Hersteller_AKG
Test
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07.10.2016

Praxis

Nicht „hard to handle“

Die Handhabung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Mikrofonen. Viele mögen aufgrund des kleinen Schafts beispielsweise das M88 nicht. Das AKG C7 liegt mit seinem konischen Schaft sehr gut in der Hand, nur sehr kleine Hände werden es weit unten greifen und haben dann eventuell mit Kopflastigkeit zu kämpfen: Mit über 300 Gramm Gewicht zählt das Mikro zu den schwereren auf dem Markt. Gut ist allerdings, dass der große Hals verhindert, dass man versehentlich die rückwärtigen Schallöffnungen zuhält und somit die sorgsam entwickelten Audiowerte auf eine Achterbahnfahrt schickt.  

Popp, S, Handling

Positives auch von der Front der Handling-Noises: Der Griff ist weitestgehend isoliert, sodass Umgreifen und Rutschenlassen in der Hand fast keinen Effekt auf das Audiosignal haben. So soll es sein. Auch die Poppempfindlichkeit bewegt sich auf einem Niveau, das einem aktuellen Produkt würdig ist, genauso zähmt das C7 S-Laute. Generell ist AKG diesbezüglich eine gute Adresse, denn das sind schließlich Österreicher. Bitte mal kurz einen Österreicher beim Sprechen vorstellen und an die S-Laute denken… alles klar?

Nahbesprechungseffekt und Klangfarbenänderungen

Und weiter geht es mit den positiven Eindrücken, denn der Nahbesprechungseffekt sorgt beim AKG C7 tatsächlich nicht dafür, dass das Signal verbasst und stark indifferent wird. Im Vergleich ist das Shure SM58 deutlich muffiger, das auch als Bassdrum- und Bassamp-Mikrofon geschätzte Beyerdynamic M88 genauso. Und noch etwas: die nur sehr geringe Klangfarbenänderung bei Besprechung aus 45 Grad bekommen viele andere Mikrofone zwar auch hin, doch meist sind das Nierenmikros mit entsprechend breiterer frontaler Empfindlichkeit. Auch hierfür gehen beide Daumen hoch!

 

Generelle Soundeigenschaften

Sicher, das C7 ist aufgrund des Konstruktionsprinzips detailliert. „Qualität auf Studio-Niveau“, wie in den Anpreisungen zu lesen, ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, wenn man dieses Niveau mit typischen Studio-Kondensern gleichsetzt. Robuste, kompakte Bauweise, Poppfilter, Grill und dergleichen fordern einen gewissen Tribut. Das ist aber nicht AKG in die Schuhe zu schieben, sondern der Physik. Und insgesamt kann man sehr froh sein, ein erstaunlich brillantes und offenes Mikrofon zur Verfügung zu haben, das im Grundtonbereich absolut verfärbungsfrei zu Werke geht und tatsächlich im Homerecording-Studio zu gebrauchen ist. Wer genau hinhört, wird feststellen, dass sich in das Signal in den Höhen ganz leicht reibende Bestandteile mischen. Der Vergleich mit dem Kondensatormikrofon Audio-Technica AT5045 ist aber auch fies, denn das ist ein großmebraniges Nierenmikrofon erster Güte (und: hohen Preises) – und für seine Neutralität bekannt. Wer das AKG C7 auf der Bühne einsetzt, wird sicher zufrieden sein können. Manch ein Sänger oder eine Sängerin mit eher unproblematischer S-Aussprache kann aber zu einem weniger optimierten Mikrofon greifen. Als „Sängers Mikrofon“ ist es wie immer Sache, das Werkzeug mit der eigenen Stimme auszuprobieren, ein Verleiher tut sich sicher einen Gefallen damit, ein oder mehrere C7 im Koffer mitzuführen. Gerade als immer noch massentauglicher Kontrast zum kernigen Nieren-SM58 ist es eine sinnvolle Erweiterung – und auch nicht viel zu teuer.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • unanfällig für Popplaute
  • unanfällig für Zischen
  • moderate Bassanhebung im Nahbereich
  • trotz Superniere färbungsarm bei nichtaxialer Besprechung
  • geringe Handling Noises

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