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08.08.2016

Solos spielen mit Arpeggios #4 - Die Eroberung des Griffbretts

Gitarrenworkshop - Arpeggios im Solo-Spiel

Improvisation mit Dreiklängen

Geschätzte Verehrer des gepflegten Dreiklangs! In der letzten Folge haben wir uns mit Minipositions der Triads und der Sweeppicking-Technik befasst, die uns für das Spielen von Arpeggios eine große Hilfe sein können. Wenn ihr all das verinnerlicht habt, seid ihr bestens für die heutige Folge gerüstet. Diesmal soll es um Dreiklangarps über alle Saiten, ja sogar über das ganze Griffbrett gehen.

Dazu werde ich euch einige neue Fingersätze und ein paar kleine Tricks zeigen, mit deren Hilfe wir uns zusammen mit unseren Dreiklänge zu ungeahnten harmonischen Welten emporschwingen können. Ausgehend von den drei Positionen Grundstellung, 1. Umkehrung und 2. Umkehrung haben wir in der letzten Folge drei Minipositions erarbeitet, die wir jetzt zu "Maxipositions" ausdehnen, indem wir versuchen, auch die tieferen Saiten in diese Arpeggios einzuflechten.

Beginnen wir mit einem Arpeggiofingersatz, den ich der Einfachheit halber E-Typ nennen will. E-Typ deshalb, weil darin das E-Dur Akkordschema verborgen liegt und wir ja auch bei Barré-Akkorden vom "E-Typ" reden (der bekannteste Vertreter ist z.B. der F-Dur Barré im I. Bund). Ganz abgesehen davon befindet sich auch sein Grundton auf der E- Saite.

So gestaltet sich der Fingersatz in C-Dur:

Und so in Moll:

Wie ihr seht, habe ich euch im Notentext einen Vorschlag zur Anschlagsrichtung eures Plektrums gegeben, falls ihr das Arpeggio sweepen wollt. Alternativ dazu können wir die Terz statt auf der E- auch auf der A-Saite greifen. Das führt uns zu folgenden Fingersätzen:

Und so in Moll:

Der nächste logische Schritt ist natürlich das A-Schema. Hier befindet sich der A-Typ (wie auch z.B. der Bb-Dur Barré-Akkord im I. Bund) im Arpeggiofingersatz. Die folgenden Beispiele sind in F:

Bei diesem Fingersatz ist Vorsicht geboten, denn wie ihr seht, liegen drei Töne im gleichen Bund auf drei benachbarten Saiten (Quinte, Grundton und Terz auf D-, G-, und B-Saite). Das heißt, dass ihr entsprechend trainieren müsst, den Mittelfinger schön über diese drei Saiten abrollen zu lassen, um die Noten separat erklingen zu lassen.

In Moll stellt sich das Problem nicht so stark:

Einen letzten Akkordtyp hätte ich auch noch anzubieten, nämlich das C-Schema. Auch hier erkennen wir unschwer unseren C-Dur Lagerfeuerakkord im Arpeggiofingersatz wieder - der Grundton liegt allerdings auf der A-Saite, wird aber mit dem kleinen Finger gegriffen. Das Ganze hier in A:

In Moll sieht es folgendermaßen aus:

Nun verfügen wir bereits über eine gesunde Anzahl an Fingersätzen, die wir dank Sweeppicking-gerechter Ausführung auch sehr komfortabel spielen können. Dennoch bietet es sich auch hier an, diese mit einigen kleinen Etüden zu festigen und besser unter Kontrolle zu bringen. Ähnlich wie in unserer dritten Folge gilt die Devise: Klingt eine Akkordfolge in der Begleitung gut, so tut sie das auch arpeggiert. Deshalb könnten wir in der Tonart C-Dur z.B. folgende Progression als Basis für eine Arpeggioübung missbrauchen:

II: C I Am I F I G I Em I F I G I G :II

So klingt es ausgearbeitet:

Da die Noten zu lang sind, um sie in einem Bild darzustellen, haben wir sie als PDF zum Download bereitgestellt. Klickt einfach auf die Clipart unten und schon läuft die Sache!

Im Hörbeispiel spiele ich den ersten Durchgang noch mit, danach könnt ihr euch austoben. Auch an dieser Stelle möchte ich jeden herzlich einladen, selbst Akkordprogressionen zu komponieren, die ihr arpeggiomäßig ausspielt und als Etüde in eure tägliche Übe-Routine aufnehmt. So erhält das Erlernen von Fingersätzen und Techniken auch einen kreativen Aspekt, und genau darum soll es gehen, nämliche den kreativen Umgang mit melodischen "Tools".

So weit, so gut, allerdings bewegten sich die abgebildeten Arpeggiofingersätze bis dato mehr oder weniger vertikal innerhalb einer Lage. Doch auch hier haben wir die Möglichkeit, interessante Varianten diagonal und horizontal über unser Griffbrett zu bewegen. Das kann zum einen dadurch geschehen, dass wir zwei verschiedene Fingersätze miteinander verknüpfen oder aber unsere Arpeggiotöne so anordnen, dass wir die Lagen wechseln und dadurch einen diagonalen Verlauf erhalten.

Das könnte z.B. in Dur (hier am Beispiel C) so aussehen:

Und so in Moll:

Alternativ dazu lässt sich aber auch der gleiche Fingersatz beibehalten und beginnend auf der E-, D- und B-Saite symmetrisch über das Griffbrett bewegen. Die Entscheidung, ob wir auf der E-Saite den Grundton und die Terz und dann auf der A- Saite die Quinte des Dreiklangs spielen, oder aber nur den Grundton auf der E-Saite greifen und die Terz und Quinte auf der A-Saite, bleibt dabei frei. Im Notenbild habe ich euch beide Varianten am Beispiel G aufgezeichnet.

Hier in Dur:

Und in Moll:

Schauen wir uns auch ein paar Beispiele an, bei denen wir zwei bekannte Fingersätze miteinander verknüpfen, z.B. durch einen Slide. Wir könnten beispielsweise ein Fingershape aufsteigend verwenden, dann durch ein Slide in die nächsthöhere Position rutschen und das nächste Shape fallend spielen. Durch den Slide auf der hohen E-Saite verleihen wir diesen Fingersätzen einen etwas furioseren Sound.

Hier ein Beispiel in C-Dur:

Und in C-Moll:

Wenn ihr nun das Prinzip der Kombination zweier oder mehrerer Fingersätze verinnerlicht habt, lässt sich diese Idee noch einen ganzen Schritt weiter ausbauen:

Im Prinzip haben wir zwei verschiedene Fingersätze ein und desselben Arpeggios miteinander verknüpft. Aber was passiert, wenn wir dazu zwei vollkommen unterschiedliche Arpeggios verwenden?

Dazu werfen wir zuerst einen Blick auf einen beliebigen Vierklang wie beispielsweise C maj7. Dessen einzelne akkordeigene Töne sind bekanntlich C, E,G und B. Unterziehen wir diese jetzt einer genaueren Analyse, dann erkennen wir, dass sich im Cmaj7 Arpeggio ein - logisch - C-Dur Arpeggio befindet, allerdings bilden die Töne E, G und B einen weiteren Dreiklang, nämlich Em. Das heißt nun für uns im Klartext, dass wir theoretisch und auch praktisch jeden Vierklang arpeggiomäßig ausspielen können, obwohl wir die Vierklang-Arpeggios unter Umständen noch gar nicht beherrschen. Dass sich jeder terzengeschichtete Vierklang mit zwei Dreiklangsarps darstellen lässt ist eine ziemlich feine Sache und kann uns das Leben ganz schön vereinfachen. Betrachten wir nun ein paar geläufige Vierklangtypen:

Akkord Arpeggio 1 Arpeggio 2 Formula
C Maj7 C Em Mollarpeggio auf der großen Terz
C7 C Edim Vermindertes Arpeggio auf der großen Terz
Cm7 Cm Eb Durarpeggio auf der kleinen Terz
Cm7/b5 Cdim Ebm Mollarpeggio auf der kleinen Terz

Wer all diese Möglichkeiten voll auszukosten will, kann auf unzählige Kombinationsvarianten zurückgreifen, die ihr natürlich nicht alle beherrschen und lernen müsst. Dennoch rate ich euch, einfach mal herumzuexperimentieren, wie ihr euren Dreiklang am besten spielt, an welcher "Kreuzung" ihr zu einem anderen Arpeggio abbiegt, usw. Die Fülle der Variationen ist uferlos, dennoch möchte ich euch ein paar Bespiele geben, die ihr als Übung oder Licks in euer Repertoire aufnehmen könnt:

1. Cmaj7

2. C7

3. Cm7

4. Cm7/b5

So, das wär's für heute. In der nächsten Folge wollen wir uns mit weiteren Kombinationen der Triad-Arpeggios beschäftigen und eruieren, welche Akkorde mit welchen Dreiklängen repräsentierbar sind.

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute und viel Erfolg mit den Übungen und den neuen Möglichkeiten!

So long, Haiko

Veröffentlicht am 08.08.2016

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