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Test
3
21.09.2013

Praxis

Wer bei einer flachen Tastatur an die halbläufigen Tastaturen etwa eines Roland A-800 oder eines Behringer UMA25S denkt, hat sich getäuscht. Das CME X-Key hat einen so geringen Tastaturhub, dass ich nicht so genau wusste, wie ich das messen sollte. Mein Geodreieck sagt: 1 bis 3 Millimeter. Inklusive Aftertouch. CME sagt, dass die Tastatur eine völlige Neuentwicklung sei, und zu bemerken ist auf jeden Fall, dass es kein Scharnier oder ähnliches am hinteren Ende der Taste gibt. Üblicherweise ändert sich die Lage einer Klaviertaste beim Herunterdrücken ja insofern, als die Taste nicht mehr waagrecht steht, sondern schräg nach vorne gekippt wird. Anders beim CME X-Key, bei dem sich die ganze Taste von vorne bis hinten nach unten bewegt. Das muss man sich so ähnlich vorstellen wie bei der Leertaste auf dem Computer. Und so hört sich das Ganze übrigens auch an: wie das helle Klackern beim Tippen auf einer Laptop-Tastatur.

Wenn der Finger dann die 2 Millimeter bis zum Tastaturboden zurückgelegt hat, beginnt sofort die Aftertouch-Phase. Auch der Aftertouch ist anders als bei herkömmlichen Tastaturen realisiert. Normalerweise hat man ja ein bisschen Spiel und fühlt, wie sich die Taste bewegt. Beim CME X-Key dagegen ist ein Drucksensor unter der Taste angebracht. Die gleiche Technik wird übrigens auch bei den sechs Kontrolltastern an der linken Seite eingesetzt: Auch hier gibt es keinen definierten Auslösepunkt, sondern der Druck entscheidet. Für Grobmotoriker ist das nichts, es muss wirklich nur minimaler Druck eingesetzt werden. Wenn man aber erst mal realisiert hat, dass man den Finger nur ganz leicht zu bewegen braucht, dann funktioniert das als expressive Spielhilfe durchaus. Gleiches gilt für die Kontrolltaster auf der linken Seite, und anders als in einem Internet-Video von der Winter NAMM 2013 zu sehen, bewegt sich auch immer nur der Taster, der sich bewegen soll. Die Verarbeitung des Keyboards ist also augenscheinlich gut, und das Aluminium strahlt auch wirklich Langlebigkeit aus.

Der polyphone Aftertouch – geradezu mythisch wird über ihn berichtet. Kaum jemand hat ihn je gesehen, denn er wurde nur bei ein paar wenigen Synthesizern in grauer Vorzeit eingesetzt. Es gibt ihn zwar auch heute, aber wer kann sich diese Tastaturen leisten? Wer jetzt feuchte Augen bekommt und von Vangelis und weiland dem Yamaha CS80 träumt – ja, das X-Key hat polyphonen Aftertouch und das funktioniert auch prima. Um was geht's also? Eigentlich ganz einfach: Beim „normalen“ Aftertouch wird der Aftertouch-Befehl pro MIDI-Kanal gesendet. Das bedeutet, dass bei einer Tastatur immer alle Noten betroffen sind, sobald auch nur eine Taste mit Aftertouch gespielt wird. Deshalb heißt der übliche Aftertouch auch Channel-Aftertouch: Er sendet einmal pro MIDI-Kanal. Im Prinzip ist das also so ähnlich wie beim Sustain-Pedal. Wird es heruntergedrückt, gilt das für alle Tasten, die auf diesem Kanal spielen, gleichzeitig. Wenn die Tastatur gesplittet wird und auf zwei Kanälen sendet, gibt's das Ganze dann zweimal. Der polyphone Aftertouch hingegen sendet für jede einzelne Taste separat. Das bedeutet, dass man zum Beispiel einen Akkord spielen kann und dann die Möglichkeit hat, mit Aftertouch den Klang nur eines einzelnen Tones zu verändern.

Wie gesagt, polyphoner Aftertouch ist eine Rarität und dass das CME X-Key diese Feature bietet, ist schon ein tolle Sache. Tatsächlich ist polyphoner Aftertouch so rar geworden, dass es gar nicht so viele Klangerzeuger gibt, die das tatsächlich unterstützen. Bei NI Kontakt zum Beispiel sind ganz schöne Anstrengungen nötig, um es ans Laufen zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass sich das wieder ändert und CME hier eine kleine Welle lostritt.

Was die Spielbarkeit der Tastatur aus „pianistischer“ Hinsicht angeht, gibt es Licht und Schatten. Zunächst mal reagiert die Tastatur prima auf Anschlagsstärke und wenn man sich ein bisschen daran gewöhnt hat, kann man eigentlich ganz gut darauf spielen. Meiner Meinung nach besser als auf den meisten anderen Tastaturen dieser Preisklasse, bei denen kein rechtes Spielgefühl aufkommt, sei es, weil die Federn die Taste zu langsam oder zu schnell wieder hochschnellen lassen oder weil man nicht so genau weiß, wann die Taste jetzt eigentlich ganz unten ist. Beim X-Key weiß man das: nach zwei Millimetern, genau wie bei einer Computertastatur. Triller, Repetitionen, Balance, das alles stimmt. Ungewohnt ist hingegen, dass die schwarzen Tasten nicht höher gestellt sind. Ich persönlich habe dabei das Problem, dass ich ohne höher gestellte schwarze Tasten beim Spielen ohne Hinsehen einfach blind bin. Wenn ich auf die Tastatur sehe, ist alles ganz wunderbar. Wenn ich allerdings nicht hinsehe, verirre ich mich. CME hat das Problem augenscheinlich erkannt und deshalb Lücken zwischen den Tasten gelassen, die zur Orientierung dienen sollen. Besonders bei größeren Intervallen greift man dennoch gelegentlich daneben. Dennoch verdient die Tastatur als neues Konzept auf jeden Fall Beachtung. Sie lässt sich besser spielen, als man vielleicht zunächst vermuten würde, und man sollte auf jeden Fall ausprobieren, ob man damit zurecht kommt.

Pro & Contra

  • neues Konzept
  • polyphoner Aftertouch
  • sehr solides Aluminiumchassis
  • klein, aber nicht zu leicht
  • Designerstück

  • Tastatur gewöhnungsbedürftig
  • keine Einstellmöglichkeiten
  • Website und Anleitung noch sehr spartanisch

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