Test
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22.05.2020

Praxis

Das AudioFuse Studio bietet für jeden Handgriff direkt einen Knopf

Alle Bedienelemente des AudioFuse Studio machen spontan einen soliden und robusten Eindruck. Stabilität ist auch nötig, weil das Gerät im Prinzip aus jedem Computer ein komplettes Tonstudio zaubert, was in der Praxis bedeuten kann, dass jeder einzelne von diesen Knöpfen im Laufe der Jahre einer Dauerbelastung ausgesetzt sein wird. Hier kann ich als Tester leider nur spekulieren, weil ich ja nicht 5 Jahre warten kann, bis ich diesen Text an die Redaktion gebe. Ich gehe nun deswegen selbstverständlich davon aus, dass auch nach ein paar Jahren Dauerbetrieb alle Funktionen noch erreichbar sind, muss aber erwähnen, dass es eventuell leichtsinnig wäre, sich total auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Mein persönliches Gefühl ist, dass die Potis durchaus hochwertig sind, während die Taster sich nicht unbedingt so anfühlen, als wären sie für die Ewigkeit gebaut. Die Taster lassen durch eine schwache Hintergrundbeleuchtung nach dem Anschalten ihre Beschriftung erkennen und gewinnen ein wenig an Leuchtkraft, wenn die entsprechende Funktion aktiv ist. Der Helligkeitsunterschied ist für meinen Geschmack recht gering, es lässt sich aber durchaus bequem erkennen, welcher Taster gerade aktiv ist.Das Arbeiten mit dem AudioFuse geht auch ohne jeglichen Einrichtungsaufwand leicht von der Hand, ich konnte das Interface zum Beispiel an einen Raspberry Pi anschließen und sofort verwenden. Die Arbeit mit dem AudioFuse Studio ist zusätzlich dadurch so richtig idiotensicher, dass alle Funktionen, die sinnlos sind, einfach immer abgeschaltet sind. Phantomspeisung ist dementsprechend nur dann überhaupt schaltbar, wenn ein XLR-Kabel steckt, überhaupt reagieren die Taster eines jeden Kanals erst dann, wenn ein Kabel eingesteckt ist. Das setzt sich in der mitgelieferten Software fort, bei der zum Beispiel die ADAT-Kanäle nur dann angezeigt werden können, wenn an der Schnittstelle auch ein Signal anliegt.

Die Software des Arturia AudioFuse Studio bietet viele durchdachte Möglichkeiten, das Gerät an seine Arbeitsumgebung anzupassen.

Die Bedienung am Bildschirm erfolgt intuitiv, bei jeder Drehung eines virtuellen Potis oder Faders werden genaue Werte in Zahlen angezeigt. Und wie erwartet bringt ein Doppelclick den Regler wieder in Standardposition. Ein wenig unsinnig ist lediglich, dass ein gemutetes Signal im Mixer auch nach Aktivierung des Solo-Buttons stumm bleibt.Neben dem Mixer bietet die Software etliche Einstellmöglichkeiten. So lässt sich hier nicht nur bestimmen, ob an Line 5-6 ein Plattenspieler angeschlossen werden soll oder an Line 7-8 ein Bluetooth-Device, sondern auch die Impedanz der Digitaleingänge und ein Ground Lift für die Reamping-Ausgänge schalten. Ja, richtig gelesen, es gibt ganze zwei Ausgänge für das Reamping von Gitarren! Und um die Detailfunktionsverliebtheit zu steigern, sind diese beiden Ausgänge spannungsgekoppelt, wodurch es möglich sein soll, direkt analoge Steuerspannungen (CV) für analoge Synthesizer auszugeben. Routing und Eigenschaften des Listen-Buttons und des Talkback-Buttons lassen sich am Computer ebenso einstellen wie die Stärke der Dim-Funktion, die Eigenschaften der Clip-LEDs und die Frage, ob der Regler für den Abhörpegel einen einheitlichen Pegel für beide Monitorpaare oder jeweils unterschiedliche Pegel definieren soll.

Dieses Poti ist nämlich ein Impulsgeber, lässt sich also endlos drehen, wobei eine LED-Anzeige den eingestellten Wert anzeigt. Allerdings tut sie das nur, solange man am Poti dreht, andernfalls wird dort der Pegel des Main Mixes angezeigt. Das ergibt durchaus Sinn, weil dadurch die Anzahl der Informationen, die ich als Anwender gleichzeitig bekomme, so gering wie möglich gehalten wird, was die Arbeit mit einem Funktionsmonster wie diesem entspannter gestaltet.

Das Einstellen der Abhörlautstärke fühlt sich ein kleines bisschen billig an, weil es wesentlich mehr Rasterpunkte beim Poti als LEDs gibt, also hat man den Eindruck einer ruckeligen Bedienung. Das wirkt sich auf die praktische Arbeit natürlich nicht aus, soll aber erwähnt sein. Auch die LEDs zur Input-Anzeige wirken etwas grob, hier ist dann doch immer wieder ein kurzer Blick in die DAW erforderlich.

Wie klingt das Interface in der Praxis?

Die Mikrofon-Preamps kommen etwas angeberisch mit einem Zertifikat und Messwerten daher, was mich noch nie beeindruckt hat, weil sich der Klang eines Micpres dann doch nie in diesen Zahlen widerspiegelt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Qualität der Vorverstärker für diese Preisklasse durchaus erstaunlich finde, sie rauschen so gut wie nicht und klingen klar und präzise. Dass Arturia empfiehlt, für bereits vorverstärkte Signale die Eingänge 5-6 zu verwenden, weist darauf hin, dass auch im Line-Pegel-Modus die Preamps der Kanäle aktiv sind. Das macht aber nichts, sie klingen gut. Sehr schön ist, dass sich die ersten vier Eingänge auf Pickup-angepasste Eingangsimpedanz („Instr“) schalten lassen, das klingt in der Praxis tatsächlich klarer und tonal präziser, wenn eine Gitarre oder ein Bass angeschlossen ist.

Die Qualität der Digitalwandlung erscheint mir persönlich eine kleine Spur zu kratzbürstig und lässt ein wenig Tiefenzeichnung vermissen. Längeres Hören gerät eher zu einer Belastung, weil es oberhalb 3 kHz eher aufdringlich klingt und alles darunter etwas flach. Das Anschließen einer hochwertigen externen Clock als Master beseitigt den anstrengenden Charakter sofort vollständig und das Interface klingt weich, transparent und angenehm. Da hat man wohl an der internen Clock gespart, was schade ist, weil das ja der mit Abstand wichtigste Teil des ganzen Gerätes ist. Es empfiehlt sich also unbedingt, auch über den Kauf einer hochwertigen Masterclock nachzudenken, wenn das Interface viel und professionell genutzt werden soll.

Leider wird der trotzdem durchaus positive Eindruck, den ich von diesem Gerät habe, zusätzlich abrupt gemindert, sobald ich die Talkback-Funktion nutzen möchte. Da bricht ein Unwetter aus verschiedensten unangenehm lauten Störgeräuschen über mich herein, das eine normale Sprechlautstärke glatt übertönt. Offenbar ist man bei Arturia der Meinung, dass die klanglichen Eigenschaften des Talkbackweges nicht absolut zentral sind, und natürlich ist da was dran. Ich würde persönlich aber trotzdem lieber darauf verzichten, sensible Musiker, die gerade unter Anspannung stehen und Höchstleistungen vollbringen wollen, durch einen solchen Krach hindurch anschreien zu müssen.Für professionelles Arbeiten wäre es also sicherlich gut, eine andere Talkback-Lösung zu finden.

Nicht ganz so schlimm, aber irgendwie unsauber finde ich, dass Talkback Input 7 und 8 unterbricht, wenn es geschaltet wird, die beiden Eingänge sind also in einer normalen Aufnahmesituation nicht verwendbar.

Abgesehen vom Talkback-Krach-Inferno, das auch schon beim kleineren AudioFuse zu bemängeln war, hat sich Arturia aber offenbar die Mühe gemacht, alles, was dort bisher störte, zu verbessern. Das Gehäuse erreicht Temperaturen, mit denen man kein Spiegelei braten kann, die ruckelige Mikro-USB-Buchse ist einer soliden USB-C Buchse gewichen, das Stromadapterkabel sitzt bombenfest, weil es sich anschrauben lässt und einen Power-Knopf gibt es auch.

Pro & Contra

  • enorme Vielfalt an Anschlussmöglichkeiten
  • gut durchdachtes Bedienkonzept
  • intuitive Handhabung durch viele Taster und Potis

  • sehr lautes Nebengeräusch auf dem Talkback-Kanal
  • ausbaufähige Qualität der internen Clock

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