Test
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14.06.2017

Praxis

Es geht an die Verkabelung mit dem zweiten Player und dem Mixer X1800 Prime, entweder über die Digitalausgänge oder via Cinch. Dann noch die Netzwerkverbindung via X1800 (hier stehen fünf Buchsen für vier SC5000 und einen Laptop bereit) und los geht’s. Die Player können auch direkt verbunden werden.

Engine: lass den Motor laufen

Der SC5000 Prime analysiert Tracks on-the-fly, das dauert je nach Dateigröße schon einige Sekunden (siehe Video). Besser ist es, die Musikbibliothek im Vorfeld über Engine Prime auf dem Rechner analysieren zu lassen, ähnlich wie in rekordbox dj. Stapelbearbeitung am Player selbst geht (noch) nicht.Je nach Format und Dateigröße kann die Analyse schon mal einige Zeit in Anspruch nehmen – im Clip zu sehen anhand von mp3 (320 kBit) Flac (96 kHz, 24 Bit) und Wave (192 kHz, 32 Bit).

 

Denons Software importiert Serato und iTunes-Kollektionen, ermöglicht ein komfortables Organisieren und Kategorisieren der Musikbibliothek, bietet Crate- und Playlist-Management und erlaubt, relevante Daten auf ein Speichermedium zu exportieren. Ebenso lassen sich Hotcues und Loops anlegen und benennen, Daten der DJ-Performance zurück zur Engine-Prime-Software synchronisieren, Grids korrigieren (Waveform Zoom via Strg/cmd + und -) etc. Auch Player-Voreinstellungen beziehungsweise User-Profile können editiert werden, um diese im Club abzurufen.

Die Software macht einen aufgeräumten Eindruck und läuft flüssig auf dem Rechner, unterstützt allerdings noch keine Multi-Core-Berechnung mehrerer Dateien gleichzeitig. Auch intelligente Playlisten (alle House Tracks ab 120 BPM von 2015 - 2017) gibt es noch nicht.

Das Befüllen des externen Datenträgers mit Tracks, Listen und Crates via Drag’n’Drop ist hingegen ein Kinderspiel – klasse. Einmal den Auswurfknopf betätigt, werden „die Plattenkisten gepackt“ und stehen nach wenigen Minuten bereit. Ein stromlinienförmiger Workflow.

Eines kann Engine bisher allerdings nicht und zwar als eigenständige DJ-Software operieren. Ein Dual-Layer-Mode mit Crossfader ist jedoch vorhanden. Folglich lässt sich der Mix zweier Titel beim Erstellen von Playlisten testen. Track- und Grid-Editor dürfen auch nicht fehlen, es gibt ein Key-Matching- und Rating-System.

Hier noch ein Tipp am Rande: Wer von Traktor oder rekordbox kommt, sollte sich mal das Programm Rekord Buddy 2 zu Gemüte führen. Damit lassen sich Listen, Cues und Grids mit Serato austauschen und somit wieder nach Engine. Denon arbeitet aber, was rekordbox angeht, bereits an einer eigenen Lösung, Serato HID soll auch folgen. Wie es um Traktor bestellt ist, steht aktuell noch in den Sternen. 

So - muss - Display !

Ein besseres Display an einem Mediaplayer ist mir bisher noch nicht untergekommen. Der Vollfarb-Screen misst sieben Zoll und arbeitet mit 55 fps. Er ist extrem detailreich, erlaubt Gestensteuerung wie Fingerspreizen zum Zoomen, ist höchst responsiv und verkraftet auch impulsiveres Fingertippen. Es gibt umschaltbare Ansichten, eine Performance- und Browser-View, hoch aufgelöste, zoombare Wellenformen (siehe Screenshots), Master und Slave „Beatkeeper“ und der Bildschirm zeigt selbstverständlich die üblichen Track- und Statusinfos, sehr informativ.

Über die Seitenleiste lassen sich Crates, Listen, Dateibaum, History und Prepare-Listen durchstöbern – das Editieren von Titeln und Listen, Rating und Umsortieren ist bedauerlicherweise nicht möglich.

Spezielle Shortcuts für die Collection, Suchfilter inklusive BPM und Key und eine Tastatur erleichtern das Auffinden des nächsten passenden Tracks. Bei der Key-Notation kann man zwischen Sharps, Flats, Open Key oder Camelot auswählen, nur exakte Matches filtern oder harmonierende, beim Camelot also zu 9b auch 9a oder 10b etc.

Doch ganz gleich, ob man mit dem Browser-Encoder, der übrigens auch das Beatgrid korrigieren kann, und den Tasten arbeitet, sich via Touchscreen durch die zahlreichen Sortierfunktionen hangelt oder mit der On-Screen-Tastatur arbeitet. Die Software folgt auf den Fuß und die Datenaufbereitung der Tracks und der Library ist äußerst gelungen.

Die Quellwahl erfolgt über die Source-Tasten, dabei kann man auf sämtliche Datenträger im Netzwerk zugreifen. Mit meinen beiden Playern kann ich also vier Arbeits-Layer/Audioströme mit einem Stick füttern. Acht wären es folglich mit vier Playern. Fett! Aber auch mit nur einer Abspieleinheit lässt sich aufgrund der doppelten Audioausgänge ein Set bestreiten. Die beiden Wellenvorschauen liegen dann unter der Detailansicht mit dem durchnummerierten Taktraster. Jeder Layer kann eine eigene Farbvariante bekommen. Dual-Audio-Out ist ein tolles Feature und spart richtig Geld gegenüber der Anschaffung von vier Laufwerken.

Im Mix geben sich die Player keine Blöße. Sie galoppieren im Gleichschritt mit dem Master-Deck, ziehen mit, wenn man dort das Tempo ändert, teilen sich artig die USB-Datenträger. Aber: Cues und Saved Loops werden nur auf den identischen Track auf dem zweiten Layer angewandt (eine Instant-Double-Funktion fehlt noch), nicht jedoch auf einen anderen Network-Player, der die gleichen Titel geladen hat. Also vom Netzwerk-Player laden geht, auf diesen schreiben nicht, wenn man so will.

Bekommt der USB-Stick Flügel oder wird versehentlich (kaum möglich, da die Fronteinschübe gut unter dem Player gesichert sind) herausgerupft, spielt der Track – einmal geladen/gepuffert – trotzdem durch. Auch lässt sich ein Emergency Loop setzen. Das Display weist durch Halbtransparenz des oberen Drittels darauf hin, dass die Datenquelle fehlt, aber die Musik läuft weiter - super. Wird der Stick im Netzwerk wieder eingestöpselt, findet ihn der Player automatisch und es geht wie gehabt weiter. Klasse. P.S.: Ist kein DJ am Start, einfach Playlisten oder Crates im Continous Mode abspielen.

 

Pitch und Keylock

Setzt man auf manuelles Beatmatching, kann man mit dem langen Pitch hundertstelgenau das Tempo anpassen (die BPM werden allerdings mit einer Nachkommastelle angezeigt). Dabei schützt der Keylock vor Tonartschwankungen. Und das, was hier an Timestretching/-compression-Algorithmen drinsteckt, ist hervorragend. Dazu einige Audiobeispiele. Zwei LEDs signalisieren nach einem Deckwechsel, wo der alte Fader-Wert abzuholen ist.

Das Jogwheel ist beim In-den-Takt-schubsen ein echter Handschmeichler, denn es fasst sich klasse an, arbeitet sehr geräuscharm und agiert äußerst präzise. Die Cover-Art-Anzeige mit Nadelposition im Teller nehmen wir gern mit, die fünf Stufen der Trägheit sind passend gewählt. Ein toller Teller. Da kann man auch drüber hinwegsehen, dass man via Shift nicht mit dem Handrad im Track spulen kann und stattdessen den Touchscreen bemühen muss.

Performance-Pads zum Zweiten

Mit den acht deaktivierbaren Performance-Pads unterm Teller feuert man Loop-Stakkatos ab und betreibt Cue-Juggling – alles quantisiert gemäß Voreinstellungen (1/8 bis 4). Fast wie bei einem Laptop-DJ-Controller-Gespann – nur ohne Laptop eben. Die Betriebsmodi sind:

  • Hotcue: acht Sprungmarken
  • Loop: Autoloops von ¼ bis 32, Shift-Layer bis zu acht Saved Loops (Anspiel direkt, keine Quantisierung)
  • Rolls: (1/8 bis 2)
  • Slicer: fortlaufend oder geloopt, Ratio via Parameter-Tasten einstellbar.

Die Tasten lassen sich gut triggern und melden ein optisches Status-Feedback über das Geschehen.

Alles Einstellungssache

Über Shortcut und Utility gelangt man an die Konfigurationsmenüs des Players. Ich möchte hier nicht zu weit ausufern, dafür gibt es ja ein Handbuch, nur ein paar Beispiele:

Shortcuts bietet unter anderem Farbeinstellungen für die Layer, Display-Helligkeit, Snyc- und Quantisierungs-Modus.

Utility weist Player-, Firmware-, Display-Versionsnummern und die Option zum Firmware-Update aus.

Preferences steht für individuelle Präferenzen, darunter Deck-, Needle- und Pad-Lock. BPM-Range, Key-Notation etc. Allerhand zu individualisieren also.

Pioneer DJM-900NXS2 und Denon SC5000

Stellt man die beiden Flaggschiffe nebeneinander, ähneln sie sich natürlich weitgehend. Letztlich kann man aber nicht sagen, dass hier wild drauflos kopiert wurde. Vielmehr legt der SC5000 ein eigenständiges Design an den Tag. Der Display-Bereich wirkt etwas größer, die Cues sind an der Seite statt unten zu finden und es gibt mehr USB, dafür kein CD-Laufwerk. Der Denon hat Dual-Audio-Outs, der CDJ-2000NXS2 besitzt ein integriertes USB-Audiointerface. Dazu unterscheiden sich beide Kontrahenten bezüglich der Software und somit auch in den Features. So gibt es beim Denon-Player weder die Option zum Rating der Tracks noch „intelligente Suchfilterverknüpfungen“, doch der Workflow ist zielgerichtet und effizient.

Beim Straßenpreis liegen die Denons (auch der Mixer) rund 500 Euro pro Einheit unter dem CDJ-2000NXS, kosten aber fast ebenso viel mehr als der XDJ-1000MK2, ein nicht zu unterschätzender Konkurrent, gerade auch im semiprofessionellen Lager. Ich bin gespannt, wie sich Denons SC5000 am Markt etablieren wird, zumal mit Tiesto und Laidback Luke gerade zwei prominente Top-DJs an Bord geholt wurden. Die Chancen stehen in Anbetracht der hervorragenden Hardware sicher nicht schlecht.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • 7-Zoll-Touch-Display mit Qwerty-Tastatur
  • multifunktionale Performance-Pads
  • Dual-Layer mit eigenen Audioausgängen
  • digitale Audioausgänge mit 24 Bit und 96 kHz
  • Synchronisation und Link-Betrieb mehrerer Einheiten
  • Datenspeichereinschub frontal und hinten
  • großzügiges Raumangebot
  • digitaler Workflow dank USB-Speicherung der Analysedaten
  • On-the-Fly-Analyse
  • Design und Verarbeitungsqualität
  • Audio- und Strompuffer

  • nicht als USB-Audiointerface zu nutzen
  • (noch) keine HID-Unterstützung für Serato und Traktor
  • Engine-Import von rekordbox und Traktor-Librarys (noch) nicht möglich

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