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Test
3
28.04.2020

Praxis

Konzept und Handhabung

Es ist erstaunlich, aber vorausgesetzt, man hat grundsätzliche Kenntnisse der Prinzipien von Step-Sequenzern (u. a. Pattern-Länge, Metrum, Step-Editierung), Arpeggiatoren und verfügt über eine Prise logischen Denkens, lassen sich nahezu alle der nicht gerade wenigen Funktionen des Keystep Pro auch ohne einen Blick ins Handbuch befehligen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass sämtliche Funktionen die im Zusammenhang mit der eigentlichen Spiel- und Editierarbeit stehen, entweder als Primär- oder Sekundärfunktion (via Shift) direkt über die Bedienelemente zugänglich und auch entsprechend beschriftet sind, wohingegen sich basale Konfigurationseinstellungen wie etwa die Sync-Konfiguration (Master/Slave/Auto), MIDI-Parameter oder die Einstellungen für die ausgegebenen Kontrollspannungen (beispielsweise Pitch- und Gate-CV-Format) im Utility-Menü geparkt wurden.

Es sind inbesondere aber auch die subtilen, aber klugen Hilfestellungen durch die visuellen Elemente und die klar durchdachten Arbeitsschritte, die die Arbeit mit dem Keystep Pro so angenehm machen. So drückt man beispielsweise zum Verketten von Patterns nur den „Pattern Chain“-Taster und danach die gewünschten Patterns, die dann von den Step-Sequenzer-Tastern repräsentiert werden. Dabei zählt das Display fleißig mit und zeigt an, wie viele Patterns in der Chain gespeichert sind – klasse. Auch der subtile multicolore Farbcode der Tasten trägt viel zur Übersichtlichkeit bei: Blau signalisiert dabei immer, dass hier schon etwas gespeichert ist, rot, dass Änderungen noch nicht gespeichert wurden und ein dunkler Taster, dass hier noch gar keine Noten oder Events vorliegen. Zudem repräsentieren die Step-Taster durch ihre Hintergrundbeleuchtung den jeweils aktiven Part (grün, orange, gelb, pink). Dazu kommen dann noch die kleinen LEDs über den Keyboard-Tasten, die sich – gerade, wenn man im Nachhinein Akkorde oder Sequenzen bearbeitet – als ungemein praktisch erweisen.

Grundsätzlich kennt der Keystep Pro zwei Aufnahme-Modi: Realtime-Recording (klar, deshalb ja auch das integrierte Metronom) und Step-Editierung. Auch hier ist die Bedinung fast selbsterklärend: Bei der Echtzeitaufnahme spielt man mono- und/oder polyphones Material (der Spurtyp Mono/Poly lässt sich nachträglich noch ändern) sowie Controller Daten, wahlweise im laufenden Betrieb durch Betätigen der Record Taste oder sogar mit Vorzähler durch Record- und Play-Taste ein. Eine Quantisierung auf das gewählte Metrum lässt sich wahlweise während des Einspielens oder nachträglich aktivieren (50 oder 100%).

Ob durch Zufall oder mit Absicht: Der Metronom-Click-Sound hamoniert tonal perfekt mit dem Factory-Click von Ableton, so dass beide auch parallel laufen könnten, ohne dass es dissonant klingt. Das Step-Recording erledigt man im Zusammenspiel aus Tasten-Drücken (und Controller-Wertänderungen) und dem anschließenden Drücken der gewünschten Step-Position – fertig. Ist einem das Ergebniss zu statisch, lässt sich die Sache wahlweise über den globalen Swing oder für jeden Track einzeln, nachträglich zum Grooven bringen.

Audiobeispiele zu Arturia Keystep Pro

Gefallen hat mir – in Anbetracht der Preisklasse – übrigens auch die Tastatur, denn sie hat eine agile und präzise „Federigkeit“, mit der es durchaus Spaß macht, schnelle Läufe zu spielen. Sowohl beim Anschlag, wie auch beim Loslassen wirkt sie ein kleines bisschen „bedämpft“, wodurch sie sich deutlich von manchen „Klapperkisten“ des unteren Preissegments abhebt. Einen kleinen Fehler muss ich allerdings zu Protokoll geben: Der Roller-Effekt zeigt sich so berührungsempfindlich, dass er gelegentlich auch dann auslöst, wenn man lediglich mit dem Handballen oder Finger an der Grenze zur Taste entlangwischt – sie also gar nicht berührt.

Eine gewisse kognitive Hürde liegt – gerade im DAW-Verbund – darin, zu entscheiden, wer der Meister der Clock ist. In unserem Test zeigte sich beispielsweise, dass das Timing genauer wird, wenn Ableton dem Keystep Pro folgt und nicht umgekehrt. Dann erübrigt sich übrigens auch die Zuweisung der Transporttasten als Controller für den Transport in Ableton. Denn klar, wenn das Clock-Signal startet, startet auch die DAW. Egal wie fein man die die Latenzkompensation aber auch einstellt, gelegentlich „holpert“ es dann doch in der MIDI-Clock. Schade also, dass Arturia nicht auch noch Abletons rocksolide „Link“-Synchronisation integriert haben.

Dass die leicht gerasterten Encoder sich zwar sehr gut für die Eingabe skalierter Werte wie beispielsweise Noten eigenen, als Controller für kontinuierliche Parameteränderungen - wie etwa Filterfahrten – eher ungeeignet sind, ist ein Problem, was sich prinzipbedingt nicht lösen lässt und bereits beim Beatstep Pro ein – je nach persönlichem Workflow - kleines Manko war. Apropos Workflow: Abschließend möchte ich eine übergeordnete Qualität des Keystep Pro erwähnen, die gewissermaßen im Bedienkonzept selber liegt: Im Test hatte ich an manchen Stellen nämlich lediglich den Keystep im Zusammenspiel mit der DAW (Ableton Live) im Einsatz, sodass der Rechner eigentlich nur als externer Klangerzeuger (früher nannte man das mal Expander) diente. Dabei zeigt sich, dass es ungemein inspirierend und auch schnell ist, nur mit dem Keystep an Sequenzen und Figuren zu arbeiten (und den Rechner gar nicht zu beachten). Das wird noch dadurch befördert, dass jeder Track einen Mute-Taster besitzt (mit Shift = Solo), so dass sich kleine Arrangement-Ideen direkt im laufenden Betrieb ausprobieren lassen. Es lohnt sich also, den Keystep Pro weniger als zusätzliche Eingabehilfe/Controller, sondern mehr, als eigenständiges Kreativwerkzeug zu betrachten.

Arturia Keystep Pro Sound Demo (no talking)

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr vielfältig einsetzbar
  • Solide Verarbeitung
  • Gelungenes und eigenständiges Bedienkonzept
  • Logisches visuelles Feedback der meisten Steuersignale (Noten/Modulation) am Gerät

  • Roller-Effekt-Taster sehr empfindlich
  • Keine Ableton-Link Integration

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