Hersteller_Behringer
Test
5
15.06.2012

PRAXIS

Der Kandidat misst 108 x 480 x 38 Millimeter und wiegt 5,4 Kilogramm netto. Was den Stromverbrauch angeht, genehmigt er sich mit 27 Watt knapp doppelt so viel wie der NOX404. Für den Praxistest habe ich den Kandidaten zunächst mit meinen Vestax PDX2300 MK2 und Vestax CDX verbunden, sowie an den Aux-Inputs ein Vermona Action-Filter und das Pioneer-EFX-500 zudem über MIDI angeschlossen. Am USB-Port hängt ferner ein MacBook.

Mixer

Mit über 120 Bedienelementen auf seiner Arbeitsfläche wirkt das Layout auf mich für einen DJ-Mixer ein wenig „busy“, obgleich ich von manchen Pulten und MIDI-Controllern einiges gewohnt bin (ich sag nur 4MIDI-Loop). Bei meinem Testmodell schleifte einer der Linefader ein wenig und der Drehwiderstand und somit auch das Einrastverhalten einiger, ansonsten durch die Gummierung griffiger, Potis wich geringfügig vom Rest der Truppe ab - was sich im Arbeitsablauf als ein wenig störend erwies, sich eventuell jedoch im Laufe der Nutzungsdauer legen könnte. Die Equalizer zeigen an der Nullstellung eine geradlinige weiße Markierung, sind aber deutlich wackeliger konstruiert, als zum Beispiel bei meinem Vestax-PMC06-Pro. Der Eingriff ins Klangbild mit plus sechs Dezibel Boost ist eher von musikalischer als brachialer Natur, was ich persönlich an dieser Stelle bevorzuge. Beim Cut geht’s deutlicher zur Sache, wobei zu bemerken ist, dass auf dem letzten Teiler nicht mehr viel passiert. Drehe ich alle Regler auf maximale Absenkung, bleibt trotzdem etwas hörbar. Ein „Total-Kill“ ist also nicht, es sei denn, ihr zieht alle Lautstärken-Fader runter ;)

Was den Zwischenraum der Potis von 13 Millimetern zueinander angeht, ist festzustellen, dass dieser nicht so großzügig ausfällt, wie bei einem DJM-600 (18 mm) oder dem NI-S4 (20 mm), sodass ich hier schon ein bisserl mehr mit den Fingerspitzen zu Werke gehen muss, möchte ich nicht ein angrenzendes Poti berühren. Fairerweise muss ich jedoch anmerken, dass deren Nachbarn (nicht meine) davon ziemlich unbeeindruckt sind. Bei den Equalizern in der Monitorsektion ist der Zwischenraum mit 15 Millimetern etwas größer ausgefallen, was jedoch letztlich den kleineren Potikappen und nicht dem Abstand der etwas wackeligen Kunststoff-Stifte zueinander geschuldet ist. Oder kurz gesagt: Mitteleuropäische Durchschnittsfinger sollten mit dem Raumangebot noch einigermaßen gut zurechtkommen.

Die Channelfader zeigen ein praxisdienliches Regelverhalten und auch dem Crossfader kann ich bestätigen: Da lässt sich mit arbeiten. Er öffnet und schließt bei „Scratch Curve“ schnell, zudem kann er durch die Stellschraube hinsichtlich seines Gleitverhaltens an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Vielleicht stehen Scratchern die Frequency-Regler der Filtersektionen an der rechten und linken Seite ein wenig im Weg, das möchte ich nicht ausschließen. Eine Reverse-Taste zur schnellen Umkehrung der Blendrichtung gibt es nicht.

Monitoring und Pegelkontrolle

Die achtstelligen LED-Ketten im Kanal sind nicht ganz mein Fall, da sie zum einen nicht skaliert sind und auch die Farbgebung von viermal rot, viermal orange nicht wirklich aussagekräftig ist. Allerdings muss man ihnen zugutehalten, dass sie ziemlich hell illuminieren und somit auch im Freien recht gut ablesbar sind. Apropos Beleuchtung. Einige Buttons sind mit Status-meldenden LEDs versehen, jedoch beschränkt sich Behringer auf rot-orange-weiß. Ich finde, hier hätten ruhig ein paar Variationen mit blau und grün (zum Beispiel für die Filter oder FX On-Tasten ) Einzug halten dürfen. Bei den Mike-/Return-Bussen ist keine Pegelanzeige implementiert, statt dessen finde ich hier eine Clipping-LED vor, die bei Übersteuerung rot statt blau aufleuchtet. Ein ähnliches Konzept hätte ich mir auch für die Crossfader-Zuweisung gewünscht.

An sich gut ausgestattet gibt sich auch die Master-Sektion, beinhaltet sie doch separate Drehregler für Master1, Master2 und Booth nebst Mono-Option und Stummschaltung für den Booth-Ausgang. Die Aussteuerungsanzeige muss bedauerlicherweise ebenfalls mit einem zweifarbigen, nicht skalierten Stereometer Vorlieb nehmen, das zudem völlig unabhängig von der tatsächlichen Ausgabelautstärke des Mix1- oder Mix2-Reglers ist. Ich habe einen 0 dB-Sinussweep (150-400 Hz) in den CD-Player gepackt, danach Gain und Equalizer in Mittenstellung gebracht, was den Pegelmeter bis zum vorletzten Kettenglied trieb. Da ist nicht sehr viel Luft. In Sachen Wandlung, Soundqualität und Ausgangsleistung liefert der Nox606 in der Summe ein ordentliches Ergebnis ab.  Der Gesamtsound und die Preamps klingen anständig. Bei hohen Ausgabepegeln könnte er in meinen Augen durchaus noch etwas übersteuerungsfester agieren.

Die Kopfhörer-Sektion lässt kaum Wünsche offen, denn sie sieht sowohl einen Anschluss für Mini-Klinke, als auch für Standard-Klinke vor, was einerseits praktisch ist, sollte der Adapter versehentlich abhanden gekommen oder vergessen worden sein. Andererseits bietet dies die Möglichkeit zu zweit zu arbeiten, ohne dass ständig das Headphone getauscht werden muss. Allerdings ist die Lautstärke des Kopfhörerverstärkers nicht sonderlich hoch, sodass man in wummernden Umgebungen schnell an die Grenzen kommt. Ferner stellte sich heraus, dass ein Pegelabfall wahrzunehmen ist, wenn eine zweite Einheit angeschlossen wird.

Neben den einzelnen Cue-Kanälen 1-6 lassen sich die Signale Aux1 und Aux2 separat abhören, ferner ermöglicht POST-EQ das Signal vor oder nach den Equalizern auf die „Muscheln“ zu befördern. Geblendet wird standardmäßig zwischen Cue (auch Multicue) und Master, wenngleich das Konzept etwas gewöhnungsbedürftig ist. Obendrein ist eine Split-Schaltung integriert, die Master und Preview auf die Kopfhörerseiten aufteilt. Was letztlich auch Auswirkungen auf das Master-LED-Meter (ebenfalls geteilt) hat.

Effektsektion

Die Effektsektion hoch im Norden zu positionieren entspricht zwar nicht unbedingt „gängigem Clubstandard“, die Bedienung geht jedoch innerhalb kürzester Zeit in Fleisch und Blut über, wobei gerade Erstkäufer keine „Berührungsängste“ durch Umgewöhnung haben werden. Insgesamt packt Behringer zwölf Brot & Butter-Effektprogramme unter die Haube. Namentlich 2xCopy, Tape Echo, Echo, Flanger, Phaser, High Pass, Low Pass, Auto Pan, Vocoder, Reverb, Reverse Reverb und LimDist. Das ist nominal erst einmal eine stattliche Anzahl an Sound-Verwurstern, die zum Teil gut, zum Teil passabel klingen. Die Echos, das Reverb und vor allem auch das Reverse-Reverb fallen für mich ein wenig ab. Vergessen wir aber nicht, dass der Nox keine 400 Euro Street kostet und dass jeder eine eigene Klangästhetik hat.

Mit dem Encoder „FX-Select“ lassen sich die Programme der Reihe nach durchschalten und auf Tastendruck auswählen. Diese Sektion besitzt eine Vorhörfunktion, so dass der DJ den Sound zunächst auf dem Kopfhörer prüfen kann, bevor er aus den Boxern kommt. Sehr schön. FX sind nicht sofort aktiv, sondern müssen mit der FX-On Taste scharf geschaltet werden, um dann mittels Encoder-Auswahl auf den Mikrofonkanal1, den Master oder einen der vier Hauptkanäle geschickt zu werden. Das Mischungsverhältnis zwischen Effekt- und Originalsound wird mittels Dry/Wet-Fader (Intensity) festgelegt. Hier stellt sich bedauerlicherweise heraus, dass der Ausgangspegel um etwa eine Skaleneinteilung abfällt, schaltet man die FX-Sektion ein. Was beim Vocoder oder LimDist stört, das kann einem Flanger oder Echo durchaus zugutekommen, da sie oftmals kräftige Pegelanstiege verursachen. Jedoch wird der Pegelabfall bereits bei Dry-Stellung deutlich, also bevor man den Effekt hinzumischt, was wiederum einen Einsatz vor Publikum grundsätzlich in Frage stellt.  

„Frequency“ dirigiert den zu steuernden Effekt-Parameter. „Tap“ ist für die manuelle Synchronisation der zeitabhängigen Effekte zuständig. Es wird das Mittel der manuell eingetippten Schläge ermittelt. Ob ein Algorithmus beatsynchron über den Dancefloor flattern kann oder nicht, erkennt ihr daran, ob der Tempo-Button nach Anwahl des Programms zu blinken beginnt. Mancher Leser wird sich nun sicher fragen, warum der Hersteller keinen Endlos-Encoder für das Effekt-Timing verbaut hat, wie bei einem DJM üblich. Das liegt wohl auch daran, dass der Frequency-Regler je nach aufgerufenem Programm entweder Timing oder ein anderes Attribut (Cutoff, etc.) dirigiert. Außerdem können so Maximal- und Minimalstellung beim Timing oder Cutoff, sowie Nullstellung beim Reverb oder auch Distortion klarer identifiziert werden (ist ja sonst kein Hinweis wie LEDs oder Display vorhanden). Letztlich ist dies wohl Geschmackssache. Ich persönlich kann mit beiden Varianten leben. Mit dem Intensitätsfader hat man die Kontrolle darüber, ob der Effekt eher unterschwellig und subtil zugemischt werden soll oder mit der vollen Breitseite auf die Hörerschaft trifft. Erwähnung finden muss in diesem Zusammenhang der tote Bereich zu Beginn mit etwa einem viertel Regelweg. Dies lässt sich am besten mit dem High- oder Lowpass prüfen, denn sie werden entsprechend ihres Cutoffs in vollem Umfang hörbar. Anders, als man es vielleicht hinsichtlich der Skalierung erwartet hätte.

Das nächste Ausstattungsmerkmal könnte manchem Protagonisten der beschallenden Zunft vielleicht ein bis zwei verhaltene Freudentränen in die Augen treiben: zwei vollausgestattete, voneinander unabhängige, verlinkbare Filtersektionen mit LFO. Filtersektion Damit man sich in kreativer Hinsicht noch ein wenig mehr austoben kann, hat der Hersteller zwei Filter spendiert. Mit dem Frequency-Regler bestimmt der DJ die Grenzfrequenz in einem Rahmen von 30Hz bis 20Khz, der Resonanz-Regler übernimmt seine angestammte Aufgabe von mild bis wild, aber nicht so wild, dass ihr Angst um die Treiber haben müsstet. Da es sich hier in meinen Augen nicht um einen Mixer für den professionellen Einsatz handelt, möchte ich mit der Qualität der Filter nicht zu hart ins Gericht gehen, denn sie sind doch recht anfängertauglich, vielleicht sogar ein wenig harmlos ausgeführt. Das Filter klingt nicht übermäßig schmutzig, die Resonanz könnte für meinen Geschmack stärker ausfallen, aber brauchbar ist das Filter in jedem Fall und stellt allein durch seine Präsenz in dieser Preisklasse einen echten Gewinn dar. Der regelbare LFO wabert anständig gemäß manuell eingetippter Schwingung mit, wobei ein gutes Timing des Deejays beim Klopfen vorteilhaft ist. Die Rate lässt sich zudem auf Wunsch verdoppeln. Schön. 

Grundsätzlich stehen jeder Filterbank drei Betriebsmodi zur Auswahl, und zwar Hoch-, Tief- und Bandpass, nebst Kombinationen. Ein besonderes Highlight ist sicherlich auch die Möglichkeit, die Frequency-Funktion des Filters durch den Crossfader steuern zu lassen, wobei sich je nach Filterzuweisung, respektive CF-Routing interessante Überblendungen ergeben. Auch dürfen die Filter miteinander verlinkt werden.  Leider ist beim Einschalten vor allem bei leisen Passagen ein zugegebenermaßen leises, aber der Vollständigkeit halber Erwähnung findendes Knacksen zu hören. Manch einer wird hier sicherlich Anstoß nehmen. Persönlich empfinde ich dies nicht so dramatisch. Da hab ich schon Lauteres erlebt. Zum Beispiel bei meinem Vermona Actionfilter 2+ Trigger-/Bypass-Button, was sich immerhin auch als DJ-Tool versteht. Nachstehend gibt’s ein paar Hörpröbchen.

Ein weiteres Bonbon kommt in Form der MIDI-Fähigkeit des NOX-606. Zwar kann er leider kaum Steuerdaten über die Bedienelemente senden, wie man es von seinem Bruder DDM4000 oder gängigen MIDI-Controllern kennt, jedoch ist er in der Lage, das Clock-Signal auszugeben und somit als Master für die Synchronisation externer Gerätschaft, zum Beispiel einer Groovebox oder dem Pioneer EFX-500 zu dienen. Das klappt gut, abweichendes Timing ist mit dem Drehregler schnell eingestellt (so drei bis vier Raster pro BPM bei Tempo um die 120). In diesem Zusammenhang hätte ich es dennoch gut gefunden, hätte sich Behringer dazu durchringen können, ein BPM-Display zu integrieren, das bei den DJX-Serien oder beim DDM4000 zur Standardausstattung gehört. Für die Kommunikation ist DIN-MIDI vorgesehen. Die USB-Variante ist aktuell nicht an Bord. Das Poti „Data/MIDI“ übernimmt bei Bedarf das Finetuning in beide Richtungen für einen fehlerhaft manuell eingegebenen Wert. Also sozusagen ein Pitch für den MIDI-Slave. Eine Überprüfung der MIDI-Funktionalität der Bedienoberfläche unter Traktor ergab, dass die Regler „Freq“ und die Buttons HPF, LPF und BPF Befehle senden. Mehr geht aktuell (Stand 12.06.2012) noch nicht.

Möchte der DJ eine Musikbibliothek vom Computer nutzen, lässt sich dies über das integrierte mit 16 Bit und 48 kHz arbeitende Interface, respektive den USB-Playout-Kanal bewerkstelligen. Die Latenzen mit generischem Codec sind von Haus aus nicht bahnbrechend, aber zum Abspielen eines Songs reicht es allemal (Bsp.: MacBook, TSP2, Standardlatenz Nox606= 40ms). Jedoch liegt hier bei Traktor-0-dB-Stellung ein deutlich schwächerer Pegel an als bei den externen Gerätschaften.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Integriertes USB-Audio-interface
  • Vier Phono-/Line-Eingänge
  • Hoher Spaßfaktor
  • Attraktiver Preis
  • Zwei analoge Filtersektionen
  • Zwei Aux-Sends samt Return
  • Integrierter Effekt-DSP
  • Respektable Schnittstellenvielfalt
  • Drei separat regelbare Ausgänge
  • (Music-only)-Booth-Out
  • Variables Crossfader Gleit- und Kurvenverhalten
  • Umfangreiche Monitoring-Optionen
  • FX- und Mikrofon-Preview

  • Etwas enges EQ-Layout
  • Leiser Kopfhörerausgang
  • Position des Curve-Controllers
  • Keine Skala an den Pegelmetern
  • Unterschiedliche Regler-Widerstände
  • Pegelabfall beim Einschalten der Effektsektion
  • Keine BPM-Anzeigen

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X