Hersteller_Behringer
Test
2
30.06.2017

Praxis

Altes, überholtes Konzept

Der Xenyx Control2USB hat ziemlich viele Anschlüsse – genau wie der Macke Big Knob, den er auch eindeutig kopiert. Das Behringer-Prinzip eben: Erfolgreiches Kopieren und zu einem Bruchteil des Originalpreises anbieten. Stört mich persönlich nicht, da so auch Leute mit kleinem Geldbeutel oder Hobby-Ambitionen an vernünftige Hardware gelangen. 

Was mich stört, ist das überholte Konzept. Es löst Probleme. Probleme, die man aber eher vor 20 Jahren hatte. Heutzutage nimmt keiner mehr mit Tape oder DAT auf, deshalb braucht man auch keine drei Recording-Outs. Anders gesagt: Der Big Knob – Verzeihung – der Control2 ist etwas überambitioniert für seine Zielgruppe. Das muss einem bei dem kleinen Preis aber auch nicht unbedingt stören.

Klang

Im Idealfall hat ein Monitor-Controller keinen Eigenklang. Das ist beim Behringer grundsätzlich genauso – solange man nicht auf USB setzt und/oder die Gain-Potis über 0 dB fordert. Das Interface war beim Xenyx Control1 schon alt, beim Control2 ist es nun auch nicht jünger geworden. 48 kHz/16 Bit sind also nicht zeitgemäß und klanglich bleibt digital alles beim Alten - leider. Konkret: Das USB-Interface klingt flach und verzerrt im oberen Aussteuerungsbereich deutlich. Für Systemtöne, Youtube und Skype reicht es aber alle mal.

Um euch den analogen Einfluss zu zeigen, habe ich in gewohnter Manier einmal die Signale durch das Gerät gezogen und wieder mit meinem RME UFX+ aufgenommen. Hierbei fällt auf, dass in den Grundstellungen, also bei rund 0 dB Gain in allen Wegen, soweit alles gut und neutral klingt.

Sollte man die Gain-Potis, insbesondere die der -10 dBV Eingänge bei einer Summierung sowie im Speziellen bei dem Phono-Amp, aufdrehen, dann macht der Uli Knob seinem Namen alle Ehre und wird  zum „Rauschinger“. Mit Summieren meine ich übrigens, dass gleichzeitige Aktivieren mehrere Quellen. Da man hier im Allgemeinen zu- und abschaltet anstatt umzuschalten, ist das ein kleines Problem. 

Ebenfalls nicht ganz ideal: Das Gain-Staging beziehungsweise die interne Übersteuerungsfestigkeit bei +4 dBu. Hier muss man die Eingänge mit den Gain-Potis zusätzlich abschwächen! Ich würde erwarten, dass, wenn alles auf null ist und ich mit -1 dB in den Behringer reingehe, hinten auch wieder -1dB herauskommen. Dem ist aber nicht so, das Gerät boostet! Vorsichtshalber sollte man die Input-Gains auf -10 dB stellen, um internes Clipping zu vermeiden.

Ansonsten verhält sich das Interface klanglich sehr neutral. Auch die Kopfhörer-Ausgänge spielen laut und klingen neutral. Zwei Kopfhörer-Ausgänge sind schön, dass allerdings auf Beiden dasselbe zu hören ist, ist etwas schade. Ein Kopfhörer für den Produzenten und einer für den Künstler wären meines Erachtens nach sinnvoller gewesen.

Die einzige Neuerung: VCA

Ich habe es eingangs schon erwähnt, statt einer simplen Poti-Dämpfung erhält nun eine VCA-Regelung Einzug ins Gerät. Das heißt, durch das Poti fließt das Signal nicht mehr direkt, sondern es liegt hier lediglich eine Steuerspannung an, welche dann einen Spannungsgesteuerten (Stereo-)OP-Amp regelt. Somit soll der L/R-„Ungleich“-Lauf vermieden werden. Wird er auch, der neue Regler schwankt also nicht mehr in seiner Abweichung. Neu ist jedoch: Die Abweichung zwischen L und R ist konstant. Und zwar ca. 0,22 dB in diesem Gerät. Damit kann man aber leben, wenn man es weiß.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Haptik und Bedienbarkeit
  • viele Ein- und Ausgänge
  • Routing-Möglichkeiten
  • Talkback-Mic
  • günstig

  • überholtes Konzept
  • unterdurchschnittliches Audiointerface
  • kein externes Talkback-Mic anschließbar

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