Test
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04.04.2016

Aston Microphones Halo Test

Mikrofon-Reflexionsschirm

Viele lila Colaflaschen

Der britische Hersteller Aston hat sich dem Redesign von Reflexionsfiltern zugewandt. Das mittlerweile über Jahre hinweg fast schon einheitliche, gängige Standard-Design dieser mobilen Mikrofon-Klang-Verbesserer hat er dazu nicht nur aufgefrischt, sondern weiterentwickelt. Herausgekommen ist mit dem Halo ein lilafarbenes Designerstück, das alleine schon aus optischen Gründen einen Platz in einer Kunstgalerie verdient hätte. Ob der Aston Halo neben der Optik vielleicht noch ganz andere Qualitäten besitzt, soll hier im bonedo-Test herausgefunden werden.

Seit einiger Zeit sind artverwandte Filter erhältlich, die sich allesamt der Verbesserung von Mikrofonaufnahmen verschrieben haben. Es gibt diese Mic-Screens in mehreren Qualitätsstufen, für kleine und mittlere Budgets, aber stets in einer ähnlichen Form: Kleine Absorber und Diffusoren formen einen halbe Zylinder, um ein Mikrofon-, das so abgeschirmte Mikrofon wird dadurch ein wenig vom akustischen Umfeld isoliert. Die Aufnahmen klingen dadurch meist isolierter, näher, und trockener. Da es aber am grundsätzlichen Design noch einiges zu verbessern gab und Aston nicht nur als ein weiterer Mitstreiter am Markt mitmischen wollte, haben die Entwickler des Halo einiges an Entwicklungsarbeit investiert und einen Reflexions-Schirm erarbeitet, der sich nicht nur optisch von der Konkurrenz abhebt, sondern vor allem durch seine Konstruktion.

Details

Drei Unterschiede zu bisherigen Mic-Screens

Die ersten drei Dinge, die beim Auspacken auffallen, die sich stark von den Konkurrenzprodukten unterscheiden, sind die Farbe, die Form und sein erstaunlich geringes Gewicht. Die Farbe der Innenseite ist das gleiche Lila, das zur Corporate Identity Astons gehört und bereits auf an den Origin- und Spirit-Mikros sowie elastischen Rycote-Aufhängung zu finden ist. Die Rück-, oder auch hintere Außenseite kommt in hellem Lila daher. Der Aston Halo sieht aus wie ein großer Kokon, wirkt auf mich wie ein organisches Designobjekt und erinnert mich irgendwie an ein großes, farbiges, halbiertes Osterei. Auffällig leicht ist das Teil, denn es wiegt trotz der Ausmaße nur in etwa so viel wie ein ordentliches Großmembran-Kondensatormikrofon. Spitze! 

Die Montage des Aston Halo ist dank weniger Bauteile kinderleicht

Wie bei den bisher erhältlichen Reflektorschirmen ist auch der Halo dazu gedacht, auf ein Mikrofon-Stativ montiert zu werden, und sozusagen in seinem Brennpunkt ein Mikro aufzunehmen. Aston hat dem Halo zu diesem Zweck eine sehr simple Halterung mit auf den Weg gegeben. Mit Hilfe von zwei dicken, massiven Metallschrauben befestigt man die Konstruktion auf einem Mikrofonstativ. Am Mic-Screen ist zu diesem Zweck eine etwa 30 Zentimeter lange Metallzunge befestigt, um die man die wenigen Metall-Bauteile des Halterungssystems befestigt. Die Metallzunge ist wie eine Art Schiene, auf der man den Halo horizontal verschieben kann, um die gewünschte Position zum verwendeten Mikro einzustellen. Zum Verschieben des Schirms löst man ein wenig die Schraube, verschiebt ihn und zieht die Schraube anschließend wieder fest. Fertig. Im Vergleich zu mancher Konkurrenz würde ich sagen: erfreulich wenige Bauteile und daher einfach zu bedienen.

Bei der Farbe des Screens dürften sich die Lager spalten

Die Farbe Lila, die sofort heraussticht, wurde, laut James Young, Grüner von Aston im Jahre 2015, aus zwei Gründen gewählt. Zum einen natürlich, weil es sich hierbei um die Farbe handelt, die Aston auch schon bei ihren anderen Produkten verwendet hat, zum anderen wollten sie sich von der Konkurrenz abheben, bei deren Schirmen man ausschließlich in dunkelgraue, oder schwarze Öffnungen blickt. Mit dem Farbtupfer wollte Aston weg vom technischen, farblosen Look, hin zu einem organischen Aussehen, das der Kreativität förderlich sein soll. Es ist sicherlich Geschmackssache und ich bin mir sicher, dass hier jeder eine eigene Meinung dazu haben wird. Anfangs habe ich den Screen belächelt, inzwischen mag ich den Look und bin schon jetzt ein wenig traurig, den Halo nach dem Test wieder einpacken und wegschicken zu müssen.

Der Schirm besteht zu 70 Prozent aus recycelten PET-Flaschen

Eines der Probleme, bisher auf dem Markt erhältlicher Reflektor-Schirme, ist deren hohes Gewicht, und die damit verbundene Stabilität auf gängigen Mikrofon-Stativen. Um den Halo in eine andere Gewichtsklasse zu katapultieren, musste ein neues Material her. Die bekannten Produkte verwenden eine Kombination aus Metall und Akustikschaumstoffen. Die Aston-Ingenieure haben allerdings ein neues Material entwickelt, das sie sich, wie einige anderer Komponenten des Halos, direkt auch gleich noch patentieren haben lassen. Hauptbestandteil, und maßgeblich am geringen Gewicht beteiligt, ist ein Material, welches PET-Filz genannt wird. Es besteht aus dem PET, das man aus den allseits beliebten Plastikflaschen der Getränke-Industrie kennt. Man hat mir seitens Aston zwar versichert, dass es sich um ein aufwändiges Verfahren, und ein hochwertiges Produkt handle. Ich kann mich aber nicht ganz davon losschreiben, nicht schon daran gedacht zu haben, dass ich gerade in einen Schirm aus Cola-Flaschen spreche. Aber Spaß beiseite, die Tatsache, dass hier Recycling-Material verwendet wird verdient Lob, und geht als gutes Beispiel voran.

Die außergewöhnliche Form und die Oberfläche verleihen dem Reflection-Screen seine akustisch überragenden Eigenschaften

Im Gegensatz zu den meisten bisher erhältlichen verwandten Reflektorschirmen schirmt der Halo nicht nur auf horizontaler Ebene, sondern auch auf der vertikalen Ebene ab. Herkömmliche Produkte bilden meist einen Halbkreis, der nach oben und unten komplett offen ist. Nicht so der Halo, denn er ist fast wie eine Halbkugel geformt und hält damit Schall zusätzlich auch aus Richtung Fußboden und Decke kommend ab. Die wenigsten Studios oder Aufnahmeräume besitzen eine vernünftige Decken- oder Fußbodendämmung. Hier spielt der Halo eindeutig einen Trumpf aus, denn gerade schallharte Decken und Fußböden gehören zu den stärksten ersten Reflektoren.

Die Form, die sich Aston natürlich auch hat patentieren lassen, ist übrigens so geschickt gewählt, dass sie bei möglichst kleinen Ausmaßen einen möglichst großen Bereich abschirmt und gleichzeitig so wenige Reflexionen wie möglich zum Mikrofon zurückwirft. Zusammen mit der Faltenoberläche, die auch automatisch eine Vergrößerung der Oberfläche bewirkt, haben es die Aston-Tüftler geschafft, möglichst viel Absorption und Diffusion bei möglichst kleinem Volumen zu bewirken. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Absorption – nicht nur horizontal, sondern auch vertikal
  • hoher Absorptions-/Diffusions-Grad durch große Oberfläche mit Faltenstruktur
  • geringes Gewicht
  • einfach zu montieren

  • eingeschränkte Sicht, dadurch schlechte Ablesbarkeit von Manuskripten oder Songtexten

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