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09.03.2019

Audient iD44 Test

Audient iD44 Test

Einer für alle(s)

Audent id44 Test: Ihr sucht ein professionelles Desktop-Audio-Interface mit vier hochwertigen Mikrofoneingängen, Erweiterungsmöglichkeiten per ADAT, Monitorcontroller-Funktionalität und intuitiver Bedienung? Ihr braucht keine DSP-Effekte, aber legt Wert darauf, dass die Kiste mit jedem USB-Rechner läuft? Dann hat Audient was für euch!

Details

Das Audient iD44 im Überblick

Das Audient iD44 ist ein kompaktes Desktop-Audiointerface mit 20 Ein- und 24 Ausgängen sowie einer maximalen Auflösung von 24 Bit/96 kHz. Mit 27,6 cm Breite und 17,4 cm Tiefe hat es eine angenehme Größe, bei einem soliden Gewicht von 1,75 kg. Dadurch liegt das iD44 satt auf dem Produktionstisch, auch wenn alle Ein-und Ausgänge gesteckt sind, ist aber trotzdem leicht genug, um mal eben bei Bedarf zur Recordingsession mitgenommen zu werden.

Analog geht es über vier Preamps mit maximal 60 dB Gain ins Gerät, digital stehen zwei optische Ein- und Ausgänge zur Verfügung, welche zwischen ADAT- und S/PDIF-Format umschaltbar sind. Die vier analogen Audioeingänge verfügen auf der Oberfläche über dedizierte Bedienelemente wie Gainregler, je eine Signal- (grün) und Peak-LED (rot), zuschaltbare 48V-Phantomspeisung, -10dB-Pad-Absenkung sowie einen zuschaltbares Highpassfilter, um Mikrofongerumpel unter 100 Hz gar nicht erst in die DAW zu lassen. Weitere wichtige Features eines Mikrofonkanals wie Lautstärke, Solo, Phase-Reverse oder Stereoverlinkung zweier Eingänge werden über das sehr großformatige iD-Mixer-Software-Interface bedient.  

Die Rückseite

Rückseitig gibt’s Ein- und Ausgänge satt: vier Kombobuchsen (XLR/Klinke) dienen als analoge Haupteingänge. Audient verbaut nicht nur im iD44, sondern bei allen Soundkarten die gleichen sehr hochwertigen Vorverstärker aus der hauseigenen ASP8024-HE-Konsole.

Wer dennoch seinen bevorzugten Mikrofonvorverstärker nutzen will, darf den Audient-Vorverstärker umgehen und mit dem externen Preamp über die symmetrischen Returns des ersten oder zweiten Eingangs das externe Signal direkt auf die A/D-Wandler der Soundkarte geben. Alternativ können hier Hardwareprozessoren wie etwa Kompressoren eingeschleift werden. Die beiden Inserts liegen mit je zwei Anschlüssen für Send und Return vor, spezielle Insertkabel sind also nicht notwendig.

Hardwareseitig bietet das iD44 vier symmetrische Klinkenausgänge, an die klassischerweise die Monitorboxen angeschlossen werden. Mit dem Alt-Schalter lassen sich die beiden dann umschalten, womit das iD44 auch als Monitorcontroller gelten darf, auch wenn dedizierte Vertreter dieser Gattung meist noch ein paar mehr Routinen drauf haben, wie etwa das Routing mehrerer externer Soundquellen. Hier muss der iD44 passen. Natürlich kann man weitere Signale wie etwa vom DJ-Mischpult über die ADAT-Schnittstellen oder auch via SPDIF-Stereo-Signal auf das iD44 schicken, aber das Muten, Routen und Mixen ist nur mit der iD-Mixersoftware möglich. Die derzeit aktuelle Version 4.04 läuft auf dem Mac ab OSX 10.7.5 und auf dem PC ab Windows 7.

Anschluss an den Rechner findet das iD44 mit einer USB-C-Buchse. Im Lieferumfang befinden sich zwei 1,5 Meter lange Kabel: ein USB-C-zu-USB-C-Kabel und ein USB-C-zu-USB-A-Kabel. Ein zusätzlicher Adapter ist also nicht nötig.

Trotz der USB-C-Buchse verfügt das iD44 nicht wie erhofft über eine ultraschnelle USB-3.1-Schnittstelle, sondern lediglich über USB 2.0 Hi-Speed, das immerhin noch 480 Mbit/s aufbieten kann (also in etwa vergleichbar mit FireWire 400). Ein Wordclock-Ausgang, ein Kensington-Lock und ein Kippschalter zum Ein- und Auschalten des Geräts komplettieren die Rückseite des iD44. MIDI-Anschlüsse gibt es nicht.

Die Vorderseite

Vorderseitig finden sich links zwei JFET-Instrumenteneingänge für Gitarre oder Bass. Steckt dort ein Kabel drin, wird der korrespondierende hintere Eingang stummgeschaltet. Die Eingänge sollen die Eingangsstufe klassischer Röhrenverstärker simulieren, Regelmöglichkeiten für die Vorstufen gibt es jedoch nicht.  Rechts vorne gibt es noch zwei Kopfhörerausgänge, jeder mit eigenem Verstärker und separat regelbar, sodass zwei Musiker gemeinsam an einem Projekt arbeiten können. Bis zu vier Cue-Mixe können in der iD-Software erstellt und den Kopfhörerpfaden einzeln zugewiesen werden.

 

Weitere Äußerlichkeiten

Das Audiointerface besteht komplett aus Metall, Lautstärke- und Gainregler aus massivem, handgefrästem Aluminium und die Minischalter ebenfalls aus Metall: Das alles wirkt schön wertig und vermittelt eine hohe haptische Qualität.

Blickfang ist natürlich der überdimensionierte gerasterte Endlosdrehregler. Der klickt, wenn man ihn drückt, aber das hat keine Funktion. Die sieben hintergrundbeleuchteten Druckknöpfe rechts und unter dem großen Endlos-Volume-Poti sind die einzigen Plastikbauteile auf dieser robusten Studioschaltzentrale.

Während die unteren drei für Cut (stummschalten), Dim (leise schalten) und ID (DAW-Fernsteuerung) fest vergeben sind, können die drei senkrecht positionierten „F-Buttons“ verschiedenen Funktionen zugewiesen werden. Bei Auslieferung bewirken sie Monoschaltung, Phasenverdrehung und Alt (eine Zuweisung zu einem zweiten Monitorpaar). Darunter gibt es noch den Talkback-Schalter.

Apropos Endlosregler: Damit man nicht von allzu großer Lautstärke überrascht wird, zeigen die beiden achtsegmentigen Pegel-LED-Ketten beim Drehen des Volume-Potis den aktuellen Regelwert an.

Der „iD“ betitelte Button aktiviert die ScrollControl. Hiermit wird der große Endlosregler zum Dateneingaberad. Ob virtueller Poti, Fader oder der Browser: Jeder Wert, auf den die Maus zeigt, kann laut Audient mit ScrollControl geregelt werden. Dazu mehr im Praxisteil.

Ein Talkbackmikro sucht man vergebens. Stattdessen kann in der iD-Software jeder am Computer vorhandene Mikrofoneingang zum Talkback nominiert werden, zum Beispiel das olle USB-Podcast-Mikro, dass noch irgendwo in der Schublade schlummert oder auch das interne Mikro des Laptops. Obwohl ich eingebaute Talkbackmikros im Mischpult oder Monitorcontroller eigentlich vorziehe, finde ich die Audient-Variante gar nicht so schlecht, denn geben wir’s zu: Viele interne Talkbacks klingen furchtbar grausig!

Zählen wir mal zusammen: Vier analoge Eingänge und 16 via ADAT macht 20. Vier analoge Ausgänge, und 16 via ADAT plus zwei mal Stereokopfhörer macht 24, alles wie versprochen. 20 rein und 24 raus, das ist schon eine Ansage für solch ein kompaktes Interface.

Lieferumfang

Die Verpackung besteht komplett aus schwarzen Karton und viel ist nicht drin: Neben dem Audiointerface selbst ist noch ein USB-C-Kabel, ein USB-A-auf-USB-C-Kabel sowie das notwendige 12V-Netzteil enthalten. Das Netzteil kommt mit verschiedenen regionalen Steckern und akzeptiert Spannungen von 90 bis 264 Volt, ist also überall auf der Welt einsetzbar. Die iD-Software (benötigt mindestens OSX 10.7.5 oder Windows 7), die aktuellen Treiber und das Manual stehen im Netz zur Verfügung. Dazu kommt ein ganzer Haufen Software, die nach der Produktregistrierung vom Audient Creative Hub ARC heruntergeladen werden kann: Vom Amp-Simulations-Plug-in Torpedo Wall Of Soiund von Two Notes über 1 GB Samples von Loopmasters, die Waldorf Edition 2 LE Plug-in Suite, Cubase und Cubasis LE für iOS, zehn kostenlose Masters von LANDR bis hin zu zwei Onlinekursen von Producer Tech.

USB-C

Wenn ein professionelles Audiointerface nur mit USB daherkommt, stutzt man in Zeiten von Thunderbolt gerne noch mal kurz. Leider unterstützt das iD44 trotz USB-C-Buchse nicht die donnerschnellen Datenraten von USB-3.1 Gen. 2, das ungefähr so flott wie das erste Thunderbolt-Protokoll ist. Es ist „nur“ ein USB 2.0-Interface, aber Hi-Speed, soll heißen, das iD44 erreicht laut Hersteller die maximale USB-Datenrate von 480 Mbit/s. Ich bin trotzdem froh, dass Audient eine USB-C-Buchse als Anschluss gewählt hat, denn die ist wesentlich robuster und zuverlässiger als beispielsweise die USB-Mikro-Verbindungen, die derzeit gern verbaut werden.

Und hier kommen wir auch schon zur Praxis, denn das Audient iD44 versteht sich nicht als Gegenspieler der etablierten Desktop-Thunderbolt-Soundkarten à la UAD Apollo Twin, sondern als USB-Lösung für all jene, die eine universelle hochprofessionelle Soundkarte ohne DSP-Power suchen.

Pro & Contra

  • vier sehr gute Mikrofonverstärker
  • Inserts für die ersten beiden Eingangskanälezwei gut klingende Instrumenteneingängezwei unabhängige Kopfhörerwegedigitale Anschlüsse für zwei ADAT-kompatible Breakout-Boxen
  • Wordclock-Ausganggutes Handlingsehr gute Bauqualitäthohe Kompatibilität durch USB-C-Anschlußss

  • kein zusätzlicher Aux-Inputtrotz USB-C-Anschluss nur USB 2.0 Hi-Speed
  • ScrollControl funktioniert nicht befriedigend

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