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Test
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15.08.2014

Arturia iSEM Test

Apple iPad App

Nachdem 2003 French Fries in Freedom Fries unbenannt wurden, ist der iSEM ein versöhnliches Beispiel französisch-amerikanischer Kooperation. Die Entwickler aus Grenoble haben den amerikanischen Synthesizer-Klassiker Oberheim SEM von 1974 als iOS Version ins Leben zurückgerufen, wobei der iSEM keine hundertprozentig exakte Nachbildung eines historischen Gerätes ist, aber wir wollen hier keine Haare spalten, denn Emulationen haben es auch nicht leicht!

Mein Korg Polysix von 1981 und die von bonedo bereits getestete iOS Version iPolysix haben klanglich eigentlich überhaupt keine Übereinstimmung, was allerdings im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass die iPad-Variante nicht doch gewinnend in Musikproduktionen eingesetzt werden kann! Das liegt u.a. daran, dass derartige Nachbildungen realer und historischer Geräte oftmals mit weiteren Features wie zusätzlicher Polyphonie, Effekten, Sequencern etc. „aufgebohrt“ werden. So geschehen auch bei Arturias iSEM, bei dem mir mangels entsprechender Hardware kein klanglicher Vergleich zum Vorbild möglich ist. In diesem Testbericht wollen wir ausschließlich herausfinden, wie viel Spaß, Sound und Inspiration der iSEM bietet.

Details

Der virtuell analoge iSEM ist ein typischer Vertreter der subtraktiven Synthese. Für seinen Einsatz benötigt man als Mindestvoraussetzung ein iPad2 unter iOS 5.1.1/ iOS6 (Quelle: Arturia). Die Eckdaten der Klangerzeugung sehen wie folgt aus:

  • 2 synchronisierbare Oszillatoren (Sägezahn, pulsbreitenvariabler und -modulierbarer Rechteck)
  • Suboszillator (Sinus, Sägezahn, pulsbreitenvariabler Rechteck)
  • Rauschgenerator (nicht gleichzeitig mit Suboszillator nutzbar)
  • 2 ADS Hüllkurven
  • 2 LFOs (LFO1 Sinus, LFO2 Sinus, Sägezahn, Rechteck)

Die Zuweisungen (Hüllkurven/LFOs), die im Hauptfenster vorgenommen werden können, zeigt die folgende Abbildung.

Weitere Verknüpfungen von „Controllern“, Hüllkurven und den LFOs zu Klangparametern können in der umfangreichen Modulationsmatrix vorgenommen werden.

Effekte

Die Effekt-Sektion des iSEM bietet die Effekte Overdrive, Chorus und Delay, deren On/Off-Status und Dry/Wet-Verhältnis in fast allen Fenstern eingestellt werden kann, während für weitere Effektparameter ein eigenes Fenster (FX) vorhanden ist. Weiterhin ist die Soft Clip-Funktion verfügbar, die vor Pegelspitzen schützt und für eine subtil-angenehme Sättigung sorgt. 

Alles unter Kontrolle

Am virtuellen Keyboard des iSEM lassen sich, wie inzwischen bei vielen iOS Synths üblich, verschiedene musikalische Skalen einstellen und der Tastaturbereich zoomen. Weiterhin gibt es praktische Funktionen wie Chord (-Memory) und Hold. Links neben der Tastatur befinden sich die vertrauten Controller für Pitchbend- und Modulation-Wheel, die hier kurioserweise wie beim historischen Vorbild in umgekehrter Richtung funktionieren, was allerdings in den Voreinstellungen geändert werden kann, sofern es stören sollte.

Die obige Abbildung zeigt außer dem Touch Keyboard das Performance Fenster, in dem vier großzügig dimensionierten Slidern diverse Klangparameter zugeordnet werden können.

Für die Kontrolle durch externe MIDI-Controller ist ebenfalls gesorgt. Die Betätigung des Connect-Buttons (oben rechts) ermöglicht die Einstellung diverser MIDI Parameter, berührt man die virtuelle MIDI-Buchse, öffnet sich das Fenster zum Erstellen eines kompletten MIDI-Mappings der Klangparameter.

Einbindung

Neben der vollwertigen MIDI-Integration ist das Vorhandensein der etablierten iOS Standards (siehe Features) eine gute Vorraussetzung, den iSEM mit anderen Apps zu verbinden. Positiv anzumerken ist die neben Audiobus bereits vorhandene Kompatibilität mit Apples neuem Inter-App Audio Standard (erfordert iOS7), was eine unkomplizierte Integration in iOS DAW-Anwendungen, wie beispielsweise Steinberg Cubasis Projekten ermöglicht.

Sonstiges

Ergänzend zu dem Arpeggiator gibt es den sogenannten 8 Voice Programmer. Hier können acht aufeinanderfolgenden Noten, unabhängig davon, ob diese per Hand/MIDI oder vom Arpeggiator gespielt werden, Offsets sämtlicher Klangparameter zugeordnet werden. Durch den Parameter „VCO1+VCO2 COARSE“-Offset können auch Melodien getriggert werden. Insgesamt sind 6 Parameter gleichzeitig steuerbar, wodurch sich komplexe und inspirierende Gebilde erschaffen lassen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • produktionstaugliche Soundqualität
  • Vintage Charakter
  • übersichtlicher Preset-Browser
  • Performance Controller
  • einfaches MIDI-Mapping
  • effiziente Bedienung
  • überwiegend gute Haptik

  • teilweise gewöhnungsbedürftige Anordnung der Bedienelemente (entsprechen der Hardware)

Gehört zu dieser Serie

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