Hersteller_Behringer
Test
8
12.12.2011

PRAXIS

Bevor man die Kernfunktionen des FBQ100 in Betrieb nimmt, empfiehlt sich – wie bei allen Audiogeräten – ein korrektes Einpegeln. Betreibt man das Gerät als Mikrofonvorverstärker ist folglich der Griff zum Rückseitigen Mic-Gain-Poti unumgänglich. Im zweiten Schritt adjustiert man über den vorderseitigen Clip-Level-Regler die interne Verstärkung. Hier wird es direkt einmal sehr missverständlich, denn bewegt man den Potikopf nach rechts, wird der angezeigte Pegel leiser und nicht etwa lauter. Selbst erfahrene Audioengineers dürften hier erstmal fassungslos vor dem Gerät stehen und sich fragen, wer und vor allem was man ihnen da in die Cola geschüttet hat. Erst der Blick ins Handbuch bringt Klarheit in die Sache: Maximaler Clip-Level bedeutet, dass die Aussteuerungsgrenze maximal nach oben verschoben ist – also der Punkt, ab dem das Signal clippen würde. Minimaler Clip-Level bewirkt entsprechend das Gegenteil. Konzeptionell ist dieses Wechselspiel zwischen Mic-Gain- und Clip-Level-Poti zwar logisch – im praktischen Gebrauch allerdings keine besonders elegante Lösung.

Grundsätzliche Bedienvorgänge lassen sich am FBQ100 einigermaßen zügig und zielgenau ansteuern – allerdings nur dann, wenn man sich mit den entsprechenden Doppelfunktionen vertraut gemacht hat: Bei Delay, Lowcut-Filter und Gate drückt man einfach den entsprechenden Taster und fährt mittels der Up/Down-Taster den gewünschten Parameterwert an. Sind schnell größere Parameterräume zu durchsprinten, kann man bei gedrückter Up/Down-Taste eine Beschleunigung erreichen, indem man ihren entsprechenden Counterpart drückt. Das Lowcut-Filter verfügt über Doppelbelegung (gedrückt halten) über eine Lock-Funktion, das Gate ist mit einem Lern-Modus ausgestattet. Auch der Kompressor-Taster ist doppelt belegt: Einmaliges Drücken ruft den Parameter „Density“ auf (0 – 100, entspricht gewissermaßen der Ratio), erneutes Drücken den „Speed“-Wert (regelt gleichzeitig Attack und Release im Bereich von 10 – 1000 ms).

Das Aktivieren der Feedback-Detection ist letztlich nicht sonderlich kompliziert, allerdings muss man auch hierfür mindestens einmal ins Handbuch schauen, denn selbsterklärend sind die Doppelfunktionen nicht. Einmaliges Drücken des Filter-Button wechselt nämlich zum Parameter für die Sensitivität der Schaltung, erneutes Betätigen zur Einstellung für die maximalen Absenkung der insgesamt zwölf Frequenzbänder und längeres Drücken leitet die Filter-Lern-Sequenz ein. 

Schaut euch den Shark in Aktion an!

Im Live-Betrieb arbeiten alle Funktionen klanglich weitgehend recht ordentlich: Sowohl das Lowcut-Filter wie auch das Noise-Gate und die Delay-Line machen einen tadellosen Job. Allein der Kompressor ist - wie kaum anders zu erwarten – mehr ein technischer Pegelbegrenzer, denn ein Ohrschmeichler. Für exponierte Einzelinstrumente oder Lead-Vocals würde ich folglich zu anderen Mitteln greifen, zumal sich hier das Einstellen über die Taster als wirklich unhandlich erweist. Geht es hingegen darum, grundsätzlich schon leicht „angedickte“ Signale über das Multicore in Richtung FOH-Mischer zu senden, liefert der Algorithmus durchaus brauchbare Ergebnisse. 

Was die Feedback-Filterung angeht, muss man natürlich mit einem Kompromiss zwischen linearem Frequenzgang und Absenkung in den kritischen Bändern leben. Wo man Frequenzen runterregelt, sind sie eben weg – egal, ob es sich jetzt um Nutz- oder Störsignale handelt. Bei vorsichtiger Dosierung – also eher milde gewählter maximaler Absenkung (empfehlenswert sind hier ca. 6 bis 12dB), bleibt das Nutzsignal nahezu intakt. Mit zunehmender Anzahl von aktiven Filterbändern und größerer Absenkung beginnt – physikalisch unumgänglich – leider auch eine hörbare Ausdünnung des Frequenzspektrums.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Effektive Feedback-Detection
  • Funktionsumfang
  • „Learn“-Funktionen
  • Flexibilität der Anschlusssektion
  • Preis

  • Hackelige Bedienung mit Doppelbelegungen
  • Kein visuelles Feedback, welche Funktionen aktiv sind
  • Nicht immer gut ablesbar

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