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Test
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04.03.2014

Audix SCX-one Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

Zupackend

Audix' SCX-one (oder auch SCX1 geschrieben, da ist sich offenbar sogar der Hersteller selbst uneinig) ist ein Kleinmembran-Kondensatormikro aus der oberen Preisklasse des amerikanischen Unternehmens. Bedenkt man, dass das f9 aus der Budgetklasse eine wirklich gute Figur gemacht hat, stimmt das sehr zuversichtlich, dass das SCX-one ein wirklich gutes Mikrofon ist. 

Für das Review im Rahmen des Testmarathons hatten wir auch zwei SCX1C bezeichnete Stäbchen mit Druckgradientenempfänger-Nierenkapsel. Ebenfalls erhältlich sind Kapseln mit Hypernieren- (SCX1HC) und Kugelcharakteristik (SCX1O), letztgenannte natürlich als echter Druckempfänger, wie es bei Kleinmembranmikros üblich ist.

Details

Alles andere als ein Paradiesvogel 

Wie man es von Audix kennt, ist das SCX-one ohne gestalterische Extravaganzen aufgebaut. Dadurch erfüllt es diesbezüglich die an ein Mikrofon dieser Bauart gestellten Erwartungen sehr gut, denn meist wünscht sich der Nutzer Unauffälligkeit und leichte Positionierbarkeit. Mit nur gut zehn Zentimetern Länge ist es sehr kurz, nicht so kurz allerdings, dass es fast im Mikrofonhalter zu verschwinden vermag wie die Sennheiser 80xx-Serie.

Linear gibt´s woanders

Eine Besonderheit des SCX ist, dass die Richtcharakteristik so ausladend ist, dass sie ein wenig Richtung breite oder offene Niere tendiert. Gut ist, dass es außer in den Randbereichen eine hohe Gleichmäßigkeit der Richtcharakteristik gibt. Das kann man vom Pegel-Frequenzgang nicht behaupten, denn dieser sieht ein wenig wie das Höhenprofil einer Radtour im Mittelgebirge aus. Klar ist, dass Audix gar nicht vorhaben, das SCX bretteben zu gestalten (Und sie verdienen Lob dafür, den Frequenzgang nicht so lächerlich zu glätten, wie es sonst oft zu sehen ist…). So kann man einen dicken Buckel von etwa 3 dB Differenz zum 1kHz/0dB-Punkt ausmachen, welcher seinen Scheitelpunkt etwas unterhalb von 10 kHz hat. Bis 20 kHz hat die Übertragungskurve allerdings schon wieder deutlich Boden verloren und schneidet diesen Wert mit etwa 5 dB Verlust. Etwas erhöht ist es um den Bereich leicht unterhalb der 2 kHz, etwas gedämpft um die 4 kHz. Möglicherweise ist hier ohne viel EQ-Geschraube genau die richtige Kurve für den Mix mit Snare und Vocals vorhanden, wenn man beispielsweise bedenkt, dass Kleinmembran-Nieren gerne für Akustikgitarren eingesetzt werden. Ein typischer EQ-Absenkbereich vieler Instrumente ist ebenfalls eher schwach ausgeprägt, nämlich jener zwischen 0,2 und 0,5 kHz. Auch ohne Proximity-Effekt werden die Bässe und Tiefbässe hingegen mit ordentlich Pegel übertragen. 

Vor allem die Höhenanhebung mit dem schwach ausgeprägten Air-Band wecken Zweifel, da doch genau dies die Klangqualität vieler preiswerter Kleinmembran-Nieren schmälert. Allerdings kommt es auch darauf an, wie es bewerkstelligt ist. Vielleicht bekommen es Audix ja gut hin, ohne das Reiben, Resonieren und Verschmieren, was viele andere Mikros liefern?

21mm-Kondensatorkapsel

Nach Filterung mit der Gehör-angepassten A-Kurve liegt das gemessene Rauschen bei 14 Dezibel, die 0,5%THD-Zerrgrenze ist mit 130 dB angegeben, ein Pad gibt es ebenso wie ein Filter nicht am SCX-one. Das 200Ohm-Mikrofon zeigt sich mit 26 mV/Pa ordentlich empfindlich. 

21 Millimeter misst die Kondensatorkapsel, deren Membran aus dem verbreiteten Trägermaterial Mylar und einer dünnen Goldschicht besteht. Die zum Betrieb notwendigen 48 Volt Versorgungsspannung müssen den Kondensator polarisieren und die SMD-Bauteile des Verstärkers mit Leben füllen, bevor ein Signal am XLR-Ausgang auf die Reise gehen kann. 

Born in the USA

Das SCX ist “designed, machined, assembled and tested” in den Vereinigten Staaten, allem Anschein nach hat man bei wesentlichen Teilen nicht gespart. So ist das Gehäuse aus Messing geschnitten, an den Stegen der Kapsel erkennt man, dass gutes Werkzeug benutzt wurde und eine penible Entgratung stattgefunden hat. Blickt man auf die Front der Mikrofonkapseln, fällt aber auf, dass das Gehäuse nicht einteilig wie etwa bei Schoeps ist. Sehr hochwertig wirkt hingegen die Lackierung, die keinerlei Beulen, Bläschen, Schlieren oder sonstige Ungereimtheiten finden lässt.

Das SCX-one kommt im schönen Köfferchen

Zwar ist mit dem SCX1MP auch ein Matched Pair der Kondenser erhältlich, doch wir hatten im großen Testmarathon zwei Einzelpackungen zur Verfügung – im Hochpreissegment und bei sorgsamer Qualitätskontrolle sollten Toleranzen keine zu große Rolle spielen. Jedes der beiden Mikrofone kommt in einer schönen Holzkiste mit Formausschnitten für das Mikrofon samt beiliegendem Windschutz und die ebenfalls hochwertig wirkende Klammer. Nun gut, etwas unpraktisch ist es schon, das Mikro immer mit Windschutz in seinen Sarg prokeln zu müssen, aber eigentlich ist das kaum der Rede wert. Der Rede wert ist hingegen bestimmt, darauf hinzuweisen, dass es sich beim SCX um ein Modularsystem handelt. Anstatt die oben angesprochenen Mikrofone mit anderen Charakteristiken komplett zu erwerben, kann man auch CPSSCXHC und CPSSCXO erwerben – das sind die Codes für die Hypernieren- und die Omni-Kapsel. Zu den weiteren erwerbbaren Acessoires zählen eine elastische Aufhängung, Poppschutz und sogar eine separate, stabile Spannungsversorgung.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • kräftiger, prägnanter Klang
  • interessante Ergänzung zu sehr feinen Kleinmembranern

  • etwas grobschlächtiger Klang

Gehört zu dieser Serie

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