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Test
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15.05.2014

Behringer Xenyx UFX1604 Test

16-Kanal Mischpult mit digitalen Schnittstellen und USB-Recorder

Die Universalwaffe für die Bühne und den Proberaum?

Behringer Xenyx UFX1604 im bonedo.de-Test. Nach meinen letzten Erfahrungen mit Behringer Xenyx-Pulten habe ich mich schon sehr auf ihren „Tausendsassa“ UFX1604 gefreut, denn der Mixer verbindet zu einem unerhört günstigen Preis viele Features großer professioneller Konsolen. Dazu gehören Talkback, gewieftes Monitor-Routing, Inserts und Sub-Outs, zwei EFX-Kanäle mit je einem eigenem Effekt-DSP sowie ein Audiointerface mit USB- und Firewire-Schnittstelle. Sogar an eine Standalone-Digitalisierung wurde gedacht, damit man sich „on the road“ voll auf den Mixer und den Mix konzentrieren kann, ohne den Laptop im Auge haben zu müssen.

899 Euro (UVP) ruft Behringer mit einem Blick auf den Live-Einsatz, den Proberaum und/oder kleinere Projekt- und Homerecording-Studios auf. Ein Preis, der für einige Produzenten oder Bandchefs mit kleinem Portemonnaie eine vertretbare Investition darstellen dürfte.

Details

Das Pult wiegt 7,3 Kilogramm, hat eine Größe von 89 x 398 x 530 Millimetern (HxBxT) und ist grundsätzlich 19-Zoll-kompatibel. Rack-Ohren sind jedoch aktuell (15. 05. 2014) noch nicht erhältlich, aber mit etwas Geschick bekommt man das Pult in die 19-Zoll-Peripherie eingebaut. Zur Not nimmt man eine der universellen Transporttaschen oder eine Hardcase-Sonderanfertigung und bringt es so sicher an den Einsatzort.

Das Behringer Xenyx UFX1604 ist in vier Gruppen gegliedert, bestehend aus den acht Mikrofonkanälen (Gr.1), den vier Stereokanälen (Gr.2), der Master-Sektion (Gr.3) mit den Effekten, der Output-Regelung, dem Talkback und dem Onboard-USB-Recorder und letztlich der Soundkarte (Gr.4).

Gruppe A - Mikrofonkanäle

Bis auf Kanal 1 und 2, die zusätzlich noch über einen Line/HI-Z Schalter für ein Pickup-Instrument ohne Vorverstärkung verfügen, sind alle Kanäle identisch aufgebaut und weisen eingangsseitig je eine XLR- und eine Klinkenbuchse (symmetrisch/unsymmetrisch) auf. An der Rückseite des Pultes befindet sich ein Stereoklinken-Insert pro Mikrofonkanal, um weitere Effekte Pre-Fader/Pre-EQ einzuschleifen. Ferner kann ich an jedem Channel ein Low-Cut-Filter (Trennfrequenz 80 Hz) und 48 Volt Phantomspeisung aktivieren. Darunter sind der Gain-Regler und die Pre/Post-Schaltung für das digitale Interface beheimatet. Es folgen der Regler für den Ein-Knopf-Kompressor und der zuschaltbare EQ mit einem HF-Regler bei 12 kHz, zwei parametrischen Mitten von 400 Hz bis 8 kHz und 100 Hz bis 2 kHz und dem LF-Regler bei 80 Hz. Der Cut/Boost-Bereich liegt bei +/-15 dB. Etwas weiter südlich logieren die farblich rot abgesetzten AUX-Regler 1 und 2 sowie die orangenen Effektwege A und B, betitelt als AUX 3 und 4, gefolgt vom Panorama-Regler und den Schaltern Mute und Solo mit ihren Status-LEDs. Ein 100 Millimeter langer Kanalfader mit einer vierstufigen LED-Kette für den Eingangspegel rundet den Kanal ab. Alle AUX- und EFX-Wege sind übrigens Post-Fader „verdrahtet“.

Gruppe B - Stereokanäle

Die vier Stereokanäle sind beinahe identisch zu den Mikrofonkanälen aufgebaut. Als Eingänge steht hier ein Paar Stereo-Klinkenbuchsen (symmetrisch/unsymmetrisch) zur Verfügung, wobei die linke Buchse auch mit einem Monosignal beschickt werden kann. Trittschallfilter, Phantomspeisung und Kompressor fallen hier weg, ebenso wie die parametrischen Mitten. Stattdessen kommt in diesen Kanälen ein Vierband-EQ mit festen Frequenzen bei 12 kHz (HF), 3 kHz (HMF), 300 Hz (LMF) und 80 Hz (LF) sowie einer maximalen Anhebung/Absenkung von 15 dB zum Einsatz. Die letzten beiden Stereokanäle lassen sich auch „digital“ beschicken, wobei festzuhalten ist, dass Kanal 13/14 statt des analogen Stereo-Line-Signals den Input 1/2 aus der Firewire/USB-Schnittstelle verwalten kann und Kanal 15/16 alternativ mit dem Input 3/4 der digitalen Schnittstellen ansteuerbar ist.

Gruppe C – Master-Sektion

Die Main-Outputs sind als Klinkenbuchsen-Paar auf dem Frontpanel sowie als professionelle XLR-Buchsen mit vergoldeten Pins am Rücken des Gerätes vorzufinden und teilen sich den 100-Millimeter-Masterfader. Auf der Frontplatte befinden sich zudem je zwei Klinkenbuchsen-Ausgänge (symmetrisch/unsymmetrisch) für ALT 3-4 und Control Room sowie die CD/Tape I/Os, die als vergoldete Doppel-Cinch-Pärchen auftreten. Der ALT-Out besitzt einen eigenen Gain-Regler sowie Mute- und Solo-Taster. Ferner verfügt das Pult über zwei Klinkenanschlüsse für Kopfhörer, die sich einen Lautstärkeregler teilen müssen. Der Control Room verfügt über einen unabhängigen Stereo-Output (Doppelklinke) und ist unabhängig von den Kopfhörern in der Lautstärke justierbar.

Folgende Vorhörmöglichkeiten ergeben sich für Phones und Control Room: Main Mix, CD/Tape, ALT 3-4 sowie FW 1-2 und FW 3-4 für die digitalen Stereo-Inputs. Mit einem weiteren Taster sind alle zuvor genannten Kanäle, bis auf den Main-Mix selbst, von diesem Panel aus direkt auf den Master zuschaltbar. Doch Vorsicht: Die Signale kommen genauso laut an, wie sie an den jeweiligen Eingängen anliegen - und das kann mitunter sehr laut sein.

Rechts neben dem Source-Panel wurden eine zwölfstellige LED-Kette, eine Funktions-LED für das Pult und eine Status-LED für eine gültige Rechner-Verbindung arrangiert. Unter der LED-Kette befindet sich der Wahlschalter für den Solo-Bus beziehungsweise für das Pre-Fade-Listening des ausgewählten Kanals – sehr pfiffig! Beim Solo-Vorhörbetrieb leuchtet eine große rote LED, während bei der PFL-Auswahl ein kleineres grünes Lämpchen seinen Dienst verrichtet.

Die Eingangsempfindlichkeit der jeweiligen AUX- und EFX-Busse ist mittels Gain justierbar, und ich kann sie auf Wunsch von Pre- auf Post-Fader-Betrieb umschalten. Das Signal AUX Send 1 und 2 darf optional mittels Taster über die Ausgänge 13/14 des Interfaces geroutet werden. An der Rückseite des Pultes residieren vier Klinkenbuchsen (symmetrisch/unsymmetrisch) für ebenso viele AUX-Wege. Hier kann jeder Signalweg (auch die trockenen EFX-Wege) zur Weiterverarbeitung abgegriffen werden. Die AUX-Returns 1 bis 4 sind als Klinkenbuchsen-Paare ausgelegt, wobei nur die AUX-Returns 1 und 2 die Beschickung mit einem Monosignal (linke Buchse) zulassen. Die FX-Returns A und B (AUX-Return 3 und 4) schalten automatisch die Onboard-Effekte des Mixers ab, sobald man die Return-Buchsen mit einem externen Signal füttert.

Die Returns sind in der Gesamtlautstärke separat zum Main-Mix regelbar. Weiterhin lassen sich beide FX-Returns noch weiter routen. Alternativ kann der Return FX A (AUX 3) zu Send AUX 1 beziehungsweise FX B (AUX 4) geschaltet werden. Zunächst taucht das ursprüngliche Return-Signal von FX A nicht mehr auf der Master-Summe auf, sondern wird unmittelbar auf die entsprechenden Send-Busse „geswitcht“. Die erste Alternative macht Sinn, wenn zum Beispiel Musiker einen Effekt auf dem Monitorweg brauchen. Die zweite Variante ermöglicht, beide DSP-Effekte zu kaskadieren, um einen fetteren Sound zu kreieren.

Das Signal von AUX 3 kann darüber hinaus auch auf den Ausgang ALT 3-4 zur weiteren Verwendung geroutet werden. Da das Return-Signal in diesem Modus nicht mehr über den Master abgespielt wird, könnte man nun den FX A über ein paralleles Routing via Send 4 dem Input FX B zuführen und damit über den zweiten Effekt mitlaufen lassen – clever! Das Signal FX B ist via Taster nur vom Main-Mix aus zum Control Room (Phones) schaltbar. Für beide Effekt-DSPs gilt allerdings, dass ein Herausführen aus dem Pult über das digitale Interface via irgendwelcher Outputs nicht vorgesehen ist.

Die beiden Effektsektionen sind identisch aufgebaut und verfügen über eine vierstufige LED-Kette für die Eingangslautstärke, einen Endlosregler für die 16 Effekt-Presets, einen multifunktionalen Edit-Regler, einen Tap-Taster und den obligatorischen An/Aus-Knopf. Ich komme im Praxisteil noch einmal auf dieses Thema zurück.

Das Behringer Xenyx UFX1604 verfügt über einen Talkback in der Master-Sektion - ein kleines eingebautes Mikrofon mit einem Lautstärkeregler, drei Tastern zur Zielbestimmung und dem großen Talk-Button zur Aktivierung stehen hier bereit. Als Ziel stehen Phones, Main und AUX 1-2 zur Verfügung. Und hier ist Vorsicht geboten, denn man muss höllisch aufpassen, in welcher Konstellation man das Mischpult benutzt. Sollte das Pult direkt neben den Hauptboxen stehen, holt man sich nämlich unmittelbar eine nicht zu unterschätzende Feedback-Schleife, sobald man die Talk-Taste betätigt. Ansonsten dient dieses praktische Feature zur Kommunikation mit Musikern auf der weiter entfernten Bühne über die Monitorwege AUX Send 1 bis 4. Mikrofon für den Musiker, Talkback für den Engineer sozusagen.

Ein Highlight in dieser Sektion ist natürlich noch der Onboard-USB-Recorder. Hier hat Behringer ein sehr cooles Tool in das Pult eingebaut, das einen „Riesenaufwand“ nahezu in ein bis zwei Handbewegungen komprimiert. Jeder der 16 Eingangskanäle kann entweder Pre- oder Post-EQ separat auf einem USB-Speichermedium mitgeschnitten werden. Ein einfaches Bedienfeld erlaubt die Aufnahme und Pause sowie die Auswahl von Stücken und das Abspielen derselben.

Gruppe D – Soundkarte

Die integrierte Soundkarte arbeitet mit einer Wortbreite von 16 oder 24 Bit bei einer variablen Samplingfrequenz von 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz oder 96 kHz. Sie ist in der Lage, sämtliche 16 Eingangskanäle einzeln zu digitalisieren sowie vier Ausgabekanäle zur Verfügung zu stellen. Die Übertragung erfolgt gemäß Schalterstellung entweder über Firewire 400 oder USB 2.0. Standalone, also wenn ein USB-Datenträger direkt am Pult angeschlossen wird, ist eine Datenübertragung von 16 oder 24 Bit bei 44.1 kHz oder 48 kHz Samplingfrequenz möglich.

Pro & Contra

  • USB- und Firewire-Schnittstelle
  • Logischer, durchdachter Aufbau
  • Vierstufige LED-Kette pro Kanal
  • Zweifache, editierbare Effektsektion
  • Solider Klang der Effekte
  • 16-Spur USB-Rekorder
  • Wirkungsvoller Ein-Knopf-Kompressor
  • Phantomspeisung und Low-Cut pro Mikrofonkanal
  • Kanal 1 und 2 auch für Instrumente nutzbar
  • Ausgeklügeltes Monitoring-System
  • Talkback-Mikrofon onboard
  • Zwei Kopfhörerausgänge

  • Etwas wackelige Fader und Regler
  • Firewire 400 ist nicht zukunftsfähig
  • Sehr einfache Ausführung der Klinkenbuchsen
  • Rauschpegel bei lauter Einstellung
  • Etwas unübersichtliche Handhabung im Live-Betrieb
  • Digitaler Direktmittschnitt der Effekte nicht möglich

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