Test
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01.12.2020

Alesis Nitro Mesh Kit Test

Elektronisches Schlagzeug

Markenset zum Sparkurs

Alesis mischt bereits seit vielen Jahren kräftig mit auf dem Markt der E-Drums und bietet vor allem in der unteren und mittleren Preisklasse eine recht breite Palette an verschiedenen Modellen an. Das Nitro Mesh Kit gehört mit seinem sehr günstigen Preis zu den erschwinglichsten Marken-Drumkits, die der Markt zu bieten hat und verfügt dennoch über interessante Features wie zum Beispiel Mesh Heads auf allen fünf Drumpads, eine gut gefüllte Soundbibliothek und ein mit zahlreichen Features gespicktes Soundmodul. 

344 Euro ruft Alesis für das Nitro Mesh Kit auf, das ist nicht viel für ein Mesh Head Kit mit einer riesigen Soundauswahl, 16 frei programmierbaren User Kits, diversen Übungsfunktionen und Play-Along Songs sowie zahlreichen Anschlussmöglichkeiten. Die günstigsten Kits der etablierten Hersteller wie Roland und Yamaha liegen üblicherweise jenseits der 400-Euro-Grenze, darunter tummeln sich die Eigenmarken der großen Musikhäuser. Umso spannender ist die Frage, wie sich das Alesis Nitro Mesh Kit gegenüber diesen schlägt und ob das Kit eine Empfehlung von unserer Seite verdient. Wir haben im Test ausgiebig draufgehauen, editiert, gemessen und gelauscht und verraten euch im folgenden Test unsere Erkenntnisse. Viel Spaß beim Lesen!

Details

Das komplette Kit wiegt nur 19 Kilogramm 

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Alesis Nitro Mesh Kit nicht großartig von anderen E-Drumsets derselben Preisklasse. Dass auch günstige Kits mittlerweile über Mesh Heads verfügen, ist auf jeden Fall erfreulich, da sich darüber nicht nur die Handgelenke des Spielenden, sondern ebenso die Nachbarn freuen, deren Nerven das Klopfen auf Hartgummipads doch deutlich stärker strapazieren würde. Mesh Heads sind ähnlich nachgiebig wie reguläre Trommelfelle und werden in der gleichen Weise mittels Stimmschrauben gespannt... ich sage bewusst nicht "gestimmt", denn sie geben ja keine Töne von sich, sondern sollen nur das Spielgefühl einer akustischen Trommel simulieren. Die Pads verfügen über Kunststoffgehäuse und sind mittels L-Stücken, welche in justierbare Kunststoffklammern geschoben werden, an einem schwarz beschichteten Aluminiumgestänge, dem Drumrack, befestigt. Bei diesem haben wir es mit einem wahren Leichtgewicht zu tun – tatsächlich bringt es das komplette Kit gerade mal auf ein Gewicht von 19 Kilogramm.

Bis auf die Snare werden ausschließlich Single Zone Pads verwendet

Alle fünf Drumpads einschließlich der Bassdrum haben einen Durchmesser von acht Zoll – nicht unüblich für die Toms und die Bassdrum, allerdings etwas knapp bemessen für das Snarepad, das naturgemäß ja häufiger als die Toms zum Einsatz kommt. Während das Snarepad neben der Fellfläche über einen zusätzlichen Trigger am gummierten Rand verfügt – dieser ermöglicht das Spielen von Rimshots oder Rimclicks – , kommen für die Toms Single Zone Pads zum Einsatz. Gleiches gilt für die Hi-Hat- und Beckenpads, bei denen nicht zwischen Rand, Fläche und Kuppe unterschieden wird, wie es bei höherpreisigen E-Drumsets der Fall ist. Die Montage der Beckenpads am Rack erfolgt mittels neigbarer Arme, die einen gewissen Spielraum bezüglich der Positionierung gewährleisten.

Ein Bassdrum-Pedal gehört zum Lieferumfang

Für das Bassdrum-Pad, welches in eine stählerne Konstruktion mit herausschraubbaren Dornen integriert ist, wird eine Fußmaschine mitgeliefert, die zwar von einfacher Bauart ist, aber einen durchaus stabilen und leichtgängigen Eindruck macht. Im gleichen Look kommt der Hi-Hat-Controller mit Aluminium-Trittbrett und Kunststoffgehäuse daher. Klettbänder an der Unterseite sollen das Verrutschen verhindern. Sämtliche Pads verfügen über 6,35mm-Klinkenbuchsen – beim Hi-Hat-Controller dagegen ist es eine Miniklinke – und werden mit Hilfe eines 25-Pin-Steckers, in den die Klinkenkabel münden, mit dem Modul verbunden.

Das Modul präsentiert sich kompakt und anschlussfreudig

Viele Tasten gibt es am Modul zu entdecken, wobei die komplette untere Hälfte aus den "Pad Select"-Tasten besteht, die es ermöglichen, die Sounds der einzelnen Kanäle auch ohne angeschlossene Pads zu triggern – sehr vorteilhaft, wenn man beispielsweise gemütlich im Wohnzimmersessel neue User Drumkits zusammenstellen möchte. Im oberen Bereich der Bedienoberfläche befinden sich mittig unter dem bläulich beleuchteten Display zwei Cursortasten und auf der rechten Seite die Tasten für die drei Hauptbereiche Voice, Kit und Song sowie für den Learning-Modus. Auch für das Tempo gibt es eine Taste, die allerdings keine Tap-Tempo-Funktion hat, stattdessen wird das Tempo mit den Cursortasten eingestellt. Der interne Click und die Aufnahmefunktion werden über entsprechende Tasten auf der linken Seite gesteuert, oben links befindet sich der Lautstärkeregler. Die Pads werden an der Unterseite des Moduls eingestöpselt, rechts befindet sich die Netzteilbuchse und auf der linken Seite der Kopfhörerausgang. Folgende Anschlüsse gibt es auf der Gehäuserückseite: USB-Port, MIDI In/Out, 2 x Pad Input (Tom 4, Crash 2), 2 x Main Output und Aux In.

Unter der Haube stecken eine Menge Features

Nach dem Einschalten des Moduls landet man in der Kit-Ebene, wo man direkten Zugriff auf die 24 Preset Drum Kits hat. Möchte man ein bestehendes Kit verändern oder ein komplett neues Kit aus den 385 vorhandenen Sounds zusammenstellen, so stehen hierfür 16 freie Speicherplätze zur Verfügung. Jedem Kit kann bei Bedarf ein Halleffekt zugefügt werden, dessen Intensität sogar für die einzelnen Pads individuell geregelt werden kann. Weiterhin steht auf der Kit-Ebene ein dreibandiger Equalizer zur Verfügung, um den Sound den eigenen Vorstellungen anzupassen. 

Die Sounds, mit denen die Pads belegt sind, können in der Tonhöhe (+/– 8 Halbtöne) und im Stereo-Panorama verändert werden, außerdem ist es möglich, dass durch das Anschlagen eines Pads ein Song gestartet wird. Zudem können den Pads verschiedene MIDI-Noten zugewiesen werden, was sinnvoll ist, wenn man über MIDI/USB Sounds aus dem Rechner ansteuern möchte. Bei der MIDI-Zuordnung fällt auf, dass auch die Rims der Toms eigene MIDI-Noten erhalten können, was darauf hinweist, dass anstelle der mitgelieferten Single Zone Tompads auch Dual Zone Pads angeschlossen werden können, wodurch es möglich wird, zusätzliche Sounds einzubinden.

Üben bis der Arzt kommt – kein Problem mit dem Alesis Nitro

Unter den 80 Songs gibt es 60 Play-Alongs, also mehrtaktige Instrumental-Loops, für die die Schlagzeugbegleitung mittels der "Drum Off"-Taste deaktiviert werden kann, um die Songs mit dem eigenen Spiel zu begleiten. Die 20 übrigen Songs teilen sich auf in "Hits" – das sind kurze melodische Phrasen oder Akkorde – oder Taps, womit Einzeltöne gemeint sind, die man wie eine zusammenhängende Melodie durch wiederholtes Anschlagen eines Pads abspielen kann. Mithilfe der Recording-Funktion ist es möglich, das eigene Spiel mit oder ohne Songbegleitung aufuzunehmen. Eine Speicherung dieser Aufnahmen im Modul ist nicht möglich. 

Der "Learning"-Modus bietet drei Kategorien von Übungen: Beat, Rhythm und Pattern. Bei den 20 Beats handelt es sich um viertaktige Snareübungen zum Mittrommeln, unter den 12 Rhythms finden sich Bassdrum/Snare- oder Bassdrum/Hi-Hat-Kombinationen sowie Ridepatterns und die 10 Patterns sind Songs, die genau nach Vorgabe begleitet werden solen. Das Display ist in der Lage, durch "Slow", "Good" und "Fast" anzuzeigen, wie genau das gespielte Tempo ist. Die "Score"-Funktion ermöglicht es, das Spielergebnis am Ende bewerten zu lassen. Das interne Metronom beherrscht diverse Taktarten und stellt fünf verschiedene Clicksounds bereit.

Die Anschlüsse ermöglichen das Einbinden in verschiedene Setups

Sollte das Ansprechverhalten der Pads in der Grundeinstellung den persönlichen Vorstellungen nicht entsprechen, kann die Empfindlichkeit sowie eine von sechs verschiedenen Dynamikkurven für jedes einzelne Pad im Utility Menü bestimmt werden. Ebenso kann der Schwellenwert, also die Anschlagstärke, ab der das Pad einen Sound auslöst, eingestellt werden, und auch zur Verhinderung von Crosstalk, also dem unbeabsichtigten Auslösen eines Pads durch einen kräftigen Schlag auf ein benachbartes Pad, gibt es einen zugewiesenen Parameter. Weitere Einstellmöglichkeiten in diesem Bereich beinhalten das Verhältnis vom Rim- und Felltrigger beim Snarepad – und gleichzeitig bei den Toms, sofern Dual Zone Pads verwendet werden – sowie die "Splash Sensitivity", womit der Sound gemeint ist, der beim leichten Antippen des Hi-Hat-Pedals erklingt.

Dank der MIDI- und USB-Anschlüsse kann das Alesis Nitro Mesh Kit auch im Verbund mit anderen Geräten eingesetzt werden. Über den USB-Port kann beispielsweise ein Rechner angeschlossen werden, um beliebige Sounddatenbanken anzusteuern, ebenso kann ein externes Soundmodul per MIDI Out über die Pads des Nitro Kit getriggert werden. Umgekehrt kann auch das Nitro-Modul über MIDI In als Soundquelle verwendet werden. Zu diesem Zweck stellt das Modul 11 Extra-Kits bereit, mit denen General MIDI (GM) Sounds gespielt werden können, beispielsweise Piano, Bass, Strings, Gitarre usw.. Das bedeutet, dass man theoretisch mit dem Nitro-Modul komplette Demotracks auf eine DAW im Rechner aufzeichnen kann.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • große Auswahl an Sounds
  • 16 User Kits
  • transportfreundlich durch geringes Gewicht
  • umfangreiche Anschlussmöglichkeiten
  • erschwinglicher Anschaffungspreis

  • teilweise unausgewogene Lautstärkeverhältnisse der Preset Kits
  • kaum klangliche Variabilität bei unterschiedlichen Anschlagstärken

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