Test
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16.06.2020

Praxis

Die Denon-Mischer verstehen sich in erster Linie als Partner für die Denon-Mediaplayer und Turntables. Folglich wandert der X1800 ins Zentrum zwischen zwei SC5000-Laufwerke und wird über die vier digitalen Kanäle verkabelt. Wieso vier? Nun, jeder SC5000 kann zwei (!) Audiosignale (Layer A, Layer B) ausgeben. Das ist beim X1850 und den SC6000-Nachfolgern nicht anders, außer dass Denon noch eine Preview-Funktion für diese Player und den Mixer integriert hat.

Meinen Turntables werden zwei Phono-Inputs zugestanden, bleiben also noch zwei Line-Ins frei, beispielsweise für eine Trommelmaschine oder was man sonst noch gern hätte.Setzt man den Denon-Mixer unter Strom, läuft zunächst die Lightshow. Denon verzichtet auf die typische Ampel-Farbkodierung und setzt stattdessen auf grün-weiß-blau. Das sieht gleichsam ungewöhnlich wie schick aus.

Großzügig fallen die 130 Millimeter langen Pegelmeter aus, mit 17 Einteilungen von -40 bis +10 Dezibel und Peak. Das ist sehr aussagekräftig und erlaubt präzise optische Pegelkontrolle über die vier Kanäle. Zugegeben: Blau als „roter Bereich“ – daran muss man sich gewöhnen, aber das ist kein Ding. Das gleiche Farbkonzept gilt auch für den Master, doch hat Denon hier auf 14 Unterteilungen gekürzt. Verschmerzbar.

„Alle Regler hoch ohne Signalzuführung“ gibt sich der Mixer angenehm rauscharm. Digitale Störgeräusche sind im Computerverbund auch nicht auszumachen.

Apropos Computer: Beide Mixer sind außerdem mit Serato DJ Pro kompatibel und mit einer Dongle-freien Software wie Traktor lässt sich natürlich ebenfalls im DVS- oder Standard-Modus arbeiten. 

SC5000 Player und LAN-Hub

Die Synchronisation der SC5000-Laufwerke rennt, wie sie soll, gehört aber schwerpunktmäßig in diesen Test. Wichtig zu wissen: Je nachdem, wo man die SC5000 an die Netzwerkbuchse andockt, werden die beiden Audio-Layer auf den Mixer geschickt (LAN-Buchse 1: Deck A an Kanal 1, Deck B an Kanal 3, LAN-Buchse 2: Deck A an Kanal 2, Deck B an Kanal 1, LAN-Buchse 3 dann wieder Layer A auf Channel 3 usw.)

Nicht minder verblüffend: Die mit PC beschriftete LAN-Buchse wollte nicht mit der Engine-Software auf dem Laptop kommunizieren. Man kann in Engine Prime Mac die am Pult angeschlossenen SC5000 nicht sehen oder befüllen, was dem Stand-alone-Konzept geschuldet sein soll. Diese Buchse ist laut Hersteller aber für andere Zwecke vorgesehen: „3rd party lighting, video and pyrotechnics software“.

Pyrotechnik? Ich kann mir gut vorstellen, dass mancher DJ diese Funktion sicherlich sehr gern selbst abfeuern würde. 

Effekte

... das Salz in der Suppe. Sind die SC5000-Player via LAN verbunden, können sie bei aktivierter Engine-Taste die BPM für den X1800 vorgeben, was uns zu den integrierten Beat-Effektprogrammen führt. Das sind Phaser, Flanger, Filter, Echo, Delaу, Ping Pong, Trans sowie die samplebasierten FX Roll, Revroll, Beatbreak (einstellbarer Pattern-Repeater) und Scratch, dazu Hallecho und Bitcrusher (FW-Update 1.2). Alles wie gehabt zuweisbar den Kanälen, Crossfader-Seiten, dem Master und Mike.

Die Effektprogramme werden über einen Encoder ausgewählt. Sie sind nicht auf den Mixer aufgedruckt, sondern am oberen der beiden kontraststarken, gut aufgelösten OLED-Displays abzulesen, die auch Timing, BPM, Parameter und Frequenzen anzeigen (und das Utility-Menü). Beim X1850 kommen mit Pumper, einem Sidechain-FX und Echo-Hold, das einen Part wie einen Loop sampelt und mit einem Echo kombiniert nebst FX-Limiter dazu.

Timing hoch X

Das Timing kann mittels Drehregler in Millisekunden oder Beats eingestellt, wahlweise auch über einen treffsicher großen Touch-Strip in festgelegten Taktungen vorgegeben werden. Bei 8/1 ist das obere Ende der Fahnenstange erreicht, bei 1/16 das untere. Das finde ich schade, denn ein schöner, gediegener 64er Flanger mit langer Modulationszeit ist so nicht abrufbar, genau wie das 1/32-tel Roll-Stakkato.

Die Effekte können optional nur bei Touch-Strip-Berührung aktiv sein (Taste Instant). Die Bezugsgröße in zehntelgenauen BPM lässt sich automatisch aus einem Kanal oder dem Master auslesen, eintappen oder via Engine-Link verabreichen. Beim X1850 können mittels Quantize-Funktion nun quantisierte Beat FX abgefeuert werden.

Beatcounter

Der ist – mal abgesehen vom Engine-Connect-Protokoll – eher ein gemütlicher Zeitgenosse. Zwischen sechs und acht Sekunden nimmt er sich für das Berechnen der Vinyl, ab und an ändert er auch seine Meinung. Tempowechsel werden in derselben Zeit erfasst. Ist das Connect-Protokoll aktiviert, lassen sich die BPM aus einem der vier Player-Kanäle unverzüglich einlesen. Außerdem können die Beat-FX – bei Pioneer sind hier Hi-, Mid- und Low-Tasten zugegen – via Poti nur auf bestimmte Frequenzen wirken. Nachstehend einige Beispiele:

Im Setup können die FX in der Reihenfolge geändert werden, es gibt einen Pattern-Editor für den Beatbreaker und der Send/Return-Pegel lässt sich zwischen -10 und 0 Dezibel anpassen. Hinsichtlich des Facettenreichtums könnte ich persönlich auf die samplebasierten Varianten zugunsten von Distortion, Bitcrusher, Tape Echo oder Pitch-FX verzichten, gern auch Build-Up oder Breakdowns. Aber da hat jeder seine eigene Sicht der Dinge. Das gilt auch für die Send/Return-Abteilung: Könnte man per „Dual-Modus“ interne und externe FX auf die Tracks schicken, zudem einen Send in jedem Channel vorfinden und auch VST/AU-Plug-ins einbinden, das wär schon mächtig. Aber mitunter nicht so "easy" zu handlen, denn beim X1800 kann man eigentlich nicht viel falsch machen, selbst wenn man zum ersten Mal Hand an das Gerät anlegt. Und das ist nicht zu unterschätzen!

Einen Knopf in der FX-Sektion gibt es noch: MIDI-Clock. Diese kann für USB und 5-Pol-MIDI separat (de)aktiviert werden. Der X1800 schickt seine MIDI-Clock, sobald die Taste getriggert wurde, in die angeschlossene Hardware, beispielsweise eine Drummaschine. Hier genau den Aufschlagtakt zu treffen, ist mit einer gewissen Kopf-zu-Hand-Latenz verbunden. Schade, dass beim X1800 keine MIDI-Clock Pitch-Bends zum "Nachregulieren" an Bord sind, wie es sie beim Xone:PX5 gibt.

Mix-Recording

Das Audiointerface arbeitet bei einer Wortbreite von 24 Bit mit maximal 96 Kilohertz Samplingrate. Für Windows steht das Treiberpaket „Prime Control Panel“ als Download bereit, am Mac funktioniert es ohne Treiberinstallation. Das Interface verwaltet 18 Kanäle (acht Inputs, zehn Outputs), sodass man die Mixsession per Laptop aufzeichnen kann. Hierfür wird der Master über die Kanäle 9 und 10 abgegriffen.

Die Samplingrate lässt sich über das Utility-Menü verändern. Jenes bietet zahlreiche Stellschrauben, nachzulesen im Handbuch, um den Mixer entsprechend der Anforderungen oder eigenen Vorlieben anzupassen. Klasse.

X1800 Firmware-Updates

Vor den Fazit noch ein Hinweis darauf, dass beim X1800 mittlerweile einige Firmware-Updates die allgemeine Performance, die DSP-Performance und die Midi-Clock BPM optimiert haben, der Limiter verbessert wurde und das es auch in den FX-Sektionen zahlreiche Tweaks wie Bleed und Kill-Funktion für das Filter oder Überarbeitungen für Effekte wie Phaser, Reverb, Echo und dergleichen stattgefunden haben.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • umfangreich konfigurierbar
  • digitale Ein- und Ausgänge
  • LAN-Hub
  • Dual-USB-Audiointerface
  • integrierte Beat-FX mit Instant Touch-Strip
  • Sweep FX und Filter pro Kanal
  • USB- und 5-Pol MIDI-Out
  • intuitiver Zugang und Workflow
  • rocksolide Verarbeitung

  • kein Parameter-Regler für Filterresonanz
  • kein Aux-Kanal

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