Hersteller_Behringer
Test
3
19.03.2020

Behringer TD-3 Test

Monophoner Bass Line Synthesizer

Everybodys 303?!

Aktuell kann man ja einiges über Behringer behaupten – nur eine Sache sicher nicht, nämlich dass es still um den global agierenden Mega-Brand wäre. Die geradezu sensationelle mediale Präsenz rekrutiert sich aus dem Umstand, dass Behringer sich so ziemlich jedes gerade auslaufende Patent und Namensrecht legendärer Gerätschaften der 1970er und 80er Jahre schnappen und in Windeseile einen – mal mehr, mal weniger – gelungenen Klon davon auf den Markt werfen. Und das zu Preisen, die man als ausgesprochen günstig bezeichnen kann. Hinzu kommt, dass es nicht irgendwelche schrulligen Exoten-Synthesizer sind, die sich Behringer da heraus picken, sondern die ikonosonischen und stilistischen Kronjuwelen: ARP, Korg, Roland, Moog, Sequential – kein Klassiker, den die forsche Löt-Mannschaft aus dem fernen Zhongshan (China) nicht flugs in ein marktreifes Produkt verwandelt. Oft erweitert um zeitgemäße Features wie Presets, MIDI und USB. Die hier zum Test antretende Replik des Roland TB-303 Bass Line Synthesizers (TB = „Transistorized Bass“) steht dafür, wie kein zweites Gerät, zählt sie doch zu einer der begehrtesten Synthesizer-Legenden überhaupt.

Details

Ein paar Gedanken im Vorfeld

An dieser Stelle noch einmal die wechselvolle Historie des kleinen, silberfarbenen Plastiksynthesizers zu erzählen, wie er – ursprünglich als Bass-Synthesizer für Orgelspieler gedacht – zuerst fürchterlich floppte, dann von namenhaften Protagonisten der damals noch jungen Techno-Szene vom Elektronik-Grabbeltisch gerettet wurde und von dort aus zu einer kometenhaften Karriere als der klangliche und optische Fetisch von Techno und Acid zu werden, wollen wir uns sparen. Diese Geschichte wurde bereits oft genug erzählt, besonders ansprechend und sachkundig jedoch von meinem Bonedo-Kollegen Mijk von Dijk in seiner Liebeserklärung an die Roland TB-303

Zwei Dingen gilt es im Vorhinein Beachtung zu schenken: Zum einen dem Preis. Denn abgesehen von den astronomischen Gebrauchtmarktpreisen weit über der Dreitausender-Marke, kostete eine Original 303 bei ihrem Erscheinen im Jahr 1982 umgerechnet ungefähr 350 Euro. Rechnet man dann noch die Fortschritte im Bereich der automatisierten Fertigungstechnik (Stichwort SMD-Technik) dazu, ist die Behringer TD-3 günstig, aber auch nicht sensationell billig. Der andere Punkt – dazu werde ich aber noch im Praxisteil eingehen – betrifft die Programmierung: Einer der Hauptnachteile der Original-303 war und ist ihre – vorsichtig gesagt – unhandliche Programmierung. Das wissen auch Behringer und versorgen Besitzer einer TD-3 mit einer simplen Editor-Software. Da die TD-3 die Original-Bedienungsschritte übernimmt und ich dieses Konzept im Jahr 2020 für nicht mehr zeitgemäß in Bezug auf den Bedienkomfort halte, werde ich dieser Editor-Software eine relativ hohe Gewichtung geben.

Sollte irgendein Musiker im bewohnten Teil unserer Galaxie, der auch nur entfernt mit elektronischer Musik zu tun hat, noch nicht in Kontakt mit dem Roland-Original oder einem seiner vielen Klones gekommen sein (was ich für ausgesprochen unwahrscheinlich halte) – hier noch mal die Basics: Bei der Behringer TD-3 (wie auch beim Original) handelt es sich um einen monophonen Bass Line-Synthesizer, mit einfacher subtraktiver Klangerzeugung dessen Oszillator wahlweise mit Rechteck- oder invertierter Sägezahnschwingung agiert und von einem 24 dB-Lowpass-Filter mit einstellbarer Resonanz in Form gebracht wird. Weitere Soundanpassungen erfolgen durch eine regelbare Decay-Time und die Modulation des Filters durch selbiges. Zusätzliche Belebung erfährt der Klang durch den Parameter „Accent“, der bestimmte Noten – gesteuert vom Pattern-Sequenzer – mit einer kurzen in der Stärke regelbaren Filter-Öffnung akzentuiert. Diese Betonungen sind – zusammen mit der Slide-Funktion und dem etwas nasalen Eigenklang der Synthese, elementarer Teil der typischen 303-Sound-Charakteristik.

Im Gegensatz zum Original weist die TD-3 einige Abweichungen und Erweiterungen auf: Zuallererst natürlich die Integration von USB-MIDI, eine Schnittstelle, die im Jahr 1982 noch gar nicht erfunden war. Weggefallen ist dagegen der DIN-Sync-Eingang (in den 1980er Jahren war das mal eine beliebte Synchronisations-Schnittstelle). Hinzu gekommen sind dafür eine Sync-Buchse und ein Audio-Eingang, mit dem sich externe Signale durch das Filter schleifen lassen. Die deutlichste Abweichung vom Original dürfte aber die Verzerrer-Schaltung der TD-3 sein – Daft Punk/Da Funk, ahoi! Sie lässt sich separat aktivieren und ist sowohl in Stärke, klanglicher Gewichtung und Lautstärke regelbar.

Auspacken & Lieferumfang

Die TD-3 erreicht mich in einem weißen Karton, dessen Aufdruck bereits die Farbvariante verrät, die sich darin befindet (erhältlich sind: SR = Silver, BK = Black, BU = Blue, AM = Yellow, RD = Red). Im Fall unseres Testgeräts haben wir uns für die eher unspektakuläre blaue Version entschieden. Neben dem Bass Line-Klon finden sich in der Verpackung: Ein 9-Volt-Netzteil, eine mehrsprachige Schnellstart-Anleitung, sowie zwei Aufkleber von denen besonders die Variante eines Retro-Smileys mit dem Slogan „Behringer – We Hear You“ wohl nur etwas für hartgesottene Fans sein dürfte. Während die Anleitung des Roland-Originals noch knapp hundert Seiten umfasste, begnügt sich das Behringer-Manual mit der Hälfte und bringt damit sogar noch sieben Sprachen unter. Entsprechend ist das Kapitel zur eigentlichen Programmierung nur in Englisch geschrieben.

Der erste Eindruck zählt

Ja, das wirkt authentisch „Plastik-Billo“, so wie auch eine Original-303 - ist das Erste, was man denkt, wenn man die Behringer TD-3 in die Hand nimmt. Tatsächlich ist sie mit 1,4 Kilo rund 400 Gramm schwerer als das Original. Mit 305 Millimetern in der Breite (Original: 300 mm), 165 in der Tiefe (Original: 146 mm) und einer Höhe von 56 Millimetern (Original: 55 mm), ist der Behringer-Klon auch ein kleines bisschen größer, als das Vorbild. Obwohl also genug Platz vorhanden wäre, haben sich Behringer ein Batteriefach gespart – schade, denn Acid-Lines nachts unter der Bettdecke schrauben ist schon eine feine Sache. Auch die traditionelle Volume/Power-Switch-Kombination wurde nicht kopiert. Stattdessen gibt es rückseitig einen separaten Power-Taster. Auf die Oberseite gewandert ist dagegen praktischerweise der Wellenform-Wahlschalter. Schön auch, dass auch die TD-3 mit den typisch abgeflachten Poti-Köpfen ausgestattet ist, die zum einen ein bisschen größer sind, als beim Original, zum anderen ist deren Riffelung – wenn wir jetzt mal richtig ins Eingemachte gehen – ein bisschen „schärfer“ konturiert ist, als beim Vorbild, so dass man hier beim exzessiven Schrauben etwas mehr „Grip“ unter den Fingern hat. 

Anschlüsse auf der Rückseite

Auf der Rückseite finden sich ein Klinken-Ausgang, ein MIDI-In/Out/Thru-Pärchen, sowie der Power-Schalter und eine USB-Buchse. Dass der DIN-Sync-Eingang des Originals weggelassen wurde, halte ich für zeitgemäß, erfreulich auch, dass der MIDI-Out auch als Thru agieren kann. Spannender geht es auf der Oberseite zu, wo sich in Form von Miniklinken-Buchse folgende Ports finden (von links nach rechts): Filter In, Sync In, CV Out, Gate Out und ein Stereo-Kopfhörer-Ausgang. „Filter In“ ist kein Steuerspannungs-Eingang, sondern ein Audio-Eingang, der externe Signal durch das Filter der TD-3 leitet. Bei unserem Testgerät funktionierte dieses Feature allerdings nicht.

Die besten TB-303 Bass Line Clones

Bonedo vergleicht die originale Roland TB-303 mit modernen 303-Clones und fragt Acid-Helden wie Hardfloor, Emmanuel Top, Dr. Walker, Mark EG und Florian Me…

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Überzeugender Klang
  • Integrierter Verzerrer
  • Günstiger Preis
  • USB-MIDI

  • Kein visuelles Step-Feedback
  • Computer-Editor verbesserungsfähig

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X