Test
3
01.10.2009

Praxis

Der Sound überzeugt vom ersten Moment an. Das Skippen von Presets erübrigt sich hier natürlich, aber sobald man das anfänglich vielleicht etwas unkontrollierte Gefiepe (abhängig von den Reglerstellungen bei Auslieferung) unter Kontrolle gebracht hat, ist klar, dass es sich hier um einen schlichten, aber ehrlichen und kräftigen Analog-Synth handelt.

Die Tatsache, dass Klänge nicht abgespeichert werden, könnte für Synthesizer-Neulinge durchaus irritierend sein - andererseits unterstreicht das ja nur die puristische Ausrichtung dieses Gerätes. Doepfer liefert im Manual passende Kopiervorlagen zum Festhalten gelungener Sounds mit, und sollte gerade keine Digicam im Studio greifbar sein, ist inzwischen jedes Handy in der Lage, gelungene Settings zu dokumentieren. Erster Ansatzpunkt beim Entwickeln eigener Sounds sind für viele potentielle Anwender sicherlich Bässe und Acid-Sounds. Und in den tieferen Registern macht der Dark Energy auch sofort richtig Druck. Gefehlt hat mir nur eine Glide-/Portamento-Funktion, gerade wenn ich es mal so richtig zwitschern lassen wollte.



Auch Leads und Padsounds liefert der Dark Energy ganz ordentlich, wobei hier natürlich die fehlende Polyphonie sofort stark einschränkt. Aber selbst in der Anleitung weist der Hersteller darauf hin, dass man die flächigen Sounds ja auch wunderbar am Rechner schichten könne – durchaus ein weiterer Verweis auf das angepeilte Kundensegment.

Die Hüllkurve arbeitet schnell und macht so auch bei perkussiven Sounds viel Spaß. In Kombination mit FM-Modulation kommen hier schnell auch mal brachialere und experimentelle Drumsounds zustande. Die äußerst schnellen LFOs können zusätzlich eingesetzt werden, um schon fast digital klingende Sounds zu generieren.

Die fest verdrahteten Modulationswege machen Sinn und eröffnen dann doch ein größeres Klangspektrum als anfänglich angenommen. Packt man nun noch die Patchkabel aus, bekommt das Ganze schon fast ein wenig Modular-Flair. Schön ist natürlich ebenfalls, dass Doepfer nicht an einem Eingang für externe Signale gespart hat – schnell ist so auch mal ein File aus dem Rechner oder ein weiteres Instrument durch den (Tiefpass-)Wolf gedreht.

Die Haptik des Dark Energy ist ebenso ansprechend wie der Sound. Ich brauche persönlich – neben überzeugender Funktionalität und technischen „inneren“ Werten – zugegebenermaßen immer auch ein wenig optischen Anreiz. Oder sagen wir besser: Charakter. Und das bietet diese kleine Kiste ohne Frage. Dieser Synthesizer sieht toll aus und fühlt sich ebenso gut an. Der Platz zum Arbeiten reicht gerade so. Die Drehregler und Schalter haben aber einen wunderbaren Vintage-Touch und Metall und Holz tun ihr Übriges dazu, dass der Dark Energy massiv und sicher auf nahezu jeder Fläche platziert werden kann. Die Knöpfe sind gerade schwergängig genug, um sich vom Gros klappriger Plastikkisten abzugrenzen, lassen sich aber auch live und bei schnellen Sweeps wunderbar bedienen. Etwas unpraktisch fand ich anfangs, dass die Buchsen zum Patchen und vor allem auch der Audioausgang allesamt als 3,5mm-Klinken ausgeführt sind. Allerdings ist diese Einschränkung auch ein Zugeständnis an die kleinen Abmessungen. Der Signalfluss und die Modulationsmöglichkeiten sind schnell verinnerlicht und so kommt nach kurzer Eingewöhnung schnell Spaß beim Klängeschrauben auf. Presetknöpfe vermisst man kaum, alles fühlt sich einfach schön analog und bodenständig an, und sowohl im Live- wie im Studiokontext weiß die schlichte Synthesizerarchitektur zu gefallen.

 

Die werten Mitbewerber ...
Direkte Konkurrenz bekommt der Dark Energy auf den ersten Blick von einigen kleinen Analog-Synths im ähnlichen Preissegment. MFBs Kraftzwerg und Dave Smiths MoPho sind eindeutig als Alternativen anzuführen. Ersterer bietet mit seinen 3 VCOs, Ringmodulator und 2 Hüllkurven mehr Möglichkeiten, ist aber von der Hardware für den Live-Einsatz etwas zu filigran. Ganz im Gegensatz zum Dark Energy. Der MoPho ermöglicht mit 2 VCOs + 2 Suboszillatoren, Sequencer und Arpeggiator sehr komplexe Klangkreationen, Menüführung über Mini-Displays ist aber andererseits wiederum nicht jedermanns Ding. Genausowenig wie der hakelige Software Editor.

 

Der Dark Energy hingegen besticht durch sein sehr kompakte Design, durch seine "One Sound - One Purpose" Ausrichtung. Sein Aufbau ist überschaubar, ermöglicht aber dennoch vielseitige Klänge. Und ein Detail wie das USB-Interface, was ein für analoge Geräte ein eher untypisches Plug-and-Play Gefühl vermittelt, ist eine gelungene Verbindung von "realer und virtueller Welt". Aber natürlich haben alle drei Synthesizer vor allem klanglich ganz eigene Charakteristika. Somit ist eine Kaufentscheidung zuguterletzt doch vor allem geschmacksbedingt.

Pro & Contra

  • Kräftiger und eigenständiger Sound
  • Solide und ansprechende Verarbeitung
  • Erweiterbarkeit und flexibler Anwendungsbereich (z.B. mit CV)
  • Externer Audioeingang

  • Sämtliche Ein- und Ausgänge nur in Miniklinken-Ausführung
  • Fehlende Glide/Portamento-Funktion

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X