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Test
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04.06.2020

Behringer Cat Test

Paraphoner analoger Synthesizer

Copy Cat ?!

Einer geht noch: Behringer ist beim preiswerten Nachbau analoger Synth-Klassiker kaum zu stoppen. Der neueste Streich 'Cat' orientiert sich stark an dem Octave Cat aus den 1980er Jahren, der seinerzeit wiederum den legendären ARP-Sound zu imitieren versuchte. Der paraphone Behringer Cat ist also quasi die Kopie einer Kopie, verpackt im Eurorack-kompatiblen Miniatur-Gehäuse. Das unkonventionelle Bedienkonzept des Octave Cat soll im Behringer wieder aufleben und zu neuen Höhenflügen ansetzen. Ob, und wie das gelingt, haben wir für euch genauer untersucht!

Details

Äußeres Erscheinungsbild

Das Auge hört ja bekanntlich mit. Erster Blickfang ist natürlich die Katze, die Behringer neben dem originalgetreuen „Cat“-Logo auf der Frontplatte positioniert hat. Eine sympathische Geste und Hommage an den fantastisch unterhaltsamen Cats On Synthesizer-Blog. Ansonsten wurde der Cat im Behringer-typischen Miniatur-Gehäuse verbaut, welches wir schon von Geräten wie dem Model D oder dem Pro 1 kennen. Mit seinen 87 x 374 x 136 mm (HxBxT) ist der Synth Eurorack-kompatibel, die Holz-Seitenteile und die Gehäuse-Rückseite lassen sich vor dem Rack-Einbau problemlos entfernen. Das puristische Bedienkonzept, auf welches ich später noch zu sprechen komme, ermöglicht trotz des kompakten Gehäuses angenehm große Abstände zwischen den einzelnen Potis und Fadern. Das dürfte den Workflow erleichtern, im Gegensatz zu den doch etwas friemeligen Mini-Potis anderer Behringer Synths, wie etwa dem Model D. In ihrem Gewicht tun sich die beiden allerdings nichts und sind mit jeweils 1,7 kg keineswegs eine Schwerlast.

Aufbau und Bedienoberfläche

Die Bedienoberfläche ist nahezu 1:1 vom Vorbild übernommen worden, die einzelnen Sektionen wurden lediglich dem Gehäuse angepasst und teilweise anders angeordnet. Außerdem ist unter anderem für die Eurorack-Implementation eine kleine Patchbay hinzugekommen, die im Original noch nicht verbaut war. Leider ist weder online noch im Karton eine Bedienungsanleitung auffindbar, aber zum Glück erklärt sich der Aufbau des Synths größtenteils selbst. Die Grundausstattung ist simpel: Ein 24dB Tiefpass-Filter, zwei Hüllkurven und ein LFO formen und modulieren den Sound von zwei syncbaren VCO‘s. Oszillator 2 bietet Puls, Sägezahn und Sub Octave, während VCO 1 mit einer zusätzlichen Dreieck-Wellenform etwas großzügiger bestückt ist. Außerdem lässt sich beim Rechteck die Pulsbreite einstellen, was bei VCO2 nicht möglich ist. Die einzelnen Wellenformen können via Fader miteinander gemischt werden, was interessante Eigenkreationen ermöglicht. Gestimmt wird über Fine-Tune-Regler, wobei VCO 1 zusätzlich ein gröberes „Coarse“-Tuning bietet. Außerdem lässt sich hier auch der Keyboard Control Modus zwischen Off, Poly und Mono umschalten.

Der Synthesizer ist paraphon, genau genommen duophon. Die zwei Oszillatoren bilden im Mono-Modus eine Stimme, während sie in „Poly“ auf zwei Stimmen aufgeteilt werden, was ein zweistimmiges Spielen ermöglicht. Bei Paraphonie teilen sich die Stimmen ein Filter und eine Hüllkurve, was unabhängige Melodieverläufe erschwert und der wesentliche Unterschied zur Polyphonie ist, wo jeder Stimme ein Filter/Envelope zugewiesen ist. Ein kleiner Wermutstropfen ist das vorgeschriebene Trigger-Verhalten des Cat, welches bei dem Synth auf „Low Note Priority“ eingestellt ist. Demnach hat immer die tiefste gespielte Note den Vorrang, wodurch teilweise höher gespielte Noten nicht erklingen, solange die tiefere Taste gedrückt bleibt. Gerade angesichts paraphonen Konzeptes wäre es wünschenswert gewesen, hier beispielsweise mittels des Behringers Synth Tool-Software die Möglichkeit zu haben, das Trigger-Verhalten umzuschalten. Die Oszillatoren wandern in das Low Pass Filter, welches relativ simpel aufgebaut und resonanzfähig ist. Ich persönlich finde es ja immer angenehm, wenn ich die Filter-Frequenz per Fader bedienen kann. Das gilt auch für die beiden Hüllkurven (AR und ADSR), die je nach Belieben auch auf Filter- und Oszillator-Frequenz einwirken können. 

Wer hier wen moduliert, lässt sich jeweils per Schalter bestimmen. Jede Sektion (Oszillator, Filter) hat zwei Modulations-Quellen mit einstellbarer Intensität. Quelle ‚1‘ ist ausschließlich dem LFO gewidmet, dessen modulierende Wellenform (Sinus, Rechteck oder Sample & Hold) pro Sektion variiert werden kann. Für Quelle ‚2‘ stehen wahlweise eine der beiden Hüllkurven, oder auch einer der VCO‘s zur Auswahl. Beim Cat sind die Oszillatoren also nicht nur reine Klanglieferanten, sondern lassen sich auch als Modulations-Quelle für Cross-Mod/FM-Sounds nutzen. Hinzu kommen neben dem obligatorischen Glide ein kleiner Pitch Bend-Fader, Octave-Shift und ein Regler für die LFO-Frequenz. Separat lässt sich noch Noise hinzufahren, der ganze Spaß wandert dann in den VCA, wo noch zwischen Gate und ADSR-Hüllkurve ausgewählt werden kann. Speicherplätze wurden dem Cat leider nicht spendiert – ähnlich wie bei den meisten Behringer-Klonen. Klar greift hier das Argument, man habe sich beim Klonen stark am Vorbild orientiert und möchte gern puristisch bleiben. Aber drei, vier Speicherplätze für die liebsten Patches? Die hätten jedenfalls nicht geschadet.

Anschlüsse zur Außenwelt

Die wesentlichen Anschlüsse des Cat sind identisch zu den Geschwistern aus der Behringer Familie (K-2Model DPro 1), was schlichtweg an dem gleichen, genormten Behringer-Gehäuse liegt. So finden wir auf der Rückseite den zweifachen Main Out in 6,3 mm Klinken-Format (High & Low) und auf dem Front-Panel die Anschlüsse für Midi In/Thru und USB/Midi. Zur nahtlosen Einbindung in die Eurorack-Umgebung wurde dem Synth noch eine kleine Patchbay mit allerhand 3,5 mm-Klinkenanschlüssen spendiert, welche neben In/Outs für unter anderem die Filter Frequenz, Hüllkurven oder CV/Gate auch einen Kopfhörer-Ausgang beherbergt. Zusätzlich wurde ein externer Audio-Input verbaut, wodurch auch fremde Klangquellen in den Genuss des Cat-Schaltkreises kommen. Strom erhält die Katze mittels mitgeliefertem 12V DC-Netzteil, Batterie-Betrieb ist nicht möglich. 

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Eigenständiger Sound
  • Gute Verarbeitung
  • Übersichtliche Bedienoberfläche
  • Schnelle Hüllkurven
  • Flexible Modulations-Möglichkeiten

  • Low Note Priority lässt sich nicht umstellen
  • Keine Speicherplätze

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