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Test
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29.06.2012

American Audio Encore 2000 Test

Dual CD- und Media-Player

Kompakte Workstation für den mobilen Deejay

Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß es zur Beschallung einer Festivität neben PA und Licht auch ein Arsenal an Schallplatten und CDs einzupacken - und natürlich die entsprechenden Zuspieler. Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und Miniaturisierung finden sich heute einige kompakte Gerätschaften auf dem Markt, die eine DJ-Workstation auf kleinstem Raum offerieren und weniger Gewicht veranschlagen als ein Profi-Turntable. Mein heutiger Testkandidat American-DJ Encore 2000 ist so ein Vertreter und kombiniert Mischpult, CD-Laufwerke, USB-Slots für Wechselspeicher, ein Vierkanal-USB-Audiointerface und MIDI-Funktionalität – alles im praktischen Desktop-Format. Ein passendes Mix-Programm für Laptops hat er mit Virtual DJ LE ebenfalls im Gepäck.  

Der Kandidat geht für 479 Euro über den Ladentisch. Zu den Hauptkonkurrenten zählen für mich Geminis CDMP-6000 (429 Euro), der ein ähnliches Konzept samt Phono-Inputs verfolgt, jedoch auf das USB-Audio-Interface verzichtet, sowie Numarks Mixdeck Express für 719 Euro, das Plattenspieler einbinden kann, einen vollwertigen dritten Kanal bietet und mit Serato Intro um die Häuser zieht.  

DETAILS

American Audios Encore 2000 versteht sich als Multimedia- und MIDI-Konsole für den täglichen Touring-Einsatz.
Dem möchte man ad hoc auch gar nicht widersprechen, denn die kompakte Plug-and-Play-Workstation erscheint mit Maßen von 45 x 28,5 x11cm bei 5 Kilogramm Lebendgewicht auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich Road-tauglich. Ich sehe professionelle Ein- und Ausgänge, die Anschlussbuchsen sitzen durchweg fest im Chassis. Das schwarze Kunststoffgehäuse ist sauber verarbeitet, Fader und Potis zeigen vielleicht nicht filigranste, jedoch zweckdienliche Drehwiderstände. Griffige Poti-Kappen sitzen auf Metallstiften und prophezeien Langlebigkeit. Ein Schubser am Jogwheel wird mit ordentlichem Rundlauf quittiert. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Tasten am Gerät verschiedenfarbig beleuchtet, so dass der DJ - unterstützt vom Display - einen guten Überblick hat, welche Funktion gerade aktiv ist. Vier Gummifüße geben sicheren Halt, jedoch kommen die Spitzen der Schrauben gefährlich nah an den Untergrund, also Obacht geben, sollte ein Fuß verloren gehen. Auch beim Transport oder wenn man unbedarft unter das Gerät fasst, ist etwas Vorsicht geboten.

Hinten und vorn

Werfen wir nun einen Blick auf das hintere Anschlussfeld. Hier finden sich auf der rechten Seite die Strombuchse und ein schutzumrandeter Einschaltknopf ein. Daneben haben zwei symmetrische XLR-Master Outputs Platz genommen, die zum Anschluss an professionelle Beschallungsanlagen gedacht sind. Ein zweiter Master Out im Cinch-Format erlaubt, eine Monitoranlage einzubinden und ist gleichermaßen geeignet, die heimische Stereo-Anlage zu versorgen oder die Endstufe in der Kiezbar zu speisen. Ab einem gewissen Übertragungsweg ist wenn möglich die XLR-Variante vorzuziehen, da die Übertragung betriebssicherer ist als mit den Cinchbuchsen.  

Leider ist es nicht möglich, Master und Monitoranlage separat anzusteuern. Das muss an der Anlage selbst geschehen. Der Record Out dient zum Aufzeichnen der Mixsession mittels DAT oder SD-Recorder und ist unabhängig von der Ausgabelautstärke und eventueller Moderationen. Zwei Stereo-Cinch-Inputs bringen externe Zuspieler mit Linepegel in den Mix. Dies können zum Beispiel Sampler, „Trommelmaschinen“ oder Turntables mit Line-Out sein. Phono-Preamps sind nicht verbaut. Eine XLR-Klinken-Kombination dient zum Anschluss dynamischer Mikrofone. Dazwischen ist eine USB-Buchse Typ-B platziert, die für die Verbindung mit dem PC vorgesehen ist.  

Der Output-Modus in Stellung „Mixer“ bewirkt, dass die Cinch-Ausgänge als Master und als Recording Out operieren. In Stellung „Deck“ senden sie getrennte Line-Signale von den Decks. Dadurch eröffnen sie die Möglichkeit zur Timecode-Steuerung, respektive zur Anbindung von DVS-Audiointerfaces, wie dem Rane SL3 oder Native Instruments Audio6, die wiederum über Line zurückgeführt werden können. In diesem Fall muss der Anschluss an das Beschallungssystem über die beiden symmetrischen Schnittstellen erfolgen. An der Vorderseite sind zwei sanftmütige, aber etwas wackelig aufgehängte Laufwerkschlitten zu finden. In ihrer Mitte befindet sich der Kopfhöreranschluss.

Bedienoberfläche

Ein Mixer in der Mitte mit seitengelagerten identischen Laufwerken. Klassischer geht’s kaum. Das Mischpult ist ein Zweikanäler und startet an jedem Zug mit einem Quellwahlschalter, der für Kanal eins Deck und Line-Betrieb gewährleistet. Am Kanal zwei ist obendrein die Stellung „Aux“ für die 3,5-mm-Klinkenbuchse vorgesehen um einen iPod oder sonstige Player anzuschließen. Danach folgen der Aufholverstärker und ein Dreiband-EQ mit zwölf Dezibel maximaler Anhebung und einer Absenkung von bis zu -30 dB. Ganz nach links gedreht bleiben keinerlei Signalanteile zurück. Ein geringer Boost allerdings führt zu einem deutlich vernehmbaren Grundrauschen, auf das ich noch einmal zu sprechen komme.

Im unteren Teil sind zwei 45 Millimeter kurze Linefader und ein ebenso langer Crossfader positioniert. Der Crossfader ist leichtgängig, jedoch leider nicht die erste Wahl für Scratcher, da es ihm an einer hardwareseitigen, stufenlosen Curve-Control mangelt. Stattdessen ist die Kurve im Setup der Software einzustellen. Positiv hingegen ist die Tatsache, dass er sich bei Verschleißerscheinungen oder einem Defekt sogar im laufenden Betrieb austauschen lässt. Er ist kompatibel zum AA Feather-Fader Plus für 29 Dollar.

Dazwischen sitzen zwei zehnstellige ampelfarbcodierte LED-Ketten, die sich der optischen Pegelkontrolle (-25 dB /+11 dB) verschrieben haben sowie ein Q-Start-Schalter. Dieser aktiviert Faderstart für interne und externe Gerätschaften. So lassen sich Titel in Abhängigkeit von der Crossfader-Position starten, ohne den „Play“-Button zu betätigen. Diese Funktion lässt sich auch zum Einspielen eines Samples oder einer durch einen Cuepoint markierten Songposition gebrauchen.

Hoch im Norden, neben der CD-Auswurftaste und dem USB-Schlitz, ist das Display arrangiert. Es ist leider nicht so groß und umfangreich ausgefallen, wie beim Versadeck, doch es entspricht den gängigen Standards dieses Produkttyps und zeigt Titel und Ordnerinformationen, scrollende ID3-Tags, Abspielstatus, Geschwindigkeit in BPM, Laufzeiten (Elapsed, Remain, Total) und Pitch-Werte mit weißer Schrift auf dunklem Hintergrund deutlich an. Der blicktreue Winkel liegt bei knapp 50 Grad.

Darunter sind acht Tasten aufgereiht, die beim Spulen im Track, beim Umschalten der Zeitanzeige und des Abspielmodus (Sgl, Cont), sowie beim Navigieren auf CDs und Sticks (Vor, zurück, +10) behilflich sind. Besonders groß fallen „Cue“ und „Play“ aus. Um einen neuen Cue-Punkt zu erstellen, reicht es, den Button „In“ während der Wiedergabe zu betätigen.  

Der Schleifenbaukasten bietet manuelle nahtlose Loops und eine Reloop-Funktion, mit der sich von jeder Stelle im Song zum letzten Loop zurückkehren lässt. Die Wiederholschleifen werden über die Search-Tasten in einem Rahmen von 1/128 bis zu 64/1 halbiert oder verdoppelt, im letzten Fall auch über die ursprüngliche Länge hinaus. Schön wäre in diesem Zusammenhang eine Smart Loop-Funktion auf Basis der Auto-BPM, manueller TAPs oder die Möglichkeit, Loopflanken mit Hilfe des Jogwheels abzugleichen. Ist jedoch nicht, aber mit etwas Übung läuft´s auch so rund.

Ein 60-Millimeter-Pitchfader sitzt jeweils an der oberen Außenseite. Damit er funktioniert, ist er zunächst einzuschalten. Der prozentuale Regelbereich wird mittels RANGE umgeschaltet und liegt bei +/-4%, +/-8%, +/-16%. Die Deadzones an den Nord- und Südenden fallen mit knapp zwei Millimetern erfreulich klein aus. Auch die Präzision beim Bewegen des Flachbahnreglers ist mit 0,05 Prozent für den angestrebten Verwendungszweck in meinen Augen ausreichend. Tempolock aktiviert einen Timestretch-Algorithmus, damit Geschwindigkeitsänderungen eines Tracks vorgenommen werden können, ohne dabei die Tonhöhe zu ändern (Mickey Maus-Effekt). Das gelingt bis zu einem gewissen Grad recht gut, wie ihr nachstehend hören könnt.

Im Gegensatz zum Pitchfader, der das Tempo dauerhaft erhöht, kann der DJ mit den Pitchbend-Buttons temporär beschleunigen, um zwei Tracks in den beatsynchronen Gleichlauf zu bringen und sie dann ineinander zu blenden. Der Maximalwert beträgt hier 16 Prozent. Die Geschwindigkeit, bis dieser Wert erreicht ist, kann im Setup eingestellt werden (1-100). Alternativ kann man Pitchbending auch mit dem Jogwheel realisieren, was uns zum nächsten Punkt führt.  

Jogwheel

Im unteren Teil einer jeden Decksektion ist lediglich ein freistehendes Jogwheel beheimatet. Es kennt drei Betriebsmodi. Erstens beschleunigt oder bremst es einen Titel bis zu einem Maximalwert von 100 Prozent. Ist „Scratch“ aktiviert, kann man durch Handauflage den Touch-Sensor auslösen und besagtes Manöver durchführen. Im Pausenmodus offeriert der Teller obendrein eine Frame-basierte Suche mit 1/75 Sekunde, um einen Cue-Punkt oder eine Schleife akkurat zu setzen. Das Wheel hat einen Gesamtdurchmesser von 12 cm und eine berührungsempfindliche Oberfläche von 90 mm. Dank seiner angerauten Oberfläche und einem geriffelten Rand liegt es gut an der Hand. Für meinen Geschmack könnte es jedoch etwas mehr Widerstand entgegenbringen, was sich gerade im Vinylmodus, während Backspins oder im Nudge-Betrieb bemerkbar macht. Bei der Handhabe sei noch angemerkt, dass bei einer seitlichen Drehung ein Track nach Stillstand des Rades wider bei vollem Tempo einsetzt. Beim Backspin indes wird das Anlaufen eines Plattentellers emuliert. Bevor es nun in den Praxisteil geht, hier mal ein paar Audiobeispiele dazu.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Einsteigerfreundliches Layout und Handling
  • Plug and Play-Betrieb
  • Kompaktes Design
  • Mediaplayer, DJ-Mixer und MIDI-Controller
  • Hohe Flexibilität (MIDI, extern, intern)
  • Integriertes USB-Audio-interface
  • Case-sensitive Jogwheels
  • Attraktiver Preis
  • Software im Lieferumfang
  • Kompatibel zu gängigen DJ-Programmen

  • Relativ hohes Grundrauschen
  • Dürftige Mikrofonsektion
  • Keine Phono-Eingänge
  • Keine Trackinfos im MIDI-Betrieb
  • Kein echter Curve-Controller
  • Cue-Mix-Prinzip

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