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Test
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08.03.2013

Behringer Tube Ultragain Mic200 Test

Röhren-Mikrofonvorverstärker

Westentaschenpreamp mit dicker Ausstattung

Während der „kleine Bruder“ des Behringer Mic200 – Behringers Mic100 – wohl der preisgünstigste Mic-Pre aller Zeiten ist, bietet der Mic200 eine Reihe zusätzlicher Funktionen zu einem erstaunlich geringen Aufpreis. Handelt es sich hier vielleicht gar um den besseren Deal?

Wie auch bei der nochmals schlankeren Basisversion Mic100 hat sich Behringer bei der Konzeption seiner Budget-Preamps mit dem Produktportfolio von ART vertraut gemacht: Deren Tube MP stand unbestreitbar Pate für diese Westentaschenpreamps. All diesen Geräten ist gemein, dass sie eine Basis-Funktionalität, wie man sie für Mic- und Instrumentenaufnahmen benötigt, in Form kleiner, leichter, und eben ausgesprochen preisgünstiger Kistchen bereitstellen. Und im Falle des Mic 200 wird auf diese funktionale Basis noch ein bisschen was draufgesetzt, und zwar ein 16-stufiger Drehschalter, mit dem sich zahlreiche Sound-Presets anwählen lassen. Doch dazu später mehr!

Details

Ordentlich Gain – und sehr flexibel

Die Bezeichnung „Tube Ultragain“, oder zumindest das zweite dieser beiden Worte, darf man auch beim Mic200 durchaus wörtlich nehmen. Denn der Behringer-Preamp liefert maximal sehr „erwachsene“ 70 dB Vorverstärkung für Mic-Signale. Das ist mehr als üppig, zumal auch in den höheren Pegelregionen das Nebengeräuschverhalten durchaus praktikabel bleibt. Dieses Gain verteilt sich auf zwei Bedienelemente: Zunächst liefert das Gain-Poti 20-60 dB, der Output lässt sich zwischen –∞ und +10 dB justieren. Dass die Pegeleinstellung auf zwei Potis verteilt wurde, birgt eine Reihe Vorteile. Steht nur ein einziges Poti zur Verfügung, kann sich die Feineinstellung recht fummelig gestalten, besonders bei einem so großen Pegelbereich. Außerdem ist gerade in den Randbereichen bisweilen mit unerwarteten Pegelsprüngen zu rechnen. Potenziometer (vor allem günstige) weisen nicht selten Fertigungstoleranzen auf, die einem das Leben in Extremsituationen etwas schwer machen können. Auf zwei Bedienelemente verteilt lässt sich dies Problem in der Regel lindern. Außerdem ist der Behringer-Preamp nicht allein für die rein lineare Verstärkung konzipiert: Man soll die Röhre, die in die Schaltung integriert wurde, durchaus auch hören können, was man vom grundsätzlichen Prinzip her genau so erreicht, wie man auch einen Gitarrenamp zum brüllen bringt: Input aufreißen bis der Ton stimmt, und dann mit dem Output die jeweils adäquate Lautstärke einstellen.

Metering und Standard-Zusatzfunktionen

Besonders laute Signale können mittels eines 20-dB-Pads abgeschwächt werden, und darüber hinaus bietet der Mic200 auch ein paar weitere Funktionen, die durchaus als Standard gewertet werden sollten, wie etwa die 48V-Phantomspeisung und die Phasendrehung, welche die Polarität des Eingangssignals um 180° invertiert. Auch visuell kann die Einstellung des Mic200 kontrolliert werden: Insgesamt acht LEDs zeigen den Ausgangspegel an, eine weitere leuchtet, sobald das Gerät durch das externe 9V-Netzteil mit Strom versorgt wird. Über einen Betriebsschalter verfügt der Mic200 übrigens nicht: Ähnlich wie die meisten Gitarrenpedale läuft das Teil, sobald das externe Netzteil in die Steckdose gestöpselt wurde.

Was dem Mic100 fehlt, hat der Mic200 – und mehr!

Ein Kritikpunkt, den wir beim kleinen Bruder Mic100 ankreiden mussten, wurde beim Mic200 ausgebügelt: Dieser verfügt über ein Trittschallfilter; tieffrequentes (und meist hochpegeliges) Rumpeln kann also bei der Arbeit mit dem Mic200 gleich während der Aufnahme eliminiert werden. Der Limiter, der den entsprechenden Schalter beim Mic100 belegte, ist beim Mic200 auf den „Preamp Mode“-Schalter gewandert, den wir uns nun einmal genauer ansehen wollen. Mit insgesamt 16 Positionen, die sich auf die Neutraleinstellung und 15 Soundvarianten verteilen, lässt sich hier Einfluss nehmen auf den Klangcharakter (bzw. im wesentlichen den Frequenzgang) des Behringer-Preamps. Der Mic200 stellt hier Presetvorschläge bereit für verschiedene Signalquellen, von Vocals über E-Gitarre, Bass und Piano bis hin zu Percussion. Dabei sind die Presets in drei Gruppen eingeteilt: den Basis-Sound, sowie die Optionen „Warm“ und „Limiter“, wobei in letzteren eben auch der Limiter zum Einsatz kommt, der bei den Druckschaltern dem Trittschallfilter weichen musste. Einige Presets, wie etwa „Vocal“, kommen in allen drei Gruppen vor, andere, wie etwa „Perc“, lediglich in einer einzelnen.

Anschlüsse

Sämtliche Anschlüsse des Mic200 liegen an der Rückseite des Desktop-Gehäuses. Wie auch der Mic100 bietet der große Bruder einen symmetrischen XLR-Input für Mic- und eine unsymmetrische Klinke für Instrumentensignale. Der Ausgang liegt parallel an einer symmetrischen XLR- und einer unsymmetrischen TRS-Buchse an, wobei beide, im Gegensatz zu den Inputs, auch simultan eingesetzt werden können und der Mic200 somit als Signalsplitter zum Zuge kommen kann.

Dünnblechbohrer

Der Funktionsumfang des Behringer-Preamps ist nicht von schlechten Eltern, aber bei der Produktion wurde deutlich erkennbar gespart. Das Blech der Gehäuseteile ist so dünn, dass man es mit bloßen Händen problemlos verbiegen kann; aufgrund dieser Flexibilität schließen die Kanten auch nicht perfekt bündig, wobei die Fertigungsqualität etwas besser zu sein scheint als bei dem Mic100-Exemplar, das wir jüngst untersucht haben. Vermutlich ist dies einfach die in diesem Preisregionen unvermeidliche Serienstreuung. Die Anschlussbuchsen sind nicht beschriftet, auch dies spart einen Arbeitsgang beim Siebdruck. Dafür verfügt das Netzteilkabel aber über eine (wenngleich etwas klapprige) Zugentlastung aus Plastik.

Die Triode macht nicht die Hauptarbeit

Im Innenleben des Mic200 setzt Behringer im wesentlichen auf eine leicht zu automatisierende Fertigung mit SMD-Bauteilen, mit denen die Platinen maschinell bestückt werden können. Anders wäre dieses Preisniveau auch bei Fernost-Fertigung nicht zu halten. Deutlich ins Auge sticht die 12AX7-Doppeltriodenröhre, die dem Preamp den Namenszusatz „Tube“ und dem Klang ein paar Sättigungsprodukte beschert. Denn auch wenn man die Röhre durch die paar Lüftungsschlitze im Deckel auch von außen sehen kann, sollte man ihren Einfluss auf den Sound nicht überbewerten. Im wesentlichen handelt es sich beim Mic200 um einen IC-basierten Transistorpreamp, in dessen Schaltung die Röhre mehr oder weniger peripher integriert wurde – bei der eigentlichen Signalverstärkung dürfte sie kaum eine Rolle spielen. Bei einem externen 9V-Netzteil unvermeidlich, handelt es sich hier um ein sogenanntes „Starved Plate“-Design, bei dem die Röhre mit einer weit geringeren Spannung als den rund 200-300 Volt betrieben wird, in denen sie zu ihrer Hochform auflaufen würde. In dieser Form sorgt der Vakuum-Glaskolben lediglich für etwas Klirrfaktor sowie für ein wohlig-warmes Gefühl in der Marketingabteilung.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Preis-Leistungsverhältnis
  • portables Gehäuse

  • Limiter ungünstig abgestimmt

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