Test
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07.01.2021

ANT ASM 12 Test

Aktiver Bühnenmonitor

Kompakter Koax!

Monitore mit koaxialer Bestückung sind angesagt. Das Konzept rund um einen Koax-Treiber bietet akustisch viele Vorteile. Auch was die Gehäusegröße betrifft, punktet ein Koax-Treiber mit geringem Platzbedarf, was auch für den heutigen Testkandidaten ANT ASM 12 zutrifft. Schaut man sich die kompakte Box an, würde man eher eine 10-Zoll-Bestückung vermuten. Daher bietet sich der schmale Monitor besonders für kleine Bühnen und Proberäume an. Sein musikerfreundlicher Preis unterhalb der Schallmauer von 300,– Euro macht ihn der Papierform nach zu einem guten Allrounder für Low-Budget-Einsätze. Dass man dafür offensichtlich keine Abstriche beim Design machen muss, macht den ANT ASM 12 umso attraktiver. Doch wie ist es um die klangliche Performance des Aktivmonitors bestellt?

Details

Bevor wir uns im Praxisteil um den Klang und die Lautstärkereserven des Kandidaten kümmern, schauen wir uns die ANT-ASM-Serie erstmal etwas genauer an. Der ASM 12 ist ein Teil einer größeren Familie, denn mit dem ASM 10 und dem ASM 15 bietet der Hersteller ANT noch zwei weitere Modelle an, die sich im Wesentlichen nur durch die Treiberbestückung und die Gehäusegröße unterscheiden. Der ASM 10 ist mit einem 10/1-Zoll-Koax-Treiber bestückt, während der ASM 15 mit ein 15/1-Zoll-Koax aufwartet. Die Modelle ASM 12 und ASM 15 werden von einer 600 Watt starken Endstufe befeuert, während der ASM 10 mit 400 Watt angetrieben wird. Ansonsten teilen sich alle drei Monitore ein identisches Design und die gleiche Ausstattung.

Geliefert wird die ASM-12-Teststellung im Karton. Das Gehäuse wird beim Transport durch Schaumstoffpolster geschützt und ein großes Silikat-Trockenmittelpäckchen sorgt dafür, dass der Monitor auf seinem Weg aus Fernost in heimische Gefilde nicht mit zu viel Feuchtigkeit in Berührung kommt. Der Lieferumfang umfasst das Notwendigste. Die üblichen Papiere (Sicherheitshinweise, eine Gebrauchsanweisung) und ein Kaltgerätekabel – das ist alles.

Den Monitor aus dem Karton zu bergen, ist dank seines niedrigen Gewichts von 19 Kilogramm und der beidseitig am Gehäuse verlaufenden Vorsatzschalen ein Kinderspiel. Diese Vorsatzschalen dienen zum einen als veritabler Griffersatz und schützen zudem den verbauten Hochständerflansch auf der einen und das Aktivmodul auf der anderen Seite des Gehäuses. Ein cleveres Design, das im ANT-Hauptquartier in Italien entwickelt wurde. Design können die Italiener, daher verwundert es nicht, dass die die kompakte Kiste auch dank ihrer Optik punktet. Das massive Holzgehäuse mit schwarzem Strukturlack ist tadellos verarbeitet und mit einem vollflächigen Lautsprechergitter mit hinter liegendem Akustikflies versehen. Das sieht gut aus und schützt den verbauten Treiber.

Bühnenmonitore sind stets inmitten der Splash Zone. Hier kann schon mal ein Flugbier vom Publikum oder den Musikern versenkt werden. Für den ASM 12 kein Problem. Der Monitor ist konvektionsgekühlt und führt die entstehende Wärme der verbauten Endstufenplatine über eine Metallplatte auf der Rückseite an die Umgebung ab. Sehr gut!

Aktivmodul

Auch das Aktivmodul kommt ohne Lüfter oder Luftschlitze aus, außerdem sitzt es gut geschützt hinter einer Griffvorsatzschale, sodass alle Anschlüsse zusätzlich geschützt sind. Die Bedienelemente sind schnell aufgezählt. Zur Signalaufnahme steht eine Combobuchse (XLR/Klinke) bereit, dazu passend findet man einen versenkt angebrachten Mic/Line-Umschalter. Für die kleine Ansage zwischendurch kann also getrost ein dynamisches Mikrofon an dem Aktivmodul andocken. Der Level-Regler agiert dabei als Gain-Poti. Schönes Extra! Genau wie die beiden schaltbaren EQ-Presets (Live Monitor & Playback).

Die Playback-Einstellung dürfte sich anbieten, wenn der ASM 12 als FoH-Box verwendet wird. Aus diesem Grund ist auf einer Gehäuseseite ein Hochständerflansch für den Einsatz auf einem Lautsprecherstativ verbaut. Zurück zum Modul. Die restliche Ausstattung betrifft die Netzversorgung. Ich notiere eine Kaltgerätebuchse, einen Netzschalter und einen außenliegenden Sicherungshalter für den Fall der Fälle.

Im Motorraum

Ich habe jüngst in einen neuen Akkuschrauber investiert, den ich am ASM 12 beziehungsweise an dessen Lautsprechergitter ausprobiere. Ohne Akkuschrauber wäre es mühsam gewesen, denn an Schrauben hat man beim Lautsprechergitter nicht gespart. Nachdem das Gitter entfernt wurde, ist der Blick auf den Treiber frei. Dieser wird zusätzlich geschützt durch zwei Holzstücke, die das Gewicht abfangen sollen, falls sich im Rocken-Roll-Betrieb jemand auf das Lautsprechergitter stellen sollte. Der Treiber selbst ist ein einfacher Ferrit-Koax mit Presskorb. Die interne Verarbeitung ist für ein günstiges Produkt erstaunlich gut. Eine saubere Verkabelung, wichtige Bauteile sind zusätzlich mit Montagekleber fixiert und das Gehäuse zudem mit Dämmmaterial ausgekleidet. Respekt!

Vor- und Nachteile von Koax-Treibern

Bevor wir zum Praxisteil kommen, möchte ich kurz einige Worte über Koax-Treiber verlieren und warum gerade diese Treiber bevorzugt bei Bühnenmonitoren zum Einsatz kommen. Dabei sind Koax-Treiber keine neue Erfindung. In den 70er-Jahren waren beispielsweise die Altec 604 Koax-Treiber sehr beliebt, während Mitte/Ende der 80er nicht wenige Monitorboxen mit Beyma-Koaxen bestückt wurden. Was macht diesen Treibertyp für Entwickler und Lautsprecherhersteller gleichermaßen populär?

Mit einer koaxialen Treiberanordnung (der Hochtöner sitzt in der Mitte des Tieftöners) lässt sich ein typisches physikalisches Problem eines Mehrwege-Lautsprechers elegant umschiffen. Durch die Anordnung der Treiber auf einer Achse (daher der Name „Ko-Ax“) ist es einfach, ein phasenkorrektes Abstrahlverhalten zu generieren, um damit dem Ideal einer Punktschallquelle konstruktiv nahe zu kommen. Eine ideale Punktschallquelle strahlt den Schall in alle Richtungen gleichmäßig ab. In der Praxis kommen diesem Prinzip vor allem ein Breitbandlautsprecher und ein Koax-Treiber besonders nahe. Dabei benötigen Koax-Konstrukte in der Regel keine Laufzeitenanpassung der einzelnen Treiber, wie sie bei einer herkömmlichen Mehrwegebox fast immer notwendig ist.

Ein weiterer Vorteil eines Koax ist dessen komprimierte Bauform, welche die Verwendung eines sehr kompakten Lautsprechergehäuses erlaubt. Gerade auf kleinen Bühnen sind Monitorboxen mit Koax-Treiber daher eine beliebte Abendbegleitung.

Pro & Contra

  • Holzgehäuse
  • sehr günstiger Preis
  • modernes Design
  • Hochständerflansch
  • DSP-Unterstützung
  • großzügige Griffschalen
  • Konvektionsgekühlt
  • niedriges Gewicht
  • gute Verarbeitung
  • zwei EQ-Presets
  • Mic/Line-Umschaltung

  • Kaltgerätekabel zu kurz

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