master Volume, Step Sequencer, Next Sequence, Automation, Timing Correction (Quantisierung), Mixer, Mute, Sampler, Sample Editor. 

Am rechten Rand finden wir vier kleinere Encoder, die sogenannten Q-Links. Auch sie sind in Banks organisiert, womit insgesamt 16 Befehle erreichbar werden. Die Funktionen variieren je nach Mode. Der Q-Link Taster darüber wechselt zwischen den vier Banks.

Der große Encoder bietet einen Push-Befehl und ist im Allgemeinen für die Bedienung des gerade im Fokus stehenden Parameters gedacht. Was allen Encoder fehlt, ist eine Erkennung der Dreh-Beschleunigung bzw. ein Shift-Befehl, sodass Parameter mit einem großen Wertebereich ziemlich mühsam durchgekurbelt werden müssen. 

Manchmal korrespondieren die Q-Links allerdings nicht mit den Touchscreen-Pages bzw. sind nicht alle Werte alternativ über die Hardware-Bedienelemente erreichbar. Da ich einen Serien-Vorläufer mit einer nicht ganz aktuellen Firmware zum Test erhalten habe, gehe ich davon aus, dass sich das mit dem Update noch ändern wird.

Inklusive Software und Sounds

AKAI stellt zu der bereits installierten Sound-Library ein ca. 20 GB großes Software- und Sound-Paket zum Download bereit. Mit dabei sind die MPC Essential Sound Libraries, viele Software-Instrumente von AIR Music wie Hybrid 3 und Loom sowie die AIR FX Collection Plus. Ebenfalls enthalten sind AKAIs Legacy Expansions, The Bank, The 809, The Noise und The Wubs sowie Sonivox Virtual Instruments – an Klängen und Plug-ins mangelt es also nicht. Die Instrument- und Effekt-Plug-ins sind allerdings nur im Controller-Mode in Verbindung mit der Software auf dem Computer nutzbar. Denn im Stand-alone-Modus können keine Plug-ins geladen werden! Zusätzlich unterstützt die MK2 auch den Zugriff auf Samples und Loops des Soundanbieters Splice.com. Sobald die MPC mit WiFi und einem Splice-Account verbunden ist, lassen sich Sounds nativ aus einer Splice-Bibliothek nutzen!

MPC Software 2.9

Mit Version 2.9 bringt AKAI Professional erstmalig einen Drumsynthesizer der Plugin-Schmiede AIR Music auf die MPC. Dieser hört auf den schlichten Namen „DrumSynth“ und kommt mit acht Drum Modellings, die an bekannte Klassiker, wie die Roland TR-808 und 909 angelehnt sind. DrumSynth wird als Plugin Program geladen, wobei sich  einzelne Drums oder ein ganzes Drum-Kit als Multi-Plugin laden lassen. Mit an Bord sind Kick, Snare, Clap, Tom, HiHat, Crash, Ride, Percussion. Mit einem Mixer, Insert-Effekten, wie Equalizer, Transient Shaper, Distortion und Kompressor sowie Send-Effekten (Hall, Delay und Diffusor) könnt ihr die Drums direkt im Synth mixen. Jedes Modul kann mit acht Drum-Parametern, wie Decay, Hold, Click, Noise und Tune angepasst werden. Letztegenannter Paramter zeigt sogar die Tobnhöhe und Cent-Werte an, was ich mir bei den Onboard-Drum-Synths von Native Instruments Maschine schon lange wünsche. Drumsynth klingt fantastisch und mit den mitgelieferten Modulen, Effekten und veränderbaren Parametern gelangt man sehr schnell zu brauchbaren Ergebnissen. Auch schön sind die Kategorisierten Presets, die in sich stimmige Voreinstellungen zum Sofortloslegen liefern. Beim Sound- oder Presetwechsel entstehen keine Knackser, Ladezeiten oder Aussetzer, top. Im folgenden, kurzen Overview-Video könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen – Film ab!    

Seit Version 2.8 verfügt die MPC über einen verbesserten Audio-Warp-Algorithmus namens Pro Ten, der deutlich weniger Artefakte beim Time-Stretching verursacht. Bei Bedarf kann der weniger rechenintensive Basic-Algorithm in den General-Settings ausgewählt werden. Die neue Aufnahmefunktion Retrospective Record ermöglicht es, gespielte MIDI-Noten einzufügen, selbst wenn man zuvor vergessen hat, die Record-Taste zu drücken. Demnach könnt ihr nach Lust und Laune experimentieren und den Loop-Durchlauf im Nachhinein mittels Tastenkombination Shift + Record aus einem Zwischenspeicher einfügen lassen. Die Chord-Trigger-Funktion bietet euch nun die Option Custom Chords, mit der ihr eigene Akkorde und Akkordfolgen anlegen könnt. Mittels MIDI Multi lässt sich die MPC als zentraler MIDI-Sequencer nutzen, mit dem sich via MIDI Outs, USB-MIDI und USB-zu-CV gleichzeitig mehrere Geräte ansteuern lassen.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Akku-Betrieb
  • Stand-alone-Betrieb
  • Touchscreen-Display
  • Hochwertige Hardware
  • Audiotracks
  • CV/Gate-Ausgänge
  • Interne Stereolautsprecher

  • Verschachtelter Workflow
  • Keine Plug-ins im Stand-alone-Betrieb
  • Nur 6 GB User-Speicher per Default

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