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Test
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25.12.2018

Bitwig Studio 2.5 Update Test

DAW Software

Mehr Sounds und noch besserer Workflow!

Bitwig Studio 2, die Fünfte . Das Berliner Modulationswunder wird in einem eindrucksvollen Tempo aufgerüstet, nachgebessert und erweitert. Gerade vier Monate ist es her, dass die Beta der Version 2.4 mit jeder Menge Neuerungen veröffentlicht wurde. Jetzt steht Bitwig 2.5 in den Startlöchern, hat wieder neue Sounds und Devices mitgebracht und den Workflow weiter verbessert. 

Als wir im August Version 2.4 testeten, hat uns die schiere Menge an neuen Devices und Sounds, die Bitwig hier bei jedem neuen Versionspunkt nachschob, beeindruckt. Dem sind die Berliner Modulationsliebhaber auch bei Version 2.5 treu geblieben. Neue Sounds, neuer Workflow, ein neuer Device – wo andere DAW-Hersteller hier teilweise eine ganze Versionsnummer weiterspringen, setzt Bitwig seine Update-Politik konsequent weiter fort.

Details

Die „Bitwig-Elfen“, wie sich das Team der Berliner Software-Schmiede auf der Update-Seite liebevoll nennt, haben kurz vor dem Jahreswechsel das nun dritte (!) Update innerhalb eines Jahres veröffentlicht. Wieder gibt es echte Neuerungen, wie es sie in keiner anderen DAW gibt, und wieder gibt es Features, bei denen man durchaus den Blick zur Konkurrenz erkennen kann. 

Alles Noise macht der Mai – das ist in 2.5 

Neben einigen Bugfixes und vielen kleinen Verbesserungen wie einer verbesserten Performance von Bitwig Studio 2 auf Macs, dem Reinzoomen per Tastendruck „Z“, wie man es aus Logic Pro X kennt, ist vieles neu dabei: 

  • Am Browser und der Plugin Engine ist gearbeitet worden
  • In Audio-Clips kann man nun den Inhalt der Audiodatei sliden, ähnlich wie in Ableton Live 10.
  • Clip Blocks sind, wie der Name schon sagt, Gruppen von Clips, die über die Next Action Einstellung nun auch angesteuert werden können. 
  • Nach dem FX Selector und dem Instrument Selector ist nun der Note FX-Selector dazugekommen. Verschiedene Sequencer und Arps lassen sich jetzt kombinieren.
  • Neuer Sound-Content: Analog Waves. Um der explodierenden Synthwave-Bewegung Rechnung zu tragen hat Bitwig Studio 2, ähnlich wie es Native Instruments mit dem Kontakt-Instrument Analog Dreams getan hat, ein Sound-Pack mit Synth-Klassikern der 80er neu dabei. 

Bevor wir uns in die Einzelheiten stürzen und euch Anwendungs- und Soundbeispiele zeigen, sei gesagt, dass die schiere Menge an Neuerungen und die Geschwindigkeit der Updates von Bitwig vorbildlich sind. Man sieht, die meinen es ernst. 

Browser

Je länger man produziert, sich mit Kollegen austauscht oder Tutorials schaut, desto mehr wächst die Plugin-Sammlung. Diese nach einem Update neu einzulesen oder den Überblick zu behalten ist bei mehreren hundert Effekten und Instrumenten manchmal eine Herkulesaufgabe. Bitwig hat sich Gedanken gemacht.

Startet man Bitwig Studio 2.5 das erste Mal, ist es fast schon unwirklich, wie schnell die Plugins eingelesen werden. Kaum ein Autorisierungsdialog taucht auf, innerhalb kürzester Zeit ist alles parat. Auch die Suche im Browser der Plugins ist schlauer geworden. Suchte man vorher beispielsweise nach einem spezifischen Preset, dessen Name das Wort „Analog“ beinhaltet, zeigte Bitwig in den Ergebnissen auch Treffer an, die im eigenen Schlagwortsystem mit “Analog“ bezeichnet wurden. Das führte zu teilweise sehr unübersichtlichen Trefferlisten. Nun werden die nächsten Treffer, als die, die auch in der Bezeichnung dem Suchbegriff ähneln, als Erstes angezeigt. 

Audio Slide

Hier lässt sich vermuten, dass man sich Inspiration von der Berliner Konkurrenz von Ableton geholt hat. Live 10 hat als Feature eingeführt, dass man bei Audiodateien diese innerhalb eines Clips im Arrangement verschieben kann. Hat man zum Beispiel einen zweitaktigen Drumloop, den man in der DAW auf nur einen Takt gekürzt hat, kann man innerhalb dieses Clips, falls man stattdessen den zweiten Takt nutzen möchte, diesen in den Clip ziehen. 

Bitwig nennt das identische Feature Audio Slide. Gerade bei vielen kleinen Clips, die Ausschnitte aus längeren Audiodateien beinhalten, lassen sich mit Audio Slide im Handumdrehen Variationen erstellen. Leider schweigt sich Bitwig im Handbuch und auf der Seite mit den Release Notes darüber aus, wie diese Funktion zu nutzen ist. Nach einigem Herumprobieren entdecke ich, dass sich Audio Slide auf dem Mac mit gehaltener Command-Taste aktivieren lässt (bei Windows wird es dann die STRG-Taste sein).

Clip Blocks

Anfangs wirkt diese neue Funktion kaum nützlich und nicht besonders gut verständlich. Nach einigem Einarbeiten kann man jedoch sehr gut erkennen, dass diese Funktion ganz neue Kompositionsmöglichkeiten erschließt.

Der der Session-Ansicht in Ableton ähnelnde Clip-Launcher hatte für das Arrangieren von Clips hin zu einer ersten Song-Idee bisher ein großes Manko: Wollte man das Abspielen der Clips über die Next Action Funktion automatisieren, durfte zwischen den Clips auf einer Spur keine Lücke sein, sonst wurden immer nur die Clips, die direkt hintereinander angelegt waren, abgespielt. Alle anderen – beispielsweise aus anderen Songparts – musste man manuell starten.

Mit Clip Blocks kommt nun die Funktion dazu, dass man zwischen den verschiedenen Blöcken automatisch und gezielt oder zufällig hin- und herspringen kann. Es braucht einen Moment, um die Menge an Möglichkeiten zu begreifen, aber wenn der Groschen fällt, fragt man sich, wie man je ohne Clip Blocks arbeiten konnte. Hat man im Clip Launcher ein erstes Arrangement angelegt und möchte manche Parts nicht noch einmal kopieren oder etwas Zufall in die Reihenfolge bringen, lassen über die insgesamt elf Clip-Block-Modi wie von alleine neue Tracks und Soundkollagen erzeugen.

Note FX Selector

Was man bisher mit Instrumenten und Effekten schon konnte, ist nun auch mit MIDI-Effekten möglich: Mehrere in einem Selector kombinieren. Bisher war es so, dass man zwei Spuren brauchte, wenn man zwei verschiedene Rhythmen über den Arpeggiator spielen lassen wollte. Also effektiv verdoppelte sich die CPU-Last.

Mit dem Note Fx Selector kann man nun zum Beispiel zwei Arpeggiatoren in eine Spur laden, sie auf jeweils Achtel und Sechzehntel einstellen und dann beim Abspielen per Knopfdruck temposynchron zwischen beiden hin- und herschalten – sehr bequem. Automatisieren lässt sich das Ganze auch. Damit steht Instant-Trap-Hihats nichts mehr im Weg. Schön wäre gewesen, wenn man einige fertige Device-Presets mitgeliefert hätte, um ungewöhnliche Anwendungsgebiete zu entdecken.

Analog Waves

Die Synthwave-Welle rollt und ist nach Jahren im Underground jetzt auch überall im Mainstream angekommen. Riesen-Akkorde aus Chorus-getränkten Junos und Oberheims, unbarmherzig nach vorne getrieben von peitschenden Linndrums, ein nostalgisches 80er-Gefühl, dass kurz vor der Frisur stoppt – spätestens seit dem Soundtrack von Drive ist das Genre auf dem Radar. 

Und die Sample-Hersteller springen auf den Zug auf. Bitwig hat sich Boxed Ear für ihr Soundpack „Analog Waves“ ins Boot geholt. Die Spezialisten fürs Sampling von analogen Synthesizern haben insgesamt 60 Presets für Bitwig Studios neuen Sampler vorbereitet. Aufgenommen wurde das Ganze vom Edel-Modularsynthesizer Macbeth M5. Die können sich hören lassen. 

Was leider dem Beta-Status geschuldet zu sein scheint, ist eine relativ ausgeprägte Instabilität. Mehrfach stürzte Bitwig Studio 2.5 (Beta 2) bei dem Versuch ab, eine Spur mit einem Analog Waves Preset zu verdoppeln. Hier wird hoffentlich bis zum Release der finalen Version noch nachgebessert. 

Fazit

Den Spagat zwischen Nachrüsten von Features, die die Community wünscht und mit denen die Konkurrenz beindruckt einerseits, und immer neue, auf Frickelei und Sounddesign ausgelegte Funktionen hinzuzufügen andererseits schafft Bitwig Studio 2.5 mit Bravour. Man bleibt am Puls der Zeit, in seiner kleinen Modulationsecke, verspielt und trotzdem doch erwachsener. Auch zeigen die vielen kleinen Verbesserungen und die wenigen (nötigen) Fixes, dass man sich mit Kundenfeedback genau auseinandersetzt. An manchen Ecken wie der Dokumentation gibt es noch Verbesserungsbedarf. Hier hat man teilweise noch das Gefühl, der Anspruch an die User sei, dass diese das schon selbst herausfänden. Einsteigerfreundlich ist anders. Aber man darf zuversichtlich sein, dass auch hier gearbeitet und verbessert wird. Bitwig Studio 2.5 macht Laune und Vorfreude auf 2.6, 2.7, 2.8 ...

  • Pro
  • Analog Waves Soundpack bringt sehr authentische Analog-Synth-Sounds mit.
  • Schnelleres Finden und Sortieren im Browser
  • Multi-MIDI-Effekte durch den Note FX Selektor möglich
  • Clip Blocks als neues Kompositionstool
  • Audio Slide macht Audiobearbeitung komfortabler
  • Contra
  • Shortcut für Audio Slide ist nicht im Handbuch dokumentiert
  • Keine Presets für den Note Fx Selector
  • Viele Abstürze bei Analog Waves Presets (Beta 2)
  • Features
  • plattformübergreifende DAW (Windows, OS X, Linux)
  • Sequenzer zum linearen Arrangieren
  • Clip-Mode zum nicht-linearen Songaufbau
  • volle Multi-Core- und Multi-Prozessor-Unterstützung
  • VST3 Support
  • Device Nesting: Instrumente zu multi-timbralen Layern verbinden
  • integrierte 32-/64-Bit Plugin Bridge
  • Sandbox als Plugin-Crash-Schutz
  • Neue Time Stretching Technologie Elastique Pro
  • Multi-Display-Unterstützung für bis zu drei Bildschirme
  • unbegrenzte Audio-, MIDI- und Effekt-Spuren
  • 30 Modulatoren zum Modulieren von Device- und Plugin-Parametern
  • 37 Audio-Effekte
  • 11 Software-Instrumente
  • 15 Container
  • 11 Noten-Effekte
  • 8 Hardware-Effekte für CV zur Anbindung von Analog-Synthesizern
  • MIDI- und Note-Expressions, einschließlich Micropitch Pitch Kontrolle
  • automatisches Sample Slicing für Sampler und Drum-Maschine
  • Automation in absoluten und relativen Modi bearbeitbar
  • Unterstützung für zahlreiche MIDI-Controller
  • Remote Controls zur übersichtlichen Device-Parameter-Steuerung und vereinfachtem Mapping
  • Layer-Editing
  • Open Controller API: ermöglicht das Erstellen und Anpassen von MIDI-Controller-Mappings inklusive Scripting für den Zugriff auf nahezu alle DAW-Funktionen
  • Datei-Import: WAV, MP3, AAC, WMA, FLAC und Ogg Vorbis
  • Systemvoraussetzungen
  • Mac OS X 10.9 oder neuer, Windows 7 oder neuer, Ubuntu Linux 10.4 oder neuer, 4 GB RAM, 400 MB Standardinstallation, 9 GB Vollinstallation
  • Preis
  • Vollversion: 279,- EUR (Straßenpreis am 24.12.18)
Veröffentlicht am 25.12.2018

Pro & Contra

  • Analog Waves Soundpack bringt sehr authentische Analog-Synth-Sounds mit.
  • Schnelleres Finden und Sortieren im Browser
  • Multi-MIDI-Effekte durch den Note FX Selektor möglich
  • Clip Blocks als neues Kompositionstool
  • Audio Slide macht Audiobearbeitung komfortabler

  • Shortcut für Audio Slide ist nicht im Handbuch dokumentiert
  • Keine Presets für den Note Fx Selector
  • Viele Abstürze bei Analog Waves Presets (Beta 2)

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