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Test
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04.03.2019

Praxis

Be-GUI-sterung – Instant Sounddesign durch durchdachte Oberfläche

Im Gegensatz zur monochromen Ödnis von Massive und der etwas unübersichtlichen Modulationsmatrix in Serum ist man in Pigments quasi sofort dabei, Sounds zu verändern. Eine sehr einsteigerfreundliche Oberfläche, die beständig zeigt, was wo wie stark moduliert wird und per Mausklick zuschaltbare Tipps von jedem Preset-Designer, wie der Sound entstanden ist und wie man ihn besonders effektvoll verändert, laden ein einfach mal zu drehen und zu spielen. Vorbildlich.

Auch bei den Presets hat Pigments eine Funktion, die man nicht mehr missen möchte: Playlisten. Beispiel: Eine Liste mit Sounds für ein Live-Set, eine mit filmischen Pad-Sounds und eine mit Lead-Sounds, die besonders analog klingen. So kann man über die Zeit aus der Preset-Library aussieben und die Sounds nach seinen Bedürfnissen kategorisieren.

Wenn es um Sounddesign und die Entwicklung eigener Klangwelten geht, ist das Importieren eigener Audiofiles oder Wavetables ein Weg, weg von den Preset-Sounds zu kommen. Die mitgelieferten 98 Wavetables bieten zwar bereits viele neue Sound-Möglichkeiten, so kommt man aber noch direkter zu einem eigenen Sound. Das Importieren einzelner Wav-Dateien oder ganzer Ordner ist denkbar einfach: In der Wavetable-Bibliothek auf „Imported“ gehen und oben rechts im Fenster entweder das Ordner- oder das Wellensymbol anwählen. 

Bei den zwei Filterslots kann man unter anderem Filter aus Arturias bekannten Minimoog- und Matrix 12-Emulationen einsetzten. Mit einem kleinen Wermutstropfen: Insgesamt machen diese ihre Arbeit schon sehr gut und bringen bei entsprechendem Pegel und erhöhter Resonanz auch ordentlich Verzerrung mit, aber wie auch in der Collection V fehlt es hier im Vergleich zu anderen Analog-Emulationen an nötigem Biss. Bei Monark von Native Instruments und Diva oder Repro-1/5 von U-he sind die Filter-Verzerrungs-Algorithmen gerade bei Bass- oder Lead-Sounds um einiges bissiger.

Modulate this! – Modulationsmöglichkeiten

23 Modulatoren gibt es in Pigments. Sie sind immer zu sehen und prominent in der Mitte des Plugins platziert. Sobald sie eingesetzt werden, wird die ausgehende Kurve angezeigt, genauso wie die Bewegung der modulierten Parameter. Neben bekannten Modulatoren wie drei Envelopes, drei LFOs, fünf Modulationsquellen vom MIDI-Controller (Aftertouch, Modwheel, Pitch, Velocity und Expression) und vier Makroreglern, mit denen sich – wie man es aus Massive oder Serum kennt – mehrere Parameter gleichzeitig steuern lassen, gibt es acht Modulatoren, die man in den meisten Synthesizern so nicht findet. Drei hat Arturia Function genannt, bei genauerem Hinschauen entpuppen sie sich als Multi-Stage-Envelope-Generatoren. Man kann seine eigenen Hüllkurven mit beliebig vielen Schritten einzeichnen, ähnlich wie in Alchemy oder Kontakt.

Dann wurden drei Zufallsgeneratoren dazugepackt, die ihre Werte auf verschiedene Weisen erzeugen. Das Turing-Modul erzeugt sich kontinuierlich verändernde Sequenzen an Zufallswerten. Sample&Hold werden die meisten aus Modular-Synthesizern kennen. Binary wiederum spuckt ganz dem Namen nach nur binäre On/Off-Sequenzen aus, deren Abfolge und Geschwindigkeit aber nach einstellbaren Zufälligkeiten.

Das Prinzip der Combinate-Module erinnert ebenfalls stark an Modular-Synthesizer, bei denen man oft mehrere Modulatoren kombiniert, ein Signal dämpft, anhebt oder per Sidechain zusätzlich verändert. So kann man zwei verschiedene Wellenformen und Modulatoren miteinander addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren. So weit, so Grundschule. Wie sieht das in der Praxis aus? Kombiniert man beispielsweise einen LFO mit einem der Makroregler und stellt ein, dass der LFO-Wert durch den Makrowert dividiert wird, bekommt man einen waschechten Attenuator. Die LFO-Stärke wird nicht nur am Parameter selbst bestimmt, sondern auch noch mal global. Eine tolle Spielwiese.

Wie viele Synthesizer hat auch Pigments einen ordentlichen Arpeggiator, der aber auch wieder einige ungewöhnliche Möglichkeiten mitbringt. So kann man Parameter wie Oktavhöhe, Velocity oder Gate Length manuell einstellen oder mit dem Random-Button zufällige Abfolgen erzeugen. Zwei Komponenten steigern die Vielfalt an Sequenzen aber um ein Vielfaches: So lässt sich der Randomize-Button so einstellen, dass sich die Werte nach fest eingestellter Taktzahl automatisch wieder zufällig ändern. Und der Arpeggiator lässt sich polyrhythmisch nutzen. So kann beispielsweise die Sequenz der Oktavsprünge eine andere Länge bekommen als die der Velocity-Werte als die der Glide-Funktion (heißt Slides). Auf Knopfdruck minutenlange Variation.

Effekte

Bei den 13 von Pigments mitgelieferten Effektenn ist wenig besonders Spektakuläres dabei, muss es aber auch nicht. Die Besonderheiten sind hier, dass sich in den insgesamt neun Slots der zwei Insert-Module und des Send-Moduls Effekte auch doppelt nutzen lassen. Warum also nicht einfach mal neun Reverb-Effekte hintereinanderschalten, wenn man es kann? Diese Möglichkeit zusammen mit den erwähnten polyrhythmischen Sequenzer-Einstellungen lassen mit drei Mausklicks die komplexesten Drone- und Padsounds entstehen. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Modulationen alle grafisch dargestellt und besser nachvollziehbar
  • Sounddesign-Tipps vom Preset-Ersteller
  • Import von eigenen Wavetable-Files
  • Riesige Preset-Library
  • Komplexe Pad-Sounds einfach erstellen
  • Schnelle Preset-Veränderung durch die Makros

  • Soundqualität bei Bass- und Lead-Sound etwas zu clean
  • Bei komplexen Sounds sehr CPU-hungrig
  • Suchfunktion etwas zu einfach

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