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28.07.2020

Cranborne Audio 500R8 Test

Lunchbox mit Audiointerface

Audiointerface, Summing-Mixer und API-500er-Gehäuse – in einer Box!

Was sind die wichtigsten Trends der letzten Jahre im ambitionierten Recording gewesen? Analog-Summing, API-500 oder doch einfach nur das allumfassende Audiointerface? Am besten wirft man mal alle drei Kategorien mal zusammen, schaut wie sie sich ergänzen und baut dann davon ausgehend das „Über-Interface“ – sowas in der Art muss sich die recht junge, britische Firma Cranborne Audio bei seinem 500R8 gedacht haben. Für wen das am Ende gut ist, was das im Detail kann und vor allem wie es klingt – ihr erfahrt es hier!

Details

API-500-Housing mit Analog-Summierer und Audiointerface


Das Cranborne Audio 500R8 ist ein 19-Zoll-Gehäuse (4 HE) für API-500-Module inklusive USB2-Audiointerface und Mixer/Summierer – oder eben ein Audiointerface mit 500er-Slots. Hinzukommt eine Monitoring-Sektion sowie zwei Kopfhörerausgänge. Na, das klingt doch schon mal alles recht vielversprechend!

USB-Interface mit massig I/Os


Das eingebaute Interface bietet aktuell 26 Eingänge und 28 Ausgänge, wovon jeweils 16 I/Os auf den Doppel-ADAT bei bis zu 48 kHz entfallen. Das ergibt 10 analoge Eingänge und 12 analoge Ausgänge, die sich dann wie folgt verteilen: Jeweils acht I/Os haben natürlich die acht 500er-Slots. Und die restlichen I/Os wiederum entfallen auf je einen weiteren USB-Eingang für die Summe des Mischers (sozusagen der Return) sowie zwei zusätzliche DAW-Ausgänge (DAW 1 und DAW 2), einer für den Monitor-/Main-Bus und der andere für den Aux-/Kopfhörer-2-Bus.

Bei doppelter Samplerate halbieren sich die ADATs (SMUX) und der DAW-2-Out entfällt. Das ADAT-Verhalten ist normal, der entfallende DAW 2 ab 88,2 kHz hingegen ist etwas unschön, da der Kopfhörerausgang so nicht mehr getrennt adressierbar ist. SMUX 2 unterstützt die aktuelle Firmware/der Treiber nicht – ab 176,4 kHZ gibt es momentan kein ADAT!

Am Rande auch der Hinweis, dass noch eine Variante ohne USB und nur mit ADAT namens Cranborne Audio 500 ADAT existiert. In Verbindung sorgen so einmal 500R8 und einmal 500 ADAT für maximal 16 Module bis 96 kHz über eine USB2-Strippe! Zweimal 500 ADAT geht zwar theoretisch auch, allerdings lässt sich der Mixer dann nur mit etwas Tricksen und Einschränkungen chainen – und das Ganze macht dann natürlich auch nur bis 48 kHz Sinn. 

8er-Slot-Box


Das Cranborne Audio 500R8 bietet, wie der Name es schon andeutet, Platz für acht 500er-Kassetten im API-Standard. Das linearisierte Switch-Mode-Netzteil versorgt jedes Modul mit rund 250 mA. Jeder Slot bietet einen XLR-I/O und außerdem einen unsymmetrischen Insert auf Y-Split zwischen Modul und A/D. Je zwei Slots verfügen außerdem über einen Link und jeder Slot kann via Bypass-Schalter im Inneren auch umgangen werden, falls man nicht gleich alles mit 500er-Modulen vollpackt. 

Der Signalfluss ist wie folgt: XLR-In, Modul, Insert, A/D, XLR-Out und Mischer. Jedes Modul verfügt also über einen eigenen A/D-Wandler sowie einen analogen Direct-Out, wenn man so will, bevor es in der Stereo-Summierschiene landet. Ferner gibt es einen Chain-Schalter, der das Ausgangssignal eines Moduls in das nächste Modul weitergibt. Es lassen sich so beliebige Chains bilden, sprich vier Zweier, zwei Vierer, zwei Zweier und ein Vierer sowie ein Achter.


Jedes Modul verfügt außerdem über einen eigenen D/A-Wandler, sodass man direkt aus dem USB-Interface raus und in das Modul rein kann. Und danach geht es wieder auf den Mischer oder via Channel-A/D zurück in die DAW. Somit kann man ganz unkompliziert acht Hardware-Inserts in die DAW des Vertrauens packen.

8-Kanal-Stereo-Mischer


Im untersten Teil des recht wuchtigen 4-HE-Klotzes befindet sich der Mixer mit seinen acht Monokanälen auf ungefähr einer HE. Jeder Kanal verfügt über einen Levelregler (bis +10 dB) und einen Panregler (-4,5 dB Pan Law) sowie einen dreistufigen Eingangswahlschalter: CAST, Analog und USB.

  1. Schaltet man auf „Analog“ ist der XLR-Eingang aktiv, und es geht analog in das Modul, gegebenenfalls in den Insert und anschließend in den Mixer sowie den A/D-Wandler und den XLR-Ausgang. Alle drei Ausgänge sind permanent aktiv und im Prinzip hat man so immer zwei Direct-Outs, einmal analog und einmal digital. 
  2. Schaltet man den Input auf CAST wird der proprietäre CAST-In genutzt – im Prinzip ist dieser aber auch nur ein analoger Alternativeingang, doch dazu später mehr. 
  3. Schaltet man den Input auf USB wird der D/A aktiv und der XLR-Eingang ist sozusagen tot. Der D/A geht dann mit Line-Level in das 500er-Modul, was idealerweise auch Linesignale verstehen sollte. Kennt das Modul nur Mic-Level-Input wir der Kanal entsprechend zu heiß angefahren!

Monitorsektion


Die Monitorabteilung außen rechts kennt drei Quellen: Mix, DAW 1 und DAW 2. DAW 1 kommt direkt vom USB-Interface, DAW 2 im Prinzip auch, bietet rückseitig aber auch noch einen alternativen analogen Eingang, der mit dem DAW-2-USB-Signal gemischt wird. 

Ausgangsseitig gibt es den Mix-Out und den Aux-Out sowie zwei Paar Speakeranschlüsse. Die Speakeranschlüsse sind nur umschaltbar und nicht zuschaltbar. Stereo-Speaker A kann per XLR angeschlossen werden, Stereo-Speaker B mit großer Klinke. 

Der Monitorpfad und der Auxweg verfügen beide über einen eigenen Level- sowie einen Blendregler, der den Summing-Mix mit DAW 1/DAW 2 mischt. Zum Umschalten zwischen letzteren steht je ein kleiner Kippschalter zur Verfügung. Hinzukommen zwei Kopfhörerausgänge die einmal dem Aux- und einmal dem Main-Out zugeordnet sind – sie verfügen über keine eigenen Lautstärkeregler. Der Mix-Out hat außerdem eine Pegelanzeige mit zwei mal vierzehn LEDs.

So kann man verschiedene Szenarien bedienen. Zum einem kann der Producer über die Speaker den Main abhören, den Aux für seinen Kopfhörer benutzen und beide getrennt im Pegel regeln. Der Producer kann aber auch über den Main die Kopfhörer benutzen und dann die Boxen nicht mehr getrennt regeln, aber so dem Artist einen eigenen Kopfhörermix spendieren. Diesen kann der Artist im Pegel regeln und mit den 500er-Preamps latenzfrei über den Stereomix mischen. Außerdem kann der Artist via DAW 2 auch einen anderen Mix aus der DAW bekommen – aber nur bis 48 kHz, denn ansonsten entfällt dieser USB-Weg. Falls Producer und Artist im selben Raum sitzen, muss der Producer die Speaker höchstwahrscheinlich ohnehin muten und kann den Main-Out somit zum Regulieren seiner Kopfhörer nutzen. Etwas umständlich, aber trotzdem funktional.


Einen Talkback gibt es auch – der geht auf den Aux und verfügt über einen eingebauten und regelbaren Preamp der via XLR-Anschluss auf der Rückseite zugänglich ist. Den Verzicht auf ein eingebautes Mic finde ich gut, da diese wirklich nur in den seltensten Fällen gut klingen! Mute- und Monotaster für den Speaker-Out runden den Monitorüberblick ab.

Cast Away


Schauen wir uns nochmal kurz die Rückseite an, finden wir neben den ganzen bereits angesprochenen analogen Verbindungen sowohl die beiden ADAT-Pärchen als auch einen Wordclock I/O inklusive Mäuseklaviatur für die Clock-Settings sowie den USB-Anschluss und MIDI-I/O.

Es bleiben somit nur noch mehrere ominöse Netzwerkbuchsen für CAT-5-Kabel übrig, die entgegen meiner ersten Vermutung aber gänzlich analog sind. Im Prinzip kriegt man so zwei Sends und zwei Returns in ein „Netzwerkkabel“, die dann kostengünstig mit bis zu 100 m Länge verkabelt werden könnten. Cranborn Audio hat entsprechende Breakout-Boxen inklusive Kopfhörerverstärker im Angebot, die allerdings dann auch nicht so günstig sind als dass sich die Kabelersparnis lohnen würde. Nette Idee also, aber auch nicht weiter Teil des Tests.

Stop! Den S/PDIF-I/O hätte ich beinahe unterschlagen. Der ist zwar physisch da, wird mit der aktuellen Firmware/den verfügbaren Treibern noch nicht unterstützt. Unter macOS läuft der Kasten übrigens class-compliant, braucht also keine Treiber (mit guten Latenzwerten). Unter Windows braucht es natürlich entsprechende Treiber.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gutes Konzept

  • unauffälliger Klang
  • solide Verarbeitung


  • A/B-Taster knackt
  • kein Master-Insert


Gehört zu dieser Serie

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