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22.07.2020

Denon DJ Prime Go Test

Mobile 2-Deck Smart DJ-Konsole

Akkubetriebene DJ-Workstation mit USB, SD, WiFi und Engine OS

Die all-in-one DJ-Workstation Denon DJ Prime Go bringt standalone DJ-Decks, um Musik vom USB-Stick oder einer Festplatte abzuspielen sowie WLAN-Streaming auf kompaktestem Raum. Garniert wird das Ganze mit Effekten, Pads und Touchscreen und Denon DJ integriert auch noch einen Akku, damit man die Partymaschine auch unterwegs problemlos nutzen kann. Die perfekte Workstation für Party-People, betuchte Bedroomer, Dienstleister und Wedding & Working-DJs, die ohne Laptop auflegen und nicht viel schleppen möchten? Eventuell auch als kleines Besteck, Prepping- oder Ersatzsystem für das große Prime-Setup?  Unser Test verrät, was geht und wo noch Potenzial für Verbesserungen steckt. 

Details

Denon DJ Prime Go ist ein Dual-Deck-Mediaplayer zum Abspielen von Musik vom externen Datenträger oder WiFi/LAN-Streaming. Ausgerüstet mit professionellen Ein- und Ausgängen, darunter XLR, Aux-In und duale Mikrofon-Combobuchsen, einem Zweikanal-Mixer, diversen Effekten und einem Touchscreen sowie einer integrierten 24 Bit / 48 kHz Soundkarte und der Möglichkeit zur netzwerkgesteuerten Licht-Synchronisierung, rückt er unter anderem mobile Discjockeys, DJs, die es kompakt mögen und Event-Dienstleister in seinen Fokus.

Mittels Denons hauseigener Engine Software lassen sich für das Gerät kompatible USB-Sticks, SD-Cards und Festplatten bequem am Mac und PC erstellen. Prime Go ist zudem in der Lage, die Track-Analyse selbst vorzunehmen, also ohne den Einsatz eines Rechners, wobei ihr Playlisten, Crates, Tags usw. am Gerät mittels virtueller Tastatur erstellen und bearbeiten könnt. Besonders für System-Umsteiger interessant: Es lassen sich Traktor, Serato oder rekordbox via Software importieren, Pioneer Bibliotheken sogar direkt am Prime GO. Beim Import muss man allerdings auf einige Pioneer-spezifische Track-Tags verzichten. Dank integriertem Akku ließe sich dies auch ohne Netzversorgung im Flieger, Zug oder auf dem Sofa erledigen.

Kompakte DJ-Mix-Station

… das Konzept ist natürlich immer mal wieder Gegenstand von Produktentwicklungen und auch ich habe im Laufe der letzten Jahre im Zuge der Miniaturisierung des DJ-Equipments und des Controllerism so einige mehr oder weniger gelungene Exemplare dieser Spezies unter den Fingern gehabt, darunter den Tonium Pacemaker, DJ-Techs U2-Station oder auch den Sirus Pro DXS-1000 mit Bildschirm sowie das Wacom Nextbeat, um mal ein paar Beispiele jenseits der großen Pioneer und Denon Standalone-Flaggschiffe (zum Kaufberater DJ-Komplettsets) zu nennen. So gut wie Denon DJ scheint dies aber auf den ersten Blick bisher noch niemandem gelungen zu sein, das ultramobile Konzept und zudem auch noch akkugespeist, in die Tat umzusetzen und damit den Blindkauf-Trigger zu stimulieren – nur der Preis von 1319 Euro (UVP) lässt einen erst einmal schlucken.

Lieferumfang und erster Eindruck

Ein Griff in den Karton fördert den Denon DJ Prime Go, USB-Kabel, Netzteil, Poliertuch fürs Display, Lanyard mit SoundSwitch-Serial, Aufkleber, Handbuch und Faltblätter zu Tage. Platziert sich der Prime 2 (zum Test) als Kanal- und Feature-technisch sowie in der Displaygröße leicht eingedampfte Version des Prime 4, setzt der Go noch mal richtig einen drauf. Wenn man also den Begriff „kleiner Bruder“ in die Denon DJ Prime Produktgruppe werfen möchte, dann passt das beim GO wohl wie die Faust aufs Auge.

Mit lediglich 411 x 274 x 53 mm Größe und einem Gewicht von 3,7 kg kann man die mobilen Party-Mixer nämlich locker in den Rucksack stecken und transportieren. Ein zusätzliches Hardcase wie das Thon Case Denon DJ Prime Go wäre meiner Meinung nach nicht die schlechteste Wahl, um besonders das Display und die Fader und Potis zu schützen, auch ein Decksaver Cover kann eine lohnenswerte Investition sein.

Front und Backpanel, Verarbeitung, I/Os

Ein Blick auf die Rückseite zeigt links neben dem Kensington-Lock jeweils XLR- und Cinch-Ausgänge für Master (inkl. Mono-Switch), Klinke für Booth. Die Konsole ist also schnittstellentechnisch bestens gerüstet für PA-Anlagen, Verstärker und Monitorboxen. Zweimal XLR/Klinke-Kombobuchse für Mikrofone sind für die Moderation mit an Bord.

Dazu gesellt sich ein Cinch-Aux-Input für weitere Zuspielmöglichkeiten außer Stick/Card/ WiFi. Smartphone, schon klar. Doch wie wäre es beispielsweise, mit einer ebenfalls akkubetriebenen MPC Live 2, um als technoider Act mit ’ner lauten Soundboks aufm Gletscher oder in der Pampa „Live zur Konservenmucke zu jammen“? Fehlt eine MIDI-Buchse zur Synchronisation, stimmt. Aber Denon, die wie AKAI zur Inmusic-Gruppe gehören, könnte ja auch Ableton Link integrieren, soe wie bei den MPC Live und Force Geräten beispielsweise. Und viele DJ-Programme haben diese Technik ohnehin an Bord – wäre übrigens auch was für den Prime 2 und 4. Aber gut, nutzt man den Input halt fürs Tablet oder was man auch immer zur Unterhaltung des Publikums an den Eingang andocken möchte.

An der rechten Außenseite, gleich neben Power-Switch, Netzteilbuchse und Zugentlastung, sitzen die USB-Ports für den PC/MAC und den Wechseldatenträger sowie bereits erwähnte Netzwerk-Buchse zur Lichtsteuerung oder als WiFi-Alternative. Wenn jetzt noch zwei Cinch-Paare dran wären, um Plattenspieler anzudocken und ein entsprechender Standalone-Mischpult-Modus, junge, junge. So ginge nur ein Line-fähiges Plattenspielermodell am Aux-In, was für mich zumindest den GO als zentrales Element in meinem Setup ausschließen würde, stünde da nicht ohnehin schon ein Clubmixer.

An der Verarbeitung der Konsole habe ich nichts auszusetzen. Das Case ist solide, die Belüftungsschlitze sitzen gut 20 mm erhöht seitlich. Unten sorgen ordentlich dimensionierte Gummifüße für Standfestigkeit. Die Anschlussbuchsen sind fest verschraubt, Fader und Potis (auf Metallstiften) drehen/gleiten angenehm sanft, das Design gefällt.

Sicherlich könnte man über die frontal angebrachten und damit etwas weit herausstehenden Drehregler geteilter Meinung sein und darüber lamentieren, dass es keine Klangregelung für Mike und Aux gibt, sowie über den „Umstand“, dass die EQs in der horizontalen Platz finden mussten. Aber Hand aufs Herz: Man möchte ja auch nicht mit den Fingerspitzen auf einer zu dicht besiedelten, überladenen Oberfläche arbeiten und so darf man Denon wohl attestieren, dass sie hier hinsichtlich des Bedien-Layouts ziemlich gute Arbeit geleistet haben. Der Workflow ist schnell verinnerlicht.

 

 

Was ich bei der ersten Begutachtung persönlich etwas schade finde: Das Festplattenfach wurde wegrationalisiert. Mein alter Sirus Pro DXS-1000 ist kaum größer und hat so was. Gut, aber der hat auch keinen Akku im Gehäuse. Dennoch wäre eine integrierte SSD eine tolle Sache, denn hier ließen sich dann Systeme von/für bestimmte Events/DJs komplett mit einem großen/speziellen Musikbestand bestücken, potenzielle Locker-Tracks aus Beatport/Beatsource speichern, deren Unterstützung ja angekündigt wurde und dergleichen.

Warum es nur einen USB-Anschluss hinten gibt und nicht vorn noch einer platziert wurde, wirft ebenfalls Fragen auf, besonders wenn man auf einem Event mit „selbst mitgebrachten“ USB-Sticks konfrontiert werden sollte oder auch unter dem Aspekt nahtlose DJ-Handover bzw. wenn man sich den Abend  als DJ-Team teilt. Hinten rumfuhrwerkeln ist zudem nicht jedermann Sache. Praktisch dagegen ist der frontale Slot-In für die SD. Mix-Recording the easy way. Das geht nämlich auf Tasten, äh Touchscreen-Druck.

Ansonsten befinden sich vorn noch die beiden Kopfhöreranschlüsse (3,5 mm / 6,3 mm) mit Cue-Mix (Split-Cue via Menü möglich) und Level-Regler sowie der Aux-Pegelsteller. Denon setzt beim Metering auf grün, weiß, blau statt ampelfarben, das ist wohl auch Geschmackssache und es passt zumindest bei den größeren Modellen ins gesamte visuelle Konzept. Ich komme später noch einmal auf das Thema zurück. Ähnlich ist es übrigens auch bei einigen Numark Geräten (ebenfalls Inmusic Brands), die auf rot/weiß statt Ampelcode setzen.

Bedienoberfläche Denon DJ Prime Go

Wie ich schon bemerkte, hat sich Denon hier gut ins Zeug gelegt, denn wir finden trotz des kompakten Formfaktors nicht nur die Basics zum Auflegen im Prime Go, es gibt auch eine dezente Spielwiese für kreative Initialzündungen und Beatmixer. Ich notiere

  • Zweikanal-Mixer mit Dreiband EQ und Sweep-FX (A=Kombi-Filter HPF/LPF, B=Wash Out Echoeffekt)
  • Line und Crossfader à 45 mm: Die Crossfader Curve ist anpassbar, der CF abschaltbar, invertieren kann man ihn hingegen nicht.
  • 80 mm Jogwheel, kapazitiv und extra flach, mit Vinyl-Modus, nicht deaktivierbar
  • 45 mm kurzer Pitchfader mit Pitchbend-Tasten
  • Transportsektion (Cue, Play/Pause)
  • Taste für den Vinyl-Mode und das Grid-Editing mittels Jogwheel und  Touchscreen (Stichwort: Set-Vorbereitung, Backup)
  • Sync und Key-Sync
  • Loop-Encoder mit Jump/Move-Funktion
  • vier Pads mit drei Modi (Hotcue, Loop, Roll) und zwei Banks (also in der Tat acht Hotcues, Roll-Größen und Loops)
  • FX- und Master/Booth/Mikrofon-Sektion

Die FX-Sektion links oben lässt euch einen von 13 Haupteffekten auswählen und auf die Decks schicken, wobei ihr das Timing sowie den Effektparameter und Dry-Wet-Anteil über entsprechende Drehregler/Push-Encoder einstellen könnt. Gut gelöst.

Rechts oben treffen wir auf die Pegelsteller für Master- und Booth-Anlage sowie für die beiden Mikrofonanschlüsse, denen Einschaltknöpfe und Talkover zuteilwurden. Die Aufnahme der Mikrofone/Moderation mittels integrierter Recording-Funktion lässt sich via Menü einstellen.

Dass es hier keine EQs gibt, dürfte professionelle Dienstleister mitunter stören, aber nicht selten haben diese ohnehin einen Submixer im Gepäck, hier muss jeder selbst definieren, welche Vor- und Nachteile Denons Kompaktformat im Einzelfall oder für den spezifischen Anwendungszweck mit sich bringt.

Der größte Eyecatcher und zentrales Element für das Track-Management ist das Display, das mich nun in den Praxisteil überleiten lässt. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Standalone-Workflow mit Engine OS
  • sehr kompaktes DJ-Set
  • responsiver 7-Zoll-Touchscreen
  • integrierter Akku
  • professionelle Fertigungsqualität und Anschlüsse
  • Aux-Input für Mediaplayer, Smartphone etc.
  • Streaming Music-fähig (Tidal, Soundcloud, Beatport)
  • WLAN und LAN-Anschluss

  • Metering suboptimal
  • weder Festplattenfach noch Front-USB
  • keine Batch-Analyse am Gerät
  • Preis

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