Hersteller_Denon
Test
5
03.02.2011

Praxis

Klang
Klanglich war ich schon beim DN-X1600 sehr angetan, da freut es natürlich zu hören, dass auch das kleinste Familienmitglied mit einem 32-Bit DAC-Prozessor mit 128-fachem Oversampling ausgestattet ist. Der Sound auf den Monitorboxen weiß zu gefallen, denn der Wandler sorgt für eine authentische Wiedergabe der intern verarbeiteten Audiosignale. Auch die Phono-Preamps des X600 klingen sehr transparent und druckvoll. In dieser Hinsicht braucht sich der Kandidat nicht hinter meinem DJM-600 oder anderen Referenzmodellen etablierter Häuser zu verstecken. Hier ein Direktvergleich:

Das USB-Interface arbeitet standardmäßig mit 24 Bit & 96 kHz. Die Abtastrate kann nicht im laufenden Betrieb geändert werden. Stattdessen muss das Gerät nach der Auswahl der gewünschten Frequenz aus- und wieder eingeschaltet werden. Möchte der DJ den Betriebsmodus von Mac auf PC umschalten, ist zunächst die Computerverbindung zu kappen. Solltet ihr den Mixer auf eine Party schleppen und ihr wollt nicht, dass es bei einem DJ-Wechsel zu musikalischen Pausen kommt, bietet es sich an, die Rahmenbedingungen im Vorfeld zu klären, falls das überhaupt möglich ist.

Effekte
Sicherlich ist der Denon DVS-kompatibel und heutzutage hat jede namenhafte DJ-Software eine mehr oder weniger ausgefeilte Effektsektion an Bord. Wer allerdings mit Schallplatten oder Audio-CDs auflegt, kann diese nicht nutzen. Ein FX-DSP kommt da gerade recht. Insgesamt bringt Denon acht unterschiedliche Programme ins Spiel, darunter die vier Brot & Butter-Effekte Reverb, Flanger, Echo und Delay. Etwas spezieller sind dann schon Loop, Beatbreaker, Beatscratch und Filter. Der Zugang zur FX-Sektion könnte kaum effizienter sein. Per Drehschalter wird ausgewählt, ON schaltet ein, INSERT routet und DRYWET mischt Effekt- und Originalsignal. Die Klangverbieger können den linken und den rechten Kanal attackieren oder auf die Summe abgefeuert werden. Externe werden über die regelbare Effektschleife eingebunden. Zudem steht ein bipolares FX-Filter zur Verfügung. Links Tiefpass, rechts Hochpass, das Frequenzsieb klingt potent. Allerdings hat der DJ keinen Zugriff auf die Resonanz. Wer sie gesondert einsetzen möchte, muss im Vorfeld einen Effekt scharfschalten und diesen auf Null-Prozent Mischung setzen. Da hätten mir getrennt regelbare Filter für jeden Kanal besser gefallen.

Die vorangegangenen Sounds habt ihr wahrscheinlich schon einmal gehört. Die beiden nachstehenden sind schon seltener anzutreffen. Allen voran der Beatbreaker. Er zerlegt den aktuellen Takt in Sechzehntelnoten, die durch zehn werkseitig implementierte Raster neu zusammengesetzt werden können. Frei programmierbare User-Bänke gibt es nicht. Schade. Nichtsdestotrotz ein cooler Effekt.

Loop
Möchte der DJ eine Wiederholschleife einfangen, bestimmt er zuerst die Länge. Ein Tastenhieb auf ON startet die Aufzeichnung. Nun kann der Audiozyklus mithilfe der BEAT-Taster verdoppelt oder halbiert werden, die Wertetabelle reicht von 32 bis ¼ Beat. Wenn der Takt nicht genau getroffen wurde oder der Beatcounter nicht korrekt ausgewertet hat, macht sich das im Mix unter Umständen als Holperer bemerkbar. Daher ist es besser, zunächst mit 100 Prozent WET oder voll DRY zu arbeiten. Zwei Pitchbend-Taster wären in diesem Zusammenhang vielleicht eine sinnvolle Erweiterung. Aber hört selbst.

Timing-Effekte modulieren mit einer Taktung von ¼ bis 32 Beats, bei den gesondert umrahmten Echo-, Delay- und Loop-Effekten reicht das Raster von 1/16 bis zu vier Schlägen. Das kleine rote Lämpchen unterhalb des Displays zeigt den aktuellen Wert an. Die Effekte klingen überwiegend gut und wabern DJ-tauglich im Beat. Schade ist allerdings, dass die Anzeige nicht so groß und informativ ausgefallen ist wie bei den teureren Modellen. Darüber hinaus gibt sie keinerlei Auskunft, welcher Parameter in welcher Intensität gerade zum Zuge kommt. Auch eine Werte-Anzeige für das Kombi-Filter hätte gute Dienste geleistet. Stattdessen wird das gegenwärtige Tempo eingeblendet. Zeitkritische EFX können grundsätzlich aus dem Tritt geraten, wenn automatische Analyseprogramme während der Wiedergabe Werte aktualisieren oder gar gänzlich falsch einschätzen (kommt öfter bei verschachtelten Rhythmen vor), damit hat jedes Mischpult zu kämpfen. Wird der TAP-Knopf mehrfach niedergedrückt, ermittelt der Beatcounter einen Durchschnittswert, der als Synchronisationsgrundlage für die Effektsektion dient. Wird der Button länger als eine Sekunde betätigt, wechselt der Mixer in den Auto-BPM-Modus, der das Tempo des anliegenden Songs einschätzt. Dieser Wert lässt sich via LOCK verriegeln. INPUT-BPM ist die dritte Option im Bunde und lässt eine direkte Eingabe der Geschwindigkeit über die Beat-Taster zu. Damit sollte man doch sicher fahren, oder nicht? Mal sehen.

Ich habe den Geschwindigkeitsmesser zehn Stücke aus unterschiedlichen Genres (Funk, Techno, Jazz, Reggae, Rap) ermitteln lassen. Die Ergebnisse lagen in der Regel ziemlich nah an den Auswertungen von Serato und Traktor. „Geradeaus“-Beats sind innerhalb weniger Sekunden berechnet, jenseits der Geraden kann er schon mal bis zu einer halben Minute benötigen. Wenn die Kickdrum bei Breaks oder Percussion-Einlagen aussetzt, ändert er sporadisch seine Einschätzung, fängt sich aber meist wieder relativ schnell. Das ist nichts Neues bei Hardwareanalysten. Nur in einem Fall wollte sich der Taktomat partout nicht festlegen und zweifelte bis zum Schluss um plusminus vier BPM am 115-er Track-Tempo.

Ein Workaround: Falls der Computer MIDI-Clock-Signale sendet, während der Auto-BPM-Modus aktiv ist, schaltet das Gerät automatisch auf externe Synchronisation um. Auch prima für Ableton, Maschine und Co. Unterm Strich können Umfang, Angebot, Klang und Handhabe der Effektsektion für ein Mischpult dieser Preisklasse gefallen. Unliebsame Partykiller-Sounds zu produzieren ist hier schon fast eine Kunst.

Kompatibilitätsgedöns
Immer mehr Mixer kombinieren interne digitale Signalverarbeitung mit einem USB-Interface. Das hat gerade für Laptop-Jockeys den entscheidenden Vorteil, dass sie beim Eintreffen am Spielort lediglich ihr Notebook anschließen brauchen und zum Beispiel via Timecode ohne lästiges Verkabeln loslegen können. Let the Show begin. Damit die Inbetriebnahme so komplikationslos wie möglich erfolgt, implementiert Denon einen DVS-Modus. Dieser ermöglicht Timecode-gesteuerten Systemen, direkt auf die Hardware zuzugreifen, sodass der Einsatz eines externen Interfaces nicht zwangsläufig nötig ist. Der Teufel steckt aber wie gewohnt im Detail. Machen wir mal das imaginäre Streichholz an, um ein wenig Licht ins Dickicht der Softwarelager zu bringen. Es gibt Tools, die an ein zertifiziertes Interface gebunden sind, und offene Architekturen. Ferner unterscheidet man zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Lösungen. Traktor Scratch Pro und Serato Scratch Live sind zwei sehr beliebten Timecode-basierte Systeme, die an Native-Instruments, respektive Ranes Soundkarten gekoppelt sind. DJs, die mit diesen Programmen arbeiten und Steuermedien nutzen, müssen zusätzlich ihr Audio4, Audio8, Rane SL1 oder SL3-Interface anschließen und die zeitcodierten Signale nach der Verarbeitung als MP3-Playout an den Mixer weiterleiten.

Zu den zwar kostenpflichtigen, aber Hardware- und Timecode-offenen Programmen gehören traditionell Deckadance, Virtual DJ und Mixvibes. Fast fünf Jahre nach der Erstauslieferung hat man nun auch Torq die Daumenschrauben gelöst. Die in verbliebenen Fankreisen lang erwartete 2.0 ist als Public-Demo erhältlich. Neu ist hier die Möglichkeit, auch ohne M-Audio-Hardware zu spielen, also auch via Denons X600. Welche Software letztendlich auch zum Einsatz kommt, ist Geschmackssache – vielleicht sogar eine Freeware wie Mixxx. Das Setup gestaltet sich weitestgehend unkompliziert. Zunächst wird der gewünschte Zuspieler angeschlossen, das Mischpult auf PC- oder MAC-Betrieb eingestellt und die Input-Matrix auf DVS gedreht. P steht für Phono, C für CD. Ist die Auswahl getroffen, ist im DJ-Programm lediglich noch der X600 als Audiointerface auszuwählen und das Routing der Ein-und Ausgänge vorzunehmen. In der Regel bedeutet dies, Kanal eins für Deck-A und Channel zwei für Deck-B. On-the-fly-Wechsel zwischen einem Notebook-DJ und analogen Plattenschubsern oder CD-Jockeys sind ohne Schwierigkeiten durchzuführen, denn der Laptop-Artist kann auf einem Kanal seine letzte Scheibe spielen, während der Kollege bereis auf dem anderen Bus einpegelt. Für Scratch-Live und TSP-Nutzer trifft das in ähnlicher Weise zu. Kommt allerdings ein weiteres Notebook zum Set und möchte ebenfalls das interne Interface nutzen, muss während des An- und Abstöpselvorganges improvisiert werden. Im DVS-Modus habe ich das Interface mit einer Latenz von 4 Millisekunden betrieben, ohne dabei Aussetzer zu produzieren. Wenn man nicht unbedingt ein Hardcore-Scratcher ist, kann man mit diesen kaum wahrnehmbaren Verzögerungen sicherlich gut arbeiten.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hohe Audioqualität
  • Satter Kopfhörerverstärker
  • Integriertes USB-Audiointerface
  • Input Matrix mit DVS-Modus
  • Robuste Verarbeitung
  • Gut klingender Effekt-DSP mit Kombi-Filter
  • Kompatibel zu vielen DJ-Softwares

  • Etwas kleines Display
  • Zu starker Cut bei den Gain- und EQ-Reglern
  • Wenig digitale Einstellmöglichkeiten
  • Position der Cue-Buttons

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