Hersteller_Behringer
Test
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26.07.2016

Praxis

Stereo- und Surroundnutzung

Die Einbindung in DAWs geht wie üblich leicht von der Hand. Audiotreiber auswählen und schon stehen die diversen Ein- und Ausgänge sinnvoll benannt zur Verfügung. Routet man Signale auf die Ausgänge 1 und 2, so lässt sich dieses Pärchen am Mainout-Drehregler der Gerätefront pegeln, dimmen und muten. Gleichzeitig liegt das selbe Paar auf den Kopfhörerausgängen an, bei denen man dafür dann natürlich 1-2 im Routing an der Gehäusefront angewählt haben muss. Um die beiden Kopfhörerausgänge unterschiedlich beschicken zu können, genügt es, die gewünschten Signale an die Ausgänge 3 und 4 zu routen. Im reinen Stereobetrieb alles kein Problem. Arbeitet man mit dem UMC1820 in einem Surround-Setup mit entsprechend vielkanalig angeschlossenen Abhören, so muss man geschickte Signalführung betreiben und die Ausgänge 3 und 4 freihalten, damit diese als unabhängiger Kopfhörermix zur Verfügung stehen können.

Das Monitoring lässt sich an der Gehäusefront steuern

Drei Bedienelemente lassen mich beim Einsatz des Behringer U-Phoria UMC1820 staunen. Unter der Rubrik „Monitoring“ gibt es rechts neben dem Gain 8 zwei Knöpfe und einen Drehregler, die es in sich haben und von mir fast die goldene Nadel des „Eben-mal-schnell“-Preises verleiht bekommen hätten. Hier kann man „eben mal schnell“ das Monitoring für die Kopfhörer-Wege definieren. Entweder man legt sich ausschließlich die Eingänge 1 und 2 auf die Ohren oder gönnt sich alle analogen Eingänge 1 bis 8. Entweder geschieht dies ungradzahlig nach links gepant und gradzahlig nach rechts oder man beschließt einfach per Knopfdruck, die gewählten Eingänge mono auf den Kopfhörer zu schicken. Mit dem dort vorhandenen Drehregler ist es möglich, stufenlos zwischen den latenzfreien Eingängen und den DAW-Wiedergabekanälen 1 und 2 überzublenden. Auf Linksanschlag hört man zu 100 Prozent die latenzfreien Analogeingänge ab, auf Rechtsanschlag ausschließlich das, was aus der DAW ausgegeben wird. Unabhängig von der DAW-Session kann ich hiermit „eben mal schnell“ etwas aufnehmen und „eben mal schnell“ mithören, ohne vorab Programmierarbeit auf dem Rechner leisten zu müssen. Clever.

Behringer-Monitoring hat Vorteile, aber auch Nachteile

Das hat aber auch Nachteile, denn wer unbedingt darauf besteht, im Rechner das Direct-Monitoring zu regeln, hat Pech. Das in den DAWs so benannte Feature ist bei Einsatz des UMC1820 deaktiviert und muss über die Monitoring-Sektion an der Frontplatte geregelt werden. Hierbei lässt sich nur bestimmen, ob man die Analog-Eingänge 1 und 2 oder 1 bis 8 mit Zero-Latency auf die Kopfhörer schicken möchte. Die Pegel, mit denen man diese Signale dort hin schickt, sind ausschließlich von Preamp-Gain abhängig und können auch nicht im Mixer des Treibers nachjustiert werden. Die Digital-Eingänge können leider nur über die DAW zu den Kopfhörern zurückgeschickt werden. Wenn der Zero-Latency-Mix also etwas ausgecheckter sein soll, hat man mit dem Behringer U-Phoria UMC1820 schlechte Karten. Wer es schnell und unkompliziert mag, wird sich aber sicher mit der Monitoring-Hardware-Steuerung anfreunden können.

Die ganze Theorie setze ich nun mal im Feldversuch um. Mikro angeschlossen, eine Spur in Aufnahme geschaltet, Kopfhörer an Phones A angeschlossen, im Monitoring auf Mono gedrückt und den Drehregler auf Linksanschlag. So schnell und auf solch quasi mechanische Weise hatte ich noch nie einen Kopfhörermix fertig.

Mein Kollege Felix Ohlert hat sich die Akustikgitarre geschnappt, und ich ließ die Preamps des UMC1820 gegen die des RME Micstacy antreten. Zum Einsatz kam das Kleinmembranmikro Neumann KM184.

Bei den Gitarrenaufnahmen hört man die Unterschiede der Preamps. Im Vergleich zu den Vorverstärkern des Micstacy der Firma RME klingen die Midas-Preamps des UMC1820 nicht wesentlich viel schlechter, liefern aber in den Details leicht unterschiedlich klingende Ergebnisse. Der Behringer klingt im Vergleich höhenärmer. Ich würde den Klang als stumpfer und nicht so glänzend beschreiben. In den Mitten liegt irgendwo rund um 300 Hertz eine leichte Anhebung, die Bässe sind nicht ganz so sauber und präzise wie beim Micstacy. Wenn man sich aber vorstellt, vor allem mit Blick auf den Kontostand, dass hier ein 3700-Euro-Gerät gegen ein 300-Euro-Gerät antritt, muss man die Kirche im Dorf lassen. Ich erwarte nicht, dass die Preamps des Behringer mit denen des RME Micstacy mithalten müssen, sondern möchte nur vergleichen. Umso erstaunlicher finde ich allerdings, wie nahe sie diesem zu einem derartig geringen Preis herankommen. Sogar in puncto Rauscharmut macht der UMC1820 eine sehr gute Figur. Die Preamps sind sehr „ruhig“ und auch im direkten Vergleich mit dem Micstacy fällt das Rauschen hier nicht weiter auf. Die Midas-Preamps eignen sich also auch für Aufnahmen leiserer Quellen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • guter Klang/gute Preamps
  • viele Ein- und Ausgänge
  • hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis

  • Durckknopf-Positionen schwer erkennbar
  • Direct-Monitoring nur für die Analog-Eingänge und nicht separat pegelbar

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