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19.03.2019

PA-Anlage kaufen oder mieten?

Ein eigenes PA-System kaufen oder doch lieber Lautsprecher, Subwoofer, Mischpult und Monitorboxen leihen

Wer hat, der hat?

Für jede ambitionierte Band, die in Kürze live auftreten möchte oder bereits damit begonnen hat, stellt sich irgendwann die Frage: „Lohnt es sich noch, die PA zu leihen oder kaufen wir uns unsere eigene“. Zu Recht, denn eine gut klingende PA muss nicht teuer sein und die Handhabung bedarf nicht unbedingt eines Tonmeister-Studiums.

PA-Anlage kaufen oder Leihen? Lässt sich dies überhaupt pauschal beantworten?

Gewiss sind die Anschaffungskosten einer ordentlichen PA mit Mischpult, Verstärkern und Boxen eine stattliche Investition, die erstmal eingespielt werden möchte. Daher ist es auch so verlockend, sich von Gig zu Gig das Equipment zu leihen oder gar das „Zeug“ zu nutzen, das am Veranstaltungsort vorhanden ist.

Im Endeffekt könnte euch aber das permanente Ausleihen teuer zu stehen kommen, denn einerseits kommt über die Jahre meist ein stattliches Sümmchen zusammen, andererseits ist es immer ein Wagnis, sich auf die Ware zu verlassen, die einem vor Ort geboten wird. Vor allem, wenn ihr euren Sound nicht so authentisch über die Bühne bekommt, wie Ihr das eigentlich wollt oder gar gewohnt seid. Nicht umsonst ziehen manche Klangfetischisten mit ihrem eigenen Soundsystem herum, um überall die gleiche Qualität und den gewohnten Sound präsentieren zu können. Kaufen oder Leihen, das ist also die Frage.

Argumente für den Kauf

Wie also vorgehen? Zunächst mal möchte ich die Lanze für den Kauf brechen, solltet ihr nicht ohnehin schon über eine ausreichend starke Proberaum-PA verfügen. Ich empfehle, für den Anfang in ein kleines PA-System zu investieren, das ihr locker auf alle kleinen Bühnen und Venues mitnehmen könnt. In der Regel kommt ihr mit einem Stereopaar Lautsprecher aus. Je nach Größe eurer Band und des Budgets ist ein Starterkit wie die hier getesteten Mackies für Publikumsgrößen um 40 bis 100 Personen drin.

Wenn sich eure Band nicht gleich im nächsten Jahr auflöst, sich erste Erfolge einstellen und es finanziell tragbar ist, würde ich eine Beschallungsgröße von 400 Personen ins Auge fassen. Das ist zwar momentan etwas teurer, dafür ist diese Anschaffung langfristig günstiger. Wenn dann wieder etwas Geld da ist, könnt ihr noch ein oder zwei Subwoofer dazukaufen, um euer Auditorium auf 600 Personen aufzustocken. Damit seid ihr bis auf weiteres gut gerüstet.

Meiner Meinung nach solltet ihr ein aktives PA-System (hier im Testmarathon) in Erwägung ziehen, da ihr euch erstens die Anschaffung von teuren, schweren Amps spart und zweitens bedeutend flexibler agieren könnt. Es gibt tolle Angebote in diesem Segment, wie etwa die Mackie SRM-Serie. Für Style Puristen empfehle ich das Bose L1 S2.

Die Anzahl der Mitglieder der Band

... bestimmt die Größe des Mischpultes, das angeschafft werden muss. Auch ob die Kollegen bereits mit Effektpedalen arbeiten oder ob noch gesondert Effekte in den Mix eingeschliffen werden müssen, muss beim Kaufentscheid berücksichtigt werden. Von Behringer über Mackie bis hin zu Allen & Heath und Konsorten gibt es eine reichhaltige Produktpalette mit oder ohne FX-Boards zu bezahlbaren Preisen.

Da ihr ohnehin als Band proben müsst, ist es eine logische Maßnahme, diese PA gleich als Proberaum- und Live-PA zu nutzen. Mikrofone und Kabel müsst ihr eh anschaffen, da lohnt es sich, zusätzlich noch ein extra langes Kabelset für die Bühne einzuplanen. Es gibt einige gute Low Budget Lösungen auch von namhaften Herstellern, die es erlauben, eine handfeste PA für Kneipen, Bars und ähnlichen Gigs für um die 1000 - 1500 Euro einzukaufen. Bei kleineren Bühnen mit einem Publikum bis zu 100 Personen ist der Sound ohnehin sehr intim und befindet sich auch auf der Bühne direkt um euch herum, sodass ihr locker auf die Anschaffung von Monitorboxen verzichten könnt. Ein diszipliniertes Miteinander ist dabei aber unbedingte Pflicht!

Größere Events und Bühnen

Der Klang auf größeren Bühnen für Auditorien bis zu 400 Personen ist dagegen schon etwas „entfernter“, da ihr euch um einen guten Sound auf der Tanzfläche respektive vor dem Publikum kümmern müsst. Denkt daran, dass ihr hierfür nötigenfalls Monitorboxen einplant, um euch selbst im Gesamtmix zu hören. Auch hier gibt es handliche kleine Lösungen wie die aktiven Krafteier von Electrovoice, Behringer, The Box, Laney usw. Es ist möglich, für 2000 - 3000 Euro eine druckvolle, gut klingende Komplettlösung zusammenzustellen, mit der ihr euch ordentlich präsentieren könnt. Je mehr ihr ausgebt, desto besser wird der Sound. Aber wie es auch im High-End-Bereich gang und gäbe ist: Ein „wenig“ besser klingen zu können, kostet immer gleich einen ordentlichen Batzen mehr Geld... 

Also, schafft euch einfach einen soliden Grundstock an, mit dem ihr Proben und gleichzeitig auch kleine oder gar mittlere Venues in der Umgebung beschallen könnt. Für eine vierköpfige Band fällt in der kleinen Variante 300 Euro pro Person an Investitionskosten an. Ein Betrag, der noch überschaubar ist und eventuell schnell eingespielt sein könnte. Für die langfristige Planung mit mittleren Bühnen und Venues sollten schon um die 750 Euro pro Person in die Hand genommen werden. Sicherlich werdet ihr auch viele „Promotion-Gigs“ spielen, aber nach acht bis zehn bezahlten Gigs, ist die Investition mitunter wieder eingespielt.

Wann macht leihen Sinn?

Equipment leihen wird dann wieder Interessant, wenn ihr als Veranstalter oder Co-Veranstalter auftretet und plötzlich Venues von 800 Personen und mehr bespielen wollt. Speziell im Open-Air Sektor lohnt es sich, einen zuverlässigen Partner an der Seite zu haben, der den Sound, wie ihr ihn wollt, bieten kann und vor allem in den Griff bekommt.

Ab dieser Personenzahl lohnt es sich, einen externen Fachmann dazuzumieten und meist kommt der PA-Verleih ohnehin mit eigenem Personal daher. Das ist nicht ganz billig, dafür könnt ihr euch aber locker zurücklehnen und euch ganz auf eure Darbietung und Stücke konzentrieren, ohne die ganze Zeit das Mischpult und die Effekte im Auge zu behalten.

Beste Grüße,

Axel Erbstößer

Veröffentlicht am 19.03.2019

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