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Test
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09.10.2018

Behringer Neutron Test

Semi-modularer Analogsynthesizer

Viel Synthie für’s Geld

Behringer nutze im Zeitraum der NAMM-Show 2018, der wohl wichtigsten Messe für Musikinstrumente dieser Zeit, die Gunst der Stunde und zauberte im Januar den Neutron, einen neuen semi-modularen Synthesizer aus dem Hut, ohne selbst an der Messe teilzunehmen. Der Neutron sorgte, wie bereits die von Behringer zuvor angekündigten Produkte, für viel Furore in den Foren und überschattete die Synthesizer-Neuheiten der NAMM. Mehr als ein halbes Jahr haben Vorbesteller warten müssen, aber nun ist er bei vielen deutschen Händler angekommen. Verfügbar heißt hier nicht zwingend, dass er lieferbar ist. Wie schon beim Model D, der über 25.000 Mal verkauft wurde, gibt es auch hier enorme Vorbestellungen, was zu weiteren Wartezeiten führt. Kein Wunder, von welchem Hersteller erhält man schon für 299 € einen vollwertigen semi-modularen Hardware-Synthesizer?

Als Beta-Tester konnte ich bereits seit Februar 2018 meine Finger an den Neutron legen und die Knobs zum Glühen bringen. Welchen Eindruck das “rote” Instrument aus dem Hause Behringer auf mich macht, und wie er sich im Alltag schlägt, erfahrt ihr hier im Testbericht.

Wichtig zu erwähnen ist, dass dieser Testbericht auf einer Pre-Production Unit basiert, die kein finales Serienmodell ist. Abweichungen gibt es hier vor allem in der Farbe, die beim fertigen Synth etwas dunkler und matter erscheint, als bei der mir zur Verfügung stehenden Beta Version.

Details

Lieferumfang

Das obligatorische Unboxing-Foto muss an dieser Stelle leider ausfallen, da ‘Robin’ (Beta-Name meines Testgeräts) in einem sterilen Karton ausgeliefert wurde. Entscheidet man sich für einen Neutron, so erhält man im Lieferumfang, neben dem Instrument selbst, ein Netzteil (12V DC, 1000 mA), sechs mitgelieferte Patchkabel sowie ein Netzkabel für die Verwendung in einem Euroracksystem.

Erscheinungsbild: Rot!

Eines steht fest, die Farbe ‘Rot’ polarisiert die Synthesizer-Foren. Rot ist außergewöhnlich für ein elektronisches Instrument und fällt auf. Ähnlich wie in der Mode, macht man mit Schwarz nichts falsch im Synthesizer-Bereich. Einige Firmen wagen den Schritt und veröffentlichen andere Farben: Das goldene Endorphin.es Design oder auch die bunten Korg Monologues.

Neben der roten Farbe, die auf Fotos deutlich greller rüber kommt, als sie in Wirklichkeit erscheint, wurde der Neutron mit diversen Mustern verziert, die einen Kontrast darstellen sollen. Braucht man diese? Meiner Meinung nach nein, stören mich sogar persönlich in der Patch-Matrix. Ob man nun die Farbe nun mag oder nicht, die Entscheidung, das Gerät in diesem Design zu verwirklichen hat wohl einen Grund:  Der Synth fällt unter dem großen Angebot an Synthesizern sofort ins Auge. Darauf kommt es wahrscheinlich auch an.

Clone oder kein Clone?

Der Neutron ist ein komplett neues Produkt ohne bekannte Vergangenheit und wurde von den MIDAS Ingenieuren in Manchester/UK entwickelt, die selben, die für die erfolgreiche DeepMind-Reihe verantwortlich sind.

Der Neutron ist ein semi-modularer Desktop-Synthesizer, der ein großes Patch Feld auf der rechten Seite besitzt. Da der Nutzer eine sehr breite Auswahl an Patch Punkten hat, die einem erlauben den Signalfluss komplett zu ändern, kann man ihn schon fast als modularen Synthesizer bezeichnen. Da man hier aber einen kompletten Synthese-Block, anstatt einzelner austauschbarer Module vor sich hat, trifft der Begriff Modular hier nicht zu 100% zu.

Oberfläche & Eurorack-Kompatibilität

Die Oberfläche des Neutron besteht aus einer einzelnen Platine worauf Faceplate, Knobs und Buchsen montiert sind. Ab Werk befindet sich diese in einem einfachen Aluminium-Case, die sich auch abschrauben und in ein Eurorack Case einbauen lässt. Hierfür liegt im Lieferumfang ein passendes Netzkabel bei.

Nutzt man den Neutron in seinem eigentlichen Zuhause, so erhält man ein sehr solides und stabiles Gehäuse, das sich wertiger anfühlt als man anfangs glaubt (299 € im Hinterkopf). Das komplette Instrument besitzt Moog-ähnliche (Zufall oder nicht !) Regler, die schön verarbeitet und schön buttrig drehbar sind. Leider sind diese nicht mit der Platine fest verschraubt, lassen sich somit schnell austauschen. Auffallend ist hier, dass die Knobs für LFO-Shape und Tune größer geraten sind. Dagegen verbaut man einen zu kleinen Regler für den Filter-Cutoff Regler.


Anschlüsse

Der Neutron besitzt kein einfaches Gehäuse sondern dieses bietet verschiedene wichtige Anschlüsse, die für den Desktop-Betrieb entscheidend sind. Wichtig hier zu wissen ist die Tatsache, dass das Case nicht Eurorack-kompatibel und somit nicht weiterverwendbar ist. Hier zu finden sind Anschlüsse für: Audio In/Out, MIDI-Thru, USB-MIDI und ein Kopfhörer-Ausgang mit einem eigenen Verstärker. Den MIDI-Kanal (1-4) kann man hier klassisch über einen DIP-Schalter einstellen. Strom erhält das Instrument durch ein einen klassischen 12V-Netzschalter oder direkt im Eurorack-Case durch das mitgelieferte Verbindungskabel.


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Audiobeispiele

Video

Pro & Contra

  • Semi-modularer Aufbau mit fast modularem Spielgefühl
  • Fett klingende Oszillatoren
  • Oszillator & LFO steppen/blenden
  • Charaktervoller 12dB Multimode Filter
  • Digitaler LFO
  • Knackige Hühlkurven
  • Vielseitige Patching-Möglichkeiten
  • Clevere Utility Funktionen
  • Eurorack kompatibel
  • Preis/Leistung

  • Einzelne Oszillator-Volume Regler fehlen (Mixer)
  • Größe des Tune- vs. Filter-Reglers
  • Filter-Tracking nur über 3 Oktaven perfekt
  • Klangqualität des Delay-Effekts
  • Verzögerungsausgang gelangt in trockenen Signalpfad bei Mix-Regler ‘0’-Stellung
  • Farbliche Abstimmung im Patchfeld
  • Stromversorgung nicht Eurorack kompatibel
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