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03.04.2020

Der Unterschied zwischen Dur und Moll in der Musik Workshop

Welches Tongeschlecht für welchen Ausdruck in der Musik verwenden?

Wie man Dur und Moll für das Ausdrücken von Stimmungen und Gefühlen in der Musik verwendet und was noch dazu gehört.

Dur und Moll – die zwei Pole der Musik. So gut wie jeder hat diese Begriffe schon einmal gehört. Und den meisten ist auch klar, dass wir damit verschiedene Gefühle verbinden. Aber wie lässt sich dieses Wissen einsetzen, wenn man einen Song auf dem Klavier komponieren möchte? Und wie setzen es andere Komponisten ein? 

In unserem Workshop lernst du alles über dieses Thema und erhältst viele praktische Tipps, wie du die Tongeschlechter Dur und Moll, und somit unterschiedliche Stimmungen in deinen Kompositionen ausdrücken kannst.

Quick Facts: Dur | Moll

Wodurch unterschieden sich Dur und Moll?

Dur und Moll sind die beiden Pole der Musik, auch Tongeschlechter genannt, vergleichbar zum Beispiel mit den Begriffen hell und dunkel. Beide Tongeschlechter lassen Kompositionen in einem bestimmten Licht erscheinen. Dadurch vermittelt die Musik dann völlig unterschiedliche Stimmungen.

In der Regel wird Dur als fröhlich und Moll als traurig bezeichnet, was grundsätzlich auch richtig ist. Allerdings lassen sich damit noch viele andere Stimmungen erzeugen, die dann nicht nur durch die verwendeten Töne, sondern auch davon abhängig sind, wie man sie spielt, und in welchem Tempo sie gespielt werden. Tonleitern, Tonarten und Akkorde können Dur oder Moll sein. Beide Varianten unterscheiden sich nur durch eine Kleinigkeit im Aufbau des Akkordes: Dur verwendet eine große Terz, Moll eine Kleine, dadurch kommt der unterschiedliche Klangcharakter zustande.

Dur und Moll, ungleiche aber sich ergänzende Partner

Jeder Pianist kennt die C-Dur-Tonleiter, denn damit fängt man beim Klavier spielen immer an. Sie ist am Klavier deshalb so leicht, weil sie beim 'C' beginnt und nur mit den weißen Tasten gespielt wird. Notiert sieht sie so aus. 

So klingt die C-Dur-Tonleiter:

Wo Dur ist, ist auch Moll nicht weit. Deshalb gibt es auch die C-Moll-Tonleiter. Die sieht dagegen so aus. 

So klingt die C-Moll Tonleiter:

Wie sind Dur- und Moll-Tonleitern aufgebaut?

Hast du den Unterschied gehört und gefühlt? Der erste Eindruck: Dur erscheint eher hell oder fröhlich, Moll dagegen eher dunkel oder traurig. Musiktheoretisch unterscheiden sich die beiden Tonleitern darin, wie sie aufgebaut, bzw. wie die einzelnen Tonschritte angeordnet sind.

Eine Dur-Tonleiter nach folgendem Schema aufgebaut:

Grundton – 1 – 1 – ½ - 1 – 1 – 1 – ½ 

Die 1 steht für einen Halbtonschritt, ½ dagegen für einen Halbtonschritt.

Bei der Moll-Tonleiter finden wir diesen Aufbau:

Grundton – 1 – ½ – 1 - 1 – ½ – 1 – 1 

Was gibt es sonst noch in Dur und Moll?

Aber nicht nur Tonleitern können in Dur und Moll stehen. Wie du sicher weißt, besteht ein Akkord aus dem ersten, dritten und fünften Ton der gleichnamigen Tonleiter. So gibt es also auch einen C-Dur- und einen C-Moll-Akkord.  

Dur und Moll Akkorde unterscheiden sich durch ihren Aufbau: Beim Dur-Akkord besteht der erste Schritt aus vier Halbtonschritten, der zweite dann aus drei Halbtonschritten. Beim Moll-Akkord ist es genau umgekehrt. 

Soviel zur Theorie. Diese Themen kannst du mit unseren Artikeln Tonleitern auf dem Klavier herausfinden und unserem 1x1 der Akkorde weiter vertiefen. Wir schauen uns jetzt an, wie die beiden Tongeschlechter in Kompositionen eingesetzt werden.

Klangunterschied: Dur vs. Moll

Die meisten unter uns verbinden mit ‚Dur‘ eine fröhliche und heitere Stimmung. Dieser Ausdruck gilt z. B. für die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Das ist das Thema, also die eigentliche Melodie, aus seinen zwölf Variationen in C-Dur über das Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“.

Dieses Stück klingt positiv und beschwingt. Unser Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ geht auf dieses französische Lied zurück, und auch das ist ein Beweis für den fröhlichen Charakter dieser Melodie, denn dafür würde man keine düstere oder traurige nutzen. Später in einer der Variationen greift Mozart dann aber auf Moll zurück. Das Ganze klingt dann so.

Im Vergleich zu Dur hört man deutlich den düsteren Charakter, auch wenn diese Variation eigentlich gar nicht traurig klingt. Eher dunkler oder besorgt.

Als nächstes untersuchen wir noch ein Klavierstück von Franz Schubert, nämlich das dritte Impromptu (D 935). Auch hier handelt es sich um ein Thema mit Variationen.    

Auch dieses Stück klingt definitiv vergnügt, optimistisch und auch ein bisschen glücklich. Zum Vergleich jetzt die dritte Variation in B-Moll.  

Hier hört man wieder den Unterschied zu Dur sehr deutlich. Diesen Klang könnte man als bedrückt oder bekümmert beschreiben, durch die vielen Noten in der linken Hand vielleicht auch gehetzt. Wirklich traurig klang aber auch dieses Stück nicht wirklich.

Wir konnten feststellen, dass der Unterschied zwischen Dur und Moll deutlich zu hören ist, besonders im direkten Vergleich. Aber Dur klingt offensichtlich nicht automatisch immer fröhlich, und Moll nicht immer traurig. Wir mussten zum Beschreiben der gehörten Klänge und der dabei vermittelten Stimmungen wesentlich mehr Begriffe nutzen, um den jeweiligen Klang genau beschreiben zu können.

Weitere Klangfacetten von Dur und wie sie erzeugt werden

Schauen wir uns in der Musikwelt nach weiteren Klangfacetten und Stimmungen um, die über Dur und Moll erzeugt oder hervorgebracht werden können. Wir gehen dazu noch einmal zu Mozart und hören uns nun eines seiner allerersten Stücke an, nämlich ein Allegro mit der Verzeichnisnummer 1c.

Dieses Stück klingt nun definitiv fröhlich und beschwingt, kein Wunder, denn es wurde von einem Kind komponiert. Und besonders interessant ist für uns Komponisten natürlich, wie Mozart diese Wirkung erreicht. Zum einen basiert das Stück ausschließlich auf Dur-Akkorden und nutzt ausschließlich Töne der F-Dur-Tonleiter. Zum anderen verstärkt das zügige Tempo den fröhlichen Charakter. Ebenfalls ist das Stück recht hoch notiert, auch das wirkt freundlicher. Zusätzlich werden alle Töne abgesetzt, also nicht gebunden. Dadurch sind alle Töne kürzer und tragen somit zum fröhlichen Charakter bei. Beim Erzeugen einer Stimmung ist es also offensichtlich auch wichtig, wie man die Töne spielt und welches Tempo man wählt.

Das überprüfen wir jetzt mit einem weiteren Stück in Dur, dieses Mal von Johann Sebastian Bach.  

Obwohl dieses Präludium ebenfalls in Dur steht, vermittelt es einen völlig anderen Charakter. Es klingt getragen, entspannt und gütig. Die Töne werden gebunden und auch das Tempo ist viel ruhiger. Dur ist also nicht immer gleich Dur. Wie verhält es sich wohl mit Moll?

Klangfacetten von Moll und wie sie erzeugt werden

Nun also zu Moll und seinen Klangfarben. Zuerst hören wir den zweiten Satz aus der Klaviersonate in A-Dur von Franz Schubert. 

Dieses Stück klingt absolut traurig. Schubert greift auf das sogenannte harmonische Moll zurück, bei dem die siebte Stufe der Tonleiter um einen Halbton erhöht wird. Deshalb sehen wir in der linken Hand den Ton E-is (E# = F | enharmonische Verwechslung). Diese Moll-Tonleiter klingt an sich schon dramatischer. Außerdem sind sowohl die Melodie in der rechten und die Begleitung in der linken Hand sehr repetitiv, das ist typisch für traurige Stücke. Last but not least wurde ein sehr langsames Tempo gewählt. Das verstärkt das Gefühl der Traurigkeit enorm. Aber wie kann Moll noch klingen?

Auch dieses Präludium von Bach ist sehr berühmt. Aber obwohl es in C-Moll steht, besitzt es im Vergleich wieder einen völlig anderen Charakter. 

Durch die durchgängige Sechzehntel-Bewegung und das schnelle Tempo klingt es gehetzt oder getrieben, durch die tiefe Lage etwas bedrohlich. Und auch hier verschärft die harmonische Moll-Tonleiter den Klang, was besonders gut in Takt drei durch das ‚H‘ in der rechten Hand zu hören ist. Dieses Moll-Stück klingt eher nach einer gehetzten Verfolgungsjagd.

Zum Schluss nun noch ein Beispiel von Sergej Rachmaninow, das Prelude op. 23 No.5.    

Und auch hier begegnet uns eine ganz andere Klangfacette von Moll. In diesem Stück werden fast nur kurze Töne verwendet. In Moll geschrieben, wirkt das Stück niedergeschlagen oder verzweifelt, hat aber gleichzeitig aber auch etwas Lustiges und Vergnügtes und wirkt durch die straffe Begleitung außerdem noch leicht gehetzt bzw. angeheizt.  

Worauf kommt es beim stimmungsvollen Komponieren an?

Beim Komponieren von Klavierstücken und damit verbundenen Stimmungen kommt es also nicht nur auf die verwendeten Töne und Tonleitern an, auch alle anderen musikalischen Parameter sind wichtig. Dur ist nicht gleich Dur, und Moll nicht gleich Moll. Ein langsames Tempo unterstützt eher einen traurigen, ein schnelles Tempo mehr einen fröhlichen Charakter. Kurze Töne wirken lustig und frech, lange und gebundene Töne getragen und beruhigend. Hohe Töne verbinden wir mit einer positiven Stimmung, tiefe Töne eher mit einer negativen. Durch die Mixtur all dieser musikalischen Mittel lassen sich noch viele weitere Klangeffekte und Stimmungen in einer Komposition erzeugen.   

Wie komponiert man ein eigenes Stück?

Für eine eigene Komposition und von Rachmaninow inspiriert, werde ich ein grundsätzlich positives und freundliches Stück aufbauen, das aber auch auf dunklere Klangfärbungen enthält. Dazu nutze ich verschiedene Moll-Harmonien und auch die Moll-Parallele, da diese eine völlig andere Klangwelt eröffnet.

Kennst du den Begriff Moll-Parallele?

Was versteht man unter Dur- und Moll-Parallele?

Jede Dur-Tonleiter hat eine Moll-Parallele. Das bedeutet, dass diese Tonart genau die gleichen Vorzeichen aufweist und selbst die gleichen Töne nutzt. Lediglich der Startton ist ein anderer. Hier kannst du das am Beispiel von C-Dur und dessen paralleler Moll-Tonart A-Moll sehen. 

Da so auch die Akkorde C-Dur und A-Moll parallel sind, können sie gegenseitig ausgetauscht werden, man spricht in der Musik von einem Substitut, also: Ein Akkord ersetzt an einer Stelle den anderen Akkord. Damit kann man ganz leicht neue Klangfarben in ein Stück bringen und somit natürlich ganz andere Stimmungen erzeugen. Zum Beispiel ist so in einem heiteren Stück ganz leicht die Stimmung des Zweifels unterzubringen. Hier nun mein Stück in D-Dur.

In dieses grundsätzlich heitere Stück habe ich durch die Moll-Parallele auch dunklere Farben einbauen können. In der Mitte fällt diese noch nicht besonders auf, aber besonders mit dem letzten Akkord am Ende der Komposition, hinterlässt sie quasi einen faden Beigeschmack und man ist sich als Hörer plötzlich nicht mehr ganz so sicher, wie man sich fühlen soll. 

Aber nicht nur der letzte Akkord war besonders. Ich habe noch einen weiteren Moll-Akkord in das Stück eingebaut. Hast du ihn bemerkt? 

Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Moll-Subdominante. Das ist ein Begriff aus der Welt der musikalischen Funktionen und Kadenzen. Wenn du auf jedem Ton einer Dur-Tonleiter einen Akkord aufbaust, findest du auf dem vierten Ton die Subdominante. Das ist eigentlich nur ein anderer Name für den Begriff Akkord auf der vierten Stufe. Dadurch wird dem Akkord eine Funktion zugeteilt: Die Subdominante. 

Nimmst du als Basis hingegen eine Moll-Tonleiter, steht aufgrund der Tonschritt-Zusammensetzung einer solchen auch die Subdominante in Moll. 

In unserem Fall heißt der Akkord G-Moll und hat eigentlich gar nichts in einem Stück in D-Dur zu suchen. Ich habe ihn aber quasi einfach kurz ausgeliehen. Mit diesem Trick konnte ich schon wieder eine „seltsame“ Stimmung in einem sonst heiteren Stück erzeugen.

Und auch mit dem langsamen Tempo hatte ich bereits erste Zweifel beim Hörer hinterlassen, denn sehr langsame Tempi passen sowieso eher zu Stücken in Moll, wie wir bereits vorher festgestellt haben.  

Schlusswort

In der Musik lässt sich hervorragend mit verschiedenen Stimmungen spielen, was nicht bedeuten muss, dass du keine Stücke komponieren solltest, die einfach nur heiter oder nur niedergeschlagen klingen. Der besondere Reiz allerdings liegt darin unterschiedliche Stimmungen miteinander zu mischen, was zu eindrucksvollen Klangfärbungen und besonderen Kompositionen führt. Kleiner Tipp: Versuche immer, die angestrebte Stimmung so genau wie möglich für dich zu definieren, und vergiss Dur immer mit fröhlich und Moll mit traurig zu beschreiben. Dazwischen gibt es noch viele weitere Stimmungen, so, wie im Leben, die du in deine Klavier-Kompositionen einbauen kannst. Probiere es mal aus.

Weitere wertvolle Tipps rund um das Klavier spielen findest du hier:

Veröffentlicht am 03.04.2020

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