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07.06.2019

Amtlicher Sound für den Support-Act

Als FoH-Mann auf Support-Act-Tour

Tipps für Band und Tontechniker

Die von dir betreute Band hat es mit harter Arbeit, Talent und Glück beziehungsweise Geld in einen Support-Slot eines bekannten Headliners geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Nun muss sich die Band im direkten Vergleich beweisen.

Guter Sound ist eine Möglichkeit, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Allerdings ist der Job als Vorband nicht immer dankbar. Wie alles möglichst reibungslos über die Bühne gehen kann, verraten folgende Tipps und Tricks.

Was ist der Deal?

Als Band auf Tour zu gehen, kostet Geld. Daher ist es nicht unüblich, dass Bands bezahlen müssen, wenn sie als Vorgruppe auftreten möchten. Auch wenn das auf den ersten Blick etwas seltsam anmuten mag: Wer als Support-Act nichts weiter tut, als in den Nightliner zu steigen und seine Show zu spielen, ist sich vielleicht gar nicht bewusst, dass das einen nicht zu unterschätzenden Kostenapparat bedingt. Natürlich gibt es auch die Ausnahme, dass der Headliner sich unbedingt eine bestimmte Vorband wünscht oder ein örtlicher Veranstalter gerne eine regionale Band im Vorprogramm hätte, von der er sich ein volleres Haus verspricht.

Fakt ist: Eure Band belegt Plätze im Bus, im Hotel und beim Catering. Die Techniker müssen länger arbeiten, um eure Show vorzubereiten. All das kostet Geld, das sich der Veranstalter gerne über den Verkauf des Support-Act-Slots zurückholt. Das tangiert euch als Tontechniker nicht direkt, dennoch ist es sinnvoll, die Hintergründe der Tour zu kennen. Denn erst wenn der finanzielle Teil geklärt ist, kann es endlich losgehen. Der Tourplan steht und ihr müsst euch vorbereiten. 

Hausaufgaben für die Band

Die Vorband hat meistens ein festes Zeitfenster für den Auftritt sowie Auf- und Abbau. Wollt ihr Ärger vermeiden, solltet ihr diese Zeiten einhalten. Die Band muss also wissen, wie lang das eigene Set ist und ob die angedachten Zeit für Auf- und Abbau realistisch sind. Ein Trockentest im Proberaum schafft Gewissheit.

Führt in jedem Fall ausreichend Ersatzteile und Notfallpakete jeglicher Form mit. Wer im spanischen Hinterland nach raren Ersatzröhren für einen handgebauten Boutique-Amp suchen muss, wird höchstwahrscheinlich mit der Erkenntnis nach Hause fahren, dass ein Line 6 POD oder ein ähnlicher Bodentreter den Gig hätte retten können.

Aber was passiert, wenn man zwar alles dabei hat, doch beim Abbau einen Teil der Backline vergisst und das erst am nächsten Tag hunderte Kilometer entfernt feststellt? Euch passiert das nicht? Ich arbeite als Haustechniker eines Rockclubs und kann aus Erfahrung sagen, dass bei fast jedem Gig etwas liegen bleibt. Daher ein einfacher Tipp, um eure Utensilien zusammenzuhalten: Erstellt für die Tour eine durchnummerierte Inventarliste!

Alles, was mit auf Tour geht, wird in Cases, Racks und Koffern verstaut und jedes Transportbehältnis erhält einen Aufkleber mit Nummer und Inhaltsbeschreibung. Beim Einladen hakt ein Bandmitglied die entsprechende Nummer ab. So stellt man schnell fest, ob irgendetwas fehlt, bevor der Rock'n'Roll-Zirkus die Stadt verlässt.

Arbeitsanweisung für den Tontechniker

Wenn ihr als Tontechniker auf Tour für den richtigen Sound sorgen dürft, könnt ihr euch glücklich schätzen. Die Band setzt das Vertrauen in euch, den Bandsound gut rüber zu bringen. Das Mixen ist aber nur ein Teil eurer Aufgabe. Vielmehr seid ihr auch Interface zwischen Band, Tour-Manager und den örtlichen Technikern.

Der erste Schritt ist immer, sich beim Veranstalter über die Konditionen der Tour zu erkundigen: Reist ihr mit eigenen Fahrzeugen oder wird ein Nightliner spendiert? Wie viel Platz ist für Backline und persönlichen Dinge vorhanden?

Bei der Tontechnik sind mehrere Szenarien möglich: Der Headliner bringt eigene Pulte mit und ihr nutzt die Mischpulte der Venues. Oder der Headliner nutzt die Hauspulte und ihr müsst eigene Mixer mitbringen. Oder alle Bands nutzen die Hauspulte. Erst wenn ihr die Konstellation kennt, könnt ihr weiter planen.

Reist ihr mit eigenem Pult an, erstellt ein passendes Mixfile und einen Input-Patch. Das ist eine Auflistung, welches Mikrofon oder Line-Signal auf welchem Eingang der Stagebox bzw. dem Mischpult aufliegen soll. Größere Venues haben meistens Hauspersonal, das sich um die Verkabelung der Band kümmert oder ihr dabei hilft. Ein Input-Patch erleichtert den Verkabelungsprozess enorm.

Nutzt ihr die Hauspulte, findet heraus, welche Pulte das sind. Notiert euch auch den Namen des lokalen Technikers und/oder Ansprechpartners und kommuniziert vorab den Rider der Band inklusive Input-Patch.

On the Road

Die Tour beginnt und man schlägt am ersten Venue auf. Potentielle Alliierte sind nun der oder die Haustechniker. Stellt euch vor und informiert die Local Crew über die Bedürfnisse eurer Band, falls ihr das im Vorfeld noch nicht tun konntet.

In der Regel absolviert der Headliner als erstes seinen Soundcheck. Versucht bereits jetzt, möglichst viel eurer Backline und Tontechnik spielfertig zu machen. Je mehr von eurem Material steht, desto früher könnt ihr mit dem Soundcheck beginnen. Auf Tour gibt es normaler Weise für jede Station einen Ablaufplan mit festen Zeiten. Versucht, immer rechtzeitig am Start zu sein und Zeit zu sparen. Auch wenn ihr alles richtig macht und im Zeitplan liegt, muss das nicht unbedingt für den Headliner gelten.

Wenn es ganz schlecht läuft und der Headliner beispielsweise im Stau gestanden hat, kann es vorkommen, dass sich eure Soundcheck-Zeit dramatisch verkürzt. Während der Headliner seinen Soundcheck durchführt, kann man aber als Tontechniker der Vorgruppe schon einiges vorbereiten. Nutzt ihr eigene Funkstrecken oder In-Ear-Systeme, ist jetzt die Zeit, diese einzurichten und zu schauen, ob es Interferenzen mit den Systemen des Haupt-Acts gibt.

Oder unternehmt einen kleinen Spaziergang im Venue und prüft die Schallverteilung im Raum. Wie klingt es am FoH-Platz und wie in der ersten Reihe? Wie ist die Sprachverständlichkeit, gibt es Bass-Überhöhungen oder -löcher? Gibt es andere Problemfrequenzen, wie ändert sich der Sound bei gefüllter Halle? Holt euch Tipps vom Haustechniker!

Nutzt ihr das Hauspult, ladet euer Showfile, das ihr vorab erstellt habt. Kommt ein analoges Pult zum Einsatz, steckt Kompressoren, Gates und Effekte. Mittels Talkback-Mikrofon lässt sich checken, ob alles funktioniert. Nichts ist nerviger, als den Soundcheck wegen eines falsch gesteckten oder defekten Effektgeräts unterbrechen zu müssen.

Wenn der Soundcheck beginnt, sollte der FoH-Platz spielbereit sein, vor allem wenn ihr ein eigenes Pult mitführt. Ganz wichtig: Reist ihr mit eigenem Digitalpult und Stagebox, checkt so früh wie möglich die Verbindung vom Pult zur Stagebox. Ist der Headliner mit dem Soundcheck fertig, prüft als erstes mit einem Zuspieler und einem Konserven-Track die PA. Nutzt dazu ein Mono-Signal! Jetzt das Monosignal zwischen linker und rechter PA Seite pannen: Ist die PA richtig verkabelt (links/rechts) und stimmen die Wege? Nutzt den Test-Track auch dazu, Problemfrequenzen mit dem Summen-EQ zu behandeln, während euer Backliner und/oder das Hauspersonal die Band verkabelt und mit Mikrofonen versieht.

Generell gilt: Wedges first! Erst wenn der Monitorsound steht, kümmert man sich um den FoH-Mix. Nur mit einem guten Monitorsound kann die Band überzeugend aufspielen und sich optimal präsentieren.

Bevor ihr die ersten Signale der Band auf die PA gebt, erkundigt euch nach einem SPL-Limit. Nichts ist nerviger, als erst nach dem Soundcheck zu erfahren, dass man die Show einige dB leiser fahren muss. Nutzt die Band ein eigenes Pult, eigene Mikrofone, In-Ear-Strecken und erfolgt der Monitormix vom FoH-Platz, startet beim nächsten Gig nicht mit eurem Startfile, sondern mit dem File der letzten Show. Das hat den Vorteil, dass der In-Ear-Monitormix schon gut passen sollte, was wiederum wertvolle Zeit für den FOH-Mix spart.

Achtung! Es folgt der wichtigste Tipp, um sich einen der peinlichsten Momente als Tontechniker zu ersparen: Speichert das Mixfile direkt nach dem Soundcheck, und zwar mehrfach! Ich sichere grundsätzlich zweimal im Pult und einmal auf einem USB-Stick, der darauf sofort in der Hosentasche verschwindet. Der Sicherheitszyklus wird damit vollendet, dass man sein Pult sperrt.

Mir ist nämlich einmal Folgendes passiert: Open-Air-Veranstaltung mit 4.000 Zuhörern, drei Bands und einem Digitalpult für alle Beteiligten. Die von mir betreute Band ist Headliner und als ich kurz vor Showbeginn an das Pult trete, muss ich feststellen, dass der Techniker der Vorband mein File überschrieben hat. Ohne Backup eine sehr unentspannte Situation.

Aus und vorbei

Nach dem Gig ist vor dem Gig; geordneter Rückzug ist angesagt. Die Bühne muss schnell geräumt werden, damit der Headliner loslegen kann. Erstmal Bier trinken und abfeiern ist nicht – und kommt auch nicht gut beim Headliner und dessen Crew an.

Seid ihr ohne Backliner auf Tour, muss jeder in der Band anpacken. Das gilt auch für Sänger. Ist die Bühne frei und eure Backline steht kompakt an einem Platz, ist Zeit durchzuschnaufen. Aber nicht zu lange, denn wenn der Headliner mit seinem Set durch ist, steht eure Backline sehr wahrscheinlich im Weg. Die Crew des Headliners braucht jetzt den Platz, um deren Backline zu sammeln. Packt also euer Zeug in das Transportfahrzeug (mit Hilfe der Inventarliste!), bevor der Headliner mit seinem Set durch ist.

Außerdem solltet ihr euch nach dem Auftritt des Headliners flugs an euren Merchandise-Stand begeben. Denn jetzt ist die Zeit, um T-Shirts und Tonträger zu verkaufen, in Kontakt mit dem Publikum zu treten und neue Fans zu generieren. Beendet wird der Glückstaumel durch die im Tourplan festgehaltene Curfew. Das bedeutet: Zapfenstreich! Das Venue schließt seine Pforten und komplementiert euch heraus. Der erste Tag ist geschafft, aber mit diesen Tipps sollten die weiteren Termine einfacher und geordneter von der Hand gehen. Rock'n'Roll!

Veröffentlicht am 07.06.2019

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