Hersteller_Allen&Heath
Test
5
03.06.2015

Praxis

Die Inbetriebnahme des Mixers stellt wie erwartet kein Problem dar: kein USB, kein Firewire, kein MIDI und auch kein Faderstart. Einfach nur verkabeln und „feddich“! Ich mein das gar nicht böse, denn mir als Tester kommt dieser Purismus sehr entgegen, da ich nichts zum Laufen bringen muss und mich so gut auf das Wesentliche fokussieren kann. Insbesondere interessieren mich die Abstimmung der EQ-Bänder, der Sound der Filtersektion insbesondere ihr „Schmatz-Faktor“, die Übersetzung der haptisch ansprechenden Rotarys auf die Elektronik sowie der Sound des Kopfhörerausgangs und der Phono-Vorverstärker.

Für den A/B-Vergleich ziehe ich eine Vinyl-Aufnahme meines UREI 1603 (Gott hab ihn selig!) sowie aktuelle Aufnahmen über einen Denon DN-X1600-Mixer heran. Wissen möchte ich zudem, wie sich der Send/Return in der Praxis schlägt. Zunächst folgen aber erst mal ein paar Audiobeispiele der eben erwähnten Preamps und ich kann vorwegnehmen, dass der Phono-Eingang des 43ers wirklich absolut nichts vermissen lässt. Sein durchweg analoger Charakter ist nicht von der Hand zu weisen. Die britischen Vorverstärker können ihre Herkunft nicht verleugnen und klingen wie vermutet sehr konturiert mit viel Wärme und insgesamt sehr ausgewogen. Dabei sind sie stets transparent und stehen den beiden Konkurrenten in nichts nach. Aber hört selbst:

Klang

Der Kopfhörerverstärker hat richtig was auf der Pfanne. Er versorgt meinen K 702, der immerhin seitens AKG mit 200 Ohm Eingangsimpedanz angegeben wird, locker aus dem Handgelenk. Der Punkt, wo der Kopfhörer hörbare Verzerrungen verursacht, ist bei der 12-Uhr-Stellung bereits erreicht, aber der Verstärker ist nicht derjenige, der hier in die Knie geht, sondern der AKG Kopfhörer. Er winkt sprichwörtlich mit der weißen Flagge und fleht um weniger Eingangspegel.

Ich kann ohne rot zu werden von mir behaupten, dass der Xone:43 hinsichtlich seiner Soundqualität meine Erwartungen ein ganzes Stück weit übertreffen konnte. Der A&H-Mischer kam zu einem Zeitpunkt zu mir ins Haus, drei Tage nachdem mein UREI einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitt, was bei mir über mehrere Tage hinweg einigermaßen üble Laune verursachte. Meine Gewöhnung an diesen wirklich guten Klang war somit Eingangsvoraussetzung für diesen Testbericht. Im Grunde hatte es der 43er somit ganz schön schwer, aber er hat mir von Beginn an großen Spaß bereitet. Er ließ mich an einigen Stellen wirklich staunen. Zudem verzückt mich das schlichte und dennoch elegante, zeitlose Design. Und erst die ergonomischen Bedienelemente, die über eine ausgezeichnete Griffigkeit verfügen und mit ihrer angenehmen Haptik spielend leicht die Übersetzung auf die elektronischen Bauteile vollziehen. Wenn die dann auch noch gut klingen, potenziert sich das beim Technik-affinen und hierfür empfänglichen Deejay und die Interaktion kann beginnen: Mensch – Maschine – Mensch ... So was nennt man Inspiration.

Es folgen die Klangbeispiele für den Dreiband-EQ:

Der EQ in seiner Gesamtheit klingt wirklich sehr warm und konturiert. Vor allem die Abstimmung der Bänder ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Hier greift kein Band ins andere und die eminent wichtige EQ-Mitte trifft bei einem Kilohertz genau ins Zentrum unseres Hörbereichs. Die äußeren Grenzfrequenzen sind mit 310 Hz für den Bass und 3,8 kHz für das Höhenband vortrefflich gewählt. Mit ihnen sollen keine Klangveredelungen vollzogen, sondern einfach nur gemischt werden und hierfür sind sie eben nahezu perfekt abgestimmt. Alle Bänder leisten einen maximalen Boost von 6 dB, was gefühlvolles Frequenz-Blending insbesondere im Bass möglich macht. Sämtliche Bänder sind als Isolator-EQs ausgeführt und können prima für Kill-Manöver herhalten, hier hört man nicht einen kleinen Pegelsprung oder auch nur eine Welligkeit, das geht durch wie Butter.

Die Filtersektion ist ein echtes Schmankerl! Dazu muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, außer vielleicht, dass wir zwei davon wollen und den LFO des 92ers wollen wir gleich mit ...

X:FX – sonst nichts

Und nun zur letzten Disziplin meines Tests: der Send/Return-Schleife. Zu diesem Zweck habe ich ein 19-Zoll-Multi-Effektgerät, ein T.C. Electronics M-One XL, einen Röhrenvorverstärker der Marke Dynavox herangeschafft. Vor dem Verkabeln schalte ich den Mixer aus, was ein lautes Knacksen auf der Abhöre verursacht. Das Gleiche erfolgt dann auch wieder beim Einschalten des Teils. Doof, denn ich weiß, dass es auch anders geht. Der Denon und auch der eben von mir geschiedene UREI machen so etwas nicht. Leider wird es nichts mit dem TC als externem Effekt, da die Briten (A&H) und die Schweden nicht die gleiche Sprache sprechen. Xone 43 stellt für X:FX nur unsymmetrische Cinch-Buchsen bereit, mit denen sich der M-One nicht abgeben will, schließlich ist er nur Symmetrisches über XLR gewohnt, schade.

Der Test mit dem Send/Return verlief nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte, denn es traten Probleme auf, die ich erwartet hatte. X:FX verfügt weder über einen Send- noch einen Return-Pegelsteller. Zudem gibt es keine Möglichkeit, die Pegelnorm (Studio/Consumer) zu ändern. In meinem konkreten Fall konnte ich den Röhren-Preamp nur mit Mühe ins Setup einbinden. Hier zeigt sich das Fehlen der Potis insofern, als dass das einzige Poti des Dynavox zum Anpassen des Eingangspegels genutzt werden muss und nicht zur Justierung der Röhrensättigung. Der DN-X-1600 (ein echtes Feature-Monster) dient hier für uns als Referenz. Mit der Pegelanpassung (-10 dBV oder 0 dBu) und dem stufenlos regelbaren Return meistert er den Insert des Effekts mit Leichtigkeit.

Gut, also der Insert von derartigen Tools fällt somit perspektivisch eher ins Wasser. Das Problem kann man nur umgehen, wenn man ganz einfach nur Effektgeräte mit Input und Output Gain nutzt oder Traktor in Kombination mit Audio 8 DJ. Das NI-Setup bietet mit drei verschiedenen Modi (Send, Insert, Postfader-FX) genügend Presets zur Auswahl, und als Send konfiguriert funktioniert es auch mit dem 43er, na also. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr solides Chassis
  • Sehr gute Verarbeitungsqualität
  • Intuitives und übersichtliches Layout
  • Preisverdächtiges Design-Konzept
  • hochwertige Bedienelemente
  • Vier hochwertige Phono-Vorverstärker
  • Fantastisch klingende Filter und EQs
  • Verbessertes LED-Metering
  • Großer Headroom
  • Sehr warmer und transparenter Sound

  • Kein Mono-Schalter und kein Balance-Regler für die Summe
  • Kein symmetrischer Booth-Ausgang
  • Keine Pegelanpassung für den Send/Return
  • Lauter Einschaltknacks

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