Test
2
20.03.2020

Praxis

Anschließen und loslegen

Um das kleine 2-Kanal USB-Interface anzuschließen braucht es lediglich das mitgelieferte USB-Kabel, welches das Audient EVO 4 auch mit Strom versorgt. Den Treiber gibt es auf der EVO-Website. Unter macOS funktioniert das EVO 4 auch ohne den Herstellertreiber, aber der Originaltreiber senkt die Latenz ein wenig. Nach kurzer Eingewöhnungszeit gefällt mir die Bedienung des EVO 4 sehr gut. Die Steuerung mittels eines zentralen Drehknopfes erinnert etwas an die Bedienung eines UAD Apollo Twin. Erfreulich ist, dass sich Gain- und Lautstärkepegel für Preamps und Monitore auch digital steuern lassen. In DAWs, die dieses Feature unterstützen, kann das Preamp Gain direkt in der DAW gesteuert werden. Mit Logic Pro X hat das im Test bestens funktioniert. Ebenso lässt sich der Ausgangspegel der Lautsprecherausgänge ohne Probleme unter macOS direkt mit den Lautstärketasten auf der Tastatur regeln – ein Feature, das ich sonst sehr an RME-Interfaces schätze.

Auf das Smart-Gain-Feature möchte ich natürlich auch eingehen: Ehrlich gesagt dachte ich bei der Vorstellung des EVO 4 eher an eine Art Assistentenfunktion, die das Gain kontinuierlich nachregelt, wenn das Signal zu clippen droht, ähnlich wie bei RME XTC Preamps. Tatsächlich stellt die Smart-Gain-Funktion die Vorverstärkung einmal statisch ein. Dazu drückt man den Smart-Gain-Schalter, dann den jeweiligen Preamp-Schalter, um zu wählen, welcher Kanal eingestellt werden soll und dann noch einmal den Smart-Gain-Schalter, um den Listening-Modus zu aktivieren. Nun hört einem das Smart-Gain ganze 12 Sekunden beim Spielen zu, um das Level einzuschätzen und stellt dann das Gain entsprechend ein. Zugegebenermaßen funktioniert das sehr gut und das EVO 4 wählt immer einen passenden Pegel. Aber ich würde mal unterstellen, dass die meisten Leser das Gain deutlich schneller und unkomplizierter händisch einstellen können.

Bei 32 Samples Buffer-Größe und einer Samplerate von 44.1 kHz ergibt sich in Ableton eine Gesamtlatenz von 7,55 ms, was für ein günstiges USB-Interface ganz gut ist. Arbeiten ohne Knackser ist allerdings erst ab 64 Samples Buffer möglich. Hier steigt die Latenz auf knapp über 8 ms.

Wie klingt das Audient EVO 4?

Laut Herstellerdaten liefern die Preamps des EVO 4 eine maximale Verstärkung von 58 dB, was in dieser Preisklasse schon recht ansehnlich ist. Für den Line-Eingang wird die gleiche Gain-Range mit 10 dB-Pad angegeben, was den Verdacht nahelegt, dass auch die Line-Signale den Preamp komplett passieren und vorher um 10 dB gedrosselt werden. Die AD- und DA-Wandler von AKM weisen einen Dynamikumfang von 113 dB auf, was ebenfalls viele Geräte dieser Preisklasse übertrifft.

Im Test klingen die Preamps ausgesprochen nüchtern und offen. Dass man in diesem Preisbereich keine aufregende Färbung zu erwarten hat, sollte klar sein, stattdessen besinnen sich die Preamps des Audient EVO 4 darauf, das Signal so originalgetreu wie möglich zu übertragen. Sie agieren angenehm rauscharm. Beim Aktivieren der Phantomspeisung wird das Signal des jeweiligen Kanals kurz stummgeschaltet, um ein Knacken zu unterdrücken. Sehr schön. Auch der Instrumenteneingang schlägt sich gut und bildet im Test Gitarre und Bass gut ab, ohne bei Transienten in die Knie zu gehen. Beim Abhören machen die DA-Wandler eine gute Figur. Die Kopfhörerausgänge sind stark genug für die meisten Kopfhörer. Wer eher laut auf Kopfhörern abhört oder sehr hochohmige Kopfhörer nutzt, wird sich aber eher am oberen Ende der Levelskala wiederfinden. In meinem Test habe ich das Audient EVO 4 in verschiedenen Situationen mit Gitarre und Bass aufgenommen. Als Vergleichsgerät dient ein UAD Apollo Twin.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gute Preamps
  • gut klingende Wandler
  • starker Kopfhörerausgang
  • modernes Design
  • Bedienung
  • extrem kompakt
  • geringe Latenz
  • Direct Monitoring

  • gegenseitige Stummschaltung von Kopfhörer und Lautsprecher

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