Bass
Workshop
7
30.03.2017

Die besten Bass Riffs in Noten und Tabs - Genesis: „Land Of Confusion“

Legendäre Bass Hit-Riffs zum Nachspielen

Die berühmtesten Bass Riffs in Noten und Tabs

1986 veröffentlichte die britische Supergroup Genesis um Frontmann Phil Collins ihr Album "Invisible Touch". Es repräsentiert deutlich die Übergangsphase aus ihrer Progrock-Zeit hin zur Popmusik. Einige Titel auf "Invisible Touch" sind noch längere Instrumentalstücke, andere wiederum vier- bis fünfminütige Poptracks, wie etwa die Hits "Invisible Touch", "Into Deep" und "Land Of Confusion". Gerade letzterer ist ein großartiges Beispiel, wie gut Musik sein kann, wenn sie auf intelligente Weise mit Herz, Verstand und Anspruch gemacht wird.

Bei diesem Song stimmt einfach alles: Die Lyrics spiegeln die Hochphase des Kalten Krieges wieder, in der US-Präsident Reagan und die Sowjetunion die Welt in Schockstarre aus Angst vor einem Atomkrieg hielten. Das legendäre Video zu "Land Of Confusion" zeigt die beiden Regierungschefs als lächerliche Knetpuppen, die fahrlässig mit dem Schicksal der Welt spielen.

Die 80's lassen grüßen!

Doch zurück zur Musik: Auch der Sound der Platte spiegelt die 80er-Jahre wieder, denn sowohl der Drum- wie auch der Basssound stammen aus dem Synthesizer bzw. Sequenzer, was damals groß in Mode war. Das soll uns aber nicht abschrecken, im Gegenteil! Es kann nämlich eine tolle Herausforderung und Übung sein, einmal die Präzision einer Maschine nachzuahmen. Gerade der Vers, in dem Bass und Drums alleine den Song dominieren, ist eine harte rhythmische Nuss, die es erst einmal zu knacken gilt.

Insgesamt ist die Bassline ein kleines Meisterwerk für sich - egal, ob mit E-Bass oder Synthie gespielt. Zum einen dominiert sie einen großen Teil des Songs, zum anderen glänzt sie durch wunderbare Kontraste, die für Dynamik und Spannung sorgen. Gehen wir ins Detail ...

Intro/Outro:

Im Großen und Ganzen besteht der Song aus drei Teilen: Nummer 1 ist ein simples Unisono-Riff, welches zusammen mit der Gitarre gespielt wird. Es dient als Intro und Outro, fungiert aber auch als Bindeglied zwischen Chorus und Vers. Und es demonstriert sehr schön, wie viel Power man allein mit dem Grundton und der Quinte erzeugen kann, wenn man diese richtig einsetzt. Hier das Riff in Noten und Tabs (das Playback zum Mitspielen findet ihr weiter unten im Text!):

Vers/Pre-Chorus:

Jetzt wird es sportlich! Im zweiten Teil, dem Vers/Pre-Chorus, wird der Song bis auf ein paar Hintergrundgeräusche auf Bass und Drums reduziert. Die Bassline ist extrem dicht, gespickt mit Sechzehntel-Synkopen - und das auch noch bei Tempo 115 bpm.

Der Bass kommt aus dem Sequenzer und ist daher natürlich perfekt auf den Punkt. Das macht es für uns nicht einfach, ist aber eine großartige Übung! Auch wenn man sich anfangs etwas durchbeißen muss: Es lohnt sich! Insgesamt erzeugt die Mixtur aus dichter Rhythmik, quantisiertem Bass, Sound und Tempo eine faszinierende Energie und peitscht den Song unerbittlich nach vorne.

Chorus:

Der Chorus nötigt mir noch heute einen Kniefall ab! Im Gegensatz zum hektischen und vollen Vers, der einem kaum Zeit zum Atmen lässt, folgt hier ein vergleichsweise einfacher und melodischer Refrain. Die Bassline ist auf einmal deutlich entspannter und luftiger. Zudem enthält sie zwei geniale Ideen: Zum einen wird die Zählzeit 1 freigelassen, was unüblich ist und den Kontrast zum Vers noch drastischer wirken lässt.

Zum anderen wäre da ein genialer harmonischer Schachzug: Die Bassline unter den halbtaktig wechselnden Akkorden basiert nämlich auf einem melodischen Motiv, das in Relation zum ersten Akkord aus dem Grundton und der Terz besteht, in Relation zum zweiten Akkord aus Quinte und Grundton. Der Witz ist also, dass die Terz des ersten Akkords und die Quinte des zweiten Akkords ein- und derselbe Ton sind! Somit startet das Motiv einmal auf dem Grundton und wechselt zur Terz, diese wird dann zur Quinte des zweiten Akkords und springt zurück zu dessen Grundton.

Im zweiten Takt des Patterns wird dieser Trick wiederholt. In der Notation habe ich die betreffenden Töne mit einem Dreieck als Notenkopf gekennzeichnet. Zugegeben, das schaut etwas doof aus, macht die Sache aber deutlich. Insgesamt ergibt das eine sehr melodische Bassline, die mit der weggelassenen 1 und dem harmonischen Trick, den zweiten Akkord auf der Quinte zu beginnen, wirklich genial ist.

Playback zum Mitjammen:

Im nachfolgenden Playback habe ich für euch den Ablauf von "Land Of Confusion" inklusive des ersten Refrains nachgebaut - sorry für so manchen "preiswerten" Sound. Den Synthesizer-Bass habe ich mit einem Preci gedoppelt, bei welchem ich ein Stück Schwamm in der Nähe der Brücke unter die Saiten gestopft habe. Das sorgt nämlich nicht nur für einen amtlichen Motown-Sound, sondern kann auch bei einem zu imitierenden Synthesizer-Sound eine große Hilfe sein.

Tuning:

Das Original ist übrigens im Vergleich zum PDF bzw. MP3 einen Halbton tiefer gestimmt. Ich habe die Notation für einen Viersaiter in der Standard-Stimmung angepasst. Das vereinfacht die Sache, Apps und Software zum eventuellen Pitchen von Songs gibt es ja wie Sand am Meer.

So viel erst einmal für heute - viel Spaß mit "Land Of Confusion"!

Veröffentlicht am 30.03.2017

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