Hersteller_Behringer
Test
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17.11.2011

DETAILS

Auspacken ist angesagt, was schnell vonstattengeht, da der Karton lediglich den Mixer selbst, ein Kaltgeräte-Stromkabel für das integrierte Netzteil, sowie Handbücher, Aufkleber und USB-Kabel enthält. Ob man nun wegen des unübersichtlichen Druckwerks eine negative Wertung verbuchen soll? Es fördert ja nicht gerade die Übersicht, sämtliche Nox-Modelle (fünf an der Zahl) in einer Publikation abzuhandeln und diese dann auch noch zehnsprachig zu verlegen. In diesem Fall ist es mir aber lieber, der Hersteller spart an der Anleitung statt an der Qualität der Bedienelemente oder Schaltkreise.  

Nox kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Nacht, in der römischen Mythologie gar die Personifizierung der Finsternis. Gemacht für die Nacht wäre wohl eine zulässige Interpretation, bedenkt man, dass eine Heerschar potentieller Besitzer in dieser Zeit ihr Werk verrichtet. Nachtschwarz ist auch der überwiegende Teil des Stahlgehäuses lackiert, wenn man einmal von der Effekt-Sektion absieht. Die weißen Beschriftungen treten kontraststark hervor und liefern eine eindeutige Funktionsbeschreibung. Bei einem Battlemixer dieses Kalibers wäre die Handhabe ohnehin selbst für absolute Greenhorns klar, denke ich.  

Zwischen den einzelnen Baugruppen herrscht über weite Teile ausreichend Raum. Ein erster Trockenlauf zeigt griffige gummierte Encoder und Drehregler mit ausgewogenem Widerstand, sanfte Fader und beleuchtete Tasten. Das Chassis wirkt vom Scheitel bis zur Sohle, oder besser gesagt Bodenplatte, hochwertig und widerstandsfähig. Es ist frei von Graten oder scharfen Kanten. Die Faceplate bringt die erforderlichen Aussparungen zum Tisch oder Rack-Einbau gleich mit, doch macht sich der robuste Bursche auch auf dem Desktop ganz gut. Bis hierher kann ich solide Fertigungsqualität attestieren.

Front- und Backpanel

Nox bringt 2,2 Kilogramm auf die Waage und misst 100 x 255 x 274 mm, ist also nach hinten raus ziemlich kompakt geraten. Ein Streifzug über die Rückseite zeigt von links nach rechts eine Kaltgerätebuchse mit Stromschalter, gefolgt vom USB-Anschluss und den Main-Outputs. Der Master liegt als 6,3-Millimeter-Klinkenpaar und im Stereo-Cinch-Format vor. Dazu gesellt sich ein Recording-Out. Eingangsseitig kommt an beiden Kanälen das berühmte Phono-Cinch-Doppel zum Einsatz. Da dürfen natürlich Erdungsschrauben und Umschalt-Taster nicht fehlen.  

Kopfhörer und Mikrofone werden an der Vorderseite über Standardklinken angeschlossen. Besonderes Augenmerk verdient die USB-Buchse, denn sie kann digitale Musikstücke vom PC in das Mischpult übertragen. Ferner überträgt sie auch das Master-Signal an einen angeschlossenen Rechner oder an das Notebook, sodass der geneigte User seine Performance direkt mit diesem aufzeichnen kann. Der USB-Chipsatz funktioniert ohne Treiber unter Windows und OSX.

Kanalzug

Über jedem Kanalzug thront ein Gain-Regler, seines Zeichens Herrscher über die Eingangspegel der angeschlossenen Zuspieler. Darunter folgt ein Dreiband-EQ mit Kill-Feature. Drehe ich alle Regler nach links, herrscht Stille im Studio. Der maximale Boost auf allen drei Frequenzbändern beträgt 6 dB. Die Frequenzen sind mit 50 Hz (Bass), 1200 Hz (Mid) und 10 kHz (Hi) zweckdienlich eingestellt. Die Kanalfader messen 45 Millimeter, genau wie der Crossfader. Sie haben griffige Caps und kein nennenswertes seitliches Spiel. An ihren Außenflanken wurden drei beleuchtete Kill-Tasten von praxistauglicher Größe angeordnet, die Höhen, Mitten oder Bässe komplett unterdrücken. Die letzte Gemeinsamkeit der Kanäle: je ein silberfarbener Kippschalter. Am Kanal 1 zeigt seine Beschriftung Phono/Line/USB, am Kanal zwei ist Phono/Line aufgedruckt. By the way: Ich habe die Cue-Buttons nicht vergessen – es gibt keine.

Die Signalpegel der Eingangsquellen (Pre-Fader/Post-EQ) werden für jeden Kanal separat von zwei aus sechs LEDs bestehenden Peak-Metern angezeigt. Sie werden von einer dritten Kette unterstützt, die entweder Master-, Cue- oder FX-Pegel visualisiert. In Stellung Master wird die Eingangslautstärke Post-EQ, Post-Fader auf der mittleren Leiste ausgegeben und ist unabhängig von der tatsächlichen Ausgangslautstärke gemäß Master-Poti. Die Farbcodierung lautet viermal gelb, zweimal rot. Für meinen Geschmack hätten an dieser Stelle ruhig noch zwei, drei Lämpchen mehr Einzug finden können, da die Spitzenpegel bei Nullstellung aller beteiligten Regler bereits in die letzten beiden LEDs der Meter reichen. Leider wurde auch auf eine Skalierung der Anzeige verzichtet, daher lassen sich die Pegelwerte inklusive Reserven nur abschätzen.

Crossfader

An einem Battlemixer kommt dem Crossfader natürlich eine besondere Bedeutung zu. Behringer verbaut einen kontaktfreien Infinium-VCA mit stufenlos einstellbarer Kurvencharakteristik und einer Taste, um die Blendrichtung umzukehren. Der Fader ist butterweich, öffnet auf Wunsch schnell oder langsam. Rechts und links steht nichts im Weg, man kann also nach Herzenslust zur Sache gehen. Vielleicht werden fortgeschrittene Deejays Transform-Buttons oder Switches vermissen, aber so richtig viel Platz jenseits der (lobenswert) freien Crossfader-Zone sehe ich ehrlich gesagt nicht.   Bringt man den Überblendregler in den linken Anschlag und zupft ihm die Kappe vom Stift, kommt in der Aussparung ein Einstellschräubchen für den Andruck auf der Schiene zum Vorschein, was sich in leichterem oder schwererem Regelwiderstand äußert. Da fließt die Flachbahnbutter gleich noch zarter oder eben nicht. Für den Austausch im Schadensfall ist die gesamte Faceplate abzunehmen. Ein separates Crossfader-Modul wäre an dieser Stelle wünschenswert, ist aber in dieser Preiskategorie nicht wirklich Pflicht.

Die obere Hälfte

Rechts oben sind drei Drehregler positioniert, die der Aussteuerung des Mikrofonsignals dienen. Gain ist für den Pegel zuständig, die maximale Eingangsverstärkung beträgt laut Herstellerangaben 40 dB. Die klangliche Abstimmung übernimmt ein Zweiband-EQ (Treble/ Bass). Damit man das Mikro nicht nach jeder Gesangsdarbietung oder Moderation neu einpegeln muss, haben Behringers Entwickler dem 202 einen Schalter spendiert, der das Signal ohne Knacksen von der Summe nimmt.

Auf der gegenüberliegenden Seite finden wir Master- und Vorhörsektion. Der Grund, warum der Nox keine Cue-Buttons verbaut hat, wird an dieser Stelle deutlich, denn er arbeitet mit einem Cuefader. In Position CH1/CH2 blendet der Mini-Crossfader stufenlos zwischen den beiden Kanälen. Bei einem Zweikanal-Mixer ein absolut logisches Feature, denn es spart einfach Zeit, da man mit dem Fader schneller ist, als mit einem Cue Poti und zudem auf einen Tastendruck verzichtet. Selbstverständlich ist ein Lautstärkenregler für den Kopfhörer mit von der Partie, nicht selbstverständlich ist der dreifach Kippschalter für den Cue-Modus, der entweder den Master, Channel 1/2 oder die Effekte zur vorherigen Begutachtung auf den Kopfhörer schickt. Den Abschluss auf der linken Seite bildet das Master-Poti, welches die Ausgangslautstärke von nominal bis zu 21 dBU festlegt. Zum Vergleich: Pioneers DJM 450 gibt laut Tech-Sheet 18dBU aus, ist aber leider für einen Hörvergleich nicht vor Ort. An zentraler 12-Uhr-Position ist das Effektgeschwader stationiert, welchem wir im nachfolgenden Praxisteil auf den Zahn fühlen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Gute Haptik der Bedienelemente
  • Mechanisch einstellbarer Fader mit Curve-Control
  • Übersichtliches Layout
  • Integriertes USB-Audio-Interface
  • Synchronisierbare 24-Bit-Effektsektion
  • Effekte lassen sich vorhören
  • Saubere Verarbeitung
  • Kill-EQs und Buttons
  • Günstiger Preis

  • Fehlende Skalierungen an den Pegelmetern
  • Anzeige des Peak-Meters ist unabhängig vom Master-Poti
  • Position des Cuemix-Poti
  • Curve-Button könnte griffiger sein

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