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24.05.2016

Die 10 größten Fehler bei der Equalizer-Nutzung

…und Tipps, wie man den EQ richtig bedient.

Das Equalizer-Kompendium

Euer Mix klingt matschig und undifferenziert, der Spirit kommt nicht 'rüber und eure Hörer sind nur mäßig begeistert. Woran liegt es? Eine Ursache könnte der falsche Equalizer-Einsatz sein: Durch den Matsch im Mix hat der Hörer keine Chance, die einzelnen Instrumente genau herauszuhören.

In diesem Tutorial zeigen wir euch, wie ihr die 10 größten Fehler vermeidet, die euch beim Einsatz von Equalizer und Filter unterlaufen können. Dabei lernt ihr: Wie unterdrückt man störende Frequenzen? Was kann man tun, um das jeweilige Instrument in der Mischung hervorzuheben? Diesen und anderen Fragen werden wir auf den Grund gehen und euch zeigen, wie ihr euren Track durch Frequenzbearbeitung veredeln könnt.

Fehler 1: Ihr kennt die Funktionen der Equalizer-Elemente nicht

Im Kanalzug eines Mischpults seht ihr in der Regel mehrere Klangregel-Elemente, die unterschiedliche Funktionen haben. Neben dem Hochpassfilter sowie einem oder mehreren parametrischen Mittenreglern findet ihr meist zwei Shelving-Equalizer für die Bearbeitung der Bässe und Höhen. Um den Equalizer optimal nutzen zu können, schauen wir uns die Equalizer-Typen einmal näher an. Los geht's mit dem Hochpassfilter, auch Low Cut genannt, das die tiefen Frequenzen unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz absenkt. Meist liegt diese bei etwa 80 Hz, um Rumpelgeräusche, die durch Körperschall entstehen, von der Aufnahme fernzuhalten. Bei Instrumenten, die keine Signalfrequenzen unterhalb von 80 Hz aufweisen, empfiehlt es sich, das Trittschallfilter bei Mikrofonaufnahmen generell einzuschalten.

Ein weiteres Equalizer-Element, das fast jedes Mischpult und jede DAW an Bord hat, ist der parametrische Mittenregler. Der vollparametrische Mitten-EQ weist drei Regler auf: Einen Mittenfrequenz-, den Cut-Boost- sowie den Bandbreiten-Regler. Mit Hilfe des Frequenzreglers könnt ihr die Mittenfrequenz eurer Glocke einstellen. Der Cut-Boost-Regler dient dem Anheben oder Absenken der angewählten Frequenz, mit dem dritten Regler stellt ihr die Bandbreite ein und bestimmt dadurch die Breite der Glocke. Häufig wird die Bandbreite auch als Filtergüte Q (Q von Quality) angegeben, wobei eine geringe Filtergüte einer großen Bandbreite entspricht. Der vollparametrische Mittenregler wird gerne genutzt, um gezielt Frequenzen abzusenken - mit ihm könnt ihr so zusagen chirurgische Eingriffe in das Frequenzspektrum durchführen. In den folgenden Abbildungen seht ihr den vollparametrischen Mittenregler einmal mit großer und mit kleiner Bandbreite.

Ein weiterer Equalizertyp, den ihr häufig im Mischpult-Kanalzug seht, ist der Shelving-EQ. Im Unterschied zum parametrischen Mittenregler bearbeitet der Shelving Equalizer das komplette Frequenzband oberhalb oder unterhalb der Einsatzfrequenz. Diese ist bei kleinen Analogpulten häufig fest eingestellt: Während die Einsatzfrequenz des Low Shelf häufig bei 80 Hz liegt, sind dies beim High Shelf meist 12 kHz. Der Shelving Equalizer ist im Gegensatz zum parametrischen Mittenregler ein relativ grobes Werkzeug. Aus diesem Grund eignet er sich nicht so gut für die gezielte Bearbeitung von Störfrequenzen, sondern eher für das "Sweetening" des Audiosignals. Damit ist das Aufpolieren des Signals durch Anheben der charakteristischen Frequenzen gemeint. Mit dem Höhen-Shelf könnt ihr beispielsweise den Vocals etwas mehr Glanz in den Höhen geben. Ihr dreht einfach den Höhenregler ein wenig auf, beispielsweise um 3 dB oder auch deutlich mehr. Im ersten Hörbeispiel findet ihr die unbehandelten Vocals und im zweiten Hörbeispiel die Vocals, bearbeitet mit einem High Shelf, der oberhalb von 5 kHz um 10 dB angehoben wurde.

Fehler 2: Ihr senkt die störenden Resonanzfrequenzen nicht ab

Als tontechnischer Laie versucht man häufig, durch massives Anheben von Frequenzen der Stimme oder dem Instrument mehr Ausdruck zu verleihen. Mit dieser Art des Equalizer-Einsatzes könnt ihr durchaus den gewünschten Erfolg erzielen, aber die weitaus wichtigere Maßnahme ist das Aufstöbern und Absenken von störenden Resonanzfrequenzen. Jedes schwingungsfähige System - also auch Musikinstrumente und Mikrofone - weisen Resonanzfrequenzen auf. Wenn das System durch einen Impuls angeregt wird, dann schwingt es mit der Eigenresonanz weiter, auch wenn der Anregungsimpuls schon abgeklungen ist. Diese Resonanzfrequenz ist kein Bestandteil des übertragenen Signals und wirkt sich störend auf den Gesamtklang aus. Darüber hinaus entwickeln Resonanzfrequenzen sehr viel Energie und überdecken dadurch eventuell wichtige Frequenzanteile des Nutzsignals. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ihr die störenden Resonanzen in euren Signalen sucht und ein wenig bedämpft.

Um die Resonanzfrequenzen zu finden, müsst ihr den Kanal, den ihr zuerst bearbeiten wollt, solo schalten. Meist ist das die Bassdrum, aber ihr könnt auch mit irgendeinem anderen Kanal anfangen. Nun dreht ihr den Cut-Boost-Regler eures Equalizers auf eine Anhebung von 6 bis 10 dB und wählt eine relativ schmale Bandbreite, sodass ihr nur einen begrenzten Frequenzbereich anhebt. Daraufhin fahrt ihr mit dem Frequenzwahlregler durch den betreffenden Frequenzbereich, so dass ihr die Mittenfrequenz - also die Frequenz, bei der die höchste Anhebung erreicht wird - von tiefen zu hohen Frequenzen verschiebt. Dort, wo es unüberhörbar stark dröhnt oder wummert, liegt eine Resonanzfrequenz, die ihr nun ein wenig absenkt. Meist genügt eine Absenkung von 3 bis 6 dB, um die Resonanz etwas zu bedämpfen, ohne dem Signal die Substanz zu nehmen.

Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum die Störfrequenzsuche mit einer Anhebung, und nicht gleich mit der Absenkung der betreffenden Frequenz durchgeführt wird. Die Antwort ist ganz einfach: Das menschliche Gehör reagiert auf Frequenzanhebungen wesentlich empfindlicher als auf Absenkungen. Ihr könnt also die Nerv-Frequenzen deutlich besser identifizieren, indem ihr sie zuerst boostet. Im Hörbeispiel hört ihr die Stimme, so wie sie mit dem Mikro aufgenommen wurde. In nachfolgenden Beispiel wurde die Resonanz bei 650 Hz um 20 dB angehoben und ihr könnt einen nasalen Beiklang hören, der sehr durchdringend ist. Das letzte Hörbeispiel demonstriert euch, wie die Vocals klingen, wenn die Resonanz bei 650 Hz um 9 dB abgesenkt wird.

Fehler 3: Ihr hebt Frequenzen an, die andere Instrumente verdecken

Wenn ihr bei einem Signal Frequenzen massiv reindreht, kann es sein, dass andere Instrumente verdeckt werden. Das beste Beispiel sind Synthesizer-Sounds mit vielen Mittenfrequenzen und die E-Gitarre. Beide Instrumente kämpfen um die Aufmerksamkeit des Hörers und konkurrieren miteinander im selben Frequenzraum. Wenn ihr nun dem Synthesizer besonders viele obere Mitten bei 2 bis 4 kHz gebt, dann wird dieses Signal natürlich deutlicher wahrgenommen. Aber gleichzeitig überdeckt ihr mit dieser Maßnahme eventuell die Gitarre oder andere Instrumente. Möglicherweise klingt der Synthie dann auch spitz oder schrill - deshalb solltet ihr immer erst einmal versuchen, Klarheit und Durchsichtigkeit in eure Mischung zu bekommen. Und das geht nun einmal am besten mit der Maßnahme, die wir im vorigen Abschnitt besprochen haben - durch Absenkung der nervigen Frequenzen.

Fehler 4: Ihr achtet nicht auf Frequenzstaffelung

Beim Hören natürlicher Schallquellen können wir die Signale immer dann am besten voneinander unterscheiden, wenn sie aus unterschiedlichen Richtungen kommen und Klangunterschiede aufweisen. Was im realen Schallfeld dreidimensional abläuft, müsst ihr in eurer Mischung in zwei Dimensionen quetschen. Für die Anordnung der Instrumente im Raum stehen euch lediglich das Stereopanorama und die Tiefenstaffelung zur Verfügung.

Besonders problematisch wird es bei Instrumenten wie Bass und Bassdrum, da diese meist in der Stereomitte angeordnet werden und beide einen ähnlichen Frequenzbereich belegen. Durch den Verdeckungseffekt wird das leisere vom lauteren Instrument übertönt. Die Folge ist, dass keines der beiden Signale richtig prägnant herauszuhören ist, wodurch es zu einem schwammigen, matschigen Klangbild kommt. Nehmen wir an, die Resonanzfrequenz der Bassdrum liegt bei 80 Hz und der Bass hat eine charakteristische Frequenz bei 60 Hz. Es entsteht ein wummeriger Klangbrei im Bassbereich, aus dem man weder den Anschlag der Bassdrum noch die Grundtöne des Bassisten richtig heraushören kann.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, jedem Instrument seinen eigenen Frequenzraum zuzuweisen. Im oben angeführten Beispiel mit Bassdrum und Bass kann man nun beim Bass die 60Hz-Frequenz etwas bedämpfen und stattdessen beispielsweise bei 50 Hz etwas anheben. Bei der Bassdrum wiederum wird bei 80 Hz etwas abgesenkt und dann beispielsweise 100 Hz etwas angehoben. Doch Vorsicht: Diese Equalizer-Einstellungen gelten nur beispielhaft und führen nicht bei jeder Mischung zum Ziel! In einer Tabelle haben wir die charakteristischen Frequenzen für die wichtigsten Instrumente für euch zusammengetragen. Diese Frequenzen solltet ihr tendenziell anheben, also betonen. Andere, sozusagen unwichtige Frequenzen könnt ihr bedämpfen, um so Platz für die anderen Signale im Mix zu schaffen.

Ideal ist es, wenn ihr den gesamten Frequenzraum gleichmäßig ausfüllt und keine Überbetonungen in den Bässen, Mitten oder Höhen auftreten. Hier hilft ein Analyzer weiter, der euch die Frequenzverteilung in eurer Mischung anzeigt. Außerdem solltet ihr beim Mischen auch ab und zu eine Vergleichsproduktion auf die Abhöre legen. So bekommt ihr unausgewogene EQ-Einstellungen am besten mit, die dem Gehör nicht auffallen, wenn man sich stundenlang nur mit der eigenen Mischung beschäftigt.

Charakteristische Frequenzen:

Vocals:

  • Frequenzbereich: ca. 80 Hz bis 12 kHz
  • Sprechton-Grundfrequenz Männer: ca. 120 Hz
  • Sprechton-Grundfrequenz Frauen: ca. 240 Hz
  • Konsonanten: ca. 1,5 bis 6 kHz
  • Zischlaute: ca. 5 bis 8 kHz

Drums:

  • Bassdrum-Kesselresonanz: ca. 50 bis 150 Hz
  • Bassdrum-Kickfrequenz: ca. 1 bis 4 kHz
  • Snare-Sustain: ca. 80 bis 500 Hz
  • Snare-Teppich: Obertöne bis ca. 12 kHz
  • Hihat: Obertöne bis 15 kHz und mehr
  • Toms Sustain: ca. 70 bis 120 Hz
  • Toms Anschlaggeräusch: bis ca. 7 kHz
  • Becken: Obertöne bis 20 kHz und mehr

Akustikgitarre:

  • Grundtöne: 82 bis 1174 Hz
  • Obertöne: bis ca. 12 kHz

E-Gitarre über Amp:

  • Grundtöne: 82 bis 1174 Hz
  • Obertöne bis ca. 7 kHz

E-Bass (viersaitig):

  • Grundtöne: 41 bis 343 Hz
  • Obertöne: bis ca. 5 kHz

Um euch die Auswirkungen von Frequenzbereinigung und -staffelung zu demonstrieren, hört ihr in den Hörbeispielen 6 und 7 eine Rohmischung sowie die Mischung mit Equalizer-Einsatz. Hörbeispiel 6 ist eine Mischung mit Drums, Bass, Gitarre und Synthesizer ohne Equalizer-Behandlung. In Hörbeispiel 7 wird dieselbe Sequenz durch den Einsatz von Equalizern klarer und durchsichtiger. Ein kleiner Tipp: Wenn ihr diese beiden Mischungen über Studio-Monitore abhört, werden die Unterschiede noch deutlicher als über die Bordlautsprecher eures Laptops oder Smartphones.

Fehler 5: Ihr setzt den Equalizer nicht dezent genug ein

Der Equalizer, auch Entzerrer genannt, wurde ursprünglich in erster Linie für die Korrektur von Verzerrungen genutzt, die dem Signal beim Aufnahmeprozess zugefügt wurden. Es lohnt sich, wenn ihr euch an diese "alten Tugenden" erinnert. Durch allzu drastischen EQ-Einsatz könnt ihr euren Mix auch schnell "verschlimmbessern". Generell gilt: Wenn ihr bei der Aufnahme des Signals nicht sauber arbeitet, dann wird es durch massiven Equalizer-Einsatz auch nicht besser. Deshalb solltet ihr sowohl beim Absenken kritischer Frequenzen als auch beim Anheben charakteristischer Signalanteile eher dezent verfahren. Ansonsten nehmt ihr dem Signal zu viel von seiner Substanz oder bewirkt, dass es sich unnatürlich anhört. Natürlich könnt ihr den Sound durch drastischen Einsatz von EQ und Filter auch bewusst verbiegen - die Telefonstimme mit einer Anhebung von 300 Hz bis 3 kHz ist ein gutes Beispiel dafür. Auch einem etwas langweiligen Synthesizer-Teppich kann durch die Filterfahrt eines steilflankigen Bandpassfilters mehr Leben eingehaucht werden.

Aber diese Art des Equalizer-Einsatzes fällt eher unter die Kategorie "Sounddesign" und sollte daher die Ausnahme und nicht die Regel sein. Es ist halt wie bei jedem Effekt: Er nutzt sich schnell ab, wenn er übermäßig dosiert wird. Wenn ihr bei der Entzerrung der Einzelsignale häufig zu solch drastischen Filter- und Equalizer-Einstellungen greifen müsst, damit sich die Signale vernünftig anhören, dann solltet ihr darüber nachdenken, ob bei der Aufnahme irgendetwas schief gelaufen ist. In der Regel macht es deshalb Sinn, die Auswirkungen eurer EQ-Einstellungen durch das Umschalten auf Bypass zu überprüfen.

Fehler 6: Ihr übertreibt es mit den hohen Frequenzen

Die Stimme soll möglichst weit vorn im Mix zu hören sein, das Gitarrenriff soll präsent und prägnant klingen und die Snare soll sich dem Hörer in die Gehörgänge fräsen. Also überall ein paar Höhen rein, oder? Eine Auswirkung von zu viel Höhen in der Stimme ist häufig, dass die Zischlaute zu stark angehoben werden. In diesem Fall sind die S-Laute überdeutlich zu hören und fallen dann unangenehm auf. Auch die Schlagzeugbecken klingen bei zu vielen Höhen eher schrill und der ganze Mix wirkt dann schnell unausgewogen und scharf. Aus diesem Grund solltet ihr davon Abstand nehmen, allen Instrumenten mit dem High-Shelf hohe Frequenzen beizusteuern. Schaltet das jeweilige Signal solo und hört euch die Auswirkungen einer dezenten Höhenanhebung mit Hilfe des parametrischen Equalizers an. Dann bekommt ihr auch mit, ob die Stimme anfängt zu zischeln oder die Gitarre auf einmal zu sehr sägt.

Fehler 7: Ihr hebt Frequenzen an, die im Nutzsignal nicht vorhanden sind

Wenn ihr bei einer Bassdrum 12 kHz reindreht, dann wird nicht viel passieren, jedenfalls nichts, was den Sound der Kickdrum verändert, da das Instrument in dieser Frequenzregion keine relevanten Signalanteile hat. Ihr könnt halt nur Frequenzen anheben, die im Originalsignal auch vorhanden sind. Nun wäre es ja eigentlich nicht so schlimm, wenn der Equalizer so zusagen im Leerlauf vor sich hin arbeitet. Leider handelt ihr euch dadurch jedoch Rauschen und Verzerrungen ein, da ihr den Rauschteppich des Signals mit anhebt. Außerdem verschenkt ihr so ein Frequenzband für unnötige EQ-Arbeit, das ihr eventuell für andere Aufgaben dringender gebrauchen könntet. Darüber hinaus ist es sinnvoll, wenn ihr euch bewusst macht, welche Frequenzanteile in den jeweiligen Signalen eine Rolle spielen. Mit diesem Wissen werdet ihr automatisch nur die Frequenzen bearbeiten, die im Originalsignal auch tatsächlich vorhanden sind.

Fehler 8: Massiver EQ-Einsatz bei der Aufnahme

Eure Mikrofonsignale bilden sozusagen das Rohmaterial für die Nachbearbeitung und Mischung. Je besser also das Rohmaterial, desto leichter werdet ihr eine gute Mischung hinbekommen. Wenn sie bei der Aufnahme das Gefühl haben, dass die Vocals zu matt klingen oder die Snare nicht richtig knallt, drehen viele Tontechnik-Laien gerne mal die Höhen hinein. Dadurch wird die Snare jedoch leider nicht besser - es werden lediglich die Fehler, die bei der Aufnahme entstehen, übertüncht. Aus diesem Grund solltet ihr beim Recording-Prozess möglichst ganz ohne EQ-Einsatz auskommen. Lieber vielleicht nochmal ein anderes Mikro ausprobieren oder etwas anders positionieren, um dem gewünschten Sound näher zu kommen.

Wenn ihr euch sicher seid, wo die Reise hingehen soll, dann macht es manchmal Sinn, das Aufnahmesignal technisch zu entzerren - also einen Low Cut zu setzen, um den Trittschall herauszufiltern und eventuell die nervige Resonanzen bedämpfen. Dies solltet ihr jedoch nur dann tun, wenn ihr schon ein wenig Erfahrung habt und euch sicher seid, dass ihr das Frequenzmaterial bei der Mischung nicht mehr braucht. Denkt daran: Frequenzen, die ihr bei der Aufnahme herauszieht, könnt ihr beim Mix nicht mehr hineindrehen! Ihr habt bei der Nachbearbeitung und Mischung wesentlich mehr Muße für die Arbeit mit dem Equalizer, während es bei der Aufnahme häufig hektisch zugeht und der Focus nicht auf der Feinarbeit mit den Frequenzen liegt.

Fehler 9: Ihr setzt den grafischen Equalizer falsch ein

Der grafische Equalizer ist ein Werkzeug, das eher für die Entzerrung von Beschallungsanlagen als für das Entzerren eines Einzelsignals gedacht ist. Seinen Namen hat der grafische Equalizer daher, weil man auf einen Blick sehen kann, wie die grobe Einstellung der Frequenzkurve aussieht. Der Terzbandequalizer weist 31 Frequenzbänder auf, die mit je einem Regler angehoben oder abgesenkt werden können. Im Unterschied zum parametrischen EQ könnt ihr also die Mittenfrequenzen eines Graphic EQ nicht verschieben und individuell auf eine bestimmte Frequenz einstellen. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, zielsicher die Frequenz zu treffen, die bearbeitet werden muss - man behilft sich meist so, dass man mehrere nebeneinander liegende Bänder wie eine kleine Senke anhebt oder absenkt. Einen weiteren entscheidenden Nachteil haben analoge Grafische Equalizer: Wenn man diese in den Signalweg einschleift, dann wird das Signal durch 31 Filternetzwerke hindurch geführt - man kann die Bänder ja nicht einzeln abschalten. Und damit addieren sich Rauschbeitrag, Verzerrung, Phasenfehler und dergleichen dieser Bänder auf und finden sich dann im Kanalsignal wieder. Live-Tontechniker nutzen den Graphic EQ, um die Saalanlage auf den Raum hin zu entzerren oder um Koppelfrequenzen in den Bodenmonitoren abzusenken. Als Aufnahme-Tool ist der Grafische Equalizer jedoch eher ungeeignet.

Fehler 10: Ihr orientiert euch bei der EQ-Einstellung zu sehr an der grafischen Darstellung

Durch die digitale Verarbeitung des Audiosignals stehen uns Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung, an die wir in der analogen Ära nicht im Traum gedacht haben. Die Digitaltechnik ist jedoch mitunter auch Schuld daran, dass man heute leicht in die Versuchung kommt, eher mit den Augen als mit den Ohren zu mischen. Bestes Beispiel ist das grafische Display einer DAW-Oberfläche oder eines Digitalpults. Die EQ-Einstellungen werden auf dem Display grafisch angezeigt und erleichtern die Arbeit des Engineers. Man sieht sofort, wie breit die Glocke eines parametrischen EQs ausfällt und was der Shelving-EQ macht, wenn man diesen um 15 dB absenkt. Leider lassen sich viele User gern vom visuellen Eindruck leiten und beachten nicht mehr, worauf es eigentlich ankommt: den Sound! Darüber hinaus ist nicht gesagt, dass die grafische Anzeige im Display exakt mit den tatsächlichen akustischen Auswirkungen übereinstimmt. Deshalb solltet ihr ab und zu den Blick vom Display nehmen und euch nur daran orientieren, was ihr hört - denn darauf kommt es an!

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