Hersteller_Alesis KC_Keyboard_Controller KC_Exoten
Test
3
10.01.2013

Details

Aus dem Karton purzeln neben dem Vortex ein passender Gurt zum Umhängen (statt dieses sehr schlichten Exemplars kann aber auch jeder handelsübliche Gitarrengurt verwendet werden), die Bedienungsanleitung und eine CD-ROM mit einer Light-Version von Ableton Live. Außerdem kommt ein extralanges USB-Kabel zum Vorschein: Alesis hat mitgedacht und legt dem Vortex eine fast sechs Meter lange Strippe bei – soweit ich weiß, ist das ungefähr die mit USB maximal mögliche Länge. Für die nötige Bewegungsfreiheit ist also gesorgt.

Das kantige Keyboard in schickem Weiß ist auf jeden Fall ein Hingucker. Die Flying V und den Headless Bass der Kollegen aus der 80er-Revival-Band stichst du damit locker aus. Falls es so etwas gibt, würde ich den Look des Alesis Vortex als “retro-futuristisch” bezeichnen. So haben 1985 Dinge ausgesehen, die besonders “cutting edge” wirken sollten. Der “Body” des Keyboards sowie die Buttons, Pads und das Display spielen mit dem Designthema “Parallelogramm”, was dem Instrument ein sehr dynamisches, gepfeiltes Aussehen gibt. Das Display und viele Knöpfe leuchten hell in einem spacigen Blau – sogar an drei blaue Effekt-LEDs am Kopfende wurde gedacht, deren einzige Funktion es ist, beim Spielen zu blinken. Total sinnlos, aber irgendwie geil. Mit dem Teil hat man keine Chance, übersehen zu werden! Gut möglich, dass der Blick der Schaulustigen selbst dann zuerst am Keyboard hängen bleibt, wenn du damit in der knallgelben Spandexhose lässig einem DeLorean oder Countach entsteigst.

Im Gegensatz zu den beiden eingangs erwähnten Umhänge-Synths von Roland besitzt das Alesis Vortex keine eigene Klangerzeugung. Es handelt sich um ein reines Controllerkeyboard, mit dem man Expander oder Software-Synthesizer steuern kann. Damit man dabei so richtig die Sau rauslassen kann, ist das Keyboard mit zahlreichen performance-orientierten Controllern ausgestattet.

Die Form des Vortex richtet sich prinzipbedingt vor allem an Rechtshänder. Allerdings gibt es wohl mehr linkshändische Keyboarder, die ebenso gut mit der rechten Hand spielen können, als Gitarristen – das muss an einem “normalen” Keyboard ja auch funktionieren. Jedenfalls wird die Klaviatur von der rechten Hand bedient. Sie umfasst 37 normal große, leicht gewichtete Tasten mit Aftertouch. Drei Oktaven reichen locker für alles, was man mit einer Hand spielen kann. Darüber (oder darunter, je nachdem) befinden sich ein dreistelliges “Weckerdisplay” (selbst das ist original Achtziger...) und eine Reihe von kleinen Knöpfen, mit denen man Programme auswählen, den Edit-Modus aktivieren und einen eventuell angeschlossenen Sequenzer starten und stoppen kann. Rechts daneben folgen drei programmierbare Drehregler und acht anschlagdynamische Triggerpads. Die Pads können nicht nur Noten senden, sondern wahlweise auch Programmwechselbefehle oder Controllerdaten verschicken. In Verbindung mit dem “Patch Select”-Taster dienen sie zum Umschalten der bis zu 24 Presets, die man im Speicher des Vortex ablegen kann.

Der “Hals” des Vortex ist mit einer Reihe weiterer Controller bestückt, die mit der linken Hand bedient werden. Hier finden wir zunächst ein Sustain-Pad, das die Funktion des gleichnamigen Fußpedals übernimmt. Daneben liegt ein programmierbarer Ribboncontroller, der entweder MIDI-CC-Befehle, Aftertouch- oder Pitchbend-Daten senden kann. Auf den drei kleinen “Ribbon Mode”-Tastern unterhalb des Sustain-Pads lassen sich drei verschiedene Belegungen ablegen. So kann man während des Spielens schnell umschalten. Außerdem kann der Ribbon entweder im “Latch-” oder im “Return-Modus” arbeiten – also den zuletzt erreichten Wert beim Loslassen halten oder auf den Startwert zurückspringen. Rechts davon befinden sich die Oktavumschalter – bei 37 Tasten sehr wichtig – und drei Knöpfe für den Keyboard-Modus: Lower, Upper und Split. Richtig gehört, selbst die kleine Tastatur des Vortex kann man an einem einstellbaren Punkt in zwei Zonen teilen und unterschiedlichen MIDI-Kanälen zuweisen. Die übrigen Bedienelemente sind dabei nicht starr an eine der Keyboardzonen gekoppelt. Für jeden Controller und jedes Pad lässt sich der MIDI-Kanal unabhängig von den Tastaturzonen einzeln einstellen. Sehr flexibel gelöst! Die letzten beiden Bedienelemente liegen an der schmalen Oberseite des Halses und werden mit dem Daumen der linken Hand bedient. Hier warten ein Pitchbend-Rad und ein frei belegbarer Schieberegler auf ihren Einsatz.

Ein weiterer Controller ist von außen nicht zu sehen, dürfte aber besonders viel Spaß bei der Bühnenperformance machen: Das Vortex besitzt einen Beschleunigungssensor, der das Kippen des Keyboards registriert. Beim Hochziehen des Halses können CC-Befehle, Aftertouch- oder Pitchbend-Daten gesendet werden. Endlich enthemmt herumposen wie der Leadgitarrist! Yeah!

Das Anschlussfeld hat rechts außen Platz gefunden. Hier gibt es einen Power-Schalter, der zwischen Batteriebetrieb und USB- bzw. Netzteilstromversorgung umschaltet. Daneben liegt die USB-Buchse zur Verbindung mit einem Computer, gefolgt von einem traditionellen MIDI-Out. Auch ein Sustainpedal lässt sich anschließen, wobei das bei der Performance am Bühnenrand eher hinderlich wäre. Mit Pedal wäre man wieder ortsgebunden und es hinge ein zweites Kabel herunter, über das man stolpern könnte. Zum Glück gibt es ja das handbediente Sustain-Pad. Schließlich befindet sich hier die Buchse für ein Netzteil (5 V DC), das allerdings nicht dabei ist – im Normalfall übernimmt ja die USB-Verbindung die Stromversorgung. Im Lieferumfang enthalten ist dafür eine Gurtschlaufe, mit der sich die Kabel gegen versehentliches Herausziehen sichern lassen. Das ist bei einem Umhängekeyboard natürlich besonders wichtig! Das Batteriefach an der Unterseite schluckt vier AA-Batterien. Der Batteriebetrieb ist vor allem bei der Nutzung des traditionellen MIDI-Ausgangs interessant, wenn die USB-Buchse frei bleibt.

Pro & Contra

  • einzige derzeit erhältliche Controller-Keytar
  • viele frei belegbare Controller
  • ergonomisch gut gelungen (Ausnahme: Drehregler)
  • Tilt-Funktion (Beschleunigungssensor)
  • sehr flexibel konfigurierbar
  • 24 Speicherplätze
  • Batteriebetrieb möglich
  • auffälliges 80er-Design
  • geringes Gewicht

  • Beschleunigungssensor “stolpert” bei schnellen Bewegungen
  • Drehregler ergonomisch ungünstig angeordnet
  • Aftertouch nicht abschaltbar
  • nicht ganz überzeugende Verarbeitung

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X