Test
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10.04.2014

Praxis

Als ich das Antelope Orion 32 nach dem Auspacken in der Hand hielt, war ich erst einmal von der stylischen und puristischen Anmutung sehr angetan und von dem geringen Gewicht überrascht. Die beigelegte Dokumentation ist dabei sehr Apple-mäßig inspiriert, aber bisher leider nur auf Englisch verfügbar.

Doch wer schön sein will, muss leiden, dachte ich mir, als ich feststellte, dass sich kein Kopfhörerausgang oder zusätzlicher Stereo-Out, beispielsweise auf XLR-Basis, einfand. Für reisende Musiker ist das Orion32 also nicht unbedingt gedacht, es sei denn, sie bevorzugen große 19-Zoll-Racks, in welche sie am besten gleich die Mic-Pres mit einschrauben, denn am Orion32 selbst gibt es ja keine zu finden.

Orion ist also eher für Veranstaltungsleute, Festeinbauten und größere Studios gedacht -  die wiederum werden sich über die ausschließlich auf Sub-D gehaltenen Analog-Verbindungen durchaus freuen. Trotzdem, ein HP-Out für Systemchecks hätte das Budget sicherlich nicht gesprengt. Ebenso vergeblich sucht man Monitorcontroller-Funktionen, aber dafür gibt es ja bekanntlich reichlich Spezialisten. Hat man sich aber entsprechend verkabelt, kann es auch schon losgehen. Einen Moment noch, nur noch kurz alles auf den neusten Softwarestand gebracht - Stromkabel abziehen, anstecken gehört übrigens dazu - und die erste Hörsession kann anfangen!Ohne große Umschweife möchte ich mitteilen, dass der Orion-Wandler sehr neutral, detailliert und vor allem wunderbar musikalisch auflöst, weswegen man auch keine Verschlechterungen von Audiomaterial feststellt, wenn man mittels einer kurzen Kabelverbindung von den Ausgängen direkt auf die Eingänge „routet“ und wieder aufnimmt! Im Vergleich zu meinen RME-Wandlern klangen die Orion-Wandler weniger hart in den Höhen und schmeichelten den Ohren auch auf einen angenehme Art und Weise. Aber hört doch lieber selbst!

Klanglich kann mich die kleine Gazelle – Pardon -  „Antilope“ also voll und ganz überzeugen. In wie weit der Klang nochmals präziser und detaillierter wird, sollte man eine der speziellen „Atomuhren“ zum Clocken benutzen, kann ich aus Ermangelung einer solchen leider nicht beurteilen. Die Faustregel lautet hierfür, je höher die Samplerate, und  je mehr Kanäle und Wandler parallel laufen, umso deutlicher wirkt sich eine bessere Clock auf das Gesamtergebnis aus. Antelope hält dafür jedenfalls die Isochrone M10 für das Tool der Wahl, welche allerdings alleine etwas mehr als zwei Orion 32 zusammen kostet. Doch das nur so am Rande.

Schön war es übrigens auch, dass ich aufgrund der vielen I/Os gleich alle Audiobeispiele simultan „analog überspielen“ konnte. So ging es mit einem D-SUB-25 Kabel von MTI von den Ausgängen 1-8 direkt in die Inputs 1-8 und das bei einer Samplerate von 44,1 kHz. Um den Stresstest zu machen, habe ich parallel dazu auch noch ein paar Signale von ADAT zu S/PDIF geroutet sowie ein paar MADI-Channels untereinander verknotet, um ordentlich Alarm auf der Datenautobahn zu provozieren. Insofern ist es schön zu hören, dass es zu keinen Dropouts oder Ähnlichem kam, und das sogar auf meinem etwas betagteren MacBook in Ableton Live. An meinem PC verhielt sich Orion ähnlich flott und zuverlässig, allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in verschiedenen Foren auch von teilweise erheblichen Problemen mit dem USB-Audiointerface und verschiedenen DAWs berichtet wird.

Etwas schade ist in dem Zusammenhang auch die USB-Beschränkung beim Mac auf 24 Kanäle bzw. 96 kHz, praktisch ist das aber durchaus zu verschmerzen. Wer unbedingt ausreizen will, sprich alle I/Os mit maximaler Samplerate nutzten will, sollte gleich andere MADI-Interfaces, wie z.B. die Madifaces von RME budgetieren, weshalb der MADI-I/O am Gerät eine wirklich sinnvolle Alternative zu USB ist und sicherlich auch als solche gedacht ist. Noch eine Antelope-Unit über MADI dranhängen und alles über eine USB-Strippe betreiben, ist hier (momentan) sowieso nicht möglich. 

Die restlichen Routing-Optionen inklusive einem Low-Latency-Submixer sind auch beeindruckend - wenn man den Dreh einmal raus hat! Hat man sich in die Struktur des „Routers“ eingearbeitet, kann man hier gut arbeiten, wenn mir auch mein RME UFX Matrix-Mischer besser gefällt, weil er deutlicher, umfangreicher und intuitiver ausfällt, und auch mehr als einen Low-Latency-Submix erstellen kann. Ohne Probleme können hier neben dem reinen Analog-zu-USB-Recording auch noch ADAT-, S/PDIF- und MADI-Streams verwaltet, geroutet, eingefügt und was weiß ich noch alles werden! Mit entsprechenden Einschränkungen bei der analogen Kanalanzahl können so die digitalen I/Os auch via USB mit in den Computer geroutet und so aufgenommen werden. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass man ab 88.2 kHz eine MADI-Leitung für je 32 Kanäle benötigt. Via MADI lassen sich zwei Orions so auch am besten kaskadieren, man braucht dann nur noch ein zusätzliches MADI-Interface. 

Insofern ist es natürlich auch äußerst sinnvoll, verschiedene Konfigurationen als Preset abspeichern zu können, und sie dann am Gerät mit nur einem Knopfdruck aufrufen zu können. Und selbstverständlich geht das Ganze ja auch Standalone.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr viele analoge Ein- und Ausgänge
  • Sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis
  • Pragmatischer Purismus
  • Viele Digital-Optionen
  • USB-Audiointerface

  • kein Kopfhörerausgang
  • USB-Performance verbesserungswürdig

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