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Test
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09.07.2015

DPA d:facto II Interview Microphone Test

Handheld-Kondensatormikrofon mit Kugelcharakteristik

Die Superkugel

d:facto II Interview Microphone – das neueste Produkt von DPA ist bei uns im Test. Das dänische Unternehmen DPA, welches mit Brüel&Kjær-Kapseln hochwertigste Mikrofone für Studio und Bühne herstellt, hat ein neues Segment betreten: das Aufnehmen in Interview-Situationen. Ob EB-Team oder Radio, oft wird ein klassisches Handmikrofon verwendet. Aufbauend auf dem erwiesenermaßen hervorragenden d:facto-II-System, welches wir schon zum Review hatten, kommt das Interview Microphone mit ganz speziellen Eigenschaften, die ich für diesen Testbericht untersucht habe.  

Details

Modularsystem

Von weitem betrachtet unterscheidet sich das DPA-Interview-Mikrofon nicht von den anderen d:facto II. Wie auch, schließlich macht die Kapsel den Unterschied. Seit DPA vor wenigen Jahren seine „Jede Kapsel benötigt ihren speziell abgestimmten Verstärker“-Doktrin in die Ostsee geworfen hat, können die User freier kombinieren. Die Werkzeuge sind dadurch in den Bewertungen nicht schlechter geworden, wie man an unseren Tests der d:dicate 4011A (und ST4006A) erkennen kann. Auch unternehmensintern wird man sich letztlich über diesen Schritt zum Modularsystem gefreut haben. Zwar muss jetzt nicht mehr für jede neue Anforderung ein komplett neues Mikrofon gekauft werden (Ob das die User wohl taten?), aber dafür kann DPA schnell und flexibel mit Produkten reagieren. Die Nachfrage nach einem Handheld-Mikrofon für TV und Radio steigt. Mit einer Kugelkapsel im Bühnen-Gesangsmikrofon statt der sonst üblichen Niere, Super- oder Hyperniere ist der größte Teil der Arbeit schon erledigt.

Kugel. Warum in Gottes Namen eine Kugel?

Wer sich wundert, was eine Kugelcharakteristik bei einem Interviewmikrofon zu suchen hat, da diese schließlich die geringste Quellentrennung aufweist und Umgebungsgeräusche bei gleichem Besprechungsabstand lauter aufzeichnet als richtende Mikros, der hat zunächst natürlich ein eindeutiges Argument. Allerdings muss Atmo gar nicht mal „böse“ sein – und solange niemand versucht, den schwitzenden Stahlarbeiter im Werk, den betrunkenen Fußballfan in der Süd-, Ost- West- oder Was-auch-immer-Kurve oder den Fischhändler zwischen weiteren Fischhändlern zu interviewen, der wird auch keine größeren Probleme haben. Außerdem haben richtende Mikrofone eine deutlich stärkere Ausprägung eines Problems fast aller Mikrofone: Mit dem Einsprechwinkel verändert sich die Frequenzempfindlichkeit. Im TV kann man es oftmals beobachten: Werden stärker richtende Mikrofone wie ein Sennheiser MD 441 verwendet, reicht eine kleine Unachtsamkeit des Interviewers oder des Interviewten, und es wird leicht am Mikrofon vorbei oder in einem zu großen Winkel zur Hauptaufsprechrichtung gesprochen. Das Ergebnis ist meist ein zunehmend höhenarmer und löchriger Klang. Und genau dieses Shifting der Klangfarbe nervt und fällt sogar der Oma über ihr berühmtes Küchenradio auf. Oder, im Fall einer modernen Oma, beim Betrachten des Interviews mit dem Timbersports-Weltcupgewinner über ihren Streaming-Dienst. Oma ist schließlich nicht gleich Oma. 

Konstantes Polar-Pattern

Kugeln sind jedoch, auch bei der verbauten Elektret-Druckempfängerkapsel MMC2006, ebenfalls nicht frequenzkonstant, stehen jedoch diesbezüglich meist deutlich besser da. Der Blick in das Polardiagramm des DPA d:facto II Interview zeigt, dass selbst bei 8 kHz die Dämpfung bei 45° nur etwa 5 dB beträgt. Erst darüber ist sich die Kapsel zunehmend selbst im Weg und schattet die Höhen ab. Aber selbst bei 20 kHz liegt die 5dB-Dämpfung erst bei über 20°. Ebenfalls eine wichtige Aussage: Die Welligkeit bei nicht frontal eintreffendem Schall ist laut Richtdiagramm ausreichend gering, sodass auch wichtige Umgebungsgeräusche verfärbungsfrei aufgenommen werden können. Betrachtet man den axialen Frequenzgang, fällt eine schmale Überhöhung von drei Dezibel bei etwa 14 kHz auf. Zumindest dem Papier nach zu urteilen ist das d:facto dadurch sehr „spritzig“ und „offen“.

Dauerfilter

Wenn man irgendwelche Weltraummonster zu interviewen pflegt, die eine Stimmlage im Subkontraoktavbereich haben, sollte man sich ein anderes Mikrofon suchen (und möglichst einen anderen Job, denn das klingt gefährlich…): Das DPA d:facto II Interview Microphone – immerhin ein Druckempfänger mit dadurch möglichem Frequenzgang bis hinunter zu 0 Hz!) arbeitet mit einer fixen Hochpassfilterung von 18 dB/oct bei einer Grenzfrequenz von 80 Hz. Der beim Interview in der Innenstadt vorbeiwalzende LKW kann so zumindest nicht den Bassbereich vollmüllen und mit seinem Pegelausschlag das gesamte Signal zerstören, da die Vorstufe zerrt. Gut auch, dass hier nicht geschaltet werden kann: Eine Fehlerquelle weniger! Die weiteren technischen Angaben des phantomgespeisten Interview-Mikros beinhalten keine Besonderheiten. 1% THD+N sind bei 130 dB(SPL) erreicht, das Eigenrauschen liegt bei 16 dB(A). Damit ist das Mikrofon für seinen Einsatzzweck optimal aufgestellt. Mit 10 mV/Pa liegt die Empfindlichkeit zudem nicht so hoch, dass man an manchen Field-Recordern oder Kameras im unteren, schlecht aufgelösten Gainbereich arbeiten müsste.

Der Korb des Mikrofons ist mit Schaumstoff ausgekleidet, für den Fall etwas stärkerer Lusftbewegungen liegt dem DPA aber noch ein zusätzlicher Windschutz bei.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr natürlicher, offener Klang
  • Polardiagramm recht frequenzkonstant
  • unempfindlich gegen Wind und Handlinggeräusche
  • modular

  • Preis

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