Test
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15.01.2016

Denon DN-412X Test

Kompaktes Live-Pult

Zwölfinzwo!

Die Firma Denon bzw. Denon Professional genießt in HiFi- und DJ-Kreisen einiges Ansehen; jetzt reüssiert sie mit einem kompakten Live-Pult namens DN-412X. Das mischt zwölf Eingänge auf einen Stereomaster und macht mit sieben Mikrofonvorstufen, integriertem Effektgerät und neunbandigem Master-EQ neugierig. Mit gut 450 Euro Listenpreis ist das Gerät kein typischer Chinaböller, aber für einen soliden Live-Mixer mit brauchbaren Mikrofonvorstufen immer noch ein faires Angebot. Mal sehen, wie sich das Pult im Bonedo-Test schlägt.

Details

Für den DN-412X wählte Denon Professional ein schwarzes, sehr solides Metallgehäuse mit robusten Seitenteilen aus Kunststoff. Auch im ruppigen Live-Betrieb sind mechanische Blessuren höchstens bei anderen Unfallteilnehmern zu erwarten. Für den Transport ist dennoch ein Case oder eine tourtaugliche Tasche empfehlenswert. Ohren für die Rackmontage führt Denon nicht im Zubehörsortiment.

Canale grande

Die zwölf Eingangssignale werden dem DN-412X über acht nahezu identische Kanalzüge zugeführt, sieben davon wurden erfreulicherweise mit Mikrofoneingängen ausgestattet. Die Phantomspeisung wird global geschaltet. Wie sich leicht errechnen lässt, sind vier Kanalzüge monophon und die verbleibenden Exemplare stereophon ausgelegt. Allen acht Kanälen ist dieser Grundaufbau gemein: Einem akzeptabel weichlaufenden 60-mm-Fader mit Signal-LED folgen ein beleuchteter Mute-Taster, ein Panorama-Regler, zwei Aux-Sends sowie ein dreibandiger EQ mit Festfrequenzen. Den Abschluss bildet das Gain-Poti, dessen rote LED Übersteuerung signalisiert.

Die Kanäle 1 – 7 besitzen zusätzlich bei 75 Hz greifende Trittschallfilter, was angesichts der dort verbauten Mikrofonvorstufen überaus sinnvoll ist. Die ersten vier Kanäle verfügen zudem über Ein-Knopf-Kompressoren. Sie arbeiten mit einer festen Ratio von 3:1, der Regler bestimmt gleichermaßen den Threshold sowie das Make-up-Gain. Von der Aktivität der Kompressoren kündet jeweils eine orangefarbene LED.

Anschlussseitig bieten die Monokanalzüge eine XLR-Buchse, einen symmetrischen Klinken-Line-In sowie, Applaus, Applaus, einen Insert-Punkt. Die Stereokanäle verzichten auf einen Insert, dafür übernimmt die Klinkenbuchse nun die Aufgabe des rechten Line-Ins. Da der achte Kanalzug ohne Mic-Preamp auskommen muss, fehlt die XLR-Buchse.

Die Mastersektion ist für ein Pult dieser Größe gut ausgestattet. Neben dem obligatorischen Main-Fader finden wir drei weitere Fader für Aux- und DFX-Return sowie für den Monitorpegel. Was es damit auf sich hat, erkläre ich etwas später, noch etwas Geduld bitte. Zuvor sei lobend erwähnt: Alle Masterfader lassen sich separat per Mute-Button stumm schalten.

Mastersektion

Als nächstes fällt der neunbandige Grafik-EQ ins Auge. Er lässt sich (gute Idee!) wahlweise in die Stereosumme oder in den Monitorweg routen. Bei Bedarf kann man ihn natürlich auch ganz aus dem Signalweg nehmen. Ebenfalls kaum zu übersehen ist die digitale Effekteinheit. Sie stammt aus dem Hause Alesis und stellt hundert feste Presets bereit, darunter auch zwei Gruppen mit kombinierten Effekten (Hall + Delay, Flanger + Hall). Die Digitaleffekte werden über einen Dreh/Push-Encoder gesteuert, per Druck- oder Fußtaster bringt man sie in den Bypass-Modus.

Einen 2-Track-In/Out (Cinch) gibt es ebenso wie einen Kopfhörerausgang. Außerdem vorhanden: ein CTRL-Out, also ein separater Control-Room-Ausgang. Und wo ich gerade dabei bin: Das Pult besitzt ein bidirektionales USB-Audiointerface. Warum ich das alles in einem Atemzug nenne? Weil alles miteinander zusammenhängt.

Der CTRL-Out (zweimal Klinke) spiegelt normalerweise, wie auch der Kopfhörer, das am Main-Out (2x XLR, 2x Klinke) anliegende Signal. Kopfhörer und Control Room teilen sich einen Lautstärkeregler, was ich für eine nur mäßig clevere Lösung halte, da sich beide Outs so nicht unabhängig voneinander nutzen lassen. Auf Wunsch schaltet man diese Zwangsgemeinschaft vom Main- auf das Cue-Signal. Auf den Cue-Bus dürfen wir die am 2-Track-In sowie am USB-Port anliegenden Signale routen und damit aus der Hauptsumme nehmen. Praktisch, denn so lassen sich die Zuspieler separat abhören.

Was so richtig nervt: Diese Zusammenhänge beschreibt das Handbuch grundlegend falsch, in der englischen ebenso wie in der deutschen Version. So wird behauptet, der Kopfhörerausgang ließe sich zwischen Main und Control Room umschalten, richtig ist aber Main und Cue. Ebenso wird verschwiegen, dass der Pegelsteller gleichermaßen für den Control Room zuständig ist. Die Information, welche Signale am CTRL Out anliegen, fehlt völlig. So treibt man nicht nur Einsteiger in den Wahnsinn.

Das Handbuch hat noch mehr Überraschungen parat: Es informiert beispielsweise nur unzureichend über die Aux-Sends und -Returns. Damit verhält es sich nämlich so: Aux 1 liegt pre-fader, eignet sich also vor allem für den Monitormix. Der am Aux-1-Ausgang anliegende Pegel wird durch den Monitor-Fader in der Mastersektion kontrolliert. So lässt sich der komplette Monitorpegel rasch justieren, sehr schön. Der zweite Send zweigt post-fader das Signal für den digitalen Effektprozessor ab und ist daher mit „DFX‟ beschriftet.

Soweit, so gut – und auch im Handbuch leidlich beschrieben. Nun gibt es aber auch noch einen weiteren Aux-Out, beschriftet mit „Aux 2‟. Der schlechte Witz an der Sache: Laut Beschriftung auf dem Mischpult und Handbuch gibt es in den Kanälen gar keinen Send namens Aux 2. Ebenfalls schweigt sich das Handbuch darüber aus, welches Signal an unserem ominösen Aux-2-Out anliegen soll. Der erfahrene Anwender ahnt, was das Experiment bestätigt: Der DFX-Send sendet nicht nur ans interne Effektgerät, sondern parallel an Aux-2-Out. So etwas, liebe Freunde bei Denon Professional, gehört ins Handbuch. Wie man so etwas vorbildlich löst, zeigen zum Beispiel die Mitbewerber von Mackie.

Die Chronistenpflicht gebietet es schließlich, einige Details zu ergänzen. So besitzt das DN-412X ein internes Netzteil, dessen Sicherung dankenswerterweise von außen zugänglich ist. Auf der Oberseite gibt es zudem eine weitere USB-Buchse, über die sich Tablets, Telefone, aber auch kleine Lämpchen für die Pultbeleuchtung mit Strom versorgen lassen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sieben Mikrofon-Preamps
  • Grafischer Neunband-EQ im Master
  • Ein-Knopf-Kompressoren in den ersten vier Kanälen
  • Ordentliche 60-Millimeter-Fader
  • Gute Effekte
  • USB-Interface
  • Zusätzlicher USB-Anschluss zur Stromversorgung
  • Praxistaugliches Routing
  • Road-taugliches Gehäuse

  • Bedienungsanleitung
  • Störgeräusche über USB-Interface
  • Wenig Gain-Reserven im Input
  • Durchschnittliches Rauschverhalten
  • Power-On-LED blendet

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