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Test
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09.04.2015

Praxis

Hardware und Controller

Zu Beginn des Tests musste ich natürlich erstmal alle Controller anfassen und auf ihre Haptik überprüfen. Alle Bedienelemente machen einen soliden Eindruck und liegen gut in der Hand. Bei vielen anderen Testgeräten gab es mindestens eine Abteilung, die mich nicht überzeugt hatte oder etwas wackelig war. Beim Arturia KeyLab 88 stimmt hardwareseitig alles und das Keyboard wirkt hochwertig verarbeitet.

Eine kleine Schwachstelle ist mir beim Testen dennoch aufgefallen: Die Polarität des Sustain-Pedals wird vom KeyLab 88 nicht erkannt und lässt sich am Keyboard auch nicht umschalten. Ein Yamaha-Pedal funktionierte zunächst nicht, woran auch das Umkehren der Controller-Werte im Software Editor nichts änderte. Auch ein Update der Firmware brachte keine Besserung, es klappte erst mit einem umschaltbaren Pedal. Hier sollte Arturia unbedingt noch nachbessern, zumal man im Internet viele ähnliche Äußerungen von KeyLab-Anwendern findet. Ein universelles Controller Keyboard sollte mit jedem handelsüblichen Sustain-Fußtaster funktionieren.

Tastatur

Das Beste am Arturia KeyLab 88 ist in meinen Augen die Tastatur. Die hier verbaute Hammermechanik Fatar TP/100LR ist beispielsweise aus dem Studiologic Numa Nano und Acuna 88, dem Nord Electro 4 HP und dem Kurzweil Artis 88 bekannt und setzte neue Maßstäbe beim Kompromiss zwischen Gewicht und Anschlagsverhalten. Beim KeyLab 88 ist sie mit Aftertouch ausgestattet. Mir persönlich sagt das Spielgefühl sehr zu. Insgesamt ist die Tastatur recht schwergängig, doch das tat meiner Spielfreude wirklich keinen Abbruch. Immer wieder fühlte ich mich beim Schreiben des Testberichts zum „Herumklimpern“ verleitet, weil es einfach so viel Spaß gemacht hat. In meinen Augen ist das KeyLab 88 allein schon deshalb eine lohnenswerte Investition, auch wenn der Anschlag letztlich natürlich eine sehr subjektive Angelegenheit bleibt.

Erfreulich sind auch der mitgelieferte Notenständer sowie die Ablagefläche, die die freie Oberfläche des KeyLab 88 um etwa 10 cm nach hinten erweitert. Hier passt dann problemlos ein Laptop oder weiteres Zubehör hin. Gut gemacht!  

Installation der Software

Bei der Installation der mitgelieferten Software muss ich zugeben, dass ich das auch schon einfacher erlebt habe. Für alle drei Software Plug-ins muss man vor der Installation einen Account anlegen. Hinzu kommt ein iLok-Account für das Aktivieren des UVI Grand Pianos. Danach folgt der Download der Installer-Dateien und die Installation, die teilweise etwas unübersichtlich war.Da sich die Anleitungen auf verschiedenen Karten befinden und auf weitere Instruktionen im Internet verweisen, muss ich hier einmal ganz deutlich sagen, dass das wirklich nicht besonders gut gelungen ist. Es hätte bestimmt keine großen Umstände gemacht, eine gut lesbare und verständliche Download/Installer-Anleitung zu erstellen, auf der alle Anleitungen vereint sind.

MIDIControlCenter Software Editor

Betrachten wir das Arturia KeyLab 88 zunächst als universelles MIDI-Controller-Keyboard ohne die Analog Lab Software und die weiteren Plug-ins. Zur Konfiguration der Bedienelemente kommt in diesem Fall die Software MIDIControlCenter zum Einsatz, die ein virtuelles Abbild des Keyboards und seiner Controller anzeigt.

Die Bedienung geht hier leicht von der Hand, da man alle Controller des Keyboards virtuell anwählen und ihnen beispielsweise MIDI-CC-Nummern und Kanäle zuweisen kann. Bei den 16 Pads ist es zum Beispiel möglich, jedem Pad eine bestimmte Note zuzuweisen und den Velocity-Wertebereich einzuschränken. Außer Noten können die Pads Controller-Daten und Program Changes senden, was sich für jedes Pad einzeln konfigurieren lässt.

Für die Drehregler gibt es einen absoluten und einen relativen Modus. Im absoluten Modus kann der CC-Wertebereich mit zwei Reglern für Minimum und Maximum definiert werden. Im relativen Modus sendet der Regler die Werte 63 (minus) oder 65 (plus), je nachdem, ob man nach links oder rechts dreht. In Verbindung mit kompatibler Software soll das eine Veränderung ausgehend vom vorher eingestellten Wert ohne Sprünge ermöglichen. Leider funktionierte das im Test aber selbst mit der Arturia-eigenen Analog Lab Software nicht richtig, der relative Modus war auch mit der entsprechenden Einstellung in der Software nicht zu gebrauchen. Hier gibt es noch Luft nach oben, sowohl bei der Umsetzung dieser Funktion als auch beim Zusammenspiel von Hard- und Software.

Die vorgenommenen Einstellungen können als Preset auf einem von zehn Speicherplätzen gesichert werden. Mit der MIDIControlCenter Software lassen sich Konfigurations-Presets auch auf dem Rechner speichern und archivieren. 

Arturia Analog Lab Software

Weiter geht es mit der Software-Seite. Wie die anderen Arturia Keyboard-Controller ist das KeyLab 88 mit der Software „Analog Lab“ gepaart, auf die wir bereits in unserem Arturia MiniLab Test einen Blick geworfen haben. Für mich ist das Analog Lab ein kleines Highlight, denn es verwandelt das KeyLab 88 im Handumdrehen in ein recht amtlich klingendes Synthesizerstudio, in dem es wirklich an nichts fehlt. Hier findet man virtuelle Klone von 12 echten Vintage-Raritäten:

Vox Continental Orgel
Roland Jupiter-8
Oberheim Matrix-12
Yamaha CS-80
Sequential Prophet VS
Sequential Prophet-5
Oberheim SEM
Moog Modular
Moog Minimoog
ARP 2600
Wurlitzer Piano
Solina String Ensemble

Arturia ist ja schon seit vielen Jahren für ihre gelungenen Software-Emulationen dieser Vintage-Raritäten bekannt. Im Analog Lab sind die Software Synths zwar nicht vollständig editierbar, aber man kann aus einer großen Bandbreite von Presets schöpfen und diese in einigen Parametern „tweaken“. Hören wir uns doch ein paar Sounds aus dem „Analogen Labor“ an:

Analog Lab kann als Standalone-Software sowie als VST-, AU- und AAX-Plug-in betrieben werden. Das Fenster der Software ist dreigeteilt und zeigt neben einem virtuellen Keyboard eine Liste mit Presets an und rechts daneben wahlweise Einstellungen zum Preset oder die sehr schöne „Studio-View“, eine Art virtuelles Studio, in dem die ganzen Vintage-Schätze herumstehen. Über die Studio-View kann per Mausklick jeder Synthesizer angewählt werden. In der Listenansicht werden dann alle zugehörigen Presets des ausgewählten Instruments aufgelistet. Grafisch betont wird das Ganze zusätzlich durch das Licht, das im virtuellen Studio-Fenster immer auf das angewählte Instrument leuchtet – ein nettes Gimmick.

Analog Lab bietet die drei Spielmodi Sound, Multi und Live. Üblicherweise fängt man im Sound-Modus an, in dem ein einzelner Sound ausgewählt, editiert und gespielt werden kann. Im Multi-Mode lassen sich zwei Sounds layern oder splitten und mit Effekten versehen. Auch hier ist die Bedienung sehr einfach, ähnlich ist es im Live-Modus, einem speziell für den Live-Betrieb eingerichteten „Setlisten“-Modus. Näheres dazu könnt ihr im Testbericht zum Arturia MiniLab nachlesen.

Insgesamt ist die Bedienung der Software sehr einfach und komfortabel. Beim Suchen nach Sounds kann man auf die Filterfunktion zurückgreifen und nach Klängen einer bestimmten Kategorie suchen, etwa Lead- oder Bass-Sounds. Sobald man ein Preset aus der Liste angewählt hat, sieht man auch, dass die wichtigsten Parameter bereits den Controllern des KeyLab 88 zugewiesen sind. Filter-Cutoff und Resonanz liegen beispielsweise fast immer auf den oberen linken Drehreglern des KeyLab. Natürlich können sie aber auch anderen Controllern zugewiesen werden. Insgesamt stehen pro Software Instrument 19 editierbare Parameter zur Verfügung, die sich den Bedienelementen des Keyboards zuordnen lassen.

Live-Tauglichkeit der Analog Lab Software

Eine solch umfangreiche und mit einem maßgeschneiderten Controller gepaarte Sammlung von Sounds bietet sich natürlich auch für den Live-Einsatz an. Leider produziert die Analog Lab Software aber immer wieder starke Pegelsprünge und Störgeräusche, darunter auch Knackgeräusche beim Umschalten von Sounds. Besonders laut wurde es, wenn ich direkt nach dem Spielen eines Sounds den nächsten Sound angewählt habe. Mir schien, als bräuchte das Programm am besten eine kleine „Verschnaufpause“, bevor ein neuer Sound angewählt wird. Hinzu kommt, dass die Arturia Software Synthesizer zu den Prozessor-intensiveren Plug-ins gehören. Auf meinem Testrechner (iMac mit 2,7 GHz Core i5, 8 GB RAM und RME Fireface 800) verbrauchten manche Sounds so viel CPU-Power, dass sie ein dauerhaftes „Spratzeln“ erzeugten. Eine größere Buffer-Size konnte zwar manchmal Abhilfe schaffen, dann war mir aber die Latenz zu groß. Insgesamt bin ich mir deshalb sicher, dass ich die Analog Lab Software vorerst live nicht benutzen würde – die Gefahr ist einfach zu groß, dass man durch Störgeräusche, Pegelsprünge oder Aussetzer seine Mitmusiker auf der Bühne oder gar den Tontechniker zur Weißglut bringt. 

Modartt Pianoteq 5 Stage

Im Gegensatz zu den anderen KeyLab-Varianten, bei denen nur das Analog Lab zum Paket gehört, wird das KeyLab 88 mit dem Piano Bundle ausgeliefert, zu dem Modartt Pianoteq 5 Stage und UVI Grand Piano Model D gehören.

Die Installation von Pianoteq 5 Stage ist schnell absolviert, weil das Programm nur etwa 25 MB groß ist – im Gegensatz zu speicherhungrigen Sample Librarys arbeitet es mit Physical Modeling. Nach dem Öffnen wird das KeyLab 88 in den Einstellungen als Controller ausgewählt und schon kann man mit dem Spielen beginnen. Zwei Piano-Modelle stehen zur Verfügung: Das D4 Piano weist einen etwas helleren Klangcharakter auf als das K2, das dafür etwas wärmer und mittiger klingt. In vier Untermenü-Punkten können drastische Einstellungen am virtuellen Piano vorgenommen werden. So können etwa die Saiten gedämpft werden (Mute) oder Release- und Pedalgeräusche betont werden. Darüber hinaus ermöglicht Pianoteq 5 Stage auch EQ- und Effekteinstellungen (Delay, Reverb etc.). Das Programm verfügt über zahlreiche Presets, darunter beispielsweise Close-Mic- oder Effekt-Varianten der beiden Flügel D4 und K2.

UVI Grand Piano Model D

Im Gegensatz zum Pianoteq 5 Stage basiert das UVI Grand Piano Model D auf 862 hochauflösenden Samples eines Steinway D Flügels. Hier ist die Installation etwas komplizierter, da zunächst die UVI Workstation als „Host“ installiert werden muss. Das UVI Grand Piano kann dann als Library heruntergeladen und mittels UVI Workstation betrieben werden, muss zunächst aber noch per iLok-Software freigeschaltet werden. Obwohl kein iLok Hardware-Dongle erforderlich ist, hat dieser Vorgang durchaus einige Zeit beansprucht, da die Installation mit dem Erstellen von Benutzer-Accounts bei UVI und iLok einhergeht, sofern man diese nicht schon hat. Für das recht kleine Programm ein recht großer Aufwand!

Das UVI Grand Piano Model D kommt im Gegensatz zum Pianoteq mit weniger Einstellmöglichkeiten aus, lässt aber mit ein paar Reglern auch das Betonen der Nebengeräusche zu. Rein klanglich gesehen gefällt es mir etwas besser als das Pianoteq, obwohl auch das schon sehr amtlich klingt. Hier ist es der natürliche und sehr lebendige Charakter, der mich überzeugt. Nach kurzem Anspielen merke ich, dass es sich besonders für romantische Musik und Jazz eignet. Besonders wenn man etwas leiser spielt und Akkorde stehen lässt, fängt das Piano an zu leben. Insgesamt sehr gut gelungen und eine mehr als willkommene Zugabe zu einem Keyboard Controller.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • schickes Design
  • solide Verarbeitung
  • sehr gute Tastatur
  • komfortable Konfiguration über MIDI Control Center
  • Analog Lab, Pianoteq 5 Stage und UVI Grand Piano Model D

  • etwas komplizierte Installation der Software
  • Polarität des Sustainpedals nicht umschaltbar
  • relativer Modus der Drehregler funktionierte nicht richtig
  • Analog Lab: heftige Pegelsprünge beim Umschalten von Sounds

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