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Test
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20.03.2013

Behringer Sonic Exciter SX3040 Test

Exciter und Bass-Prozessor

No need to get excited?

Zu Behringers aktueller Produktpalette zählen nicht nur Standard-Prozessoren wie Preamps und Kompressoren, sondern auch speziellere Tools wie der Sonic Exciter SX3040. Was kann dieses Teil bei einem gerade noch zweistelligen Verkaufspreis bieten? Der zweikanalige Prozessor zählt zur Gruppe der sogenannten „Psychoakustik“-Prozessoren. Wer diesen schillernden Begriff geprägt hat, ist mir nicht bekannt. Aber ich kann mich daran erinnern, dass er mir, als ich ihn zu Schülerbandzeiten in der Prä-Internet-Ära zum ersten Mal hörte, eine Ahnung von „Audio-Geheimwissenschaft“ vermittelte. Es klang auf jeden Fall unglaublich wichtig, und wer mit so etwas hantieren konnte, musste wohl schwarzmagische Fähigkeiten haben...

In der Tat ist der Begriff etwas seltsam, denn er sagt irgendwie alles – und doch nichts. Gemeint ist damit wohl eine spezielle Eigenart eines solchen Prozessors: Er kann, wenn es gut läuft, die Durchsetzungsfähigkeit eines Signals erhöhen, ohne dabei den (Peak-)Pegel zu verändern. Ein solcher Prozessor setzt also nicht auf „brute force“ (vulgo: schlicht lauter machen), sondern auf etwas subtilere Kniffe, und deswegen wohl der Name.

Details

Immer ultimativ…

Als Zweitnamen trägt der SX3040 die Bezeichnung „Ultimate Stereo Sound Enhancement Processor“ – darunter macht Behringer es wohl nicht... Nun sollte man sich von dieser Bezeichnung aber nicht in die Irre führen lassen. Der SX3040 verfügt zwar über zwei separate Prozessoren pro Kanal, diese verändern jedoch ausschließlich Dynamik, Frequenzgang und Phasenlage jedes Kanals, nicht aber die Beziehung beider Kanäle zueinander. In anderen Worten: es handelt sich hier um einen Prozessor, mit dem man den Bass andicken und die Höhen „crisper“ (noch so ein Wort...) machen kann. Der SX3040 ist aber kein Stereo-Verbreiterer: Die Bezeichnung „Stereo“ bezieht sich hier allein auf die Tatsache, dass der SX3040 über zwei Kanäle verfügt und demnach sowohl ein Stereo- als auch zwei Mono-Signale verarbeiten kann.

Wir brauchen Bass

Jeder Kanal bietet dabei zwei voneinander getrennte Funktionsgruppen. Der vergleichsweise schlicht betitelte „Bass Processor“ arbeitet wie ein frequenzselektiver Kompressor, mit dem Ziel, den Bassbereich voller zu machen. Die Schaltung verleiht Events im (Tief-)Bassbereich mehr Sustain, dies lässt sich mit drei Bedienelementen kontrollieren: „Drive“ justiert die Intensität des Effektes, „Tune“ stellt die obere Grenzfrequenz des zu bearbeitenden Bereiches ein (zwischen 50 und 160 Hz, der Prozessor reicht also hinauf bis in den Tiefmittenbereich, in dem auch schon Snare-Grundfrequenzen liegen können), und „Mix“ schließlich macht genau das, was der Name sagt: Das Poti bestimmt den Anteil des bearbeiteten Signals.

Obertongenerierung

Danach folgt der „Sonic Exciter“, also eine Schaltung, die zusätzliche Obertöne generiert und somit Klänge im Idealfall auffrischen, aber auch zu scharf machen kann. Es handelt sich hier also nicht um einen EQ, sondern im Prinzip um eine Art frequenzselektiven Verzerrer, dessen Sättigungsprodukte dem Klang hinzugemischt werden können. Dieser Effekt kann wiederum mit drei Bedienelementen beeinflusst werden: „Tune“ definiert die untere Eckfrequenz der Bearbeitung (zwischen 1.3 und 10 kHz), „Harmonics“ stellt ein, wieviele Obertöne generiert werden sollen, und „Mix“ stellt abermals das Dry/Wet-Mischungsverhältnis her.

Der Vorteil eines Exciters liegt darin, dass er nicht statisch wie ein EQ arbeitet, bei dem man feste Frequenzbänder um einen bestimmten Betrag anheben kann. Falls ein dumpfes Signal aber gar keine (oder nur sehr wenige) Höhen hat, muss diese Waffe stumpf bleiben: Wo keine Frequenzen sind, kann auch kein EQ sie betonen.

Zudem „folgt“ der Exciter prinzipbedingt dem Eingangssignal – wenn kein Signal anliegt, wird auch nichts generiert. Auch wenn sich EQ und Exciter nicht 1:1 vergleichen lassen (der eine hebt Frequenzen an, der andere generiert sie), wäre das in etwa so, also ob die EQ-Eckfrequenz mitwandert, wenn der Ton des Eingangssignals höher wird.

Kein Hardwire-Bypass

Jeder Kanal verfügt zusätzlich noch über einen Bypass-Button. Diese leuchten bei eingeschaltetem Gerät rot (fungieren also auch als Betriebs-Anzeige), bei aktiviertem Prozessor blau. Leider ist dies kein Hardwire-Bypass, bei dem das Signal im Bypass-Betrieb auf kürzestem Wege wieder aus der Kiste herausgeführt wird. Der Klang durchläuft also stets die Audio-Stufen, und fällt der SX3040 im laufenden Betrieb aus, so wird das Audio gemutet. In einer Live-Situation (für die der SX3040 auch beworben wird) würde das bedeuten, dass die Zwangspause fürs Publikum erst dann beendet wäre, wenn die Anschlusskabel umgesteckt wurden.

Der Betriebschalter befindet sich vorne auf der Frontplatte, auf der Rückseite liegen die Kaltgerätebuchse (mit von außen zugänglicher Netzsicherung) sowie die Audioanschlüsse, die gleichermaßen als symmetrische Klinken- sowie XLR-Buchsen ausgeführt sind. Beide Ausgänge lassen sich parallel benutzen, auch der Behringer SX3040 kann also als Signal-Splitter dienen.

Vergessen, die Platine einzubauen? Nein!

Blickt man in das Gehäuse hinein, so sieht man erst einmal – nichts. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Es handelt sich hier allerdings nicht um eine  Neuauflage von „Des Kaisers neue Kleider“, sondern vielmehr um eine maschinelle Fertigung mit SMD-Bauteilen, welche aufgrund ihrer Mini-Dimensionen allesamt – bis auf die I/O-Schaltungen, die direkt an den Buchsen montiert wurden – auf einer vertikalen Platine direkt hinter der Frontplatte untergebracht werden konnten. Insofern bietet das Gehäuse ordentlich Luft für den Netztrafo, bei dem es sich leider nicht um einen einstreuungsarmen Ringkerntrafo handelt.

Die Fertigungs- und Verarbeitungsqualität des Gerätes befindet sich auf einem dem Kaufpreis angemessenen Niveau. Will sagen: Das erstaunlich leichte Gehäuse macht einen durchaus robusten Eindruck, aber eine gehobene Verarbeitung mit Luxus-Bauteilen darf man hier natürlich nicht erwarten. So sind beispielsweiso sowohl die Achsen als auch die Kappen der gerasterten Potis aus Plastik, was sich etwas klapprig anfühlt, höchstwahrscheinlich aber ein gutes Stück robuster ist, als der erste Anschein glauben macht.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • günstiger Preis
  • zwei Funktionseinheiten pro Kanal (Bass Processor und Sonic Exciter)
  • Klangeigenschaften des Bass Processors

  • kein Hardwire-Bypass
  • Klangeigenschaften des Sonic Exciters fallen etwas ab

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