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Test
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04.04.2017

Arturia MatrixBrute Test

Analoger Synthesizer

In Kooperation mit Electronic Beats

Arturia macht sich: Anfänglich mit virtuellen Simulationen real existierender Hardware-Synths beschäftigt, über Controller wie dem Spark und dem Beatstep Pro, hin zu analogen Synths wie dem MiniBrute, dem MicroBrute und dem DrumBrute, gipfelt das französische Schaffen im Arturia MatrixBrute, dem Synthesizer Flaggschiff, welches von vielen euphorisch erwartet wurde. 

ANMERKUNG: In Kooperation mit Electronic Beats entstand ein zweites Review, durchgeführt von dem Techno-Künstler Blawan. Im Video führt er durch die einzelnen Sektionen des MatrixBrute und gibt noch eine weitere Sicht auf den Synth. Das komplette Review findet ihr im Praxisteil dieses Tests. 

Details

Monofoner Über-Synth mit Moog-Anleihen

Der Arturia MatrixBrute ist ein monofoner, analoger Synthesizer, welcher seinem Namen aus seiner für einen Synth ungewöhnlichen Pad-Matrix bezieht. Grob gesagt ähnelt er dennoch dem klassischen Aufbau eines Mono-Synths, sprich dem Moog Minimoog Model D – aber mit umfangreichen Erweiterungen und Specials – wie beispielsweise paraphonen Voicings und einem Split-Mode. Wie beim Sub 37, um beim Moog Vergleich zu bleiben.

Klanglich unterscheidet sich der MatrixBrute jedoch deutlich von Moog. Ich bemühe den Vergleich daher nur der Übersichtlichkeit wegen, weil auf den ersten Blick das Bedienfeld des Arturias durchaus einschüchtert.

Kurz und knapp: Viel Synth für wenig Geld

Der Arturia MatrixBrute verfügt über zwei sehr komplexe Oszillatoren, die mit je zehn Parametern gesegnet sind. Hinzu kommt ein dritter OSC, welcher auch – wie bei dem Vorbild – als LFO taugt. Im Vergleich zu den beiden ersten Oszillatoren könnte man durchaus sagen, er ist eingeschränkt – allerdings wäre es besser zu sagen: er ist nicht so ungewöhnlich komplex.

Ebenfalls an Bord sind ein Rauschgenerator und ein externer Eingang, welche wie auch die drei Oszillatoren in einer Mixer-Sektion inklusive Zuweisungsmöglichkeit für die duale Filtersektion enden. Es folgen zwei zusätzliche LFOs, ein frei zuweisbarer Envelope sowie die obligatorischen Filter- und Amp-Hüllkurven. Alle Envelopes sind als ADSR ausgelegt und verfügen zusätzlich über einen Velocity/Envelope- bzw. Delay-Parameter.

Garniert wird dies von umfangreichen Spielhilfen wie einem Arpeggiator, einem 64-Step Sequenzer, vier Macro-Controls und einer Effekt-Sektion (Delays, Chorus, Flanger und Reverb). Die bunt beleuchtete Matrix dient dabei zur Preset-Auswahl, zur Bedienung des Sequenzers und zur Festlegung der Modulations-Verknüpfungen.

Hinzu kommen zwei Displays, ein USB-MIDI-Interface, ein MIDI-Trio sowie Unmengen an CV-Ausgängen, Sync I/Os und der bereits angesprochene, analoge Eingang. 

Das Ganze ist in einem sehr schicken, großen und hochwertigen Gehäuse inklusive 49-Tasten-Keyboard verpackt, dessen Bedienpanel sich wie beim Minimoog auch anwinkeln lässt – allerdings wurde hier sogar an eine Verriegelung gedacht! Kurzum: verdammt viel Synth für wenig Holz, auch, weil der Straßenpreis „gerade mal“ EUR 2000,- beträgt, also etwa halb so viel wie der neue Minimoog Model D.

Die Oszillatoren im Detail

Die Oszillatoren dürften Arturia-Fans bekannt vorkommen – man kennt sie bereits aus den kleinen „Brute“ Synths. Und in der Tat klingen sie für sich genommen relativ identisch. Unterschiede sind vor allem in den Filtern und dem generellen, komplexeren Aufbau des MatrixBrute zu suchen.

Das Konzept ist dabei so simpel wie auch genial: Abgesehen von der einstellbaren Fußlage im Groben via Coarse (+/- zwei Oktaven) und dem Finetuning gibt es acht weitere Parameter, welche in zwei Reihen organisiert sind. Die Unterste regelt das „anteilige Volumen“ der einzelne Wellenformen, sodass hier keineswegs „entweder oder“ sondern „jeder mit jedem“ gilt. Die oberste Reihe definiert hingegen eine gewisse Charakteristika der einzelnen Wellenformen, was wie folgt aussieht und klingt:

Der Sub-Oscillator lässt sich also stufenlos von einem Sinus zu einem „clipped“ Sinus regeln, die Rampe (umgedrehter Sägezahn) in eine „Supersaw“ transformieren, der Pulse natürlich in seiner Weite anpassen und das Dreieck kennt einen „Metalizer“-Parameter. Und das Ganze gibt es wie gesagt zweimal!

Hinzukommt der dritte OSC, der nicht ganz so umfangreich ausfällt. Er kennt nur „entweder oder“ bezüglich der Wellenformen (Sägezahn, Pulse, Dreieck und Sinus) und kann auch nur grob im Coarse Tuning geregelt werden. Apropos Coarse: Bei allen drei OSCs wird dieser von einer LED ergänzt, welche ganzzahlige Teil-Verhältnisse für ein sauberes Tuning quittiert. Ein Keyboard Tracking Taster entkoppelt den Pitch des dritten OSCs vom Keyboard, um diesen als konventionellen LFO gebrauchen zu können – der LFO-Divider unterstreicht das.

Wieviel allein damit geht, sei an den folgenden drei simplen Beispielen gezeigt. Im ersten Beispiel nutze ich OSC 3 als LFO und einige seiner Parameter, um den Metalize-Parameter von OSC1 zu regeln. Im zweiten Beispiel moduliert OSC1 die Frequenz von OSC 2, was sich Frequency-Modulation nennt. Abgerundet wird das Ganze von einer Demo der Rauschabteilung, welche die Farben Weiß, Pink, Rot und Blau kennt, die ich im dritten Beispiel einfach durchwechsele. In allen Beispielen sind die Filter komplett offen.

Die Modulation der Oszillatoren untereinander kann nicht nur starr festgelegt werden, sondern auch anteilig geregelt werden. Dazu ist die Audio Mod Sektion da, wobei ich die erste Option bereits im obigen, zweiten Beispiel genutzt habe. AUDIO MOD kennt folgende vier Parameter:

  • VCO 1 > VCO 2 : FM-Modulation #1: VCO1 moduliert VCO 2, mit dem Poti wird die Intensität geregelt.

  • VCO 1 < VCO 3 > VCO 2: FM-Modulation #2: Center = kein Effekt; Rechtsanschlag: VCO 3 regelt VCO2; Linksanschlag: VCO3 regelt VCO1.

  • VCF 1 < VCO 3 > VCF 2: Filter-Modulation: Center = kein Effekt; Rechtsanschlag: VCO 3 regelt VCF2; Linksanschlag: VCO3 regelt VCF 1.

  • VCO1 < Noise > VCF1: Center = kein Effekt; Rechtsanschlag: Noise 3 regelt VCF 1; Linksanschlag: Noise regelt VCO 1.

Hinzu kommt VCO-Sync (OSC 2 zu OSC 1), eine simple Mod-Wheel-Belegung, die Bend-Range für das Pitch-Wheel sowie die drei Voicing-Modes: Monophon, Paraphon und Split Mode.

Mixer und Filter
Anschließend geht es in den Mixer, dessen fünf Quellen in der Lautstärke je mit einem Poti regelbar sind. Zusätzliche On/Offs wie beim Moog gibt es nicht. Dafür findet man Taster für die Filterzuweisung zu einem oder sogar zu beiden der zwei Filter, wobei angemerkt werden sollte, dass diese sowohl seriell als auch parallel genutzt werden können. Seriell verschaltet geht es dabei zu erst in das Steiner-Parker-Filter – was streng genommen eigentlich ein Sallen–Key-Filter ist – und dann final in das Moogsche Kaskaden-Filter aka „die Leiter“.

Das bedeutet, dass jeder OSC ein eigenes Filter nutzten kann, aber auch, dass alle OSCs durch beide Filter geroutet werden können. Die Filter sind dabei wie die OSCs ungewöhnlich detailliert gestaltet.

Moog und Steiner Filter

Abgesehen von den grundsätzlich unterschiedlichen Charakteristika beider Filter, verfügen beide  dennoch überwiegend über dieselben, selbsterklärenden Parameter, als da wären: Cutoff, Resonance, Volume (Steiner bzw. Ladder Out), Envelope Amount sowie Drive und den Arturia-typischen „Brute-Faktor“. 

Letzteres ist eher eine Marketing-Phrase ist, als wirkliche Innovation. Simpel gesprochen sind Drive und Brute beides Distortion Effekte, wobei Drive als ein zusätzlicher Gain in das Filter anzusehen ist, während Brute den Ausgang des Filters über eine Feedback-Schleife in das Filter zurückleitet, was man allerdings bereits seit dem Minimoog kennt.

Beide kennen eine umschaltbare Filtersteilheit von 12 dB bzw. 24 dB pro Oktave, sowie die Modi Lowpass, Bandpass und Highpass. Das Steiner-Filter kann außerdem als Notch arbeiten. Richtig cool ist allerdings der große, globale „Master Cutoff“ (-99 bis +99), welcher nicht wie alle anderen Parameter als Poti, sondern als Encoder ausgelegt ist und damit keinen Parametersprüngen bzw. Pick-Up-Verhalten beim Preset-Wechsel unterliegt. Bevor ich nun aber noch lange um den heißen Brei rede, hören und sehen wir uns beide Filter lieber einmal exemplarisch im Lowpass-Mode an.

Links neben der Tastatur finden wir den Oktav-Wahlschalter, die Pitch- und Mod-Wheels sowie Glide und Play Control. Letzteres beinhaltet ein Key Hold, Note Priority (Low, High, Last) und Legato (On, Off, Glide). Die vier Macro-Regler können frei und mehrfach belegt werden, um auch komplexe Modulationen mit nur einem Regler händisch aktivieren zu können bzw. um sich die coolsten Effekte eines Sounds in den Direktzugriff holen zu können.

Was ist die Matrix aka SEQ, PRESET und MOD

Kommen wir zum prominentesten und namensgebenden Teil des MatrixBrute: Die Matrix. 16 x 16 bunt beleuchtete, gummierte Taster. Insgesamt also 256 Tasten, deren Funktion durch die größeren drei Gummi-Taster PRESET, SEQ und MOD definiert wird. Entsprechend dem gewählten Modus wechseln die Pad-Taster ihre Farbe von Lila, zu Rot, zu Blau. 

Im lila Preset Mode kann man hier eins der 256 Presets wählen, organisiert in Buchstaben bzw. Bänke in den Zeilen und Presets als Zahl in den Spalten. Natürlich können die Presets auch mit zwei Step-Tastern gewählt werden und der Preset-Name wird auch im linken, beleuchteten Display angezeigt, wo man auch speichern kann.

Wird Mod gedrückt, so landet man in der Modulations-Matrix, wobei in den Zeilen die Quelle und in den Spalten das Ziel definiert wird. Zusätzlich gibt es einen großen MOD AMOUNT Encoder, mit dem die Intensität der Modulation von -99 bis +99 eingestellt werden kann. Simples Beispiel: Drücke ich das dritte Pad in der zweiten Zeile, so regelt der Envelope 2 die Pulsweite von VCO1. Alle gewählten Verknüpfungen werden blau dargestellt, die aktuell ausgewählte und mit dem MOD Amount zusätzlich regelbare Zuweisung lila. Zwölf Ziele sind fest definiert, vier weitere sind frei belegbar und werden über ein nicht beleuchtetes Display angezeigt. In diesem Display findet sich auch der Preset Name.

Ist SEQ ausgewählt, wird die Matrix zum 64-Step Sequenzer. Vier Zeilen stellen einen Step dar. Die unterste Zeile definiert den Step, eine Zeile darüber fügt man einen Accent hinzu. Die zweite Zeile setzt den Slide und die oberste aktiviert die Modulation. Das Tempo (in BPM), die rhythmische Ausrichtung (normal, punktiert, triolisch bzw. 1/4, 1/8, 1/16 oder 1/32) und die Richtung (Forward, Reverse, Forward/Reverse, Random) der Sequenz werden ganz rechts eingestellt. Hier findet sich auch der Arpeggiator, welcher alternativ zum Sequenzer genutzt werden kann (Up, Down, Up/Down, Random). Rate, Swing und Gate wirken auf beide.

Wie für die Presets gibt es auch für Sequenzen 256 Speicherplätze. Sequenzen können einzeln und unabhängig von Presets gespeichert werden, aber auch mit Presets gelinkt werden. Hinzu kommt Step und Live Recording sowie änderbare Sequenzlängen. Das alles ist intern zur BPM- oder zur externen MIDI- bzw. Sync/Gate-Clock synchronisierbar.

Üppige Anschlüsse auf der Rückseite

Neben dem unsymmetrischen Stereo-Out gibt es auch noch einen Line-In (Instr/Line) und einen Insert auf TRS. Es gibt auch zahlreiche Gate- und Pedal-Buchsen sowie ein MIDI-Trio und einen USB-MIDI-Anschluss. Das Netzteil ist eingebaut und mit 100 bis 240 Volt international kompatibel. An einen Stereo-Kopfhörerausgang wurde auch gedacht, er befindet sich an der Front.

Vor allem für Modular-Fans dürfte jedoch folgende Tatsache besonders interessant sein: Alle zwölf der fixen Modulations-Ziele und -Quellen stehen auch als CV-Ins und -Outs zur Verfügung. Dazu gibt es entsprechend 24 Buchsen auf Mini-Klinke. Somit versteht sich der MatrixBrute bestens mit diversen analogen bzw. modularen Gerätschaften. Alle Achtung!

Es bleibt abschließend zu sagen, dass es noch einen Fine-Tune-Parameter sowie getrennte Lautstärke-Regelungen für den Master-Out und den Kopfhörerausgang gibt.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • extrem viele Modulationsmöglichkeiten
  • viele Sync-I/Os und -Optionen
  • umfangreiches Bedienpanel
  • 64-Step Sequenzer
  • Gute Verarbeitung
  • zwölf CV-I/Os

  • Sync-Quelle nur via Software auswählbar
  • „durchschnittlicher“ Klang
  • leichtes Grundrauschen

Gehört zu dieser Serie

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